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Veda

... Religion Indiens bestimmte: die Lehre von Atman und Brahman, Samsara und Karma. Insbesondere die 10 mukhya upanishads (Haupt-Upanishaden) haben den späteren …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Überlieferung
  2. 2. Historischer Rahmen
  3. 3. Schichten des Veda
  4. 4. Die vier Samhitas
  5. 5. Brahmanas, Aranyakas und Upanishaden
  6. 6. Weitere Texte und Erforschung

Bedeutung und Überlieferung

Der Veda beziehungsweise die Veden sind eine Sammlung religiöser Texte des Hinduismus. Viele hinduistische Strömungen erkennen ihnen grundlegende Autorität zu. Ihr Kern gehört zur Shruti, der „gehörten“ Überlieferung: Rishis, also Weise, sollen diese Gesänge als Offenbarungen empfangen haben.

Da die exakte Rezitation der vedischen Gesänge als besonders wichtig galt, wurden sie über lange Zeit mit großer Genauigkeit mündlich weitergegeben. Die Überlieferung war ursprünglich den oberen Kasten vorbehalten und galt als brahmanisches Geheimwissen. Einzelne Verse wurden vermutlich seit etwa dem 5. Jahrhundert n. Chr. schriftlich festgehalten. Dennoch standen Brahmanen selbst dem Buchdruck vedischer Texte bis in die Moderne skeptisch gegenüber. Auch heute beherrschen einige Brahmanen die Veden auswendig.

Im engeren Sinne gibt es vier Veden: Rigveda, Samaveda, Yajurveda in einer weißen und einer schwarzen Fassung sowie Atharvaveda. Mitunter werden außerdem die Agamas, aus denen sich die Tantra-Lehre entwickelte, als „fünfter Veda“ bezeichnet. In einem weiteren indischen Sprachgebrauch können „Veda“ und „vedisch“ allgemein religiöses und weltliches Wissen meinen.

Die UNESCO nahm die Tradition der vedischen Gesänge 2003 in die Sammlung der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit und 2008 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf.

Historischer Rahmen

Die frühvedische Zeit wird auf 1500–1000 v. Chr. datiert. Sie begann nach der Einwanderung der Arier (Arya) um 1500 v. Chr. in die nördlichen Flussebenen von Indus und Ganges und folgte auf die Indus-Kulturen von etwa 3000–1800 v. Chr. Vorherrschend war eine Bauernkultur mit Einzelhöfen und Viehherden, während Getreideanbau kaum verbreitet war.

Um 1200–1000 v. Chr. entstand mit dem Rigveda die erste mündliche Sanskrit-Überlieferung; später folgten Sama-, Yajur- und Atharvaveda. Verehrt wurden Rita, Varuna, Mitra und Indra sowie Naturkräfte wie Ushas, Agni und Surya. Das Soma-Opfer galt als wichtigstes Opfer. Außerdem bestand der Glaube an Auferstehung und ein Leben nach dem Tod.

Während der spätvedischen Zeit von 800–600 v. Chr. breitete sich die indogermanische Kultur der aus den nordwestlichen Grassteppen kommenden Arier im Gangesgebiet bis in die Gegend des heutigen Delhi aus. Indoarische Fürstentümer und Stämme kämpften um die Vorherrschaft. Brahmanen legten die Veden in der mündlichen Ritual-Literatur der Brahmanas aus. In den seit etwa 800 v. Chr. mündlich überlieferten Upanishaden wurden sie sowohl von Brahmanen als auch von Laien mystisch gedeutet. Die Upanishaden stehen in Beziehung zu den Brahmanas und führten später zum Yoga. In dieser Epoche hatte sich eine heilige Kastenordnung aus Kshatriyas (Kriegern), Brahmanen (Priestern), Vaishyas (Bauern), Shudras (Unterworfenen) und Parias (Kastenlosen) herausgebildet.

Schichten des Veda

Der Veda umfasst mehrere Überlieferungsschichten. Die älteste Schicht bilden ungefähr zwischen 1200 und 900 v. Chr. die vier Samhitas, also Sammlungen. Sie gelten als eigentlicher Kern des Veda. Darauf folgen ungefähr von 800 bis 600 v. Chr. die Brahmanas, Ritualtexte und Auslegungen, sowie die Aranyakas oder „Waldtexte“. Eine weitere Schicht bilden ungefähr zwischen 700 und 500 v. Chr. die philosophischen und mystischen Upanishaden; allerdings wird nicht jede Upanishad zum Veda gerechnet.

Diese Schichten waren nicht immer klar voneinander getrennt. Die Inhalte wurden mündlich überliefert und erst viel später, seit dem 5. Jahrhundert n. Chr., schriftlich fixiert. Deshalb überschneiden sich besonders Brahmanas, Aranyakas und Upanishaden. So enthält die Brihadaranyaka-Upanishad sowohl ein Aranyaka als auch eine Upanishad und ist zugleich Teil des Shatapathabrahmana. Die Chandogya-Upanishad gehört zum Chandogya-Brahmana.

