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Geschichte Prags
... Prag. Der Prager Frühling 1968 war ein erster erfolgloser Versuch zur Demokratisierung des kommunistischen Regimes. Seit der Wende im Jahr 1989 entwickelte …
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Von der Frühgeschichte zur mittelalterlichen Stadt
Prag ist die Hauptstadt Tschechiens. Seine Entwicklung begann im fruchtbaren Prager Becken, das seit dem Paläolithikum begangen und seit dem Neolithikum, der Bronze- und der Eisenzeit nahezu durchgängig und besonders dicht besiedelt war. In der Latènezeit lebten dort Kelten, die sich selbst Boier nannten. Ein bedeutendes Zeugnis ist das späthallstatt- und latènezeitliche Oppidum Závist im südlichen Prager Stadtgebiet.
Im 1. Jahrhundert n. Chr. wanderten germanische Gruppen ein und schlossen sich den Markomannen unter Marbod an. Während der Völkerwanderung wurde das Gebiet im 6. Jahrhundert von den hier lebenden Langobarden weitestgehend geräumt. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts wanderten Slawen nach Böhmen ein und ließen sich auf dem heutigen Stadtgebiet nieder. Eine wichtige frühslawische Siedlung lag bei Roztoky am linken Moldauufer. Weitere Siedlungs- und Brandgrabfunde gibt es unter anderem in Bubeneč, Dejvice, Veleslavín, Bohnice und Hradčany.
Im 8. und 9. Jahrhundert verdichtete sich die Besiedlung. Leicht befestigte Burgwälle entstanden etwa in Butovice, bei Zámka und im Šárka-Tal. Die Prager Burg auf dem Hradschin wurde in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts von den Přemysliden gegründet. Im späten 9. und im 10. Jahrhundert entstanden dort die ersten christlichen Kirchen. Gleichzeitig gab es Siedlungen auf der heutigen Kleinseite sowie am Loreto- und Hradschinplatz. In der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts wurde mit dem Vyšehrad eine zweite Burg auf der gegenüberliegenden Moldauseite gegründet.
Prag wurde unter den Přemysliden zunehmend zum politischen und wirtschaftlichen Zentrum. 973 entstand unter Boleslav II. ein selbständiges Bistum; Prag wurde Bischofssitz und unterstand zunächst dem Erzbistum Mainz. 1344 wurde das Bistum zum Erzbistum erhoben und damit unabhängig von Mainz. Die Lage an wichtigen Handelsstraßen und an zwei Furten der Moldau zog im 11. und 12. Jahrhundert deutsche und jüdische Kaufleute sowie einheimische Handwerker an. Seit dem späten 12. Jahrhundert verband die steinerne Judithbrücke die beiden Flussseiten.
Stadtgründungen und Ausbau unter Karl IV.
Um 1230/34 ließ König Wenzel I. die größte romanische Siedlung an der Moldaubiegung befestigen und verlieh ihr das Stadtrecht. Prag wurde königliche Residenzstadt. Die doppelte Stadtmauer mit Graben bezog auch bisher unbebaute Flächen ein. Innerhalb dieses Gebiets entstand durch süddeutsche Kolonisten die Gallusstadt, die bis zur Vereinheitlichung der Stadtrechte der Altstadt um 1287 eine eigene Rechtsordnung besaß.
Přemysl Ottokar II. gründete 1257 auf dem anderen Moldauufer die erste Prager Neustadt unterhalb der Burg, die heutige Kleinseite, und stattete sie mit Magdeburger Stadtrecht aus. Vor 1320 wurde wahrscheinlich durch den Burggrafen Hynek Berka von Dubá die abhängige Stadt Hradschin angelegt.
Mitte und in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurde Prag unter Karl IV. und Wenzel IV. umfassend zur Metropole der böhmischen Krone und des Heiligen Römischen Reiches ausgebaut. Karl ließ ab 1333 die nach einem Brand von 1303 zerstörte Prager Burg wiederaufbauen. 1344 wurde das Bistum Prag zum Erzbistum erhoben; danach begann der Neubau des Veitsdoms. Karl wurde 1346 zum römisch-deutschen König gewählt, gründete 1348 die Karls-Universität als erste deutsche Universität und die riesige Prager Neustadt. Außerdem ließ er den Vyšehrad erneuern und vergrößern. Nach seiner Kaiserkrönung 1355 begann 1357 der Bau der steinernen Karlsbrücke mit dem Altstädter Brückenturm. 1360 erhielt die Kleinseite eine neue Befestigung.
