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Geschichte Trinidad und Tobagos
Die Geschichte Trinidad und Tobagos umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Trinidad und Tobago von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Inhalt6 Abschnitte
Überblick und frühe Besiedlung
Die Geschichte Trinidad und Tobagos beschreibt die Entwicklung der beiden karibischen Inseln von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Die Inseln gehören zu den Kleinen Antillen. Sie wurden am 31. August 1962 vom Vereinigten Königreich unabhängig und sind seit dem 1. August 1976 eine Republik.
Trinidad wurde vor mindestens 7000 Jahren von Jägern und Sammlern besiedelt und gilt damit als die am frühesten besiedelte Insel der Karibik. Um 250 v. Chr. kamen die Saladoiden, die erste keramische Kultur der Inseln. Sie brachten Ackerbau mit und unterhielten ein Handelsnetz über die Antillen bis Hispaniola und nach Nord-Südamerika. Zur Zeit des ersten Kontakts mit Europäern lebten auf Trinidad Arawak, darunter arawakisch sprechende Gruppen wie Nepoya und Suppoyo. Tobago wurde von Insel-Kariben und Galibi bewohnt.
Kolonialzeit unter Spanien und wechselnden Mächten
Christoph Kolumbus entdeckte Trinidad am 31. Juli 1498 auf seiner dritten Reise und benannte die Insel nach der Dreifaltigkeit, weil er drei markante Bergspitzen sah. Am selben Tag betrat er bei Guayaguayare erstmals trinidadischen Boden. Tobago nannte er zunächst Bella Forma; der heutige Name Tobago leitet sich von Tabak ab.
Trinidad wurde 1532 spanische Kolonie und 1535 Teil des Vizekönigreichs Neuspanien, doch die eigentliche spanische Besiedlung begann erst 1592. 1560 errichteten die Spanier an der Stelle der heutigen östlichen Vororte von Port of Spain ein Fort; dieses Jahr gilt als Gründungsjahr von Port of Spain, damals Puerto de los Hispanioles. 1757 gründeten Kapuziner Arima, das 1785 zum letzten Arawak-Reservat auf Trinidad wurde. Gouverneur José María Chacón siedelte andere bekannte Stämme dorthin um, um Siedlungsland für französischstämmige Katholiken zu schaffen.
Tobago hatte eine besonders wechselhafte Kolonialgeschichte. Die ursprünglichen indianischen Einwohner wurden von spanischen Siedlern weitgehend ausgerottet oder assimiliert. Zwischen 1498 und 1814 wechselte die Insel mindestens 33 Mal den Besitzer. Niederländer, Franzosen, Engländer und sogar das Herzogtum Kurland erhoben Ansprüche. 1628 wurde Tobago niederländische Kolonie; Cornelis Lampsins benannte sie 1654 Nieuw-Walcheren und gründete Nieuw-Vlissingen, das spätere Scarborough. 1684 wurde Tobago neutrales Territorium, 1762 britische Kolonie und 1781 erneut französisch. 1783 erhielt Frankreich Tobago durch die Verträge von Versailles.
Britische Herrschaft und wirtschaftlicher Wandel
Trinidad kam am 18. Februar 1797 unter britische Herrschaft. Tobago wurde am 15. April 1793 wieder britische Kolonie, war 1802 kurzzeitig erneut französisch und ging 1814 endgültig an Großbritannien. Am 1. Januar 1889 wurden Trinidad und Tobago vereinigt.
Unter Gouverneur Sir Ralph Woodford (1813 bis 1828) erlebte Trinidad einen deutlichen wirtschaftlichen und infrastrukturellen Aufschwung. Nach der britischen Eroberung wurden in Gegenden wie Chaguanas Zuckerrohr und Kakao angebaut. Nach einem Großbrand 1808 wurde Port of Spain fast vollständig zerstört, aber wiederaufgebaut; dabei entstanden neue Hafenanlagen. Woodford führte 1813 die Dampfschiff-Linie „Trinidad Steamboat Company“ ein, machte 1814 Englisch zur zweiten Amtssprache der Gerichtsbarkeit und ordnete die Landvergabe stärker an landwirtschaftliche Nutzung. Er ließ Straßen, öffentliche Anlagen und wichtige Kirchen wiederaufbauen und förderte Verwaltung, Gesundheitswesen und Bildung. 1826 fand die erste Volkszählung Trinidads statt.
