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Geschichte Ghanas
Die Geschichte Ghanas ist die Geschichte des modernen Staates Ghana, der vorangegangenen europäischen Kolonisation dieses Gebietes sowie die vorkoloniale …
Inhalt6 Abschnitte
Gegenstand und frühe Besiedlung
Die Geschichte Ghanas umfasst den modernen Staat, die europäische Kolonisation und die vorkolonialen Völker und Reiche auf seinem heutigen Gebiet. Das historische Königreich Ghana lag wesentlich weiter nördlich in der Sahelzone und hatte keine direkte historische Verbindung zum heutigen Ghana. Die Staatsgründer wählten seinen Namen, um an die Größe dieses westafrikanischen Reiches anzuknüpfen.
Menschen besiedelten das Gebiet des heutigen Ghana erstmals vor etwa 150.000 bis 200.000 Jahren. Eine lange Trockenphase dauerte von vor 135.000 bis vor etwa 75.000 Jahren. Frühe Bewohner gehörten zur Sangoan-Kultur, die den Übergang von der älteren zur jüngeren Altsteinzeit kennzeichnet. Fundschichten in Asokrochona und Tema II wurden auf 13.000 bis 20.000 beziehungsweise 20.000 bis 25.000 Jahre datiert. Eine weitere extreme Trockenperiode vor etwa 25.000 bis 13.000 Jahren führte zur Aufgabe vieler Ebenen.
Die älteste gefundene Keramik ist ungefähr 5800 Jahre alt; ihr Auftreten wird allgemein mit dem Beginn der Nahrungsmittelerzeugung durch Feldbau verbunden. Während einer erneuten Trockenphase vor etwa 4000 bis 3500 Jahren wurde der Regenwald lichter. Vor etwa 3800 bis 3700 Jahren nahm die Ölpalme stark zu. Die Kintampo-Kultur im Norden verband Waldlandfeldbau mit Viehhaltung in der Savanne. Schafe und Ziegen sind für die Zeit vor 3550 bis 3750 Jahren sicher belegt, später wahrscheinlich auch Rinder. Entgegen älteren Annahmen war das zentrale Waldland bereits in den ersten Jahrhunderten n. Chr. besiedelt.
Vorkoloniale Staaten und europäischer Handel
Die ersten Reiche auf ghanaischem Gebiet entstanden im Norden. Anfang des 15. Jahrhunderts gründeten die Dagomba ein mächtiges Königreich; später folgten die Mamprusi und im 16. Jahrhundert die Gonja. Sie waren kulturell von den Mossi des heutigen Burkina Faso beeinflusst und stützten sich auf Reiterheere. Im tropischen Waldland begrenzten unter anderem Tse-Tse-Fliegen die Pferdehaltung. Die nördlichen Reiche wurden früh islamisiert, bewahrten aber viele traditionelle Glaubensformen.
Ab dem 13. Jahrhundert wanderten Akanvölker in das Waldland Zentralghanas. Eingeführte Feldfrüchte wie Bananen, Hirse und Kassawa ermöglichten Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts eine dichtere Besiedlung. Zu den frühen Akanreichen gehörte Bono; im 17. Jahrhundert beherrschten die Denkyra große Gebiete. Das 1695 gegründete Königreich der Aschanti brach ihre Macht und entwickelte sich zur regionalen Großmacht. Im Süden lebten unter anderem Fanti, Nzema, Ga und Ewe in zahlreichen kleineren Häuptlingstümern.
1471 erreichten die Portugiesen die Goldküste. Mit Erlaubnis einheimischer Herrscher errichteten sie 1482 das Fort São Jorge da Mina im heutigen Elmina. Schweden, Dänen, Niederländer, Briten, Brandenburger und Franzosen folgten. Ihre Forts waren zunächst vor allem gepachtete Handelsstützpunkte, keine Ausgangspunkte kolonialer Eroberungen. Gehandelt wurden zuerst Gold und Gewürze, seit dem 17. Jahrhundert zunehmend versklavte Menschen für den atlantischen Dreieckshandel. Afrikanische Händler erhielten dafür unter anderem Gewehre, Munition und Stoffe. Die Europäer waren auf einheimische Zusammenarbeit angewiesen; diese frühe Handelsphase ist von der späteren kolonialen Unterwerfung zu unterscheiden. Um 1800 hatten Briten und Niederländer die übrige europäische Konkurrenz verdrängt, und das Kräfteverhältnis begann sich zugunsten Europas zu verändern.
Aschanti und Errichtung der britischen Kolonie
Unter dem ersten Asantehene Osei Tutu wurden die Aschanti-Fürstentümer 1695 vereinigt. Ab 1699 befreiten sie sich von der Tributpflicht gegenüber den Denkyra und erhielten den Pachtvertrag für die Forts von Elmina, wodurch sie unmittelbar mit den Niederländern handeln konnten. 1744 eroberten sie das Dagomba-Königreich und beherrschten schließlich fast das gesamte heutige Ghana außer einem schmalen Küstenstreifen. Grundlagen ihrer Macht waren Gold, eine gut organisierte und mit europäischen Schusswaffen ausgerüstete Armee sowie eine leistungsfähige Verwaltung. Der Goldene Stuhl galt als Verkörperung des Geistes aller Aschanti.
