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Mahdi

Dieser Artikel beschreibt die Person des Islam; für Namensträger siehe Mahdi (Begriffsklärung). Der Mahdi (von arabisch المهدي , DMG al …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Entstehung
  2. 2. Grundzüge der Mahdi-Lehre
  3. 3. Sunnitische, schiitische und mystische Deutungen
  4. 4. Historische Mahdi-Bewegungen bis zum 19. Jahrhundert
  5. 5. Mahdistische Bewegungen im 20. Jahrhundert
  6. 6. Ähnliche Erlöservorstellungen

Begriff und Entstehung

Der Mahdi ist nach traditioneller islamischer Glaubensauffassung ein Nachkomme des Propheten Mohammed. In der Endzeit soll er erscheinen, das Unrecht beseitigen und die Welt mit Gerechtigkeit erfüllen. Der Glaube an ihn ist ein zentraler Bestandteil der schiitischen Lehre und zugleich in den endzeitlichen Erwartungen vieler Sunniten verbreitet. Die Vorstellungen werden vor allem durch Hadithe, also überlieferte Aussagen und Handlungen Mohammeds, begründet. „Mahdi“ bedeutet „der Rechtgeleitete“ und geht auf die arabische Wortwurzel h-d-y für göttliche Rechtleitung zurück; der Begriff selbst kommt im Koran nicht vor.

In der Frühzeit des Islam wurde „Mahdi“ zunächst als religiös-politischer Ehrentitel verwendet, unter anderem für Mohammed und al-Husain ibn ʿAlī. Während des zweiten Bürgerkriegs nach dem Tod des umayyadischen Kalifen Muʿāwiya I. erhielt der Begriff zusätzlich eine messianische Bedeutung. Im Jahr 685 erklärte al-Muchtār ibn Abī ʿUbaid den Aliden Muhammad ibn al-Hanafīya zum Mahdi und führte in seinem Namen einen Aufstand gegen den umayyadischen Kalifen ʿAbdallāh ibn az-Zubair.

Nach Muhammad ibn al-Hanafīyas Tod im Jahr 700 glaubten Anhänger, er sei nicht gestorben, sondern verborgen und werde zurückkehren, um die Erde in Besitz zu nehmen. Diese Bewegung wurde nach ihrem Anführer als Kaisānīya bezeichnet. Einige ihrer Gruppen erwarteten weiterhin Muhammad ibn al-Hanafīya, andere übertrugen die Mahdi-Erwartung auf weitere Nachkommen Abū Tālibs. Das Modell eines verborgenen Mahdi, seiner Abwesenheit und seiner späteren Rückkehr wurde zu Beginn des 8. Jahrhunderts von anderen schiitischen Gruppen übernommen und gelangte schließlich auch in die sunnitische Volksfrömmigkeit.

Grundzüge der Mahdi-Lehre

Nach einer von Ibn Chaldūn überlieferten allgemeinen Vorstellung wird am Ende der Zeiten ein Mann aus den Ahl al-bait, der Familie des Propheten, hervortreten. Er soll die Religion stärken, der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen und die islamischen Länder beherrschen. Danach erscheinen der Daddschāl, eine endzeitliche Gegengestalt, und weitere Ereignisse vor der Auferstehung. Jesus soll vom Himmel herabsteigen und den Daddschāl töten; nach einer Variante unterstützt ihn der Mahdi dabei, während Jesus hinter dem Mahdi betet.

Die wichtigsten Grundlagen dieser Lehre sind Hadithe. In einer Überlieferung von Abū Dāwūd wird der Mahdi als Mohammeds Nachkomme mit kahler Stirn und Adlernase beschrieben. Er soll die Welt sieben Jahre lang mit Gerechtigkeit und Recht erfüllen, nachdem sie von Ungerechtigkeit und Unrecht erfüllt war. Eine andere, von Ibn Mādscha überlieferte Version nennt eine Herrschaft von sieben oder neun Jahren. In dieser Zeit soll die islamische Gemeinschaft außergewöhnlichen Wohlstand erleben: Die Erde bringt ihre Nahrung hervor, hält nichts zurück, und Geld ist in großer Menge vorhanden.

Verbreitet ist die Vorstellung, der Mahdi stamme von Fatima und Ali ibn Abi Talib ab, also aus der hasanidischen oder husainidischen Linie. Ibn Chaldūn schränkte dies ein: Der Mahdi müsse aus den hasanidischen oder husainidischen Beduinen hervorgehen, die Mekka, Medina und den Hedschas beherrschten. Nur sie hätten nach seiner Auffassung genügend ʿAsabīya, also Zusammenhalt und Kampfgeist, um sich militärisch durchzusetzen.