Die Neustadt wurde systematisch um drei große Märkte angelegt: den Heumarkt, den fast 700 m langen Rossmarkt, heute Wenzelsplatz, und den Viehmarkt, heute Karlsplatz. Von ihnen gingen meist rechtwinklige Straßensysteme aus. In Marktnähe entstanden die Klöster St. Maria Schnee, St. Ambrosius und Emmaus. Kirchen betonten wichtige Geländepunkte; die fünf bedeutendsten Kirchenanlagen im Süden der Neustadt bildeten nach mittelalterlicher Vorstellung die Form eines Kreuzes.
Der Aufbau der Neustadt war im Wesentlichen 1367 abgeschlossen. 1378 hatte Prag rund 40.000 Einwohner und war damit nach Paris, Gent und Brügge die viertgrößte Stadt nördlich der Alpen. Eine andere Berechnung kommt auf 67.110 Einwohner auf beiden Moldauseiten; unter Einbeziehung von Besatzung, Geistlichen, Hof und Universität ergibt sich eine Schätzung von ungefähr 85.000 Einwohnern. Bei der Fläche war Prag nach Rom und Konstantinopel die drittgrößte Stadt Europas. Die Stadtmauern umschlossen 7,5 km², davon rund 2,4 km² die Neustadt.
Hussitenzeit, Habsburger und Dreißigjähriger Krieg
Soziale und religiöse Spannungen in den unterschiedlich organisierten Prager Städten führten 1419 zum Hussitenaufstand. Er begann mit dem ersten Prager Fenstersturz am 30. Juli 1419 und verursachte schwere Zerstörungen. Jan Želivský, Anführer der radikalen Hussiten, wurde 1422 am Altstädter Ring hingerichtet.
1526 übernahmen die Habsburger die böhmische Thronfolge und behielten sie fast lückenlos bis 1918. Ein Stadtbrand zerstörte 1541 Hradschin und Kleinseite fast vollständig. Nach der Beteiligung der Prager Städte am böhmischen Ständeaufstand von 1546/47 verloren sie viele Rechte und Freiheiten und mussten hohe Strafgelder zahlen.
Unter Rudolf II. wurde Prag 1583 erneut Kaiserresidenz und zu einem Mittelpunkt von Wissenschaft und Kunst in Mitteleuropa. Viele Deutsche und Angehörige anderer Nationalitäten kamen als Neubürger hinzu. Rudolf förderte die Wiederansiedlung der Juden und holte unter anderem Tycho Brahe und Johannes Kepler an den Hof. Prag erhielt dadurch nach der seit der Hussitenzeit überwiegend tschechischen Prägung wieder einen multikulturellen Charakter.
Der zweite Prager Fenstersturz von 1618 löste den Dreißigjährigen Krieg aus. Nach dem Sieg der katholischen Habsburger über die protestantischen Stände in der Schlacht am Weißen Berg 1620 wurde die kulturelle Entwicklung vom Prager Barock geprägt. Protestanten wurden vertrieben, eine gewaltsame Rekatholisierung setzte ein, und die städtische Autonomie wurde durch die Stadtverfassung von 1622 stark eingeschränkt. Im Juni 1621 wurden 27 Anführer des böhmischen Aufstands am Altstädter Ring hingerichtet.
Sächsische Truppen besetzten Prag 1631; 1632 eroberte Wallenstein die Stadt zurück. Im Sommer 1648 nahmen schwedische Truppen unter Hans Christoph von Königsmarck Kleinseite, Hradschin und die Prager Burg ein. Dort kam es zum Prager Kunstraub. Die rechts der Moldau gelegenen Stadtteile hielten bis zum Kriegsende stand. Danach ließ Kaiser Ferdinand III. ein über 14 km langes barockes Schutzsystem mit neun Toren und rund 30 Bastionen errichten.
