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Geschichte Luxemburgs
An Preußen im Wiener Kongress 1815 An die Vereinigten Niederlande/Belgien 1815/1839 Luxemburg seit 1839 Deutscher Bund 1815–1866
Inhalt6 Abschnitte
Von der Vorgeschichte zur Grafschaft
Die Geschichte Luxemburgs reicht von frühen Siedlungen über eine mittelalterliche Grafschaft und ein Herzogtum bis zum heutigen unabhängigen Großherzogtum. Besonders wichtig waren seine strategische Lage zwischen dem deutschen und französischen Raum, wiederholte Grenzänderungen sowie die schrittweise Entwicklung von staatlicher Eigenständigkeit und nationaler Identität.
Siedlungsspuren auf dem Gebiet des heutigen Luxemburg reichen bis ins Paläolithikum zurück. Die neolithische Besiedlung begann mit der Linearbandkeramik. Aus der späten Latènezeit stammen das stark römisch beeinflusste Grab von Göblingen-Nospelt und das Oppidum auf dem Titelberg, die wichtigste befestigte Siedlung der Region. Bei Caesars Eroberung Galliens und eines Teils Germaniens von etwa 58 bis 51 v. Chr. kam das vor allem von den Treverern bewohnte Gebiet zum Römischen Reich. Im 5. Jahrhundert drängten Franken die Römer zurück. Wandermönche verbreiteten das Christentum; 698 gründete der angelsächsische Missionar Willibrord das Kloster Echternach.
Nach dem Vertrag von Verdun gehörte das Gebiet ab 843 zum lotharingischen Mittelreich, ab 859 zum Herzogtum Oberlothringen und seit 925 zum Ostfränkischen Reich, dem Vorläufer des römisch-deutschen Reiches. Die mittelalterliche Grafschaft darf jedoch nicht einfach mit dem heutigen Nationalstaat gleichgesetzt werden. Selbst die Reichsabtei Echternach war ein eigenständiges, reichsunmittelbares Territorium und gehörte nicht zur Grafschaft Luxemburg.
963 wurde die Burg Lucilinburhuc oder Lützelburg erstmals urkundlich erwähnt. Graf Siegfried I. erwarb damals den Bockfelsen, auf dem sie stand, von der Reichsabtei Sankt Maximin in Trier im Tausch gegen Ländereien in Feulen. Seit Konrad I. im Jahr 1083 nannten sich Siegfrieds Nachkommen Grafen von Luxemburg; später ging der Name der Burg auf ihr gesamtes Herrschaftsgebiet über. Nach dem Ende der älteren Herrscherlinie gelangte die Grafschaft 1214 durch Heirat an den späteren Herzog Walram II. von Limburg. Das Haus Luxemburg unterlag Brabant 1288 in der Schlacht von Worringen, näherte sich ihm danach aber an. Heinrich VII. heiratete eine Tochter des Herzogs von Brabant und wurde 1308 deutscher König. Damit begann die bedeutendste Epoche des Hauses Luxemburg.
Herzogtum und Fremdherrschaften
Johann von Luxemburg, genannt Johann der Blinde, erwarb 1311 die böhmische Königskrone. Durch den Aufbau einer starken Hausmacht im Osten des Heiligen Römischen Reiches und in Ungarn verlor das luxemburgische Stammland für die Dynastie an Bedeutung. Dennoch stellte das Haus Luxemburg im 14. und 15. Jahrhundert insgesamt vier römisch-deutsche Kaiser. Karl IV. erhob die Stammlande 1354 zum Herzogtum.
1441 verkaufte Elisabeth von Görlitz, die letzte Herzogin aus dem Haus Luxemburg, das Land an das französische Haus Burgund. Luxemburg blieb rechtlich ein Lehen des Heiligen Römischen Reiches. Nach dem Tod Karls des Kühnen 1477 fiel es mit dem burgundischen Erbe an dessen Tochter Maria und ihren Ehemann Maximilian von Habsburg. Bei seiner Abdankung 1555 übertrug Karl V. die habsburgischen Niederlande einschließlich Luxemburgs seinem Sohn Philipp II. von Spanien. Luxemburg gehörte nun innerhalb des Reiches zu den Spanischen Niederlanden, von denen sich ab 1568 die nördlichen protestantischen Provinzen unter Führung Hollands abspalteten.
Der Gegensatz zwischen Habsburgern und Bourbonen zog Luxemburg etwa 200 Jahre lang wiederholt in Kriege zwischen Spanien beziehungsweise Österreich und Frankreich. Im Pyrenäenfrieden von 1659 musste Spanien den südlichsten Teil des Herzogtums an Frankreich abtreten. Ludwig XIV. ließ 1684 auch das Gebiet nördlich der neuen Grenze besetzen. Der Frieden von Utrecht übertrug 1714 den Länderkomplex, der ungefähr dem heutigen Belgien und Luxemburg entsprach, an die österreichische Linie der Habsburger. Die Österreichischen Niederlande bestanden bis zur französischen Eroberung und Annexion 1794. Von 1795 bis 1814 war das frühere Herzogtum als Département Forêts, also „Wälder“, Teil der Französischen Republik und anschließend des Französischen Kaiserreichs.