Sunnitische, schiitische und mystische Deutungen

Im sunnitischen Islam gibt es keine einheitliche, kanonisch festgelegte Mahdi-Lehre. Einige Gelehrte, darunter Ibn Chaldūn, hielten die entsprechenden Hadithe für unauthentisch und lehnten den Glauben an einen endzeitlichen Mahdi ab. Andere, etwa Ibn Kathir, entwickelten ausführliche Endzeit-Szenarien, in denen der Mahdi gemeinsam mit Jesus gegen den Daddschāl kämpft. Eine weitere Auffassung versteht „Mahdi“ nicht als eigenständige Person, sondern als Titel für Jesus bei seiner Rückkehr. Alle sunnitischen Varianten lehnen jedoch die schiitische Vorstellung ab, dass der Mahdi bereits geboren wurde und verborgen weiterlebt. Die Mahdi-Vorstellung ist außerdem Bestandteil des sunnitischen Volksglaubens.

Für die Zwölfer-Schiiten, die größte schiitische Gruppe, ist der Verborgene Imam der Mahdi. Sie verstehen ihn als Muhammad al-Mahdī, den zwölften Imam und lebenden geistlichen Führer. Die elf vorherigen Imame sollen nach mündlichen Überlieferungen von den Herrschern ihrer Zeit aus politischen Gründen getötet worden sein. Der zwölfte Imam entzog sich diesem Schicksal, indem er als Kind floh und verborgen blieb. Zunächst hielt er etwa 70 Jahre lang über vier Generationen von Botschaftern schriftlich Kontakt zur Gemeinde. Diese Zeit heißt „kleine Abwesenheit“ (al-ġaiba aṣ-ṣuġrā). Seit 941, dem Beginn der „großen Abwesenheit“ (al-ġaiba al-kubrā), besteht dieser Kontakt nicht mehr. Die große Abwesenheit soll andauern, bis Gott seine Wiederkehr befiehlt.

Die Verfassung des schiitischen Iran von 1979 bezeichnet den zwölften Imam als eigentliches Staatsoberhaupt. Der Klerus regiert demnach nur stellvertretend bis zu seiner Rückkehr; dieses Prinzip heißt Wilāyat al-faqīh, „Statthalterschaft des Rechtsgelehrten“.

Die Ahmadiyya setzt den Mahdi mit Jesus gleich. Anders als viele andere islamische Gruppen erwartet sie keinen politisch oder kriegerisch handelnden Mahdi, sondern einen religiösen, geistigen und intellektuellen Dschihad. In mystischen Auslegungen kann der Mahdi außerdem für die eigene Rechtleitung stehen: Der „innere Daddschāl“ wird besiegt, indem der Mensch sich nicht nur als Körper, sondern als Bewusstsein in einem Körper versteht. Damit verbindet sich die Aufhebung der Illusion eines eigenständigen Ichs, die zur Fana führen soll.

Historische Mahdi-Bewegungen bis zum 19. Jahrhundert

Seit der Entstehung des Mahdi-Konzepts traten wiederholt Personen auf, die sich selbst als Mahdi bezeichneten oder von Anhängern dafür gehalten wurden. Einige gründeten eigene Staaten oder Dynastien.

Abdallah al-Mahdi, der in Nordafrika geboren wurde, war von 909 bis 934 der erste Kalif der ismailitischen Fatimiden-Dynastie. Im Jahr 912 trat al-Mawati mit Unterstützung rebellierender Kutama als „Gegen-Mahdi“ auf. Seine Truppen eroberten von Ikdschan aus Mila und Constantine, wurden jedoch von einem fatimidischen Heer besiegt. Al-Mawati wurde gefangen genommen, in Kairuan öffentlich vorgeführt und in Raqqada hingerichtet. Der Mahdi Ibn Tumart (1077–1130) begründete im heutigen Marokko die Almohaden-Dynastie.

Im 19. Jahrhundert verglich sich Usman dan Fodio, der Begründer des Kalifats von Sokoto, in einem Gedicht mit dem Mahdi, erklärte sich aber nur zum Vorboten. In Algerien führte Muhammad ben Abd Allah al-Baghdadi, der sich ausdrücklich als Mahdi bezeichnete, in den 1830er Jahren aus Protest gegen Steuerzahlungen einen Aufstand gegen Emir Abd el-Kader.

