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Geschichte Südafrikas

Politische Verwaltungsaufgaben für die nichtweiße Bevölkerung wurden ebenso wie unter der britischen Kolonialverwaltung in Kontinuität wahrgenommen. Die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ursprünge und Bevölkerungsgruppen
  2. 2. Europäische Expansion und Kolonialherrschaft
  3. 3. Mfecane, Eroberung und Burenrepubliken
  4. 4. Vom Burenkrieg zur Südafrikanischen Union
  5. 5. Aufbau und Durchsetzung der Apartheid
  6. 6. Überwindung der Apartheid und demokratisches Südafrika

Ursprünge und Bevölkerungsgruppen

Die Geschichte Südafrikas umfasst die Entwicklung des äußersten Südens Afrikas zwischen Atlantischem und Indischem Ozean. Das Gebiet gilt als eine Wiege der Menschheit. Fossilien früher Hominini, darunter Australopithecus africanus, werden auf etwa 3,3 bis 3,5 Millionen Jahre, nach einer neueren Schätzung sogar auf etwa 4 Millionen Jahre datiert. Bedeutende Fundstellen sind die Höhlen von Sterkfontein, Kromdraai, Swartkrans und Makapansgat. Homo sapiens ist im südlichen Afrika seit mindestens 165.000 Jahren nachweisbar.

Vor rund 35.000 bis 20.000 Jahren lebten dort San als nomadische Jäger und Sammler. Ihre bis zu 26.000 Jahre alten Felsmalereien gehören zu wichtigen Zeugnissen der Frühgeschichte. Vor etwa 2000 Jahren übernahmen Gruppen der San Viehzucht und Keramik und entwickelten sich zu den Khoikhoi. Sie lebten in größeren, hierarchisch gegliederten Stammesverbänden. Konflikte um Weideland, Wasser und Vieh drängten viele San in trockenere Gebiete. San und Khoikhoi werden häufig unter dem Sammelbegriff Khoisan zusammengefasst.

Bantu-Sprachgruppen wanderten wahrscheinlich seit dem dritten Jahrhundert, spätestens aber vor dem Jahr 1000 weitgehend abgeschlossen, von Norden in das östliche Südafrika ein. Funde von Eisen- und Kupferschmelzstätten, Töpferwaren, Befestigungen und Skeletten belegen ihre Anwesenheit zwischen dem dritten und zwölften Jahrhundert; Ackerbau ist in Transvaal und Natal seit etwa 200 n. Chr. nachweisbar. Die Ausbreitung reichte zwischen 1300 und 1600 bis zum Highveld und zum Great Kei River. Die Trockenheit verhinderte eine dauerhafte Besiedlung der Westhälfte. Im 18. Jahrhundert bildeten sich die Gruppen der Nguni, Tsonga, Sotho und Venda heraus, darunter Zulu, Xhosa, Swasi, Basotho, Batswana, Ndebele und Pedi.

In der Apartheid wurden Menschen staatlich in Gruppen wie Schwarze, Weiße, Coloureds und Asiaten eingeteilt. Der Begriff Bantu bezeichnet lediglich die Völker der Bantu-Sprachfamilie und ist keine Selbstbezeichnung. Abwertende Bezeichnungen wie Hottentotten, Buschleute und Kaffern werden heute nicht mehr verwendet. Afrikaanssprachige Weiße bezeichnen sich als Afrikaaner; Buren ist eine annähernd synonym gebrauchte Bezeichnung, die ursprünglich niederländischstämmige Bauern meinte.

Europäische Expansion und Kolonialherrschaft

Portugiesische Seefahrer suchten seit dem 15. Jahrhundert einen Seeweg nach Indien. Bartolomeu Diaz erreichte 1488 die Südspitze Afrikas, die zunächst Kap der Stürme und später Kap der Guten Hoffnung genannt wurde. Vasco da Gama landete 1498 an der südafrikanischen Küste und gab der Region Natal ihren Namen. Die Portugiesen gründeten jedoch keine dauerhafte Niederlassung.

