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Geschichte Afrikas
Berliner Konferenz von 1884/85. Bearbeiten. → Hauptartikel: Kongokonferenz. Um diese Zeit entstand bei den Führungseliten der europäischen Großmächte die …
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Grundzüge und Erforschung
Die Geschichte Afrikas umfasst die Entwicklung des Kontinents von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Erkenntnisse der Paläoanthropologie, Molekularbiologie und Genanalysen legen nahe, dass Afrika die Wiege der Menschheit ist; es ist daher der am längsten von Menschen bewohnte Erdteil.
Afrika gliedert sich in unterschiedliche Kultur- und Einflussräume. Nördlich der Sahara lagen Ägypten als alte Hochkultur sowie das übrige Nordafrika, das eng mit Europa und dem Nahen Osten verbunden war. Die Sahara erschwerte Austausch, war durch Handelsrouten aber nie vollständig undurchlässig. Das Horn von Afrika ist zugleich Teil Nordafrikas und Übergangsraum zu Ost- und Subsahara-Afrika. Südlich der Sahara gab es bis etwa zur Zeitenwende nur begrenzte Landwirtschaft und keine ausgedehnten Staatsstrukturen; am Südrand der Sahara entstanden frühe Staaten in Mali. Groß-Simbabwe gilt als erstes Staatswesen im südlichen Afrika. Sprachlich überwiegen im Norden afroasiatische, im Süden Niger-Kongo-Sprachen; daneben bestehen Khoisan- und weitere Sprachen.
Die Quellenlage ist regional sehr verschieden: Ägyptische Schriftquellen reichen vor 3000 v. Chr. zurück, aus Zentral- und Südafrika gibt es fast keine Quellen, die älter als 1000 Jahre sind. Die frühesten schriftlichen Aufzeichnungen über Westafrika stammen von arabischen Autoren des 8. Jahrhunderts n. Chr. Archäologie, Felsbilder und mündliche sowie schriftliche Überlieferungen helfen, Lücken zu schließen. Heinrich Barth wertete auf seiner Reise durch Sahara und Sudan 1850–1855 Dokumente und Chroniken aus und rekonstruierte große Teile der westafrikanischen Vergangenheit. Seine Ansätze wurden erst im 20. Jahrhundert wieder stärker aufgegriffen.
Menschheitsgeschichte und frühe Kulturen
Die Forschung zu frühen Menschen ist wegen weniger erhaltener Skelettreste unsicher. Die ersten Hominini entwickelten sich vor sieben bis sechs Millionen Jahren in Afrika aus einer zuvor gemeinsamen Entwicklungslinie mit den Vorfahren heutiger Schimpansen. Ardipithecus, etwa fünf Millionen Jahre alt, bewegte sich zumindest zeitweise zweibeinig fort. Diese Bipedie, also das Gehen auf zwei Beinen, erleichterte das Überleben an Waldrändern und in sich ausdehnender Savanne. Vor mehr als vier Millionen Jahren entstanden wahrscheinlich in Ostafrika Arten der Gattung Australopithecus.
Vor etwa 2,5 Millionen Jahren traten Homo rudolfensis und Homo habilis auf; sie fertigten erste Steinwerkzeuge. Damit begann das afrikanische Early Stone Age früher als das europäische Altpaläolithikum. Vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelten sich Homo ergaster beziehungsweise Homo erectus. Homo erectus verließ vermutlich als erste Homo-Art Afrika und breitete sich über den Vorderen Orient nach Europa und Asien aus; auch Feuerherstellung wird ihm zugeschrieben. Funde der Pinnacle-Point-Menschen und der Broken-Hill-Schädel belegen archaischen Homo sapiens in Afrika vor rund 160.000 Jahren. Genanalysen stützen, dass sich Homo sapiens von Afrika aus über andere Kontinente verbreitete. Die Annahme, Khoisan seien die direktesten Nachfahren der Urpopulation, und Hypothesen zu Klicklauten als evolutionären Relikten sind umstritten.
Nach der letzten Kaltzeit war die Sahara um 10500 v. Chr. grün und besiedelt. Ab etwa 5000 v. Chr. führte zunehmende Trockenheit zur Abwanderung, besonders in das Niltal und die Sahelzone. Die ältesten domestizierten Rinder Nordafrikas stammen aus etwa 4500 v. Chr.; auch Schafe und/oder Ziegen wurden gehalten. Um 2500 v. Chr. begann im Sahel der Anbau von Perlhirse (Pennisetum glaucum). Die Wellenlinienkeramik („wavy-line-pottery“) kennzeichnet eine jungsteinzeitliche Kultur der südlichen Sahara. Im Niltal belegen Funde Landwirtschaft bereits 6000 Jahre v. Chr. Eine angenommene Ausbreitung von Bantu-Völkern aus dem Hochland von Adamaua und die Verdrängung der Khoisan sind archäologisch nicht belegt; dichte Regenwälder erschweren die Forschung.
