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Geschichte der Ökumene
Geschichte der Ökumene beschreibt den Teil der Kirchengeschichte, der Spaltung und Einheit der Christen betrifft. ... Christentum, dem Glauben und der Religion.
Inhalt6 Abschnitte
Grundidee und frühe Formen
Die Geschichte der Ökumene ist der Teil der Kirchengeschichte, der Spaltung und Einheit der Christen betrifft. Ökumene meint dabei je nach Epoche und Konfession Unterschiedliches: In der Alten Kirche wurden „ökumenisch“ und „katholisch“ weitgehend gleichbedeutend für die weltweite, rechtgläubige Kirche verwendet. Gesamtkirchliche Fragen regelten sieben Ökumenische Konzile von 325 bis 787, die vom Kaiser einberufen wurden. Später entstanden verschiedene Deutungen: orthodox bezogen auf das Patriarchat von Konstantinopel, katholisch auf die Jurisdiktion der römisch-katholischen Kirche, reformatorisch auf die Wurzeln im ersten Konzil von Nicäa.
Schon im 16. Jahrhundert gab es ökumenische Kontakte. 1558 wollte Patriarch Joasaph II. sich über den Glauben der Reformatoren informieren; unter Mitarbeit Philipp Melanchthons entstand eine griechische Übersetzung des Augsburger Bekenntnisses, die Konstantinopel aber nicht erreichte. Ab 1573 folgte ein Briefwechsel zwischen den lutherischen Theologen Jakob Andreae und Martin Crusius und Patriarch Jeremias Tranos. Beide Seiten suchten freundlich nach Gemeinsamkeiten, etwa bei der Autorität der Bibel, der Dreieinigkeit, den zwei Naturen Christi und der Ablehnung von Ablass, Fegefeuer und verpflichtendem Zölibat. Keine Einigung gab es unter anderem über kirchliche Tradition, Filioque, freien Willen, Prädestination, Sakramente, Taufritus, Eucharistie, Unfehlbarkeit der Kirche und Heiligenverehrung. Johannes Calvin bemühte sich ebenfalls um kirchliche Einheit, nach dem Konzil von Trient vor allem zwischen reformierten und lutherischen Kirchen.
Aufbruch im 19. Jahrhundert
Im 19. Jahrhundert wuchs besonders im Protestantismus das Streben nach einer Frömmigkeit, die stärker auf den Kern des Glaubens ausgerichtet war. Pietismus und Erweckungsbewegungen sprengten konfessionelle und nationale Grenzen, zunächst vor allem in privaten Gruppen, Vereinen und Studenten-Bibelkreisen. Aus solchen ökumenisch-pietistischen Kreisen entstanden ab 1838 erste Wingolfsverbindungen und 1844 der Wingolfsbund, der als älteste noch bestehende ökumenische Institution genannt wird.
1874 und 1875 lud die Alt-Katholische Kirche in Deutschland anglikanische, orthodoxe und evangelische Theologen zu Unionskonferenzen nach Bonn ein. Grundlage war der Glaube, die Verfassung und der Kultus der alten, ungeteilten Kirche. Die Beratungen erreichten weitgehende Übereinstimmung, blieben zunächst aber ohne Folgen für das kirchliche Leben. Später führten getrennte alt-katholische Verhandlungen mit den Anglikanern 1931 zum „Bonn Agreement“ über Interkommunion, das Anfang der 1950er Jahre zur vollen Kirchengemeinschaft erweitert wurde.
Auch Mission, Bibelgesellschaften und Missionsgesellschaften förderten ökumenische Kontakte. Im CVJM entstand der Begriff einer „ökumenischen Gesinnung“. Die „Pariser Basis“ von 1855 legte dafür eine wichtige Grundlage, weil sie für die Mitgliedschaft den persönlichen Glauben verlangte und nicht nach Konfession fragte. Ein Höhepunkt war die Ökumenische Missionskonferenz 1900 in New York.
