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Südafrikanisches Englisch
Südafrikanisches Englisch (kurz SAfEng) ist eine Varietät der englischen Sprache, die in Südafrika gesprochen wird. Südafrikanisches Englisch zeichnet sich …
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Überblick und Bedeutung
Südafrikanisches Englisch (SAfEng) ist eine in Südafrika gesprochene Varietät der englischen Sprache. Es hat 3–4 Millionen Muttersprachler; die Mehrheit der Bevölkerung verwendet Englisch als Zweitsprache. Englisch ist eine von elf Amtssprachen Südafrikas und dient neben Afrikaans und Zulu als Lingua franca, also als gemeinsame Verständigungssprache für Menschen mit verschiedenen Erstsprachen.
Kennzeichnend sind eine Aussprache, die durch die Erstsprachen verschiedener Bevölkerungsgruppen beeinflusst ist, sowie ein Wortschatz mit vielen Lehnwörtern, besonders aus Afrikaans und Zulu. Die wichtigsten Varianten sind weißes, schwarzes und indisches südafrikanisches Englisch. Daneben bestehen sozial oder regional begrenzte Varianten, etwa Cape Flats English der Arbeiterklasse von Cape Town.
Geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklung
Englisch wird in Südafrika seit der Ansiedlung britischer Siedler in der Kapregion 1820 gesprochen. Etwa 4500 Siedler aus Großbritannien sollten das Kap als britische Kolonie festigen. Weitere Gruppen besiedelten in den 1840er und 1850er Jahren vor allem Natal. Im 19. Jahrhundert kamen außerdem indische Arbeitskräfte für Plantagen in Natal; sie lernten Englisch zusätzlich zu ihren indischen Muttersprachen. Nach Gold- und Diamantenfunden wanderten im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts etwa eine halbe Million Europäer ein, darunter viele Englischsprachige.
Niederländische Siedler waren zahlenmäßig deutlich stärker vertreten; ihre niederländische Varietät entwickelte sich zum Afrikaans. Nach dem Zweiten Burenkrieg von 1899–1902 behielten die Briten zunächst die Oberhand. 1910 wurden Kapkolonie, Natal, Transvaal und Orange River Colony zur Union of South Africa vereinigt. Südafrika erklärte sich 1961 zur Republic of South Africa / Republiek van Suid-Afrika (RSA) und trat aus dem Commonwealth of Nations aus.
Im 19. Jahrhundert war Englisch trotz weniger Muttersprachler die führende Sprache von Industrie, Handel und öffentlichem Verkehr; Sprachkenntnisse waren mit angesehenen und gut bezahlten Arbeitsstellen verbunden. Während der Apartheid ab 1961 wurde Englisch in Verwaltung und Bildung zugunsten von Afrikaans zurückgedrängt. Der Versuch, Afrikaans als alleinige Sprache der Oberstufe durchzusetzen, führte 1976 zum Aufstand in Soweto; danach ließ die Regierung Englisch als alleinige Unterrichtssprache in der Oberstufe zu.
Seit dem Ende der Apartheid 1994 gewann Englisch wieder an Bedeutung. Afrikaans wurde von vielen nichtweißen Menschen als Sprache der Unterdrückung erlebt, Englisch dagegen als Sprache der Emanzipation und des African National Congress. Heute ist Englisch besonders in höherer Schulbildung und Hochschulbildung, internationaler Politik, Wirtschaft und Handel wichtig.
Verbreitung und Varianten
Muttersprachliche Englischsprecher konzentrieren sich vor allem auf Western Cape, Gauteng und KwaZulu-Natal. Ähnliche englische Varianten werden auch in Simbabwe, Namibia, Sambia und Kenia gesprochen. 11,04 Prozent der über 15-jährigen Bevölkerung sprachen 2015 Englisch als Muttersprache.
Die Bezeichnungen weißes, schwarzes, Coloured- und asiatisches Englisch sind wegen ihrer Verbindung zur Apartheid problematisch. Sie werden in der Sprachwissenschaft dennoch verwendet, weil die Apartheid die Bildungswege und Sprachformen der Bevölkerungsgruppen stark prägte und daher eine Korrelation zwischen ethnolinguistischer Gruppe und Dialekt besteht.
Weißes südafrikanisches Englisch umfasst mehrere soziale Formen. Cultivated White South African English orientiert sich an der britischen Received Pronunciation, die hohes Prestige hat. General oder Respectable White South African English ist ein weithin akzeptierter südafrikanischer Standard. Broad South African English steht dem Afrikaans English, dem zweitsprachlichen Englisch von Afrikaans-Muttersprachlern, nahe.
Schwarzes südafrikanisches Englisch ist überwiegend eine Zweitsprache neben einer afrikanischen Sprache und entstand auch durch die getrennten Bildungsinstitutionen der Apartheid. Es bildet ein Kontinuum: Der Mesolekt liegt näher am Standardenglisch, der Akrolekt weicht besonders in der Aussprache stärker ab und ist meist durch afrikanische Muttersprachen geprägt. Sein Prestige war lange geringer als das des weißen südafrikanischen Englisch, wird in informellen Bildungskontexten aber zunehmend akzeptiert.
Indisches südafrikanisches Englisch wird von indischen Einwanderern und ihren Nachfahren gesprochen. Es war zunächst Zweitsprache, ist inzwischen meist Erstsprache und eine eigenständige Varietät, nicht einfach indisches Englisch aus Indien. Es ist unter anderem durch General South African English, indisches Englisch, indische Sprachen der ersten Einwanderergeneration und regionale Varianten in KwaZulu-Natal beeinflusst.