Die vier Samhitas

Die Samhitas sind in Vedisch überliefert, einer frühen, nach dem Veda benannten Form des Sanskrit. Sie enthalten hauptsächlich Verse, die Priester während der Opferzeremonien sprachen oder sangen.

• Die Rigveda-Samhita ist eine Sammlung von Hymnen. Sie umfasst 1028 Hymnen in zehn Liederkreisen, den „Mandalas“, und insgesamt mehr als 10.000 Verse, die „ric“ heißen.

• Der Samaveda ist eine Sammlung von Liedern. Sein Name bezieht sich auf „saman“, die Melodie. Er besteht fast vollständig aus Versen des Rigveda, die nach liturgischen Gesichtspunkten neu angeordnet wurden.

• Der Yajurveda enthält vor allem Mantras beziehungsweise Opfersprüche und ist in Prosa verfasst. Er liegt als „schwarzer“ Yajurveda (krishna), beispielsweise mit der Maitrayani-Samhita, und als „weißer“ Yajurveda (shukla), beispielsweise mit der Vajasaneyi-Samhita, vor.

• Der Atharvaveda enthält neben altem auch jüngeres Material als die übrigen Veden. Typisch sind zahlreiche Zaubersprüche und magische Hymnen.

Die ersten drei Veden heißen in der indischen Tradition „Dreifaches Wissen“ oder trayi vidya. Der Atharvaveda wurde ihnen erst später gleichgestellt. Nach westlicher Schätzung geschah dies möglicherweise im 3. Jahrhundert v. Chr., als die Atharvaveda-Samhita ihre feste Form erhielt. Die drei anderen Veden waren schon früher kanonisiert. Für den Rigveda wird eine Entstehungszeit von ungefähr 1200 bis 900 v. Chr. angenommen; im Hinduismus gelten die Texte dagegen als mehrere Tausend Jahre älter.

Brahmanas, Aranyakas und Upanishaden

Die Brahmanas schließen sich an die vier Samhitas an und gehören ebenfalls zur Shruti und damit zum Veda im weiteren Sinne. Es handelt sich um Prosatexte, die Opfervorschriften erläutern. Häufig enthalten sie zugleich ein Aranyaka und eine Upanishad. Beispiele sind das zum Rigveda gehörende Aitareya-Brahmana und das dem weißen Yajurveda zugeordnete Shatapatha-Brahmana.

Die Aranyakas, die „Waldtexte“, vermitteln mystische Geheimlehren, Opfersymbolik und priesterliche Philosophie. Sie wurden nicht im Dorf, sondern im Wald gelehrt. Ursprünglich waren sie meist einzelne Kapitel der Brahmanas und für das Studium im dritten Lebensstadium bestimmt, dem Vanaprastha, dem „in der Waldeinsamkeit Lebenden“. Später entwickelten sie sich zu selbstständigen Werken brahmanischer Schulen. Beispiele sind das Kaushitaki-Aranyaka des Rigveda und das Taittiriya-Aranyaka des schwarzen Yajurveda.

Die Upanishaden sind spirituelle Erkenntnisse und Geheimlehren, die unmittelbar zwischen Lehrer und Schüler vermittelt wurden. Ihr Name bedeutet wörtlich „sich um den Lehrer herum setzen“. Sie dürften zwischen 700 und 500 v. Chr. entstanden sein und verwenden Sanskrit. In ihnen wurden Lehren formuliert, die die indische Philosophie und Religion noch Jahrhunderte später bestimmten: Atman und Brahman sowie Samsara und Karma. Besonders die zehn mukhya upanishads, die Haupt-Upanishaden, prägten den späteren Hinduismus. Beispiele sind die Aitareya-Upanishad des Rigveda, die Chandogya-Upanishad des Samaveda, die Taittiriya-Upanishad des schwarzen Yajurveda und die Mundaka-Upanishad des Atharvaveda.

Weitere Texte und Erforschung

Manchmal werden auch Texte der Smriti, des „Erinnerten“ und damit der weltlichen Tradition, zum Veda gerechnet, beispielsweise das Mahabharata. Darüber besteht jedoch kein Konsens. Zur Smriti zählen außerdem die Vedangas, die „Glieder des Veda“. Diese Hilfswissenschaften dienen dem Verständnis und der korrekten Überlieferung des Veda. Zu ihnen gehören Phonetik, Metrik, Grammatik, Etymologie, Astronomie und Ritual.

Für die internationale Forschung ist unter anderem das von Michael Witzel von der Harvard University herausgegebene, frei zugängliche Electronic Journal of Vedic Studies wichtig. Es bündelt internationale Forschungsbemühungen zu den Veden.

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