Großherzogtum, Teilungen und Luxemburgkrise
Der Wiener Kongress schuf 1815 ein nominell selbstständiges Großherzogtum Luxemburg. Es war durch eine Personalunion – die Herrschaft derselben Person über getrennte Staaten – mit dem Königreich der Vereinigten Niederlande verbunden. Gleichzeitig musste Luxemburg die Gebiete östlich von Mosel, Our und Sauer mit rund 50.000 Einwohnern an Preußen abtreten. Etwa 2300 Quadratkilometer mit Orten wie Bitburg, Sankt Vith, Neuerburg und Igel kamen zur preußischen Provinz Niederrhein, ab 1822 zur Rheinprovinz.
Luxemburg gehörte dem Deutschen Bund an und war von 1842 bis Dezember 1918 Mitglied des Deutschen Zollvereins. Die Hauptstadt war deutsche Bundesfestung und erhielt eine preußische Garnison. Während der belgischen Revolution trennte sich Belgien 1830/39 von den Niederlanden. Auf der Londoner Konferenz erhielt es Luxemburgs wallonische West- und Nordwestgebiete. Aus mehr als der Hälfte des bisherigen Großherzogtums entstand die belgische Provinz Luxemburg: rund 4300 Quadratkilometer mit 160.000 Einwohnern und Städten wie Bastogne und Arlon. Das verkleinerte Großherzogtum gewann dafür größere Autonomie. Es erhielt 1841 eine ständische Verfassung und 1848 eine später mehrfach revidierte Verfassung mit Zensuswahlrecht, bei dem das Wahlrecht an Besitz oder Steuerleistung gebunden war.
Nach dem preußischen Sieg im Deutschen Krieg von 1866 wurde der Deutsche Bund aufgelöst. Luxemburg gehörte nicht zum neuen Norddeutschen Bund, doch preußische Truppen blieben zunächst in seiner Festung. 1867 versuchte Napoleon III., Luxemburg von König Wilhelm III. der Niederlande zu kaufen. Dagegen entstand eine Protestbewegung, deren Wahlspruch „Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“ lautete. Der zweite Londoner Vertrag von 1867 erklärte Luxemburg unter Garantie der Signatarmächte für dauerhaft neutral. Die Festung wurde geschleift und die preußischen Truppen zogen ab.
Die vollständige Unabhängigkeit folgte 1890 nach dem Tod Wilhelms III. In den Niederlanden bestieg seine Tochter Wilhelmina den Thron; in Luxemburg galt jedoch das salische Erbrecht, das die weibliche Thronfolge ausschloss. Daher endete die Personalunion. Nach dem Nassauischen Erbverein von 1783 wurde der 73-jährige Adolph von Nassau-Weilburg Großherzog. Luxemburg erhielt damit eine eigene erbliche Dynastie. Dem Deutschen Zollverein gehörte es trotzdem noch bis 1919 an.
Erster Weltkrieg und Neuordnung 1919
Am 2. August 1914 besetzten deutsche Truppen das neutrale Luxemburg. Schon während des Ersten Weltkriegs entstand eine innenpolitische Krise, die nach dem deutschen Abzug 1918 offen ausbrach. Teile der Bevölkerung befürworteten einen Anschluss an Belgien oder Frankreich; beide Regierungen unterstützten entsprechende Bewegungen diskret. Großherzogin Marie Adelheid wurde wegen ihrer angeblich prodeutschen Haltung im In- und Ausland zunehmend isoliert.
Am 9. Januar 1919 verweigerte die kleine Freiwilligenkompanie wegen ihres niedrigen Soldes den Befehl. Ein aus Liberalen und Sozialisten gebildeter „Wohlfahrtsausschuss“ rief in der Hauptstadt die Republik aus. Französische Truppen unter Marschall Foch zerstreuten die Menschenmenge auf der Place d’Armes. Ohne breite Unterstützung bestand die Republik knapp sechs Tage. Marie Adelheid erklärte am 9. Januar schriftlich ihren Thronverzicht; am 15. Januar legte ihre jüngere Schwester Charlotte den Eid als neue Großherzogin ab.
Am 28. September 1919 fand ein doppeltes Referendum über die politische und wirtschaftliche Zukunft statt. Politisch standen die Beibehaltung Charlottes, die Beibehaltung der Dynastie unter einer anderen Großherzogin, eine andere Dynastie oder eine Republik zur Wahl. 77,8 Prozent stimmten für Monarchie und Charlotte, 19,66 Prozent für die Republik. Damit erhielt die konstitutionelle Monarchie eine demokratische Legitimation, obwohl einige südliche Gemeinden mehrheitlich republikanisch votierten.
