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Karl der Kühne

Karl der Kühne wurde in Dijon als Sohn von Philipp III. · Gemäß dem Vertrag von Arras wurde Karl 1440 mit sechs Jahren mit · Karl lernte den Dauphin und späteren …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Jugend und Aufstieg
  3. 3. Herrschaft und innere Ordnung
  4. 4. Machtausdehnung und Konflikte
  5. 5. Untergang und Tod
  6. 6. Erbe und Nachwirkung

Person und Bedeutung

Karl I. der Kühne (französisch Charles I^{er} le Téméraire oder le Hardi, niederländisch Karel de Stoute, englisch Charles the Bold) wurde am 10. November 1433 im Herzogspalast von Dijon geboren und starb am 5. Januar 1477 bei Nancy. Er gehörte zur Dynastie Valois-Burgund, einer Seitenlinie des französischen Königshauses Valois. Seine Eltern waren Philipp III. der Gute und Isabella von Portugal.

Vom 15. Juni 1467 bis zu seinem Tod war Karl Herzog von Burgund und der Burgundischen Niederlande. Außerdem herrschte er unter anderem als Graf von Flandern, Artois, Holland und Friesland, als Herzog von Brabant, Limburg, Luxemburg und Geldern sowie als Pfalzgraf von Burgund. Sein Ziel war, die weit verstreuten burgundischen Gebiete zu einem möglichst einheitlichen und unabhängigen Herrschaftsraum zu verbinden. Er strebte sogar ein unabhängiges Königreich Burgund an. Sein Scheitern und sein Tod führten dazu, dass große Teile seines Erbes an Frankreich fielen, während andere Gebiete mit dem Haus Habsburg verbunden wurden.

Jugend und Aufstieg

Karl wuchs am glanzvollen Hof seines Vaters auf, einem Zentrum von Kunst, Handel und Kultur. Schon zwanzig Tage nach seiner Geburt wurde er Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies. Unter der Aufsicht des Herrn d’Auxy erhielt er eine Ausbildung, die große Hingabe zum Studium mit Übungen im Kriegshandwerk verband. Zu Lebzeiten seines Vaters trug er den Titel Graf von Charolais.

Gemäß dem Vertrag von Arras wurde Karl am 19. Mai 1440 in Blois mit Katharina von Valois, der Tochter König Karls VII. von Frankreich, verheiratet. Katharina starb am 30. Juli 1446; die Ehe blieb kinderlos. Am 30. Oktober 1454 heiratete Karl in Lille Isabelle de Bourbon. Aus dieser Ehe stammte seine einzige überlebende Tochter Maria von Burgund. Isabelle starb am 25. September 1465 in Antwerpen. Am 3. Juli 1468 heiratete Karl in Damme Margaret of York, die Schwester König Eduards IV. von England. Auch diese Ehe blieb kinderlos; zwischen Margareta und Maria entstand jedoch ein freundschaftliches Verhältnis.

Karl lernte den späteren König Ludwig XI. kennen, als dieser von 1456 bis 1461 als Flüchtling am burgundischen Hof lebte. Später wurden beide Gegner. 1465 führte Karl gemeinsam mit Karl von Berry die Liga des Öffentlichen Wohls gegen Ludwig an. Nach der unentschiedenen Schlacht bei Montlhéry musste Ludwig Zugeständnisse machen; im Vertrag von Conflans erhielt Karl die Städte an der Somme zurück. Am 12. April 1465 hatte Philipp der Gute bereits alle Regierungsgeschäfte an Karl übergeben.

Herrschaft und innere Ordnung

Karl übernahm den höfischen Luxus und die Prachtentfaltung seines Vaters. Beim Treffen mit Kaiser Friedrich III. in Trier gab er nach Angaben seiner Rechnungskammer allein für die Einkleidung seiner Höflinge 38.819 flandrische Pfund aus. Berühmt waren außerdem seine kostbaren Tapisserien.

Gleichzeitig baute Karl seine militärische und politische Macht aus. Er reorganisierte Armee und Verwaltung, hielt an der feudalen Rekrutierung fest und verstärkte sein Heer durch Söldner, besonders aus England und Italien. Außerdem entwickelte er die Artillerie weiter. Seine Truppen unterlagen einem strengen Disziplinarsystem.