1652 errichtete Jan van Riebeeck im Auftrag der Niederländischen Ostindien-Kompanie in Kapstadt eine Versorgungsstation für Schiffe. Daraus entstand die Kapkolonie. Seit 1657 bewirtschafteten entlassene Kompanieangestellte als Vryburger eigene Farmen. Getreidebau, Weinbau und Viehzucht nahmen zu; 1689 kamen 180 französische Hugenotten hinzu. Die VOC regelte auch die knappen Wasserressourcen. Zwischen 1658 und 1795 wurden Sklaven aus Indonesien, Indien, Madagaskar und später vor allem Mosambik eingeführt. Bei der Abschaffung der Sklaverei 1834 lebten am Kap etwa 40.000 bis 60.000 Sklaven.

Die Ausbreitung der Siedler führte zu Konflikten mit Khoikhoi und San. Treckburen zogen seit dem späten 17. Jahrhundert auf der Suche nach Weideland nach Norden und Osten. Zwischen 1785 und 1795 wurden nach offiziellen Angaben 2504 San getötet und 699 gefangen genommen. Die Grenze der Kapkolonie verschob sich schrittweise bis zum Great Kei River. Seit etwa 1760 kam es außerdem zu Kämpfen mit den Xhosa.

1795 besetzten britische Truppen die Kapkolonie. Nach einer kurzen Rückgabe an die Batavische Republik annektierte Großbritannien sie 1806 endgültig; 1815 wurde die Abtretung bestätigt. Die Siedler von 1820 brachten 4000 bis 5000 Briten ins Land, Englisch wurde Amtssprache. 1853 erhielt die Kolonie eine begrenzte Selbstregierung, 1872 die innere Autonomie. Das Kapwahlrecht schloss Schwarze und Farbige zunächst nicht grundsätzlich aus, wurde aber später rassistisch eingeschränkt. Der Diamantenfund von 1869 in Kimberley führte zu Bergbau, Wanderarbeit und der Unterbringung schwarzer Arbeiter in Compounds.

Mfecane, Eroberung und Burenrepubliken

Die Mfecane bezeichnet einen etwa von 1817 bis Mitte der 1840er Jahre dauernden Prozess gewaltsamer Herrschaftsveränderungen unter den Völkern des südöstlichen Südafrika. Ihre Ursachen sind umstritten; genannt werden Dürren, Sklaven- und Elfenbeinhandel, Rivalitäten sowie das Vordringen der Buren. Auslöser war die Expansion der Zulu unter Shaka. Kriege und Vertreibungen führten unter anderem zur Abspaltung der Ndebele, zur Einigung der Basotho unter Moshoeshoe und zur Entstehung des Swasi-Königreichs.

An der Ostgrenze der Kapkolonie führten die Briten zwischen 1778 und 1878 neun Grenzkriege, vor allem gegen die Xhosa. Die Xhosa wurden durch militärische Gewalt, Landverlust und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen geschwächt. Eine Viehtötung im Jahr 1857 löste eine Hungersnot aus; die Bevölkerung im Xhosa-Gebiet sank dabei von etwa 105.000 auf 38.500. 1879 besiegten die Briten das Zulu-Reich zunächst bei Ulundi, nachdem die Zulu ihnen bei Isandhlwana am 22. Januar eine schwere Niederlage zugefügt hatten. Weitere Gebiete wurden annektiert oder zu Protektoraten, darunter Pondoland, Betschuanaland, Basutoland und Swasiland.

Der Große Treck begann nach der Abschaffung der Sklaverei 1834, der rechtlichen Gleichstellung freier Nichtweißer und der zunehmenden Anglisierung am Kap. Rund 12.000 Buren wanderten in mehreren Wellen nach Norden; die Angaben schwanken jedoch zwischen mindestens 6000 bis 1840 und über 20.000 zwischen 1835 und 1845. Nach dem Sieg der Buren über die Zulu am Blood River am 16. Dezember 1838 entstanden Natalia, der Oranje-Freistaat und Transvaal. Natalia wurde 1843 von Großbritannien annektiert. Die Sand River Convention von 1852 erkannte Transvaal an, die Bloemfontein Convention von 1854 den Oranje-Freistaat. Beide Republiken besaßen ein nur Weißen vorbehaltenes Wahlrecht.

