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Geschichte Schottlands
Die Lowlands wurden zudem nach dem anglo-normannischen Lehnswesen organisiert. In den Highlands hingegen hielten sich die Clanstrukturen keltischen …
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Überblick und Urgeschichte
Die Geschichte Schottlands reicht von der Besiedlung nach der letzten Eiszeit bis zur heutigen Unabhängigkeitsfrage. Schottland ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Um 10.000 v. Chr. lebten dort zunächst Jäger und Sammler. Mit der Flutung des Ärmelkanals um etwa 6500 v. Chr. wurde Großbritannien wieder eine Insel.
Im Neolithikum, der Jungsteinzeit ab etwa 4500 v. Chr., gingen Menschen zu Ackerbau und Viehhaltung über. Sie bauten Holz- und Steinhäuser, stellten Keramik her und errichteten Gräber sowie monumentale Steinsetzungen. Bedeutende Beispiele sind Skara Brae (3100–2450 v. Chr.), der Ring von Brodgar mit 104 m Durchmesser, Callanish und der Ness of Brodgar auf Orkney. Die Anlage Ness of Brodgar entstand seit 3200 v. Chr., wurde um 2600 v. Chr. erweitert und um 2300 v. Chr. aufgegeben.
Ab etwa 2500 v. Chr. verbreiteten sich mit der Glockenbecherkultur Kupfer- und später Bronzebearbeitung. Die Eisenzeit begann etwa 400 v. Chr. Eisenwerkzeuge erleichterten Rodung und Getreideanbau; zugleich entstanden befestigte Siedlungen und Hillforts. Mehr als 500 Brochs, steinerne Turmbauten aus etwa 200 v. Chr. bis 150 n. Chr., weisen auf starken irischen Einfluss hin. Über Herkunft und Sprache der Pikten besteht Unsicherheit: Sie könnten eine britannisch-keltische Sprache oder eine nichtindogermanische Sprache gesprochen haben.
Römer, Christianisierung und frühe Reiche
Die Römer eroberten ab 43 n. Chr. den Süden Britanniens, konnten Schottland aber nicht dauerhaft unterwerfen. Agricola stieß ab 80 weit nach Norden vor und besiegte 84 die Kaledonier am nicht genau lokalisierten Mons Graupius. Der Hadrianswall wurde ab 122 gebaut; der weiter nördlich gelegene Antoninuswall sicherte den zeitweise römisch besetzten Süden Schottlands etwa ab 142. Letzte große Eroberungsversuche unter Septimius Severus 209–212 scheiterten. Um 400 zog Rom seine Feldarmee ab.
Etwa gleichzeitig begann die Christianisierung. Whithorn galt der Legende nach seit 397 unter St. Ninian als Missionszentrum. Entscheidend war die iroschottische Mission: Columban landete 563 auf Iona und wirkte von dort aus bei gälischen Bewohnern und wohl auch bei Pikten. Die keltisch geprägte Kirche stand später zunehmend im Gegensatz zum römischen Ritus.
Im Frühmittelalter bestanden vier Reiche: das Piktenreich im Norden und Osten, das gälische Dál Riata im Westen, das britische Strathclyde im Südwesten und das anglische Bernicia beziehungsweise Northumbria im Südosten. Die Pikten schlugen 685 bei Nechtanesmere die Northumbrier. Seit dem späten 8. Jahrhundert plünderten und besiedelten Wikinger Küsten und Inseln; sie wurden zu einem weiteren politischen Faktor. Ihr Druck trug zur Vereinigung von Pikten und Skoten bei. Um 843 entstand das Königreich Alba unter Cinead mac Alpin (Kenneth I.). Bis etwa 1000 verdrängte das Gälische die piktische Sprache.
Mittelalterliche Einheit und Unabhängigkeit
Alba dehnte sich schrittweise aus. Unter Malcolm II. wurde 1018 nach der Schlacht bei Carham Gebiet bis zum Tweed angegliedert; 1034 standen mit Ausnahme der normannischen Inseln erstmals nahezu alle Teile des heutigen Schottlands unter einer Herrschaft. Die Lowlands wurden stärker durch anglo-normannisches Lehnswesen geprägt, während in den Highlands Clanstrukturen erhalten blieben.
Seit dem 11. Jahrhundert verstärkten sich römische Kirche, Normannisierung, Städte und Handel. David I. (1124–1153) gründete oder förderte Klöster, ordnete Diözesen, Sheriffdoms und Burghs und führte im Süden die Feudalordnung ein. Schottland war 1174–1189 durch den Vertrag von Falaise englischer Vasall. Der Vertrag von York erkannte 1237 die Grenze zwischen Tweed und Solway als Südgrenze an. Nach dem Krieg gegen Norwegen kamen die westlichen Inseln 1266 im Frieden von Perth an Schottland.