18. Jahrhundert und nationale Erneuerung
Im März 1713 trat in Prag die Pest auf. Am 28. September 1713 erreichte sie mit 285 Toten an einem einzigen Tag ihren Höhepunkt. Insgesamt starben in Prag rund 20.000 Menschen; für Böhmen und Mähren werden nach zurückhaltenden Schätzungen rund 100.000 Opfer genannt.
1741 eroberten Bayern und Franzosen mit sächsischen Truppen Prag. Im Zweiten Schlesischen Krieg kapitulierte die Stadt am 16. September 1744 nach einer zweiwöchigen Belagerung durch preußische Truppen. Im Siebenjährigen Krieg fand am 6. Mai 1757 die Schlacht bei Prag statt, in der über 24.000 Soldaten fielen. Ein österreichisches Entsatzheer besiegte die preußischen Truppen am 18. Juni 1757 bei Kolin, knapp 60 km östlich von Prag.
1784 wurden Hradschin, Kleinseite, Altstadt und Neustadt zu einer geschlossenen Stadt vereinigt. Zuvor waren sie selbständige Prager Städte gewesen.
Im 19. Jahrhundert wuchs Prag im Zuge der Industrialisierung stark. 1818 wurde das Nationalmuseum gegründet und zu einem Zentrum der tschechischen Nationalkultur. 1830 entstand vor dem Píseker Tor eine Pferdebahn nach Kladno, 1834 die Königliche Ständische Technische Lehranstalt als erste technische Hochschule Europas. 1848 trat das tschechische Nationalbewusstsein wieder als eigenständiger politischer Faktor hervor. Der Prager Pfingstaufstand wurde am 16. Juni 1848 von österreichischen Truppen niedergeschlagen.
Die Volkszählung von 1847 ermittelte 66.046 Deutsche und 36.687 Tschechen. Bis 1861 amtierte ein deutscher Bürgermeister; danach stieg die Zahl der tschechischen Einwohner infolge der Industrialisierung der Vorstädte stark. Smíchov, Karlín, Holešovice und Libeň wurden wichtige Industriestandorte. 1874 wurden große Teile der Stadtbefestigung abgetragen, wodurch Prag mit seinen Vororten zusammenwuchs. 1891 fanden eine große tschechische Industrieausstellung sowie die Eröffnung des Messegeländes und des Aussichtsturms Petřín statt; 1896 begann der regelmäßige Straßenbahnverkehr.
Die Aufteilung der Karls-Universität in eine deutsche und eine tschechische Universität spiegelte die ethnischen Konflikte wider. Zwischen 1844 und 1921 kam es achtmal zu antisemitischen Ausschreitungen. Um 1900 war Prag zugleich ein Zentrum tschechischer und deutschsprachiger Kunst und Literatur. Die jüdische Bevölkerung betrug 1900 18.986 Menschen beziehungsweise 9,4 % der Gesamtbevölkerung; 1910 waren es 18.041 Menschen beziehungsweise 8,1 %.
Tschechoslowakische Hauptstadt und NS-Besatzung
Der Erste Weltkrieg brachte materielle Not sowie politische und nationale Unterdrückung. Am 28. Oktober 1918 rief das Nationalkomitee die Selbstständigkeit der Tschechoslowakischen Republik aus; Prag wurde Hauptstadt. 1922 wurde die Stadt durch die Eingemeindung von 37 Vororten zu „Groß-Prag“ erweitert, darunter Vinohrady, Karlín, Žižkov und Smíchov. In den 1920er Jahren lebten etwa 600.000 Tschechen und rund 30.000 Deutsche in Prag.
Die Stadt erlebte in den 1920er Jahren einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung, der durch die Weltwirtschaftskrise beendet wurde. 1929 wurde der Veitsdom vollendet. Gleichzeitig prägten Funktionalismus, unter anderem beim Messepalast und der Werkbundsiedlung, sowie kubistische Architektur, etwa das Haus zur Schwarzen Muttergottes, das Stadtbild. Der Flugverkehr begann 1919 in Kbely; 1937 wurde der zivile Flughafen Praha Ruzyně eröffnet.