1814–16 besiegte Asantehene Osei Bonsu Akim und Akwapim; Großbritannien erkannte die Aschanti-Oberhoheit über die Südküste außerhalb seiner Forts an. Ein britischer Angriff endete 1824 mit einer schweren Niederlage und dem Selbstmord des Gouverneurs McCarthy. Erst 1874 eroberten britische Truppen unter Sir Garnet Wolseley Kumasi. Im Vertrag von Fomena verloren die Aschanti ihre Rechte an der Küste, und der Sklavenhandel wurde für illegal erklärt.
Parallel dehnten die Briten ihre Herrschaft aus. 1821 übernahm das Colonial Office die Kontrolle über die britischen Forts. George Maclean erweiterte den Einfluss seit 1829 auf einen etwa 40 Kilometer breiten Küstenstreifen. Der Bund von 1844 bestätigte weitgehend die Anwendung britischen Rechts im Gebiet der Fanti. Großbritannien kaufte 1850 die dänischen und 1872 die letzten niederländischen Forts. Die von 1868 bis 1873 bestehende Fantiföderation, ein eigenständiger Staat nach europäischem Vorbild, scheiterte an inneren Konflikten und britischem Boykott.
1874 wurde Südghana zur Kronkolonie Goldküste. 1896 zwangen die Briten das Aschantiland unter ihre Herrschaft und verbannten den Asantehene. Einen letzten Aufstand unter Führung der Königinmutter von Edweso schlugen sie 1900 nieder. Im selben Jahr übernahmen sie Nordghana. Die westliche Hälfte des ehemaligen Deutsch-Togo kam 1919 als Völkerbund-Mandatsgebiet Britisch-Togoland hinzu.
Kolonialherrschaft und Unabhängigkeit
Die Briten verwalteten die Kronkolonie, das Protektorat Aschantiland und die Nördlichen Territorien unterschiedlich. In der Kronkolonie waren politische Vereinigungen, Pressefreiheit und anwaltlicher Widerstand in begrenztem Umfang möglich. Im Aschantiland bekämpften die Briten traditionelle Machtstrukturen; politische Vereinigungen und anwaltliche Tätigkeit wurden eingeschränkt. Die Nördlichen Territorien blieben von frühen politischen Reformen weitgehend ausgeschlossen. In den 1920er Jahren setzte Gouverneur Gordon Guggisberg dort und im Aschantigebiet auf Indirect rule, also Herrschaft über einheimische Autoritäten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs die Unabhängigkeitsbewegung. 65.000 Ghanaer hatten auf britischer Seite für „Freiheit und Demokratie“ gekämpft. Die Burns-Verfassung von 1946 schuf erstmals in einer britischen Kolonie Afrikas eine einheimische Mehrheit in einem gesetzgebenden Rat, doch traditionelle Häuptlinge bestimmten die meisten Vertreter. Bei den Accra-Unruhen von 1948 erschoss die Polizei Teilnehmer einer friedlichen Demonstration; insgesamt starben 29 Menschen. Kwame Nkrumah wurde landesweit bekannt. Nach seiner Mitarbeit in der United Gold Coast Convention gründete er 1949 die Convention People’s Party (CPP) mit der Forderung „self-government now!“. Ein Generalstreik führte 1950 zu Ausnahmezustand, Verhaftung und Verurteilung Nkrumahs. Bei den Wahlen 1951 siegte die CPP in den direkt gewählten Gebieten deutlich. Gouverneur Charles Arden-Clarke ließ Nkrumah frei und ernannte ihn zum „Führer der Regierungsgeschäfte“.
Von 1951 bis 1956 regierte die CPP unter fortbestehender britischer Oberhoheit. Hohe Kakaopreise finanzierten Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen. Afrikaner besetzten statt 171 gehobenen Stellen im Jahr 1949 bereits 3000 im Jahr 1957. Seit 1954 wurden alle Abgeordneten direkt gewählt; 1955 wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Zugleich nahmen Korruption und diktatorische Tendenzen zu. Trotz Konflikten mit dem regionalen National Liberation Movement gewann die CPP 1956 erneut. Britisch-Togoland entschied sich in einem Referendum für den neuen Staat. Am 6. März 1957 wurde Ghana als erste ehemalige Kolonie Subsahara-Afrikas unabhängig.
Nkrumah, Militärherrschaft und Krisen
Ghana begann die Unabhängigkeit mit einer relativ breiten gebildeten Schicht, Goldvorkommen, einer starken Kakaoausfuhr und Devisenreserven. Nkrumah förderte Bildung und Industrialisierung. Kernprojekt war der Akosombo-Staudamm am Volta, der mit US-amerikanischem Kapital gebaut werden sollte. Innenpolitisch bekämpfte er Regionalismus zunehmend autoritär: Oppositionspolitiker konnten abgesetzt und vermeintliche Staatsfeinde ohne Prozess festgenommen werden. Gewerkschaften und Bauernorganisationen wurden der CPP untergeordnet. Außenpolitisch vertrat er den Panafrikanismus und unterstützte durch Kongresse in Accra afrikanische Befreiungsbewegungen.
