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Weichsel-Kaltzeit

Typisch dafür sind frische, gut ausgebildete Formen der Glazialen Serie. Dazu gehören die Urstromtäler mit Talsandflächen, in denen sich Abschnitte der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Ablauf und zeitliche Gliederung
  3. 3. Eisdecke und Eisvorstöße
  4. 4. Landschaftliche Spuren
  5. 5. Rückzug des Eises und Übergang zum Holozän

Definition und Einordnung

Die Weichsel-Kaltzeit, auch Weichsel-Glazial oder Weichsel-Komplex, war die letzte Kaltzeit des Känozoischen Eiszeitalters und die jüngste Vergletscherungsphase des Pleistozäns in Nordeuropa und im nördlichen Mitteleuropa. Sie begann vor etwa 115.000 Jahren und endete vor 11.600 Jahren. Mit ihrem Ende endete das Jungpleistozän und das Holozän begann. Nach der internationalen, auf Sauerstoff-Isotopenstufen beruhenden Gliederung reicht die Letzte Große Vereisung von MIS 5d bis MIS 2.

Kennzeichnend war ein großer Eisschild, der vom skandinavischen Hochgebirge ausging und sich bis an die schleswig-holsteinische Ostküste, in die Mark Brandenburg und nach Nordrussland erstreckte. Die vorhergehende Warmzeit heißt in diesem Gebiet Eem-Warmzeit. Während der Weichsel-Kaltzeit wechselten sich kalte und vergleichsweise wärmere Abschnitte ab; außerdem traten auf der Nordhalbkugel wiederholt heftige Klimaschwankungen auf, die Dansgaard-Oeschger-Ereignisse genannt werden.

Im Alpenraum heißt die entsprechende Kaltzeit Würm-Kaltzeit, auf den Britischen Inseln Devensian glaciation und in Nordamerika Wisconsin glaciation. Der Name Weichsel-Kaltzeit geht auf den Fluss Weichsel im heutigen Polen zurück. Die Bezeichnung „Weichsel-Eiszeit“ wurde wahrscheinlich von Konrad Keilhack vorgeschlagen und ab 1909 von der Preußischen Geologischen Landesanstalt verwendet. Typusregion ist das untere Weichseltal; eine Typuslokalität wurde nicht festgelegt. Manche Forscher bevorzugen Weichsel-Komplex, weil die eigentliche Vereisung mit Gletschervorstößen bis nach Norddeutschland nur einen kleinen Teil des gesamten Zeitabschnitts ausmacht. In der Stratigraphischen Tabelle von Deutschland 2002 wurde die Bezeichnung zu Weichselium abgewandelt.

Ablauf und zeitliche Gliederung

Vor etwa 115.000 Jahren sanken die Durchschnittstemperaturen deutlich. Wärmeliebende Waldgesellschaften wurden verdrängt, die Eem-Warmzeit endete und die Weichsel-Kaltzeit begann. Nach dem Temperaturverlauf wird sie in Weichsel-Frühglazial, Weichsel-Hochglazial beziehungsweise Weichsel-Pleniglazial und Weichsel-Spätglazial gegliedert.

Das Weichsel-Frühglazial dauerte von 115.000 bis 60.000 v. Chr. und umfasst vier Stadiale beziehungsweise Interstadiale:

  • Herning-Stadial (WF I, 115.000 v. Chr.): eine erste Kaltphase, in der Nordwesteuropa weitgehend unbewaldet war; sie entspricht der Sauerstoffisotopenstufe 5d.
  • Brörup-Interstadial (WF II): Das nördliche Mitteleuropa war von Birken- und Kiefernwäldern bedeckt. Es wird mit der marinen Sauerstoffisotopenstufe 5c identifiziert. Eine kurze Abkühlung führte früher zur Abtrennung eines Amersfoort-Interstadials; inzwischen wird diese Wärme- und Abkühlungsphase gewöhnlich dem Brörup-Interstadial zugerechnet.
  • Rederstall-Stadial (WF III): In Norddeutschland entwickelte sich eine Gras- und später Strauchtundra.
  • Odderade-Interstadial (WF IV): Die Pollenspektren weisen auf einen borealen Wald hin, zunächst mit Baumbirken, danach mit Kiefern sowie mit Lärchen, Fichten und in geringem Umfang Erlen.

