Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Geschichte Schweinfurts
Die Markgrafen von Schweinfurt (10. bis 11. Jahrhundert) unterstützten zweimal ostfränkische Könige auf ihrem Weg auf den Kaiserthron, so den ersten römisch- …
Inhalt6 Abschnitte
Grundzüge der Stadtgeschichte
Schweinfurt liegt am Main und besitzt eine lange Geschichte, weil hier eine Furt, fruchtbare Böden und wichtige Verkehrswege zusammenkamen. Der Raum war seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt; Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet reichen etwa 7500 Jahre zurück. Die erste sicher datierbare urkundliche Erwähnung erfolgte 791 als „Suuinfurtero marcu“, als Hiltrih Besitz dem Kloster Fulda übergab.
Im Mittelalter entwickelte sich Schweinfurt zuerst im Bereich des heutigen Dorfes Altstadt und der Peterstirn. Im 12. Jahrhundert entstand etwa einen Kilometer mainabwärts die Reichsstadt Schweinfurt, deren Lage die Kontrolle der Mainfurt und der Straßen nach Frankfurt, zum Obermain und nach Erfurt erleichterte. Die Stadt war später Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich, gehörte zur Schwäbischen Städtebank und zum Fränkischen Reichskreis. Seit 1542 war sie lutherisch geprägt. 1802 kam Schweinfurt zu Bayern und verlor seine Reichsfreiheit.
Frühe Besiedlung und Markgrafen
Die Besiedlung ist von der Linearbandkeramischen Kultur (5500 bis 5000 v. Chr.) über Jungsteinzeit, Stichbandkeramik, Urnenfelderzeit, Hallstattzeit und Latènezeit nahezu lückenlos nachweisbar. In der Frühgeschichte sind keltische und germanische Siedlungen belegt; auch aus der Merowingerzeit gibt es Nachweise. Thüringer prägten wohl seit dem 5. Jahrhundert Siedlungen im Raum, wurden aber ab dem 6. Jahrhundert von den Franken zurückgedrängt oder überlagert. Mit den Franken hing auch die Christianisierung zusammen, die Ende des 7. Jahrhunderts einsetzte.
Im 10. und 11. Jahrhundert spielten die Grafen beziehungsweise Markgrafen von Schweinfurt eine wichtige Rolle. Graf Berthold unterstützte Otto I., der 962 römisch-deutscher Kaiser wurde, und erhielt dafür bedeutende Herrschaftsrechte, unter anderem in Volkfeld-, Radenz- und Nordgau. Sein Sohn Heinrich, genannt Hezilo, unterstützte 1002 Heinrich II., erwartete dafür die Herzogswürde von Baiern, erhielt sie aber nicht. Daraus entstand 1003 die Schweinfurter Fehde. Heinrich verlor zeitweise Besitz und floh zu Boleslaw Chobry nach Polen; die Folgen dieser Auseinandersetzung hängen eng mit der Gründung des Bistums Bamberg 1007 zusammen. Ob Heinrich seine Lehen vollständig verlor oder größtenteils zurückerhielt, ist umstritten.
Hezilos Sohn Otto von Schweinfurt wurde Herzog von Schwaben. Mit seinem Tod 1057 starb das Geschlecht im Mannesstamm aus. Damit endete die große Zeit der Markgrafen von Schweinfurt. Besitz um Burg Peterstirn und Dorf Altstadt gelangte später an das Hochstift Eichstätt; 1263/65 wurde das Benediktinerkloster auf der Peterstirn dem Deutschen Orden übergeben.
Reichsstadt im Mittelalter
Die Reichsstadt Schweinfurt entstand im 12. Jahrhundert westlich der älteren Siedlung. Über ihre Gründung gibt es unterschiedliche Ansichten: Möglich ist ein allmählicher Aufbau, aber auch eine planmäßige Gründungsstadt durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Die mittelalterliche Stadtanlage mit Straßenkreuz am Marktplatz, vier Vierteln und vier Stadttoren spricht für planmäßige Gestaltung.
Zwischen 1240 und 1250 wurde Schweinfurt im Kampf zwischen Hennebergern und dem Bischof von Würzburg zerstört; dieses Ereignis heißt „Erstes Stadtverderben“. Ob die alte Siedlung oder schon die neue Stadt betroffen war, ist umstritten. Ein Brief König Wilhelms von Holland vom 9. Januar 1254 nennt Schweinfurt als frühere Reichsstadt und ist der erste urkundliche Nachweis Schweinfurts als Reichsstadt und damit als Ort mit Stadtrecht.