Der Goldfund am Witwatersrand 1886 machte Transvaal zum Zentrum industriellen Bergbaus und verstärkte die Spannungen mit Großbritannien. Nach der britischen Annexion Transvaals 1877 erkämpften die Buren im Ersten Burenkrieg 1880/81 ihre Selbstverwaltung und 1884 ihre volle Unabhängigkeit zurück.

Vom Burenkrieg zur Südafrikanischen Union

Der Konflikt zwischen Großbritannien und den Buren verschärfte sich durch den Zustrom britischer Goldsucher, Eisenbahnfragen und die politische Benachteiligung der sogenannten uitlanders. Der Jameson Raid vom 2. Januar 1896 scheiterte. Am 11. Oktober 1899 begann der Zweite Burenkrieg. Großbritannien nahm Bloemfontein und Pretoria ein, doch die Buren setzten den Kampf als Guerillakrieg fort. Die britische Strategie der verbrannten Erde und die Internierung von Frauen und Kindern in Concentration Camps forderten zahlreiche Opfer. Etwa 21.000 von rund 450.000 britischen Soldaten fielen; auf burischer Seite starben etwa 7000 Bewaffnete und rund 28.000 Zivilisten. Mehrere Tausend Schwarze starben durch Hunger und Krankheiten. Der Frieden von Vereeniging vom 31. Mai 1902 wandelte die Republiken in britische Kolonien um.

Am 31. Mai 1910 entstand aus Kapkolonie, Natal, Transvaal und Oranjefluss-Kolonie die Südafrikanische Union, ein selbstregiertes Dominion im britischen Commonwealth. Die Provinzen behielten zunächst ihre jeweiligen Wahlrechte; Schwarze und Coloureds besaßen nur am Kap ein eingeschränktes Wahlrecht. Kapstadt wurde Parlamentssitz, Pretoria Regierungssitz und Bloemfontein Sitz des obersten Gerichts. Louis Botha wurde erster Premierminister, später folgte Jan Christiaan Smuts.

Im Ersten Weltkrieg kämpfte Südafrika auf britischer Seite. 140.000 weiße Südafrikaner nahmen an den Kämpfen teil, unterstützt von 80.000 unbewaffneten schwarzen Hilfstruppen. Nach dem Krieg erhielt die Union die Mandatsverwaltung über Südwestafrika. Die Nationale Partei propagierte einen Afrikaaner-Nationalismus und die Vorrangstellung der Weißen. Der Natives Land Act von 1913 beschränkte den Landerwerb der Schwarzen, die etwa 70 Prozent der Bevölkerung stellten, auf zunächst 7,13 Prozent der Fläche; 1936 wurde die Quote nominal auf 13,6 Prozent erhöht. 1926 erlangte Südafrika faktische, 1931 durch das Statut von Westminster formale gesetzgeberische Unabhängigkeit von Großbritannien.

Aufbau und Durchsetzung der Apartheid

Der Zweite Weltkrieg stärkte die Industrie, beschleunigte aber auch die Urbanisierung schwarzer Arbeiter und verschärfte Armut, Arbeitslosigkeit und soziale Spannungen. 1948 gewann die Nationale Partei mit dem Programm der Apartheid die Wahl. Apartheid bedeutete die gesetzlich organisierte, radikale Trennung der Bevölkerungsgruppen und baute zunächst auf bereits bestehenden Regelungen auf.

Der Population Registration Act von 1950 schrieb die Zuordnung jedes Menschen zu einer staatlich definierten Gruppe vor. Der Group Areas Act legte getrennte Wohngebiete fest, der Bantu Education Act von 1953 verschlechterte die Bildung schwarzer Kinder, und der Suppression of Communism Act unterdrückte politischen Widerstand. Ehen zwischen Menschen verschiedener Gruppen waren seit 1949 verboten. Stadtteile wie Sophiatown wurden zerstört und ihre Bewohner in Townships zwangsumgesiedelt. Insgesamt wurden mehr als 1000 Regelungen zur Rassentrennung erlassen.