Am 15. März 1939 marschierten deutsche Truppen ein. Prag wurde Hauptstadt des Protektorats Böhmen und Mähren. Die Verfolgung der Prager Juden begann sofort; jüdische Einrichtungen und Unternehmen wurden geschlossen und enteignet. Ab 1941 wurden Juden zunächst in das Ghetto Litzmannstadt, später in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Von knapp 49.500 jüdischen Einwohnern, die 1939 in Prag lebten, überlebten nur etwa 7500 die Schoah.
Prag wurde im Zweiten Weltkrieg von den Alliierten weitgehend geschont, da die Stadt zu über 90 % tschechisch war und keine kriegswichtige Industrie besaß. Es gab jedoch vier alliierte Luftangriffe. Der Prager Aufstand begann am 5. Mai 1945. Die Wlassow-Armee unterstützte die Aufständischen kurzzeitig, zog sich aber in der Nacht zum 8. Mai zurück. Deutsche Truppen kapitulierten am 8. Mai gegenüber dem Tschechischen Nationalrat; sowjetische Truppen erreichten Prag am Morgen des 9. Mai.
Danach kam es zu Gewaltausbrüchen gegen die verbliebene deutsche Minderheit. Nach tschechischen Angaben starben in zwölf Tagen knapp 1000 deutsche Zivilisten; diese Zahl wird als zu niedrig angesehen. Deutsche wurden interniert, zur Zwangsarbeit in der Landwirtschaft eingesetzt oder nach Theresienstadt deportiert. Die Deportation der Juden und die Vertreibung der Deutschen 1945 beendeten die jahrhundertelange Koexistenz dreier Kulturen in Prag.
Kommunismus, Samtene Revolution und Gegenwart
Im Februarumsturz 1948 übernahm die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei die politische Macht. Es folgte eine Phase massiver Unterdrückung, deren Höhepunkt der Slánský-Prozess war. Während der Tauwetter-Periode entspannte sich das politische Klima etwas; das Stalin-Denkmal wurde 1962 nach nur siebenjährigem Bestehen gesprengt.
Der Prager Frühling 1968 war ein friedlicher Versuch, das kommunistische Regime zu demokratisieren. Im August 1968 wurde er durch die Intervention von fünf Staaten des Warschauer Paktes gewaltsam beendet. Der Protest gegen die sowjetische Besatzung wurde durch die Selbstverbrennung Jan Palachs auf dem Wenzelsplatz am 16. Januar 1969 weltweit bekannt. In den 1970er Jahren nahm die Metro mit drei Linien schrittweise ihren Betrieb auf. In den 1980er Jahren entstanden unter anderem die brutalistischen Bauwerke Neue Szene, Kongresszentrum und Fernsehturm Žižkov.
Die Samtene Revolution im November 1989 stürzte das sozialistische Regime. Václav Havel wurde Präsident. Die Deutsche Botschaft in Prag wurde zum Zufluchtsort von Flüchtlingen aus der DDR. Sozialistische Straßen-, Gebäude- und Metro-Namen wurden ersetzt, und Prag modernisierte sich. 1993 erklärte die UNESCO den historischen Stadtkern zum Weltkulturerbe. Am 1. Januar 1993 wurde Prag Hauptstadt der selbstständigen Tschechischen Republik.
Seit 1989 wuchs die Wirtschaft vor allem durch Tourismus, Dienstleistungen und internationale Investitionen. Im August 2002 führte ein schweres Hochwasser zu Evakuierungen, besonders in Karlín, und beschädigte Kulturgut und Verkehrswege. 2004 wurde die Sazka Arena errichtet. Die Neue Verbindung für den Bahnverkehr ging 2009 in Betrieb, der über 5 km lange Straßentunnel-Komplex Blanka 2011. Die Metrolinien wurden mehrfach verlängert, zuletzt Linie A 2015. Wegen der Belastung durch den Autoverkehr beschloss der Stadtrat 2017 einen Ausbau des Straßenbahnnetzes; die vierte Metrolinie D ist seit 2022 in Bau.
Prag gilt heute als wirtschaftlich stärkste Region Tschechiens, als Region mit dem höchsten Lebensstandard und als neuntreichste Region Europas. Jährlich kommen über 6 Millionen ausländische Gäste. Adriana Krnáčová war 2014 die erste Oberbürgermeisterin; 2018 folgte Zdeněk Hřib, seit 2023 ist Bohuslav Svoboda Oberbürgermeister.