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Geschichte Jamaikas

Der größte Sklavenaufstand in der Geschichte von Jamaika war die am 7. April 1760 in der Stadt Port Maria beginnende Tacky's Rebellion. Von Port Maria aus …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Frühe Bevölkerung und spanische Herrschaft
  2. 2. Eroberung und britischer Kolonialausbau
  3. 3. Plantagenwirtschaft, Sklavenhandel und Widerstand
  4. 4. Vom Ende der Sklaverei zur Kronkolonie
  5. 5. Unabhängigkeit und politische Weichenstellungen
  6. 6. Seit 1980: Machtwechsel, Krisen und Gegenwart

Frühe Bevölkerung und spanische Herrschaft

Die Geschichte Jamaikas beschreibt die Entwicklung der Karibikinsel von der ersten menschlichen Besiedlung bis zum unabhängigen Staat. Die ältesten bekannten Bewohner trafen vermutlich um 650 n. Chr. aus östlich gelegenen Inselregionen ein. Von ihnen sind vor allem rote Tongefäße erhalten; deshalb wird ihre Kultur als „Redware-Kultur“ bezeichnet.

Um das Jahr 800 kamen Arawak-Stämme, darunter die Taíno, in größerer Zahl nach Jamaika und breiteten sich über die gesamte Insel aus. Sie lebten in Dörfern unter der Führung von Caciques, also Häuptlingen, und bauten Häuser aus Schilf und Stroh. Ihre Lebensgrundlage bildeten vor allem Fischfang sowie der Anbau von Mais und Maniok. Zur Blütezeit wird ihre Bevölkerung auf bis zu 60.000 Menschen geschätzt. Sie nannten die Insel Xaymaca, was „Quellenland“ beziehungsweise „Wasserland“ bedeutet; daraus entwickelte sich der heutige Name Jamaika.

Christoph Kolumbus erreichte am 5. Mai 1494 die Nordküste. 1509 ließ Diego Kolumbus die Insel durch Juan de Esquivel erobern. Jamaika erhielt zunächst den Namen Santiago, doch setzte sich weiterhin die abgewandelte indigene Bezeichnung Jamaika durch. Die erste Hauptstadt Nueva Sevilla wurde 1535 nach Santiago de la Vega, dem heutigen Spanish Town, verlegt.

Krankheiten und die gewaltsame Behandlung durch die Spanier zerstörten die indigene Kultur innerhalb weniger Jahre. Ab 1518 wurden afrikanische Sklaven auf die Insel gebracht. Das System der Encomienda übergab Spaniern Land und dort lebende Indigene, die zur Arbeit gezwungen und missioniert wurden. Eine Volkszählung von 1611 verzeichnete nur noch 74 Personen indigener Abstammung. Später ersetzte das weniger ausbeuterische Repartimiento die Encomienda. Da keine Edelmetalle gefunden wurden, verlor Jamaika für Spanien an Bedeutung; angebaut wurden unter anderem Mais, Kakao, Zuckerrohr, Yucca, Baumwolle und Indigo.

Eroberung und britischer Kolonialausbau

Im Mai 1655 landeten rund 7000 englische Soldaten unter Robert Venables und William Penn bei der heutigen Stelle von Kingston. Die Expedition gehörte zu Oliver Cromwells „Western Design“ und sollte strategische Stützpunkte in der Karibik sichern. Die spanische Verwaltung in Spanish Town kapitulierte. Zur Zeit der Eroberung lebten auf Jamaika nur etwa 2000 Menschen, vor allem Spanier, Portugiesen, Afrikaner und Indigene.

Spanische Sklaven wurden freigelassen und bewaffnet, zogen sich aber ins Landesinnere zurück. Aus ihnen entwickelten sich die Maroons. Der spanische Gouverneur Cristobal Arnaldo de Ysassi setzte den Widerstand fort, unterlag jedoch 1657 bei Ocho Rios und 1658 bei Rio Nuevo. 1660 schloss sich eine Gruppe von Maroons unter Juan de Bolas den Engländern an. 1664 entstand eine gewählte Versammlung; durch den Vertrag von Madrid wurde Jamaika 1670 offiziell britisch.

Frankreich scheiterte 1694 mit einem Angriff von Jean Baptiste du Casse und 1500 Soldaten nach zehn Kampftagen. Der letzte französische Eroberungsversuch endete am 12. April 1782 in der Seeschlacht bei Les Saintes mit einem britischen Sieg.

In den ersten zwanzig Jahren nach der Eroberung war Port Royal ein wichtiger Piratenstützpunkt. Gouverneure duldeten Freibeuter wie Henry Morgan, weil sie gegen spanische Rückeroberungsversuche eingesetzt werden konnten. Die Piraten verkauften und verbrauchten ihre Beute auf Jamaika. Das Zeitalter Port Royals endete am 7. Juni 1692 durch ein Erdbeben und einen anschließenden Tsunami. Die Stadt, die damals 10.000 Einwohner hatte und als wohlhabendste Stadt der Neuen Welt galt, versank größtenteils im Meer. Spanish Town wurde wieder Hauptstadt, bis Kingston sie 1755 ablöste.