Karl zentralisierte die Verwaltung seiner Gebiete in den heutigen Niederlanden und Belgien. Die Rechnungskammern von Lille und Brüssel wurden aufgelöst und in einer neuen Rechnungskammer in Mechelen zusammengeführt; die Rechnungskammer Den Haag war bereits 1463 in Brüssel aufgegangen. In Mechelen gründete Karl außerdem ein Parlement für die burgundischen Gebiete im Norden. Die Parlemente von Beaune, Saint-Laurent-lès-Chalon und Dole blieben für weitere burgundische Gebiete zuständig. Die neue Ordnung wurde auch dadurch notwendig, dass der Vertrag von Péronne 1468 die Zuständigkeit des Parlements von Paris für die burgundischen Länder beendet hatte.

Karl ließ jedes Jahr Heeresordnungen, sogenannte Ordonnanzen, mit strengen Regeln zu Organisation, Disziplin, Umgangsformen und militärischem Vorgehen verteilen. Ab 1471 baute er ein ständig kampfbereites, überwiegend aus Söldnern bestehendes Heer auf. Nach der Ordonnanz vom 19. April 1472 führten Adlige als dizainiers jeweils zehn Lanzen mit etwa 70–90 Kämpfern. In der Hofordnung von 1474 erschien der gesamte Hof zunehmend als militärisch organisierte Gemeinschaft.

Machtausdehnung und Konflikte

1469 verpfändete Erzherzog Sigismund von Österreich Karl im Vertrag von Saint-Omer die Grafschaft Pfirt, die Landvogtei Oberelsass und den Breisgau. Sigismund behielt sich die spätere Auslösung des Pfands vor; Karl sollte ihn außerdem im Kampf gegen die Eidgenossen unterstützen. Zwischen 1472 und 1473 erkaufte Karl sich die Nachfolge im Herzogtum Geldern, nachdem er Herzog Arnold gegen dessen rebellierenden Sohn unterstützt hatte.

Am 30. September 1473 traf Karl in Trier Kaiser Friedrich III. Der offizielle Anlass war ein möglicher Kreuzzug gegen die Türken, entscheidend waren jedoch die Heiratsverhandlungen zwischen Karls Tochter Maria und Maximilian, dem Sohn des Kaisers. Karl verlangte als Gegenleistung eine Königskrone. Er erschien in goldener Rüstung, mit einer Leibgarde von 250 Mann und einer Armee von über 6000 Mann. Am 4. November wurde ein Kompromiss erreicht: Karl verzichtete auf die Krönung zum römisch-deutschen König, sollte aber eine neu zu schaffende Königskrone von Burgund beziehungsweise Friesland erhalten. Die Kurfürsten stimmten nicht zu. Die für den 18. und 21. November angekündigte Krönung fand nicht statt; Friedrich III. reiste am 25. November überstürzt aus Trier ab. Der genaue Grund des Scheiterns ist unklar, offenbar spielte der Streit über die Zustimmung der Kurfürsten eine entscheidende Rolle.

Der Frieden mit Ludwig XI. zerbrach erneut. Nach Karls Einnahme und Zerstörung von Dinant am 25. August 1466 besiegte er 1467 die Bürger von Lüttich bei Sint-Truiden. 1468 geriet Ludwig bei Péronne in Karls Hand, nachdem er heimlich eine Revolte in Lüttich unterstützt hatte. Karl entschied sich dennoch für Verhandlungen und ließ sich von Ludwig bei der Niederschlagung des Aufstands helfen. Ab 1471 führten beide wieder Krieg. Karl nahm Nesle ein und richtete dort ein Blutbad an, scheiterte aber bei Beauvais. Ein Bündnis mit Eduard IV. von England zur Eroberung Frankreichs kam nicht zum Ziel.

Untergang und Tod

Karls Lage verschlechterte sich durch mehrere Gegner: Sigismund von Österreich, die Eidgenossenschaft, die elsässischen Reichsstädte, das Bistum Basel und René von Lothringen. Karl hatte sich mit Sigismund über die Rückgabe der verpfändeten Besitzungen, mit der Eidgenossenschaft wegen der Aufstände im Elsass und mit René wegen der Erbfolge in Lothringen zerstritten. Lothringen trennte die Grafschaft Flandern vom Herzogtum Burgund. Ludwig XI. unterstützte Karls Gegner.