Aussprache
Südafrikanisches Englisch unterscheidet sich von britischem und amerikanischem Englisch vor allem durch die Aussprache. Das Konsonantensystem ähnelt dem britischen, besitzt aber zusätzlich den velaren Frikativ /x/, etwa in Lehnwörtern aus Afrikaans oder Khoisan wie gogga („Insekt, Käfer“). In Broad South African English und Afrikaans English wird [θ] meist als [f] gesprochen. Im schwarzen südafrikanischen Englisch treten eher [t] für [θ] und [d] für [ð] auf; im indischen südafrikanischen Englisch eher die dentalen Laute [t̪] und [d̪].
Im weißen südafrikanischen Englisch werden die stimmhaften Konsonanten /v, ð, z, ʒ/ am Wortende stimmlos. In schwarzem südafrikanischen Englisch werden Plosive am Silbenanfang regelmäßig aspiriert, also mit hörbarem Hauch gesprochen. /tʃ/ wird dort meist als [ʃ], /dʒ/ häufig als [dʒ] oder [ʒ] realisiert. Einige Sprecher mit südindischem Hintergrund lassen anlautendes [h] aus. /r/ kann postalveolar, retroflex [ɹ], als [ɾ] oder als Trill [r] gesprochen werden; wie britisches Englisch ist südafrikanisches Englisch nicht-rhotisch.
Bei Vokalen fällt im weißen südafrikanischen Englisch die Variation in kit und bath auf: [ɪ] steht vor Velaren und Palatalen, sonst erscheint ein zentraleres [ï]. General und Broad White South African English verwenden in bath einen offeneren und weiter hinten gebildeten Vokal. Schwarzes südafrikanisches Englisch hat die Monophthonge /i, ɛ, a, ɔ, u/ und unterscheidet nicht zwischen gespannten und ungespannten Vokalen, etwa nicht zwischen [i] und [ɪ].
Diphthonge werden häufig zu Monophthongen vereinfacht. Im weißen südafrikanischen Englisch können [aʊ] in mouth und [aɪ] in price zu [a:] werden: [ma:θ] und [pra:s]. Auch im schwarzen südafrikanischen Englisch gibt es diese Tendenz. Im indischen südafrikanischen Englisch werden Diphthonge meist eher britisch gesprochen; [ɛə] in square wird jedoch wie im General White South African English zu [e:]. Für schwarzes und indisches südafrikanisches Englisch wird eher silbenzählender als akzentzählender Sprechrhythmus beschrieben.
Grammatik und Wortschatz
Die Grammatik weicht insgesamt weniger vom britischen und amerikanischen Englisch ab als Aussprache und Wortschatz. In Broad White South African English kann is it? als allgemeine Rückfrage stehen: „He's gone to town. – Oh, is it?“ statt „Oh, has he?“ Möglich sind auch to + Infinitiv statt of + Partizip („This plastic is capable to withstand heat.“), by statt at („He left it by the house.“) und be busy + V-ing, auch bei „relax“: „I'm busy relaxing.“ Objekte transitiver Verben können ausgelassen werden, etwa „Did you bring?“ No kann Zustimmung oder Überraschung ausdrücken: „No, I'm fine.“
Im schwarzen südafrikanischen Englisch erscheint be + V-ing auch in Kontexten, in denen es im britischen Standardenglisch nicht üblich ist: „Even racism is still existing ...“ Typisch sind außerdem can be able, häufigeres that und Topikalisierung, das Voranstellen eines Satzteils zur Betonung: „Today's children, they are so lazy.“ Im indischen südafrikanischen Englisch kann be fehlen („Harry not here.“), und es gibt variable Relativsätze, darunter Korrelative wie „Which-one I put in the jar, that-one is good.“ Auffällig ist y'all als zweite Person Plural, auch als Possessivform yall's: „Is that yall's car?“ Auch Topikalisierung kommt vor: „Change I haven't got.“
Lehnwörter aus afrikanischen Sprachen sind unter anderem impi („Kriegsgruppe, Gruppe bewaffneter Männer“), indaba („Besprechung, Geschäft“), gogo („Großmutter“), mamba („[giftige] Schlange“) und suka („weggehen“). Aus Afrikaans stammen etwa koppie („kleiner Hügel, Berg“), dorp („Dorf“), veld („offenes, flaches Land“), Afrikaner und apartheid. Weitere südafrikanische Ausdrücke sind bioscope statt cinema, location statt ghetto, robot statt traffic light und reference book für ein Identitätsdokument. Im indischen südafrikanischen Englisch finden sich beispielsweise dhania („Koriander“) und masala („gemahlene Gewürze“), die außerhalb der indischen Community jedoch nur selten allgemein gebraucht werden.
Forschung
Seit dem Ende der Apartheid in den 1990er Jahren haben sich die Forschungsschwerpunkte erweitert. Zunächst standen das von Muttersprachlern gesprochene südafrikanische Englisch, seine Merkmale und seine Entwicklung zu einem neuen Standard im Zentrum. Danach wurden schwarzes und indisches südafrikanisches Englisch stärker untersucht, da beide sich zu eigenständigen Varianten entwickelten. Im Zusammenhang mit den New Englishes, also weltweit untersuchten neueren Englischvarietäten in Afrika, Asien und der Karibik, gewannen außerdem Fragen der Standardisierung, der Bildung und der südafrikanischen Sprachpolitik an Bedeutung.