Plantagenwirtschaft, Sklavenhandel und Widerstand

Die britische Herrschaft machte Jamaika zu einer Plantagenkolonie, deren Wirtschaft auf der Arbeit versklavter Afrikaner beruhte. Zucker und Melasse waren die wichtigsten Produkte; ab etwa 1730 kamen Kaffee und Bananen hinzu. 1713 überholte Jamaika Barbados als führender britischer Zuckerproduzent und wurde zu einer der profitabelsten Kolonien der britischen Krone. Kingston entwickelte sich zu einem bedeutenden Umschlagplatz des britischen Sklavenhandels in der Karibik.

Zwischen 1665 und 1808 liefen 3432 Schiffe mit 915.204 Sklaven auf Jamaika ein. 701.046 blieben auf der Insel; 168.165 starben unterwegs oder wurden vor der Ankunft verkauft. Schmuggler sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Jamaika nahm ungefähr ein Drittel aller britischen Sklavenimporte auf. Die meisten Versklavten stammten aus der Goldküste, der Bucht von Benin, der Bucht von Biafra und dem westlichen Zentralafrika, insbesondere dem Kongo. Tropenkrankheiten hielten die europäische Bevölkerung bis etwa 1740 unter 10.000; bis in die 1780er Jahre wuchs sie durch Zuwanderung auf etwa 80.000.

Die Lebensbedingungen auf den Zuckerplantagen waren von hoher Sterblichkeit und drakonischen Strafen geprägt. Versklavte Afrikaner widersetzten sich durch Aufstände, Flucht und die Gründung unabhängiger Maroon-Gemeinschaften im Bergland. Der erste Maroon-Krieg begann 1728. Die von Cudjoe und Granny Nanny geführten Maroons konnten nicht besiegt werden. 1739/40 schloss die britische Regierung mit Cudjoe einen Vertrag: Die Maroons durften weitgehend selbstständig in ihren Siedlungen leben, mussten aber entflohene Sklaven ausliefern und bei der Aufstandsbekämpfung helfen.

Tacky’s Rebellion, der größte Sklavenaufstand Jamaikas, begann am 7. April 1760 in Port Maria und endete im Oktober 1761. Der zweite Maroon-Krieg brach 1795 aus und wurde mit 5000 Soldaten und 100 speziell ausgebildeten kubanischen Kampfhunden niedergeschlagen. Der Sklavenhandel wurde 1807 verboten; das Plantagensystem blieb jedoch bestehen. Der Baptist War unter Samuel Sharpe begann am 27. Dezember 1831, wurde nach zehn Tagen niedergeschlagen und trug zur Abschaffung der Sklaverei bei, die 1833 beschlossen und 1838 auf Jamaika umgesetzt wurde.

Vom Ende der Sklaverei zur Kronkolonie

Nach 1838 kamen Vertragsarbeiter aus Indien, ehemalige Maroons aus Sierra Leone und Siedler aus Deutschland nach Jamaika. Sie arbeiteten auf den Plantagen, konnten den Niedergang der Zuckerindustrie aber nicht verhindern. Die ehemaligen Sklaven erhielten zwar grundsätzlich das Wahlrecht, wurden durch Armut und eine Wahlsteuer jedoch weitgehend von Wahlen ausgeschlossen. 1864 konnten von 436.000 Wahlberechtigten kaum 2000 tatsächlich wählen. Eine Dürre in den Jahren 1864 und 1865 verschärfte die Notlage.

Edward Underhill machte 1865 in einem Brief an die koloniale Verwaltung auf die Missstände aufmerksam. Daraus entstanden die sogenannten Underhill Meetings. Landarbeiter baten Königin Victoria um Kronland zur landwirtschaftlichen Nutzung; ihre Antwort forderte die Armen lediglich zu härterer Arbeit auf. George William Gordon ermutigte die Bevölkerung zum Protest, und der Diakon Paul Bogle wurde zu einer führenden Figur.

Am 11. Oktober 1865 begann unter Bogle der Morant-Bay-Aufstand. Gouverneur Edward John Eyre ließ ihn mit massiver Gewalt niederschlagen. Die lokale Verwaltung wurde aufgelöst und Jamaika zur Kronkolonie erklärt. Paul Bogle, George William Gordon und viele weitere Menschen kamen ums Leben. Die Gewalt löste in Großbritannien Empörung aus und führte zu einer stärkeren Kontrolle der Gouverneure. Am 18. November 1867 wurde aufgrund der Erfahrungen die Jamaica Constabulary Force, die heutige Polizei Jamaikas, gegründet.