Im Spätmittelalter wurde die Stadt befestigt. Die erste Stadtmauer ist 1258 urkundlich erwähnt. Um 1200 begann der Bau der Johanniskirche, des ältesten erhaltenen Bauwerks Schweinfurts. 1282 bestätigte Rudolf von Habsburg Schweinfurt als Reichsstadt. Durch Verpfändung kam die Stadt 1309 an die Henneberger, die bis 1427 eine Reichsburg im Zürch unterhielten. Durch Selbstauslösung 1361/1385 konnte Schweinfurt seine dauerhafte Entfremdung vom Reich verhindern und trat danach dem Schwäbischen Städtebund bei.
Die Stadt baute auch ein kleines Territorium auf. 1436 wurde Fischerrain eingegliedert und Oberndorf für 5.900 Gulden erworben. 1436/37 kamen für 18.000 Gulden Besitzungen des Deutschen Ordens hinzu, darunter die Peterstirn, Altstadt, Hilpersdorf, Zell und Weipoltshausen. 1620 folgte Madenhausen. Die Bewohner dieser Orte waren Untertanen der Reichsstadt, meist ohne Bürgerrecht.
Krisen und frühe Neuzeit
1517 konstituierte sich der Fränkische Reichskreis; der erste Kreistag fand in Schweinfurt statt. Im Bauernkrieg 1525 stellte sich Schweinfurt auf die Seite der aufständischen Bauern und unterstützte sie mit Mannschaften und Lebensmitteln. Nach der Rückeroberung des Würzburger Raums durch das Heer des Schwäbischen Bundes musste die Stadt das Bündnis aufkündigen und hohe Zahlungen leisten, darunter 4566 Gulden für den Wiederaufbau von Schloss Mainberg und pro Haus 10 rheinische Gulden.
1542 schloss sich Schweinfurt der Reformation an und wurde zu einer protestantischen Insel in katholisch geprägter Umgebung. 1609 trat die Stadt der Protestantischen Union bei. Während der Gegenreformation in den Bistümern Würzburg, Bamberg und Fulda zogen viele wohlhabende protestantische Familien nach Schweinfurt.
Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde Schweinfurt 1553 besetzt und 1554 belagert. Am 13. Juni 1554 wurde die Stadt geplündert und in Brand gesetzt; anschließend vollendete Landbevölkerung, die Schweinfurt die Schuld am Leid des Krieges gab, die Zerstörung. Dieses Ereignis heißt „Zweites Stadtverderben“. Der Wiederaufbau dauerte bis 1615. Renaissancebauten wie Rathaus, Altes Gymnasium und Zeughaus erinnern an diese Phase.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schweinfurt mehrfach besetzt, aber nicht zerstört und kaum beschädigt. Gustav Adolf kam 1631 in die Stadt und ließ eine schwedische Besatzung zurück. 1634 übernahmen kaiserliche Truppen die Stadt, 1647 kehrten die Schweden unter Carl Gustaf Wrangel zurück. Wrangel ließ die Stadtmauer zu einer modernen Befestigungsanlage mit Schanzen ausbauen. Eine geplante protestantische Universität kam nicht zustande, weil Gustav Adolf 1632 in der Schlacht bei Lützen starb. 1652 wurde in Schweinfurt die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gegründet.
Bayern, Industrialisierung und Weltkrieg
Im 18. Jahrhundert blieb Schweinfurt von direkten Kriegen verschont, litt aber unter Truppendurchzügen, finanziellen Altlasten, Überregulierung und Korruption. 1777 begann mit einer Bleiweißmühle von J. W. Schmidt die Industrialisierung der Stadt.
Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Schweinfurt 1802 zu Bayern. Am 6. September 1802 nahm Joseph von Cloßmann die Stadt für Bayern in Besitz. Schweinfurt verlor seine Reichsfreiheit, und die zum reichsstädtischen Territorium gehörenden Dörfer wurden ausgegliedert. Nach einer kurzen Zugehörigkeit zum Großherzogtum Würzburg ab 1810 kam die Stadt 1814 endgültig zum Königreich Bayern.