Hendrik Verwoerd setzte die Politik ab 1958 als Premierminister besonders konsequent um. Mit dem Promotion of Bantu Self-Government Act von 1959 wurden 42 Reservate zu acht Homelands zusammengefasst. Diese waren formal souverän, tatsächlich jedoch wirtschaftlich, finanziell und militärisch von Südafrika abhängig. Bis etwa 1985 wurden rund 3,5 Millionen Schwarze zwangsumgesiedelt. 1960 erschoss die Polizei beim Sharpeville-Massaker 69 demonstrierende Schwarze. ANC und PAC wurden verboten, und der ANC ging mit Umkhonto we Sizwe zum bewaffneten Kampf über. Nelson Mandela wurde 1964 im Rivonia-Prozess zu lebenslanger Haft verurteilt.

1961 wurde nach einem Referendum die Republik Südafrika gegründet; das Land schied wegen der Apartheid aus dem Commonwealth aus. Unter Vorster und Botha wurden Sicherheitsapparat und militärische Gewalt ausgebaut. Der Soweto-Aufstand vom 16. Juni 1976 gegen Afrikaans als Unterrichtssprache endete mit etwa 600 erschossenen Schwarzen. In den 1980er Jahren führten Streiks, Aufstände, internationale Sanktionen und der Widerstand der United Democratic Front zu einem landesweiten Ausnahmezustand. Botha hob einige Apartheidgesetze auf und führte 1984 ein Dreikammerparlament für Weiße, Coloureds und Asiaten ein, schloss die schwarze Mehrheit aber weiterhin aus.

Überwindung der Apartheid und demokratisches Südafrika

1989 leitete Präsident Frederik Willem de Klerk den politischen Wandel ein. Am 2. Februar 1990 kündigte er die Aufhebung des Verbots von ANC, PAC und SACP sowie Verhandlungen über eine neue Ordnung an. Nelson Mandela wurde kurz darauf freigelassen. Der Population Registration Act, der Group Areas Act und die Land Acts wurden abgeschafft. Der Übergang war von Machtkämpfen zwischen ANC und Inkatha überschattet, bei denen etwa 30.000 Menschen starben. In einem auf weiße Wähler beschränkten Referendum von 1992 stimmten knapp 69 Prozent für den Reformkurs. Mandela und de Klerk erhielten 1993 den Friedensnobelpreis.

Vom 26. bis 29. April 1994 fanden die ersten Wahlen unter Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit statt. Das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer aller Ethnien wurde 1994 erreicht. Der ANC gewann 62,6 Prozent der Stimmen. Mandela wurde am 10. Mai 1994 erster schwarzer Präsident; die Nationale Partei und Inkatha wurden in eine Regierung der nationalen Einheit einbezogen. Südafrika trat wieder dem Commonwealth bei, löste die Homelands auf und bildete neun Provinzen. Die endgültige Verfassung wurde im Mai 1996 verabschiedet.

Die Wahrheits- und Versöhnungskommission untersuchte Verbrechen der Apartheid und des Widerstands. Bei 31.000 Fällen erhielten 849 Personen Amnestie, 5392 Anträge wurden abgelehnt. Gleichzeitig blieben soziale Ungleichheit, Korruption, Landkonflikte, AIDS und Gewaltkriminalität bestehen. Thabo Mbeki folgte Mandela 1999, Jacob Zuma wurde 2009 Präsident und Cyril Ramaphosa 2018. 2012 wurden beim Massaker von Marikana 34 streikende Bergarbeiter von der Polizei erschossen. 2021 starben bei Unruhen nach Zumas Haftantritt mindestens 337 Menschen. 2022 verurteilte Südafrika den russischen Angriff auf die Ukraine, enthielt sich aber bei der einschlägigen UN-Resolution und forderte verstärkte Diplomatie.

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