Antike und mittelalterliche Reiche
Ägypten wurde um 3100 v. Chr. unter Menes (Mena) vereinigt. Die 30 Dynastien werden in Altes, Mittleres und Neues Reich gegliedert. Die Pyramiden von Gizeh aus der 4. Dynastie bezeugen die Macht des Pharaonenkultes; die Cheops-Pyramide ist das einzige erhaltene der Sieben Weltwunder. Den größten Macht-, Reichtums- und Gebietsstand erreichte Altägypten im Neuen Reich (1567–1085 v. Chr.). Seine Bedeutung für die Entwicklung des übrigen Afrikas wird unterschiedlich beurteilt: Kontakte zu Eritrea, Äthiopien und Nubien sind belegt, Beziehungen zur Sahelzone und Westafrika werden nur vermutet.
Nordafrika wurde ab 1000 v. Chr. von Phöniziern aus Phönizien und Karthago kolonisiert. Griechen gründeten um 630 v. Chr. Kyrene und Alexander der Große 332 v. Chr. Alexandria. Rom verdrängte Karthago, Kyrenaika und Ägypten; Karthago fiel 146 v. Chr. Römische Herrschaft brachte den besiedelten Gebieten Wohlstand und eine lateinischsprachige Verwaltung, doch die Sahara blieb eine wesentliche Grenze. Ptolemäus beschrieb im 2. Jahrhundert n. Chr. unter anderem Nilseen, Handelsstationen bis Rhapta und den Niger.
Aksum war vom 4. Jahrhundert v. Chr. an eine Handelsmacht am Horn von Afrika. Es vermittelte zwischen indischem Subkontinent und Mittelmeerraum und prägte als einziges Reich Subsahara-Afrikas eigene Münzen. König Ezana trat 325 zum Christentum über und ließ erstmals das Kreuz auf eine Münze prägen. In seiner Hochblüte umfasste Aksum 1,25 Mio. km² und kontrollierte unter anderem Äthiopien, Eritrea, Dschibuti, westliches Somalia, Jemen und südliches Saudi-Arabien. Es exportierte Gold, Smaragde, Schildpatt und Elfenbein; Seide und Gewürze wurden importiert. Mit der Ausdehnung des Islams verfiel das Reich im 7. Jahrhundert.
Der Transsaharahandel verband spätestens seit der Antike Nordafrika mit Sahel und Westafrika. Kamele ermöglichten seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. regelmäßige Karawanen. Gold, Salz, Luxusgüter und Sklaven waren zentrale Güter. Ghana entstand im 5. Jahrhundert aus den Soninke und kontrollierte westliche Handelswege; seine Hauptstadt war Koumbi Saleh. Das mittelalterliche Reich ist nicht geschichtlich oder territorial mit dem heutigen Staat Ghana verbunden. Kanem beziehungsweise Kanem-Bornu am Tschadsee verdankte Handel Reichtum und Stabilität; sein vorislamisches Königtum kannte die Seklusion des Königs und die einflussreiche Königinmutter Magira.
Islam, Handelsstädte und Westafrika
Seit dem 7. Jahrhundert eroberten arabische Muslime von Ägypten aus Nordafrika bis zum Atlantik. Das Christentum verschwand dort fast vollständig, blieb jedoch bei den Kopten Ägyptens erhalten; oberes Nubien und Äthiopien wurden nicht unterworfen. Im 11. Jahrhundert verstärkte eine große arabische Einwanderung den arabischen und islamischen Einfluss. Über die Sahara und entlang der ostafrikanischen Küste verbreiteten sich Handel und Islam. Araber, Perser und Inder gründeten oder prägten Küstenstädte wie Mombasa, Malindi und Sofala.
In Mali, Niger und Senegal wurden Djenné, Timbuktu und Gao zu bedeutenden Handels- und Bildungszentren. Ihr Reichtum beruhte vor allem auf Steuern auf Goldtransporte nach Nordafrika und in den Nahen Osten sowie auf Salztransporten nach Westafrika. Die Islamisierung erleichterte den Handel mit der arabischen Welt.
Das Reich Mali entstand nach dem Niedergang Ghanas unter Mansa Sundiata Keïta, der zum Islam übertrat. Unter Mansa Musa erreichte es im 14. Jahrhundert seine größte Ausdehnung vom Atlantik bis zur Grenze des heutigen Nigeria. Musa ließ Moscheen errichten und die Verwaltung methodischer gestalten. Songhai löste sich von Mali, eroberte unter Sonni Ali ab 1464 systematisch das Sahelgebiet und erreichte unter Askia Mohammed Ture große Ausdehnung. Es übertraf Mali durch Provinzgouverneure, Berufsarmee und Berufsmarine am Niger. Die Krise des Transsaharahandels, die marokkanische Invasion und innere Unruhen führten im 16. Jahrhundert zum Zerfall; die marokkanische Invasion von 1591 beendete die Geschichte der großen westafrikanischen Reiche in dieser Darstellung.