Wirtschaftlich entschieden sich 60,13 Prozent für einen Anschluss an Frankreich und 22 Prozent für Belgien. Frankreich lehnte das Angebot jedoch ab und verwies Luxemburg an Belgien. Luxemburg nahm deshalb erneut Verhandlungen mit Belgien auf. Am 25. Juli 1921 wurde die belgisch-luxemburgische Wirtschaftsunion vereinbart; sie trat am 22. Dezember 1922 in Kraft. Zu den Reformen von 1919 gehörten außerdem das Frauenwahlrecht, die Verankerung der politischen Unabhängigkeit in der Verfassung und enge verfassungsrechtliche Grenzen für die Macht der Monarchie.
Besatzung und Widerstand im Zweiten Weltkrieg
Am 10. Mai 1940 besetzte die deutsche Wehrmacht Luxemburg. Großherzogin Charlotte und die Regierung flohen nach Großbritannien und arbeiteten dort als Exilregierung weiter. Luxemburg kam unter eine deutsche Zivilverwaltung, die der direkt Adolf Hitler unterstellte NSDAP-Gauleiter Gustav Simon leitete. Das Land wurde zunehmend wie deutsches Reichsgebiet behandelt, aber nicht mehr förmlich in das Deutsche Reich eingegliedert.
Die Zivilverwaltung förderte die Volksdeutsche Bewegung, die unter dem Motto „Heim ins Reich“ den formellen Anschluss an Deutschland anstrebte. Am 10. Oktober 1941 sollte ein als Volkszählung getarntes Referendum diese Politik bestätigen. Die Fragen zu Staatsangehörigkeit, Muttersprache und Volkszugehörigkeit waren so erläutert, dass ein Bekenntnis zum Deutschtum nahegelegt wurde. Die luxemburgische Résistance, also der Widerstand gegen die Besatzung, verbreitete erfolgreich die Antwort „dräi mol letzebuerg“ – „Drei Mal Luxemburg“. Die Verwaltung brach die Aktion als gescheitert ab.
Nach Einführung des Reichsarbeitsdienstes setzte Simon am 30. August 1942 auch die Zwangsrekrutierung von Luxemburgern zur Wehrmacht durch. Darauf folgte am 31. August ein nahezu spontaner landesweiter Generalstreik. Die Gestapo schlug ihn blutig nieder; 21 Streikende wurden noch am selben Tag standrechtlich erschossen, viele weitere in Konzentrationslager verschleppt.
Bis zur Befreiung durch die US-Armee am 10. September 1944 wurden 3963 Luxemburger verhaftet und in Gefängnisse oder Konzentrationslager, meist in das SS-Sonderlager Hinzert, gebracht; 791 von ihnen starben. 4187 Menschen wurden bei einer Umsiedlungsaktion überwiegend in östliche Gebiete des Deutschen Reiches wie Schlesien oder das Sudetenland verschleppt. 640 verloren aus politischen Gründen ihren Arbeitsplatz. Luxemburger, die sich der Zwangsrekrutierung durch Flucht entzogen hatten, kämpften teilweise bei den Westalliierten. Besonders während der Ardennenoffensive im Dezember 1944 und Januar 1945 wurden viele Orte, vor allem im Norden, schwer zerstört.
Die Besatzung und die erzwungene Annäherung an das nationalsozialistische Deutschland stärkten eine eigenständige luxemburgische Identität. Immer weniger Luxemburger verstanden sich als Deutsche. Der Einfluss der französischen Sprache und Kultur nahm zu, und der Gebrauch des Lëtzebuergeschen wurde zum Symbol der nationalen Zugehörigkeit.
Nachkriegszeit und europäische Einigung
Nach 1945 wurde die belgisch-luxemburgische Zoll- und Wirtschaftsunion schrittweise auf die Niederlande ausgeweitet; daraus entwickelte sich die Zusammenarbeit der Benelux-Staaten. 1948 hob Luxemburg seine seit 1867 geltende „immerwährende Neutralität“ formell auf. Das Land beteiligte sich nun aktiv an internationalen und europäischen Organisationen.
Unter den Regierungen Dupong von 1945 bis 1953 und Bech von 1953 bis 1958 wurde Luxemburg unter anderem Mitglied der Vereinten Nationen im Jahr 1945, des Europarats, der OEEC als Vorläuferin der OECD und der NATO. Es trat außerdem der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl, auch Montanunion genannt, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und der Europäischen Atomgemeinschaft EURATOM bei. 1952 wurde Luxemburg Sitz der Montanunion.
Luxemburg ist Gründungsmitglied der Europäischen Union und beherbergt wichtige europäische Einrichtungen. Es ist Zweitsitz des Rates der Europäischen Union, der im April, Juni und Oktober in Luxemburg tagt, sowie Zweitsitz der Europäischen Kommission. Hauptsitze in Luxemburg haben der Gerichtshof der Europäischen Union, die Europäische Investitionsbank und der Europäische Rechnungshof. Am 1. Januar 2002 wurde der Euro auch in Luxemburg als Bargeld eingeführt.