Im Juli 1960 wurde Ghana Republik und Nkrumah Präsident mit nahezu diktatorischen Vollmachten. Die sozialistische Wende führte zu Verstaatlichungen. Gleichzeitig fiel der Kakaopreis auf ein Viertel seines Wertes Mitte der 1950er Jahre. Ineffiziente Staatsunternehmen, Korruption, Versorgungsmängel, höhere Steuern und Zwangssparen verschärften die Krise. Am 24. Februar 1966 putschten Polizei- und Armeeoffiziere; Nkrumah ging ins Exil.
Der National Liberation Council unter Joseph Arthur Ankrah stellte Pressefreiheit her und entließ politische Gefangene, setzte wirtschaftlich aber auf Sparpolitik, Privatisierungen, den Westen und den Internationalen Währungsfonds. Arbeitslosigkeit und Preise stiegen. 1969 gewann Kofi Busias Progress Party 105 von 140 Parlamentssitzen. Seine Regierung förderte ländliche Infrastruktur, verschlechterte jedoch durch Sparmaßnahmen die Lage vieler Stadtbewohner. Ein Ausländergesetz führte zur Vertreibung von einer Million afrikanischen Arbeitern und Kleinhändlern, darunter 600.000 Nigerianern. Nach einer Abwertung des Cedi um 42 Prozent wurde Busia 1972 gestürzt.
Ignatius Kutu Acheampongs Militärregierung verweigerte zunächst die Schuldentilgung und erreichte mithilfe hoher Gold- und Kakaopreise eine Erholung. Mitte der 1970er Jahre führten sinkende Kakaopreise, steigende Ölpreise, schlechte Ernten, Gelddrucken und Inflation von bis zu 200 Prozent zu Mangel und Schwarzmarkt. Diese von extremer Korruption geprägte Zeit heißt Kalabule. 1978 ersetzte Fred Akuffo Acheampong. Kurz vor geplanten Wahlen putschte am 4. Juni 1979 Jerry Rawlings. Führende frühere Machthaber wurden hingerichtet, die Wahlen fanden aber statt. Präsident Hilla Limann konnte Korruption und Wirtschaftskrise nicht überwinden; Ende 1981 ergriff Rawlings erneut die Macht.
Rawlings und demokratische Entwicklung
Rawlings verbot Parteien, hob die Verfassung auf und führte einen Provisorischen Nationalen Verteidigungsrat. Basiskomitees, Volksgerichte, Enteignungen und „Volksläden“ sollten Korruption bekämpfen und die Versorgung sichern, brachten aber keinen wirtschaftlichen Erfolg. Ab 1983 wechselte Rawlings zu einem von Weltbank und IWF unterstützten Economic Recovery Programme. Preiserhöhungen, Lohnstopp, Cedi-Abwertung, Privatisierungen und strikte Sparpolitik belasteten die Bevölkerung; Kinderarbeit nahm zu und der Schulbesuch ab. Anfang der 1990er Jahre sanken jedoch die Inflation und die wirtschaftliche Not auf dem Land.
1992 führte Rawlings ein Mehrparteiensystem ein und gewann die als relativ fair beschriebenen Präsidentenwahlen. Wegen des Boykotts der Parlamentswahl durch wichtige Oppositionsparteien blieb Ghana praktisch zunächst ein Einparteienstaat; zugleich entstand eine vergleichsweise große Pressefreiheit. 1994 eskalierten Konflikte zwischen Konkomba und benachbarten Gruppen im Norden zum sogenannten „Perlhuhnkrieg“. 1996 gewann Rawlings mit 57 Prozent erneut. Seine Amtszeit endete verfassungsgemäß; der NDC-Kandidat John Atta Mills verlor die Wahl 2000.
Am 7. Januar 2001 wurde John Agyekum Kufuor von der New Patriotic Party Präsident. Eine Nationale Versöhnungskommission untersuchte Menschenrechtsverletzungen früherer Regime und forderte die Entschädigung von rund 3000 Opfern der Rawlings-Zeit. Kufuor wurde 2004 mit 52,45 Prozent wiedergewählt. 2008 gewann Atta Mills die Stichwahl mit 50,23 Prozent gegen Nana Addo Dankwa Akufo-Addo mit 49,77 Prozent.
Nach dem Artikel gewann bei den Wahlen 2025 der National Democratic Congress 52,91 Prozent; John Dramani Mahama sei voraussichtlich bis 2028 Präsident. Die New Patriotic Party erreichte 44,54 Prozent und wurde größte Oppositionspartei. Trotz einzelner gewaltsamer Auseinandersetzungen und Manipulationsversuche wird die Wahl als frei und fair bezeichnet; die Beteiligung lag mit 60,9 Prozent unter der von 2016 und 2020. Ghana gilt bis heute als eine der wenigen funktionierenden Demokratien Afrikas.