Kolonialherrschaft und Weltkriege
Portugal begann im 15. Jahrhundert mit Entdeckungsfahrten und frühen Kolonialstützpunkten. Wichtige Daten sind Kap Bojador 1432, Kap Verde 1445, die Kongomündung 1482 durch Diogo Cão, das Kap der Guten Hoffnung 1488 durch Bartolomeu Diaz und Vasco da Gamas Seeweg nach Indien 1498. São Jorge da Mina (Elmina), 1482 gegründet, war der erste europäische Stützpunkt. Sklaven, Gold, Elfenbein und Gewürze waren zentrale Handelsgüter. Bis zum späten 19. Jahrhundert kontrollierten europäische Mächte überwiegend Küstenposten; das Hinterland blieb lange unabhängig. Die Niederlande gründeten 1652 die erste dauerhafte weiße Siedlung in Südafrika, Großbritannien übernahm die Kapkolonie 1814, Frankreich besetzte Algier 1830.
Im späten 19. Jahrhundert teilte der „Wettlauf um Afrika“ den Kontinent durch willkürliche europäische Grenzlinien, ohne bestehende geografische oder ethnische Grenzen zu berücksichtigen. Die Berliner Konferenz von 1884/85 beschloss die Kongoakte: Der Kongo-Freistaat wurde als Privatbesitz der Kongogesellschaft bestätigt, Zentralafrika zur Freihandelszone erklärt, Niger und Kongo für die Schifffahrt geöffnet, der Sklavenhandel verboten und effektive Besitznahme zur Voraussetzung eines Kolonialanspruchs gemacht. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren nur Äthiopien und Liberia nicht europäischer Fremdherrschaft unterworfen. Kolonialverwaltungen nutzten häufig lokale Machtstrukturen und bevorzugten kooperierende Gruppen. Das deutsche Vorgehen gegen Herero und Nama ab 1904 wird vielfach als Völkermord betrachtet, diese Deutung ist laut Artikel jedoch umstritten.
Im Zweiten Weltkrieg eroberten alliierte Verbände 1941 Addis Abeba; der Sieg über italienische Truppen im Norden Äthiopiens erfolgte am 18. Mai 1941. In Nordafrika führte Erwin Rommel das deutsche Afrikakorps zunächst erfolgreich, wurde aber nach Kämpfen bis El-Alamein und der alliierten Landung in Casablanca und Algier im November 1942 zurückgedrängt. Im Frühjahr 1943 siegten die Westalliierten vollständig. Der Afrikafeldzug kostete ungefähr 84.000 Soldaten das Leben, darunter 35.500 Briten und 18.600 Deutsche. In Westafrika standen sich de-Gaulle-treue und Vichy-treue französische Kolonien gegenüber; ein alliierter Versuch, Dakar im September 1940 einzunehmen, scheiterte.
Unabhängigkeit und Entwicklungen seit 1945
Die Dekolonisation begann 1951 mit Libyen; viele Staaten wurden in den 1950er-Jahren unabhängig, 1960 fast ganz Französisch-Westafrika. Portugal hielt seine Kolonien am längsten. Die kolonial gezogenen Grenzen blieben meist erhalten. Dadurch entstanden häufig Vielvölkerstaaten mit politischer Instabilität. Fehlende Selbstverwaltung unter der Kolonialherrschaft begünstigte korrupte Regierungen, Militärdiktaturen und Einparteiensysteme. 1963 wurde in Addis Abeba die Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) mit 30 Mitgliedsstaaten gegründet; 2002 folgte die Afrikanische Union (AU).
Nach dem Ende des Kalten Krieges verloren autoritäre Regime vielfach ihre Unterstützung durch nördliche Industriestaaten. In Äthiopien, Benin, Kap Verde, Mali und Sambia wurden Diktaturen durch Mehrparteiensysteme ersetzt; in anderen Staaten blieben autoritäre Regime trotz Reformen bestehen. In Angola, Burundi, Liberia, Mosambik, Somalia, Sudan und Tschad führten demokratische, separatistische und tribalistische Bewegungen zu Bürgerkriegen und Destabilisierung.
Beispiele regionaler Entwicklung sind Kenias Unabhängigkeit 1963 nach dem Mau-Mau-Aufstand, Somalias Niederlage im Ogadenkrieg 1977–1978 und der Völkermord in Ruanda 1994, bei dem Hutu innerhalb weniger Monate 75 Prozent der Tutsi-Minderheit töteten. In Nordafrika prägten Konflikte Ägyptens mit Israel, der Algerienkrieg und der Arabische Frühling Ende 2011 die jüngere Geschichte. In Südafrika führte die Nationale Partei 1948 die Apartheid ein; 1994 fanden die ersten Wahlen für alle Bevölkerungsgruppen statt, und Nelson Mandela wurde erster schwarzer Präsident. Westafrika erlangte weitgehend bis 1974 Unabhängigkeit, blieb jedoch durch Korruption, Bürgerkriege, Staatsstreiche, Dürreperioden im Sahel und AIDS-Pandemie belastet.