Im Weichsel-Hochglazial von 57.000 bis etwa 15.000 v. Chr. stießen die Gletscher bis nach Norddeutschland vor. An seiner Basis sind jedoch mehrere wärmere Interstadiale dokumentiert: Das Oerel-Interstadial (WP II) war durch eine baumfreie Strauchtundra gekennzeichnet. Im Ebersdorf-Stadial (WP III) entstand pollenfreier Sand. Das Glinde-Interstadial (WP IV) wies eine baumlose Strauchtundra auf. Im Moershoofd-Interstadial dominierte eine baumlose Tundra mit vielen Sauergrasgewächsen. Im Hengelo-Interstadial traten Sauergrasgewächse und zeitweise viele Zwerg-Birken auf. Das Denekamp-Interstadial war durch Strauchtundra geprägt. Danach folgten die Eisvorstoßphasen Brandenburg, Frankfurt, Pommern und Mecklenburg.

Das kurze Weichsel-Spätglazial von 12.500 bis etwa 10.000 v. Chr. war eine Phase langsamer Erwärmung nach dem Hochglazial, die von kühlen Abschnitten unterbrochen wurde. Das Meiendorf-Interstadial zeigte mehr Pollen von Zwerg-Birken, Weiden, Sanddornen, Wacholder und Artemisia. Es folgten die Älteste Dryaszeit mit einem Maximum an Nicht-Baumpollen, das Bölling-Interstadial mit einem raschen Anstieg von Baumbirkenpollen, die Ältere Dryaszeit mit einem Rückgang der Baumpollen, das Alleröd-Interstadial mit vorherrschenden Birkenpollen und die Jüngere Dryaszeit mit wieder mehr Nicht-Baumpollen, besonders von Sonnenpflanzen.

Die Tabelle des Artikels nennt für die einzelnen Abschnitte folgende Zeitangaben: Eem-Warmzeit 126.000; Herning-Stadial 115.000; Amersfoort-Interstadial, Brörup-Interstadial und Rederstall-Stadial ohne festgelegte Angabe; Odderade-Interstadial 74.000; Schalkholz-Stadial 60.000; Oerel-Interstadial 57.700; Ebersdorf-Stadial 53.500; Glinde-Interstadial 51.500; Moershoofd-Interstadial 48.700; Hengelo-Interstadial 41.300–39.400; Huneborg-Stadial 39.400–34.000; Denekamp-Interstadial 34.000–30.500; Maisières-Interstadial 30.500–29.500; Tursac-Interstadial 27.000–25.500; Brandenburg-Phase 24.000–22.000; Frankfurt-Phase 22.000–20.000; Laugerie-Interstadial 21.500–20.000; Lascaux-Interstadial 19.000–18.200; Pommern-Phase 18.200–15.000; Mecklenburg-Phase 15.000–13.000; Meiendorf-Interstadial 12.500–11.850; Älteste Dryaszeit 11.850–11.720; Bölling-Interstadial 11.720–11.590; Ältere Dryaszeit 11.590–11.400; Alleröd-Interstadial 11.400–10.730 und Jüngere Dryaszeit 10.730–9.700 v. Chr.

Eisdecke und Eisvorstöße

Die Ausdehnung des Fennoskandischen Eisschildes war während der Weichsel-Kaltzeit deutlich geringer als während der älteren Elster- und Saalekaltzeit. In Deutschland reichte der maximale Eisvorstoß ungefähr bis auf eine Linie von Flensburg, Rendsburg, Hamburg, Ahrensburg, südlich Schwerin, Havelberg, Brandenburg an der Havel, Luckenwalde, Lübben und Guben. Damit blieb das Eis innerhalb des nordostdeutschen Tieflandes. Die Elbe und der Südliche Landrücken, der aus der Saalekaltzeit stammt, wurden nicht überschritten. Sie standen aber unter periglazialem Einfluss, unter anderem durch Niederterrassen, Binnendünen und Löss.