1834 wurde die Sklaverei in den britischen Kolonien abgeschafft. Die Sklaven wurden durch Kontraktarbeiter ersetzt, vor allem aus Britisch-Indien. Ihre Arbeits- und Lebensbedingungen unterschieden sich laut Artikel nur unwesentlich von denen der Sklaverei. Später wurden Erdölvorkommen wichtig: 1866 wurden sie entdeckt, 1902 ging in Guayaguayare die erste kommerzielle Ölquelle Trinidads in Betrieb. Ab 1910 wurde Erdöl exportiert und ergänzte Zuckerrohr, Kakaoanbau und -verarbeitung als wirtschaftliche Grundlage.
Im Zweiten Weltkrieg spielte Trinidad eine wichtige strategische Rolle. Durch das Zerstörer-für-Stützpunkte-Abkommen vom 2. September 1940 erhielten die USA Stützpunkte unter anderem auf Trinidad. Trinidad wurde der größte alliierte Militärstützpunkt in der Karibik und wichtig für die U-Boot-Bekämpfung im Atlantik und in der Karibischen See. In dieser Zeit entstanden Grundlagen der heutigen Infrastruktur und Industrie.
Autonomie, Unabhängigkeit und Republik
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die politische Autonomie. Gouverneur Edward Beetham leitete ab 1955 den Übergang zur Unabhängigkeit ein. Der Legislative Council, das gesetzgebende Organ, wurde mehrfach umgebaut. 1956 trat eine Verfassung in Kraft, nach der ein vom Legislative Council gewählter Chief Minister die Amtsgeschäfte für die Kolonie übernahm. Nach den Wahlen vom 24. September 1956 wurde Eric Eustace Williams von der People’s National Movement (PNM) erster Chief Minister.
Am 3. Januar 1958 trat Trinidad und Tobago der Westindischen Föderation bei, die bis zum 31. Mai 1962 bestand. 1959 erhielt Trinidad und Tobago innere Selbstverwaltung, und Williams wurde Premier. Am 16. Juli 1960 erlangte Trinidad volle Autonomie. Bei den Wahlen vom 4. Dezember 1961 gewann die PNM 190.003 Stimmen, 57 %, und 20 der 30 Sitze.
Am 31. August 1962 wurde Trinidad und Tobago unabhängig vom Vereinigten Königreich, blieb aber zunächst als parlamentarische Monarchie Teil des Commonwealth of Nations. Solomon Hochoy wurde erster Generalgouverneur, Eric Eustace Williams erster Premierminister. 1970 kam es zur Black Power Revolution: Nach Protesten gegen die Behandlung karibischer Studenten in Kanada und Zusammenstößen in Port of Spain weitete sich die Bewegung aus. Am 4. und 5. April 1970 nahm ein Drittel der Bevölkerung an Protestmärschen teil; am 21. April 1970 verhängte die Regierung den Ausnahmezustand.
Am 1. August 1976 trat eine neue Verfassung in Kraft. Trinidad und Tobago löste damit die Bindung an die britische Monarchie und wurde Republik. Ellis Clarke wurde erster Staatspräsident, hatte aber keine exekutiven Befugnisse. Tobago erhielt am 7. August 1978 innere Selbstverwaltung und 1980 ein eigenes Parlament, das House of Assembly.
Parteienwechsel, Krisen und neue Regierungen
Von der Unabhängigkeit an dominierte zunächst die PNM. Nach dem Tod von Eric Williams am 26. März 1981 wurde George Michael Chambers Premierminister. In den 1980er Jahren wurde deutlich, wie abhängig die Wirtschaft von Erdöl und Erdgas war: Ein Drittel des Sozialprodukts, über 60 Prozent der Staatseinnahmen und 70 Prozent der Exporte kamen aus Erdöl, Erdgas und deren Verarbeitung. Ein Rückgang des Ölpreises gefährdete daher die wirtschaftliche Entwicklung.