Nach dem Tod Alexanders III. 1286 und seiner Enkelin Margarete 1290 fehlte ein Thronerbe. Eduard I. von England setzte 1292 John Balliol als König ein und unterwarf Schottland 1296 militärisch. Der Widerstand begann unter William Wallace und Andrew Moray; sie siegten 1297 bei Stirling Bridge, Wallace unterlag jedoch 1298 bei Falkirk und wurde 1305 hingerichtet.
Robert Bruce ließ sich 1306 als Robert I. krönen. Nach anfänglichen Niederlagen gewann er Unterstützer und besiegte 1314 bei Bannockburn ein überlegenes englisches Heer. Die Declaration of Arbroath von 1320 betonte die Verteidigung der schottischen Unabhängigkeit und band die Unterstützung für den König an die Wahrung der Rechte der Nation. England erkannte Schottlands Unabhängigkeit 1328 im Abkommen von Edinburgh und Northampton an. Nach weiteren Kämpfen kehrte David II. 1357 gegen ein Lösegeld von 100.000 Mark aus englischer Gefangenschaft zurück. Als er 1371 kinderlos starb, begann mit Robert II. die Stewart-Dynastie.
Union, Religion und wirtschaftlicher Wandel
Die Stewarts standen von 1371 an auf dem schottischen Thron. Konflikte mit England blieben prägend; 1513 fiel James IV. in der Schlacht von Flodden Field. Die Reformation setzte sich ab 1560 als calvinistisch-presbyterianische Church of Scotland durch. Presbyterianisch bedeutet, dass die Kirche durch gewählte Älteste statt durch Bischöfe geleitet wird. Maria Stuart, katholische Königin von Schottland, dankte 1567 zugunsten ihres Sohnes James VI. ab, floh nach England und wurde dort 1587 hingerichtet.
1603 wurde James VI. auch König von England. Es entstand eine Personalunion: Beide Länder hatten denselben Monarchen, behielten aber Parlamente, Recht, Verwaltung und Nationalkirche. Der Versuch Karls I., eine bischöfliche Kirchenordnung durchzusetzen, führte 1638 zum National Covenant der Covenanters. Im Bürgerkrieg unterstützten viele Schotten zunächst das englische Parlament. Karl I. wurde 1649 hingerichtet, Charles II. 1651 in Scone gekrönt und Schottland anschließend von Cromwell besetzt.
Nach der Glorreichen Revolution von 1688 wurde der Presbyterianismus wieder Staatskirche. Jakobiten, besonders in Highlands und Nordosten, blieben den katholischen Stuarts verbunden. Nach Aufständen 1715, 1719 und 1745 scheiterte der letzte Aufstand 1746 bei Culloden. Der Act of Proscription von 1746 zerschlug das Clansystem weitgehend.
Das Darién-Projekt der Company of Scotland endete 1700 mit dem Verlust des Kapitals und 2000 toten Siedlern; Schottland war bankrott. Der Act of Union wurde am 16. Januar 1707 ratifiziert. Schottland erhielt Zugang zu englischen und kolonialen Märkten, London übernahm Schulden und entschädigte die Gläubiger der Company of Scotland. Dafür wurde das Parlament in Edinburgh aufgelöst; Schottland entsandte 45 Commons und 16 Peers nach Westminster. Church of Scotland und schottisches Recht blieben eigenständig.
Im 18. Jahrhundert folgten wirtschaftliche Prosperität und die Schottische Aufklärung mit Zentrum Edinburgh. Im 19. Jahrhundert industrialisierten sich besonders die Lowlands und Glasgow. Die Highland Clearances vertrieben viele Menschen zugunsten der Schafzucht; sie wanderten aus oder wurden Industriearbeiter. Irische Zuwanderung verstärkte das Wachstum Glasgows. Nach dem Ersten Weltkrieg gerieten Schwerindustrie und Schiffbau in eine Krise; 1931 waren 65 % der Werftarbeiter am Clyde arbeitslos.
Autonomie und Unabhängigkeitsfrage
Die Forderung nach Selbstverwaltung gewann im 20. Jahrhundert an Bedeutung. Ein Referendum von 1979 ergab zwar 51,6 % Zustimmung zur Dezentralisierung, doch dies waren weniger als 40 % der Wahlberechtigten; das Gesetz trat deshalb nicht in Kraft. 1997 stimmten 74 % der Wähler für Teilautonomie. Seit 1999 gibt es wieder ein schottisches Parlament, das unter anderem für Gesundheit, Bildung, Justiz, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur und Teile des Verkehrs zuständig ist. Es wählt den First Minister als Leiter der schottischen Exekutive.
Beim Unabhängigkeitsreferendum am 18. September 2014 lehnten 55,3 % der Wähler die Unabhängigkeit ab. Der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs 2016, gegen den Schottland separat gerechnet gestimmt hatte, belebte die Debatte erneut. Nicola Sturgeon und die Scottish National Party strebten ein weiteres Referendum an. Im November 2022 entschied der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreichs unter Präsident Robert Reed, dass nicht allein das schottische Regionalparlament über eine mögliche Unabhängigkeit entscheiden kann, sondern das Vereinigte Königreich zuständig ist.