Im Hochglazial gab es in Norddeutschland drei oder vier große Vorstoßphasen. Jede hinterließ eine Gruppe von Endmoränen, eine sogenannte Staffel, und lagerte einen eigenen Geschiebemergel ab. Die Brandenburg-Phase erreichte die maximale Ausdehnung, nördlich des Glogau-Baruther Urstromtals und südlich der Potsdamer Urstromtalung. Diese Grenze heißt Brandenburger Eisrandlage. Zur Brandenburg-Phase wird auch die Frankfurter Staffel nordöstlich von Berlin gerechnet, obwohl sie keinen eigenen Geschiebemergel besitzt.

Die Frankfurt-Phase wird in älterer Literatur häufig nicht von der Brandenburg-Phase getrennt. Die Pommern-Phase ist durch die gut ausgebildete Pommersche Eisrandlage nördlich von Eberswalde gekennzeichnet. Die Mecklenburg-Phase mit der Rosentaler Staffel reichte nur noch bis Mecklenburg-Vorpommern. Umstritten ist weiterhin, wie weit das Inlandeis zwischen den einzelnen Stadien nach Norden zurückschmolz. Zusätzlich wurden die Ablagerungen des Spätglazials nach dem Fortschritt des Eisrückzugs in Germaniglazial, Daniglazial, Gotiglazial und Finiglazial gegliedert: Deutschland, Dänemark, Gotland sowie Finnland und Norwegen wurden dabei nacheinander eisfrei.

Landschaftliche Spuren

Das wiederholte Vorrücken und Zurückweichen des Eises hinterließ eine vielfältige Jungmoränenlandschaft mit frischen Formen der glazialen Serie. Dazu gehören Urstromtäler mit Talsandflächen. In ihnen liegen Abschnitte heutiger Flüsse wie Elbe, Oder, Havel und Spree. Das Glogau-Baruther Urstromtal entwässerte die Brandenburger Eisrandlage, das Warschau-Berliner Urstromtal stand mit der Frankfurter Staffel in Verbindung, und das Thorn-Eberswalder Urstromtal entwässerte die Pommersche Eisrandlage.

Weitere Relikte sind die Seenlandschaft der Mecklenburgischen Seenplatte sowie weichselglaziale Seen in Brandenburg und im Schleswig-Holsteinischen Hügelland, darunter der Plöner See in der Holsteinischen Schweiz. Der Schweriner See und der Ratzeburger See entstanden in Gletscherzungenbecken; auch einige Förden haben eine solche Entstehungsgeschichte.

Der Baltische beziehungsweise Nördliche Landrücken besteht aus lebhaft gegliederten, mehrfach hintereinander gestaffelten Endmoränenwällen und begleitet die heutige Ostseeküste bis nach Nordpolen. In Pommern und Masuren werden stellenweise Höhen von über 300 m NN erreicht, darunter 329 m bei Wieżyca südwestlich von Danzig und 312 m südlich von Ostróda. Die höchsten Erhebungen des Pommerschen Stadiums im deutschen Teil sind die Helpter Berge südöstlich von Neubrandenburg mit 179 m.

Rückzug des Eises und Übergang zum Holozän

Nach der Jüngeren Dryaszeit endete das Weichsel-Glazial mit einem abrupten Temperaturanstieg um 9.660 ± 40 v. Chr. Gleichzeitig begann das heutige Interglazial, das Holozän. Der Eisrand zog sich etappenweise nach Norden zurück. Durch das Abschmelzen der Eismassen stieg der zuvor stark gesunkene Meeresspiegel von einem Tiefstand vor etwa 22.000 Jahren insgesamt um etwa 120 m an.

In einem komplizierten Wechselspiel aus Eisstauseen und Meeresvorstößen entstand die heutige Ostsee über mehrere Entwicklungsstadien. Genannt werden der Ancylussee mit dem Baltischen Eisstausee, das Yoldiameer und das Littorinameer. Mit dem Rückzug des Eises wurden Pflanzen und Tiere wiederangesiedelt. Gleichzeitig wanderten Jäger- und Sammlerkulturen in mehreren Siedlungswellen nach Norden.

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