Ab 1866 leitete Gouverneur John Peter Grant Reformen ein. Das Bildungswesen wurde geöffnet, Arbeitsgesetze wurden verbessert und die Infrastruktur ausgebaut. Das Eisenbahnnetz erreichte seine größte Ausdehnung. Im Ersten Weltkrieg wurde das Kriegsrecht verhängt; etwa 10.000 jamaikanische Soldaten kämpften auf britischer Seite.

Ab den 1930er Jahren forderten Unruhen mehr Unabhängigkeit und eine gerechtere Besteuerung. Norman Washington Manley gründete 1938 die People’s National Party. Die Verfassung von 1944 gewährte begrenzte Selbstverwaltung; zugleich wurde das allgemeine aktive und passive Wahlrecht eingeführt, einschließlich des Frauenwahlrechts. Die Westindische Föderation, der Jamaika 1958 beitrat, wurde nach einem Referendum 1961 aufgelöst.

Unabhängigkeit und politische Weichenstellungen

Am 6. August 1962 wurde Jamaika unabhängig vom Vereinigten Königreich. Das Land blieb im Commonwealth of Nations und wurde eine unabhängige parlamentarische Monarchie. Am 18. September 1962 trat es den Vereinten Nationen bei. Erster Premierminister war Alexander Bustamante von der Jamaica Labour Party.

1966 besuchten Königin Elisabeth II. und Haile Selassie Jamaika; außerdem fanden die British Empire and Commonwealth Games statt. Nach Bandenkriegen in Kingston wurde im Oktober der Notstand ausgerufen. Donald Sangster gewann 1967 die Wahl mit 33 von 53 Sitzen, starb jedoch nach einem Schlaganfall am 11. April 1967. Hugh Shearer übernahm die Regierung. Unter seiner Amtszeit wurde 1968 das metrische System eingeführt und 1969 das jamaikanische Pfund durch den Jamaika-Dollar ersetzt.

Bei der Wahl am 29. Februar 1972 gewann Michael Manleys People’s National Party 37 von 53 Sitzen. Manley erklärte den Demokratischen Sozialismus zur Staatsform, knüpfte Beziehungen zu sozialistischen Staaten und verstaatlichte oder kaufte Unternehmen, besonders im Bauxitbergbau, im Bankwesen und bei Großplantagen. Demokratische Strukturen blieben bestehen und große Teile der Wirtschaft privat. Die Beziehungen zu Kuba und Manleys Nähe zu Fidel Castro prägten jedoch die außenpolitische Wahrnehmung. 1979 brachen die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfonds ab; die Wirtschaft stagnierte und Kredite gingen verloren.

1978 kam es zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der PNP und JLP. Beim One Love Peace Concert am 22. April bewog Bob Marley Manley und Edward Seaga zu einem symbolischen Handschlag. Im Juni 1980 wurde ein Putschversuch aufgedeckt. Bei der Wahl am 30. Oktober 1980 errang die JLP unter Seaga 51 von 60 Sitzen und beendete Manleys erste Amtszeit.

Seit 1980: Machtwechsel, Krisen und Gegenwart

Unter Edward Seaga kehrte Jamaika zu einer pro-westlichen Außenpolitik zurück. Die Beziehungen zum Internationalen Währungsfonds wurden wieder aufgenommen und die Kontakte zu Kuba abgebrochen. Viele innenpolitische Maßnahmen Manleys, darunter Verstaatlichungen und der Ausbau sozialer Einrichtungen, blieben jedoch bestehen. Der jamaikanische Dollar verlor bis 1983 stark gegenüber dem US-Dollar. Nach einer umstrittenen Neuwahl gewann die JLP alle 60 Sitze und regierte bis 1987 ohne Opposition.

Im Oktober 1983 beteiligte sich Jamaika mit 300 Soldaten an der US-geführten Invasion in Grenada. Die Soldaten wurden nicht in Kampfhandlungen eingesetzt. Es war der erste und bislang einzige Auslandseinsatz jamaikanischer Soldaten seit der Unabhängigkeit. 1988 traf Hurrikan Gilbert die Insel. Der Schaden betrug rund vier Milliarden US-Dollar, 40 % der landwirtschaftlichen Flächen wurden zerstört und 45 Menschen starben. Besonders Kingston, Saint Andrew Parish und Hanover Parish waren betroffen. Internationale Hilfe kam wegen Korruption und Unterschlagung nur teilweise bei der Bevölkerung an.

Bei der Wahl von 1989 wurde Michael Manley erneut Premierminister. Seine zweite Amtszeit verlief ruhiger; im März 1992 trat er aus gesundheitlichen Gründen zurück. Percival J. Patterson übernahm das Amt und blieb bis 2006 Premierminister.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts stellten PNP und JLP das Amt des Premierministers jeweils dreimal, wobei auf jede Partei zwei Amtsträger entfielen. Andrew Holness von der JLP ist laut Artikel seit dem 3. März 2016 Premierminister; zuvor hatte er das Amt bereits von Oktober 2011 bis Januar 2012 ausgeübt.

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