1852 erhielt Schweinfurt mit der Ludwigs-Westbahn Anschluss an das Eisenbahnnetz. Später entstanden Verbindungen nach Würzburg, Aschaffenburg, Bad Kissingen und Meiningen; Schweinfurt wurde Eisenbahnknotenpunkt. Dennoch blieb die Bahn als Arbeitgeber untergeordnet, während die Industrie stark wuchs. Zwischen 1840 und 1939 stieg die Einwohnerzahl von 7.700 auf 49.700, ein Wachstum von 635 %. In der Zwischenkriegszeit entwickelten sich metallverarbeitende Großfirmen stark; bis 1939 hatten sie 20.700 Beschäftigte. Seit 1936 war Schweinfurt Garnisonsstadt.
Im Zweiten Weltkrieg war die Schweinfurter Wälzlagerindustrie kriegswichtig. Wälzlager waren für Panzer und Flugzeuge entscheidend. Deshalb wurde die Stadt ein wichtiges Ziel alliierter Luftangriffe. Albert Speer schrieb später, bei einem Ausfall der Schweinfurter Industrie wäre der Krieg zwei Monate später zu Ende gewesen. In 15 größeren und sieben kleineren Luftangriffen wurden die Stadt zu 40 % und das Industriegebiet zu 80 % zerstört; dies wird „Drittes Stadtverderben“ genannt. Beim Angriff vom 14. Oktober 1943, dem „Black Thursday“, verlor die 8. US-Luftflotte 77 B-17-Bomber, weitere 121 wurden schwer beschädigt. Unter der Zivilbevölkerung starben 1079 Menschen, ohne Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. In den zehn gebauten Hochbunkern gab es bei den Angriffen keine Todesopfer.
Nachkriegszeit und Gegenwart
Am 11. April 1945 marschierte die 42. Division der 7. US-Armee in Schweinfurt ein. Aus Fliegerhorst, Panzerkaserne und weiteren Einrichtungen entstand die US-Garnison Schweinfurt. Im Kalten Krieg hatte sie die höchste Konzentration von US-Kampf-Einheiten Westdeutschlands. Zeitweise umfasste die US-Militärgemeinde 12.000 Menschen, darunter etwa 5.000 Soldaten und über 7.000 Familienangehörige und Zivilangestellte. Die US-Präsenz prägte Stadtbild, Alltag und soziale Zusammensetzung. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden die Sicherheitsmaßnahmen stark verschärft.
Die US Army löste die Garnison vollständig auf und verließ Schweinfurt am 19. September 2014. Die US-Konversion, also die Umwandlung ehemaliger Militärflächen für zivile Nutzung, wurde eines der größten entsprechenden Projekte in Deutschland. Die Ledward Barracks werden als neuer Stadtteil Carus-Park mit internationalem Hochschulcampus genutzt. Askren Manor, Yorktown Village und weitere Flächen wurden ebenfalls umgewandelt. Der Brönnhof wurde 2016 das flächengrößte Nationale Naturerbe Bayerns.
Die deutsche Nachkriegsgeschichte wurde von mehreren Stadtentwicklungsphasen geprägt. Unter Georg Wichtermann (1956–1974) entstanden neue Stadtteile, große Infrastrukturprojekte und Industriegebiete; die Wirtschaft boomte. Unter Kurt Petzold (1974–1992) standen Konsolidierung, Altstadtsanierung und soziale Veränderungen im Vordergrund. Seit den 1970er Jahren zogen viele Familien in Vororte, während in Teilen der Kernstadt stärkere Migration und Segregation sichtbar wurden. Unter Gudrun Grieser (1992–2010) stabilisierte sich die Wirtschaft nach einer Industriekrise, neue Industrie- und Dienstleistungsarbeitsplätze entstanden, und Projekte wie Museum Georg Schäfer, Kunsthalle, Stadtbücherei im Ebracher Hof und Konferenzzentrum Maininsel prägten das Image „Industrie und Kunst“. Seit 2010 ist Sebastian Remelé Oberbürgermeister. In der Gegenwart stehen unter anderem US-Konversion, Lückenschlüsse im Stadtbild und Kulturprojekte im Mittelpunkt; die Landesgartenschau 2026 wurde abgesagt.