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Ökumenische Bewegung

Die ökumenische Bewegung (von Ökumene, griechisch oikoumene, „Erdkreis, die ganze bewohnte Erde“) ist eine Bewegung innerhalb des Christentums, die eine …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Grundaufgaben
  3. 3. Ökumenische Entwicklung in Deutschland
  4. 4. Institutionen und Formen heute
  5. 5. Ziel und offene Spannungen

Gegenstand und Bedeutung

Die ökumenische Bewegung ist eine Bewegung innerhalb des Christentums. Sie strebt die weltweite Einigung und Zusammenarbeit der verschiedenen Konfessionen an. Ihr Anliegen ist damit, trotz unterschiedlicher kirchlicher Traditionen gemeinsam zu handeln, den christlichen Glauben zu bezeugen und den Dienst an der Welt wahrzunehmen.

Die Bewegung wird durch ökumenische Theologie wissenschaftlich begleitet. Ihre institutionelle Gestalt erhielt sie vor allem im Ökumenischen Rat der Kirchen und in lokalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen. Ökumene zeigt sich außerdem im Alltag, etwa in gemeinsamen Gottesdiensten, Bibel- und Gebetskreisen, Gesprächskreisen, Begegnungen, Gemeindefesten und gemeinsamem diakonischem Handeln.

Entstehung und Grundaufgaben

Erste Ansätze für eine Verständigung zwischen Christen gab es bereits in der Reformation. Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche christliche Organisationen, darunter Missions- und Bibelgesellschaften, der Christliche Verein Junger Männer und der Christliche Studentenweltbund. Sie überschritten nationale und konfessionelle Grenzen und ließen ein Streben nach christlicher Einheit erkennen. 1874 und 1875 lud Ignaz von Döllinger zu den Bonner Unionskonferenzen ein.

Die moderne ökumenische Bewegung wurde Anfang des 20. Jahrhunderts besonders von protestantischen Kirchen angestoßen. Als ihr Beginn gilt die Weltmissionskonferenz in Edinburgh im Jahr 1910. Drei Grundziele bestimmten diese Konferenz und prägten die Bewegung:

  • gemeinsames Handeln in der Mission,
  • Einheit in der Verkündigung von Jesus Christus,
  • gemeinsamer Dienst an der Welt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete der evangelische Theologe Frère Roger die Communauté de Taizé. Sie gilt als erste ökumenische Brüdergemeinschaft der Kirchengeschichte.

Ökumenische Entwicklung in Deutschland

Nach 1945 setzte sich die junge Generation kritisch mit der Rolle der Kirchen im Nationalsozialismus auseinander. Studenten und junge Pfarrer stellten mangelnden Widerstand, bereitwillige Unterwerfung und teilweise aktive Unterstützung des Nationalsozialismus fest, etwa durch die Deutschen Christen. Als positives Beispiel wurde die Bekennende Kirche auf evangelischer Seite gesehen. Viele empfanden die Trennung der Konfessionen und die fehlende Einheit als eine Ursache des kirchlichen Versagens. Gemeinsame Erfahrungen in Konzentrationslagern führten zu einem Umdenken.

Besonders in konfessionellen Jugendorganisationen entstanden Initiativen zur Zusammenarbeit. In den 1960er Jahren führte dies auf allen Ebenen international zu einer Erneuerung in der Geschichte der Ökumene. Nach dem Wiederaufbau veränderte die wirtschaftliche Dynamik, vor allem in Westdeutschland durch das „Wirtschaftswunder“, zugleich den gesellschaftlichen Alltag. Alte Traditionen verloren an Bedeutung, während sich eine von Amerika inspirierte Lebensweise, der „American Way of Life“, verbreitete.

1948 wurde die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland gegründet. Anfangs gehörten ihr elf Kirchen und kirchliche Gemeinschaften an. Sie fördert die ökumenische Zusammenarbeit und die Einheit der Kirchen. Als gemeinsame Grundlage bekennen die Mitglieder den Herrn Jesus Christus gemäß der Heiligen Schrift als Gott und Heiland und wollen gemeinsam erfüllen, wozu sie zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes berufen sind.