In der Kölner Stiftsfehde unterstützte Karl Ruprecht von der Pfalz und belagerte Neuss von Juli 1474 bis Juni 1475 zehn Monate lang. Das Eintreffen der Armee Kaiser Friedrichs III. zwang ihn zum Abzug. Auch Eduard IV. von England stellte seinen Feldzug gegen Ludwig durch den Vertrag von Picquigny vom 29. August 1475 ein. Karl schloss am 17. November 1475 Frieden mit dem Kaiser und wandte sich gegen Lothringen. Er eroberte Nancy, doch die Stadt erhob sich wieder.

Die Burgunderkriege begannen mit der Niederlage eines burgundischen Heeres bei Héricourt am 13. November 1474. Bei Grandson ließ Karl gefangene eidgenössische Soldaten trotz ihrer Kapitulation hängen und ertränken. Am 2. März 1476 wurde sein Heer vor Grandson schwer geschlagen; Artillerie und Beute fielen an die Eidgenossen. Am 22. Juni 1476 erlitt Karl bei Murten gegen die Eidgenossenschaft und René von Lothringen eine vernichtende Niederlage. Sein Heer war technisch überlegen, wurde aber überrascht und von der eidgenössischen Infanterie geschlagen.

Im Herbst 1476 zog Karl erneut gegen das aufständische Lothringen. Er belagerte Nancy ab dem 22. Oktober, obwohl der Winter bevorstand und seine Offiziere abrieten. Am 5. Januar 1477 stellte René, verstärkt durch eidgenössische Truppen, Karl zur Schlacht. Das gegnerische Heer umfasste 15.000 bis 20.000 Mann; Karls bereits geschwächtes Heer war deutlich kleiner. Karl erlitt eine katastrophale Niederlage und starb. Die Angaben zu seiner Todesart widersprechen sich: Nach einer französischen Überlieferung wurde er von einem Lanzenträger namens Beaumont durchbohrt, andere Berichte nennen eine Spaltung des Kopfes. Sein stark entstellter Leichnam wurde erst zwei Tage später gefunden und identifiziert. René bestattete ihn zunächst in Nancy; Karl V. ließ ihn später in die Liebfrauenkirche in Brügge überführen.

Erbe und Nachwirkung

Da Karl keinen männlichen Erben hinterließ, fiel sein Erbe an seine 19-jährige Tochter Maria von Burgund. Ihre Ehe mit Erzherzog Maximilian war am 6. Mai 1476 vereinbart worden. Nach Karls Tod besetzte Ludwig XI. die an Frankreich angrenzenden Gebiete, darunter das Herzogtum Burgund, die Freigrafschaft Burgund, Picardie, Ponthieu und Boulogne. Die Trauung per Stellvertreter wurde am 21. April 1477 geschlossen; am 19. August 1477 heirateten Maximilian und Maria in Gent.

Der folgende Burgundische Erbfolgekrieg zwischen Maximilian und Ludwig XI. begann sofort nach der Heirat. Maximilian gewann 1479 bei Guinegate und behauptete Flandern und Artois. Nach Marias Tod am 27. März 1482 und einem Aufstand in Gent musste er den Frieden von Arras schließen. Frankreich erhielt das Herzogtum Burgund, die Freigrafschaft Burgund, Artois, Picardie, Ponthieu, Boulogne, Vermandois und Mâcon. Maximilian behielt Flandern und die übrigen Besitzungen im heutigen Belgien und in den Niederlanden. Im Frieden von Senlis von 1493 erhielt er die Freigrafschaft und Artois zurück; Charolais blieb unter französischer Lehenshoheit.

Die burgundische Erbschaft wurde später mit der habsburgischen Hausmacht verbunden und gelangte über Philipp den Schönen und dessen Sohn Karl V. an die spanische Linie der Habsburger. Dadurch wurde sie ein entscheidender Schritt beim Aufstieg des Hauses Habsburg zur Weltmacht. Karl führte das Wappen seines Vaters und den Wahlspruch „Je lay emprins“ („Ich habe es gewagt“); als Schutzpatrone galten ihm der heilige Georg und der heilige Andreas. In der Nachwelt gilt er sowohl als letzter Vertreter des mittelalterlich-feudalen Geistes als auch als kultivierter, mehrsprachiger und fähiger Herrscher. Seine aggressive Expansionspolitik und die Niederlagen von Grandson, Murten und Nancy beendeten jedoch Burgunds Großmachtstellung.

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