Institutionen vor und nach dem Zweiten Weltkrieg
Um 1900 verloren die Kirchen spürbar an politischer und gesellschaftlicher Macht. Industrialisierung, neue soziale Konflikte und ein stärkeres Selbstbewusstsein des modernen Menschen führten zu Erneuerungsdruck. Im Protestantismus entstanden freie Vereinigungen, konfessionelle Weltbünde und Jugendbünde, denen es weniger um sofortige Wiedervereinigung der Kirchen ging als um die Bruderschaft gläubiger Christen über Kirchen- und Ländergrenzen hinweg.
Die Weltmissionskonferenz 1910 in Edinburgh verstand sich bereits als ökumenisch, auch wenn sie den Begriff nicht ausdrücklich verwendete. 1921 entstand der Internationale Missionsrat, der 1961 mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen verbunden wurde. Weitere wichtige Linien waren die Bewegung für praktisches Christentum mit der Weltkonferenz 1925 in Stockholm und die Bewegung für Glauben und Kirchenverfassung mit der Weltkonferenz 1927 in Lausanne. 1937 beschlossen beide Bewegungen ihre Vereinigung; 1938 wurde in Utrecht eine provisorische Struktur zur Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen geschaffen. Wegen des Zweiten Weltkriegs konnte die erste Vollversammlung erst 1948 stattfinden.
Die römisch-katholische Kirche stand der protestantisch geprägten Ökumene zunächst ablehnend gegenüber. Ein Dekret des Heiligen Offiziums vom 8. Juli 1927 verbot Katholiken die Teilnahme an der Lausanner Konferenz; die Enzyklika „Mortalium animos“ von 1928 lehnte solche ökumenischen Versuche kompromisslos ab. Gleichzeitig entstanden in den 1930er Jahren erste Ansätze eines katholischen Ökumenismus. Der Zweite Weltkrieg vertiefte in vielen Ländern das Bewusstsein eines gemeinsamen christlichen Erbes: Katholiken und Protestanten litten gemeinsam, auch in Gefängnissen, Konzentrationslagern und im Widerstand.
Ökumenischer Rat und weltweite Öffnung
Der Ökumenische Rat der Kirchen, kurz ÖRK, wurde auf der Gründungsversammlung vom 22. August bis 4. September 1948 in Amsterdam gebildet. Delegierte von etwa 150 Kirchen bestätigten ihm die Aufgabe, gegenseitige Beratung und gemeinsames Handeln in Fragen gemeinsamer Interessen zu ermöglichen. Römisch-katholische Teilnehmer erhielten keine offizielle Erlaubnis des Heiligen Stuhls; anwesend waren nur katholische Journalisten.
Die Vollversammlung war von theologischen und politischen Spannungen geprägt. Karl Barth hielt eine wichtige Ansprache. In politischen Fragen setzte sich die Auffassung durch, dass die Kirchen kein Gesellschaftssystem bevorzugen sollten, weil weder Kapitalismus noch Kommunismus christliche Authentizität beanspruchen könnten. Generalsekretär wurde W. A. Visser ’t Hooft, der für viele als eigentlicher Vorsitzender des ÖRK galt.
Die zweite Vollversammlung fand vom 15. bis 31. August 1954 in Evanston in den USA mit 1300 Teilnehmern statt. Ihr Motto lautete „Christus, die Hoffnung der Welt“. Die dritte Vollversammlung folgte vom 18. November bis 6. Dezember 1961 in Neu-Delhi. Dort waren fünf offizielle römisch-katholische Beobachter anwesend. Wichtig waren die Integration des Internationalen Missionsrats, der Beitritt zwölf autonom gewordener afrikanischer Kirchen sowie orthodoxer Kirchen aus Russland, Rumänien, Bulgarien und Polen. Seit Neu-Delhi repräsentierte der ÖRK 198 Kirchen mit ungefähr 400 Millionen Christen und wurde konfessionell, geographisch und kulturell vielfältiger.
Zweites Vatikanisches Konzil
Das Zweite Vatikanische Konzil wurde zu einem Wendepunkt der katholischen Haltung zur Ökumene. Johannes XXIII. kündigte es am 25. Januar 1959 an. Er hoffte, dass eine Erneuerung des Katholizismus auf Grundlage des Evangeliums die Annäherung an getrennte Christen erleichtern würde. Im Juni 1960 wurde unter Kardinal Bea das Sekretariat für die Einheit der Christen gegründet. Es prägte den ökumenischen Geist des Konzils stark. 168 Beobachter und Gäste des Sekretariats nahmen am Konzil teil.