Nach innen arbeitet die Gemeinschaft durch gegenseitige Information, Beratung und Zusammenarbeit auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene. Außerdem fördert sie das theologische Gespräch, um Klärung und Verständigung zu erreichen. Nach außen vertritt sie gemeinsame Anliegen ihrer Mitgliedskirchen in der Öffentlichkeit und gegenüber politischen Institutionen. Die ökumenisch geprägten Verbindungen ermöglichten später eine kollegiale Auseinandersetzung mit Vertretern der Ostkirchen und ab den 1980er-Jahren eine Öffnung hin zum Islam.

Institutionen und Formen heute

Der Ökumenische Rat der Kirchen wurde 1948 gegründet und vertritt heute einen wichtigen Teil der ökumenischen Bewegung. Ihm gehören derzeit 349 Kirchen aus mehr als 120 Ländern an. Die katholische Kirche ist wegen ihres kirchlichen Selbstverständnisses nur als Gast beteiligt. Kirchen, die die Trinität ablehnen, etwa die Unitarier, können dem Rat nicht beitreten. Der Rat widmet sich den drei Grundaufgaben der ökumenischen Bewegung: gemeinsamem Handeln in der Mission, Einheit in der Verkündigung von Jesus Christus und gemeinsamem Dienst an der Welt.

Eine weitere Institution ist die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). Sie ist ein Zusammenschluss von 105 Kirchen auf der Grundlage der Leuenberger Konkordie von 1973. Die beteiligten Kirchen gewähren sich gegenseitige Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Grundlage ist die Einsicht, dass unterschiedliche Bekenntnisse nicht notwendigerweise eine Kirchentrennung bedeuten müssen. Evangelische Kirchen, die die Kindertaufe ablehnen und Personen, die nur als Kleinkinder getauft wurden, zur Aufnahme in ihre Gemeinden „wiedertaufen“, können der GEKE nicht beitreten. Dazu gehören beispielsweise Mennoniten und Baptisten.

Die Ökumene wird auch durch zahlreiche Basisinitiativen getragen. Die weltweit größte ökumenische Basisbewegung von Frauen ist der Weltgebetstag der Frauen. Insgesamt sind konfessionsübergreifende Gottesdienste, gemeinsame Gesprächs- und Gebetsangebote sowie gemeinsame soziale Aktivitäten in vielen Gemeinden selbstverständlich geworden.

Ziel und offene Spannungen

Das Ziel der ökumenischen Bewegung zu bestimmen, ist selbst Teil des ökumenischen Prozesses. Dafür braucht man einen gemeinsamen Kirchenbegriff, der nicht einfach vorausgesetzt werden kann. Als gewöhnliches Leitbild gilt die organisatorische Zusammenführung der Kirchen, die gegenseitige Anerkennung ihrer rechten Lehre und die gemeinsame Feier des Herrenmahls.

Dieses Ziel ist jedoch umstritten. Einige Vertreter lehnen eine Ökumene des Konsenses ab, bei der möglichst vollständige Übereinstimmung angestrebt wird. Sie fordern stattdessen eine Ökumene des wechselseitigen Einspruchs. Danach muss jede Kirche das Recht behalten, ihre eigenen Positionen zu vertreten und anderen Kirchen zu widersprechen.

Die unterschiedlichen Auffassungen hängen unter anderem mit verschiedenen Kirchenbegriffen zusammen. Nach protestantischem Verständnis ist kirchliche Einheit wesentlich eine geistliche Zielvorstellung und nicht nur eine vorübergehende organisatorische Vereinbarung. Nach römisch-katholischem Verständnis besteht die eine Kirche des Glaubensbekenntnisses in der römisch-katholischen Kirche fort, auch wenn sie durch Spaltungen geschwächt und verdunkelt ist. Deshalb beansprucht der Heilige Stuhl, die Stimme der Kirche zu repräsentieren. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass der Papst zugleich Oberhaupt eines weltlichen Staates ist, was seine Amtsführung beeinflusst.

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