Der Bab, mit bürgerlichem Namen Sayyid Ali Muhammad, deutete die schiitische Erwartung des zwölften Imams als das Kommen eines rein geistigen Erneuerers ohne weltlichen Machtanspruch. Ab 1844 beanspruchte er selbst diese Rolle und begann eine neue Zeitrechnung. Er kündigte außerdem einen „noch größeren“ Gottesgesandten an. Die meisten seiner Anhänger sahen diese Ankündigung in Baha’u’llah erfüllt und wurden ab 1863 Bahai.

Der sudanesische Muhammad Ahmad erklärte sich ebenfalls zum Mahdi. Er führte ab 1881 einen Aufstand gegen die ägyptische Besetzung des Sudan. Seine Bewegung gründete von 1881 bis 1898 einen eigenen Staat und eroberte am 26. Januar 1885 Khartum; dabei starb der britische Generalgouverneur Charles George Gordon. Muhammad Ahmad starb wenige Monate später. Sein Nachfolger Abdallahi ibn Muhammad, der den Titel Kalif trug, erweiterte die Herrschaft über große Teile des Sudan. Ein britisch-ägyptisches Expeditionskorps unter Horatio Herbert Kitchener besiegte die Sudanesen am 2. September 1898 in der Schlacht von Omdurman.

In Britisch-Indien bezeichnete sich Mirza Ghulam Ahmad 1890 als prophezeiten Mahdi und Messias. Er erklärte den religiös motivierten Dschihad für abgeschafft und begründete damit die pazifistische Haltung der Ahmadiyya. Er beanspruchte zugleich, Messias und Mahdi des Islams, des Christentums, des Judentums und anderer Weltreligionen zu sein. Viele sunnitische Gelehrte erklärten ihn deshalb zum Apostaten.

Mahdistische Bewegungen im 20. Jahrhundert

Im frühen 20. Jahrhundert waren mahdistische Erwartungen besonders in der britischen Kolonie Nigeria verbreitet. In Dumbulwa bei Fika entstand um 1919 unter Scheich Sa'id ibn Hayatu aus dem Toronkawa-Clan der Fulani eine mahdistisch orientierte Gemeinschaft. Sie wuchs innerhalb von vier Jahren auf 3.000 Mitglieder an. 1923 verhafteten die Briten Sa'id ibn Hayatu und deportierten ihn nach Kamerun.

Ein weiteres Zentrum war Kano. Dort verfasste ein Hausa-Händler 1941 ein Werk über die „Zeichen des Mahdī“ (Dalāʾil al-Mahdī). Er deutete unter anderem das Vordringen der Europäer nach Hausaland und den Machtverlust der Emire als Zeichen für das unmittelbar bevorstehende Erscheinen des Mahdi.

Im Dezember 1941 erklärte sich der Tidschaniyya-Anhänger Muhammad Jumat Imam (1896–1960) bei den Ijebu zum Mahdi und Messias. Er rief zur Einheit von Muslimen und Christen auf und eröffnete 1944 in Ijebu-Ode ein Gebäude, das zugleich Moschee und christlicher Tempel sein sollte. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1959 hatte seine Gemeinschaft 20.000 Anhänger.

Auch die gewaltsame Besetzung der Großen Moschee in Mekka im November 1979 stand mit einer Mahdi-Erwartung in Verbindung. Die wahhabitischen Extremisten, die den Anschlag durchführten, sahen in ihrem Anführer Muhammad ibn Abdullah al-Qahtani den Mahdi.

Ähnliche Erlöservorstellungen

Endzeitliche Erlöser- und Heilsbringer Vorstellungen gibt es auch in anderen Religionen. In den indischen Religionen kehren solche Gestalten periodisch wieder. Vishnu erschien demnach in neun Avataras, um die aus der Ordnung geratene Welt zu retten. In seiner zehnten Erscheinungsform als Kalki soll er am Ende des gegenwärtigen Weltzeitalters wiederkehren.

Im Buddhismus entspricht Kalki der zukünftige Buddha Maitreya. In den prophetischen Religionen erscheint der Erlöser einmal oder kehrt am Ende der Zeit wieder: Dazu gehören der Messias der hebräischen Bibel und Christus, der als Weltrichter erscheinen soll. Im Zoroastrismus soll Saoschjant die Erneuerung der Welt, die Fraschokereti, bewirken und das Böse besiegen. Er soll aus dem Samen Zarathustras geboren werden, der demnach nicht vollständig verschwunden ist.

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