Das Konzil wurde am 11. Oktober 1962 im Petersdom eröffnet und am 8. Dezember 1965 beendet. An der Eröffnung nahmen 2381 Konzilsväter teil, bei der letzten Sitzung waren 2390 Stimmberechtigte gezählt; durchschnittlich waren 2050 bis 2200 Teilnehmer anwesend. Zum ersten Mal war nach Darstellung des Artikels die ganze Welt in dieser Breite vertreten. Eine reformorientierte Mehrheit stand einer konservativen Minderheit gegenüber, wobei die Mehrheit am Ende etwa 80 Prozent der Vollversammlung ausmachte.
Besonders wichtig für die Ökumene war das Dekret „Unitatis redintegratio“. Es regelte die Beziehungen zu anderen christlichen Kirchen und wurde mit 2129 Ja-Stimmen gegen 64 Stimmen angenommen. Es bedeutete den Übergang von einer unionistischen Haltung, die Nichtkatholiken vor allem zur Rückkehr in die katholische Kirche aufforderte, zu einem Kirchenverständnis, das gemeinsame Suche nach Einheit durch Dialog ermöglichte. Weitere wichtige Texte waren die Erklärung zur Religionsfreiheit, die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute, „Nostra aetate“ über nichtchristliche Religionen und das Missionsdekret „Ad gentes“. Rückblickend wird das Konzil als Übergangskonzil beschrieben: Es erfüllte nicht alle Hoffnungen, leitete aber eine entscheidende Wende ein und verringerte institutionelle Blockaden gegenüber ökumenischem und interreligiösem Dialog.
Laien, Jugend und Praxis in Deutschland
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Ökumene nicht nur von Kirchenleitungen, sondern stark von Laien und Jugendbewegungen getragen. Internationale christliche Laienbewegungen wie Studenten-Weltbund, CVJM und CVWJ waren ursprünglich Jugendbewegungen, entwickelten sich aber zu weltweiten Laienbewegungen. Sie verstanden sich als Teil einer breiteren kirchlichen Bewegung zur Überwindung der Spaltung der Kirche Christi. Nach 1945 entstanden zugleich neue christliche Jugendbewegungen, die stärkere Friedensarbeit, gesellschaftliche Verantwortung und Öffnung zur modernen Welt forderten.
In Deutschland gewann die Ökumene nach 1945 besondere Bedeutung. Die Erfahrungen des Nationalsozialismus führten zu kritischen Fragen nach der Rolle der Kirchen, nach mangelndem Widerstand und nach der Spaltung der Konfessionen als möglicher Ursache kirchlichen Versagens. Vor allem konfessionelle Jugendorganisationen entwickelten Initiativen zur Gemeinsamkeit. Erst in der Nachkriegszeit könne man, so der Artikel, von einer ökumenischen Bewegung im umfassenden Sinn sprechen.
Ab Ende der 1950er Jahre entstanden freie „Ökumenische Kreise“, die unabhängig von kirchlichen Institutionen die konfessionelle Spaltung überwinden wollten. 1957 bildete sich der „Augsburger Kreis für christliche Verständigung“. 1969 wurde die Arbeitsgemeinschaft Ökumenischer Kreise, AÖK, gegründet, um die vielen Gruppen zu verbinden. Sie bestand parallel zur amtlichen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Später wurden Vertreter solcher Basisgruppen in kirchliche Gremien einbezogen, meist beratend. Das Fazit des Artikels ist kritisch: Die Zusammenarbeit mit den Amtskirchen führte schrittweise zur Aufnahme unabhängiger Gruppen in institutionelle Strukturen, wobei ihre Entscheidungsmacht gering blieb. In den 1970er Jahren verlagerte sich jugendliches Engagement stärker auf politische Themen wie Umwelt, Atomenergie, Demokratisierung und Kirchentage.