1986 verlor die PNM erstmals die Regierung. Die National Alliance for Reconstruction (NAR) unter Arthur N. R. Robinson gewann 33 von 36 Sitzen. Robinson wurde erster Premierminister, der nicht der PNM angehörte. 1988/1989 kam es zu inneren Konflikten: Basdeo Panday verließ die Regierung und gründete mit anderen den United National Congress (UNC). Am 27. Juli 1990 versuchten militante muslimische Rebellen unter Yasin Abu Bakr einen Staatsstreich, stürmten Parlament und Fernsehanstalt und nahmen Premierminister Robinson, fünf Minister und mehr als 30 weitere Menschen als Geiseln. Bei der Aktion sollen 22 Menschen ums Leben gekommen sein. Die Geiseln wurden am 1. August 1990 freigelassen.
1991 kehrte die PNM unter Patrick Manning an die Macht zurück. Seine Regierung setzte wirtschaftliche Liberalisierung fort, ersetzte den festen Umtauschkurs des Trinidad-und-Tobago-Dollars durch einen marktbestimmten Wechselkurs und verkaufte staatliche Unternehmen an ausländische Eigentümer. 1993 entstand aus TRINTOC und TRINTOPEC die Petroleum Company of Trinidad and Tobago (Petrotrin). 1995 bildete Basdeo Panday nach einer Pattsituation zwischen PNM und UNC mithilfe der NAR eine Koalitionsregierung und wurde erster indischstämmiger Regierungschef des Landes.
Die Zeit ab 2000 war von Verfassungskrisen, knappen Mehrheiten und Sicherheitsproblemen geprägt. Nach der Wahl 2001 hatten PNM und UNC jeweils 18 Sitze; Präsident Robinson ernannte Patrick Manning zum Premierminister. Weil das Repräsentantenhaus keinen Sprecher wählen konnte, musste Manning zeitweise ohne arbeitsfähiges Parlament regieren. Neuwahlen 2002 bestätigten die PNM. Manning blieb bis 2010 im Amt. Seine Regierung profitierte zeitweise von hohen Erdöl- und Gaseinnahmen, war aber mit steigender Kriminalität, Korruptionsvorwürfen und einer schweren Wirtschaftskrise 2009 konfrontiert.
Entwicklung seit 2010
2010 gewann die Oppositionskoalition The People’s Partnership (PP), bestehend aus United National Congress, Congress of the People und Tobago Organisation of the People. Kamla Persad-Bissessar wurde am 26. Mai 2010 als erste Frau Premierministerin Trinidad und Tobagos vereidigt. Die PP erhielt 29 der 41 Sitze im Repräsentantenhaus. Ihre Regierung versprach Verbesserungen bei öffentlicher Sicherheit, wirtschaftlicher Entwicklung, Gerechtigkeit und Lebensbedingungen.
In ihrer Amtszeit gab es weitere politische Spannungen. 2011 erklärte Persad-Bissessar, Sicherheitskräfte hätten einen Anschlag auf sie und andere Regierungsmitglieder verhindert. 17 Personen wurden verhaftet, aber mangels Beweisen wieder freigelassen; die Hintergründe blieben ungeklärt. 2012 scheiterte ein Misstrauensantrag gegen sie. 2013 wurde Anthony Carmona sechster Staatspräsident. Auf Tobago gewann die PNM 2013 alle zwölf Sitze im House of Assembly, obwohl die Tobago Organization of the People 37 Prozent der Stimmen erhielt; Ursache war das Mehrheitswahlrecht.
Bei den Wahlen vom 7. September 2015 kehrte die PNM unter Keith Rowley an die Macht zurück. Sie erhielt 378.447 Stimmen, 51,68 Prozent, und 23 der 41 Sitze. Rowley wurde am 9. September 2015 Premierminister. Bei den Wahlen in Tobago am 23. Januar 2017 gewann die PNM 53,8 Prozent und zehn von zwölf Sitzen; Tobago Forwards verfehlte trotz 15,8 Prozent wegen des Mehrheitswahlrechts den Einzug. Am 19. Januar 2018 wurde Paula Mae Weekes als einzige Kandidatin zur Präsidentin gewählt. Am 19. März 2018 trat sie ihr Amt an und wurde die erste Frau im Amt des Staatspräsidenten.