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Ölpreis
Der Ölpreis ist ein auf einem Markt festgestelltes Austauschverhältnis für eine bestimmte Menge einer Ölsorte. Die Vielzahl unterschiedlicher Ölsorten …
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Begriff, Handel und Qualitätsunterschiede
Der Ölpreis ist das auf einem Markt festgestellte Austauschverhältnis für eine bestimmte Menge einer Ölsorte. Weil sich Ölsorten unterscheiden, gibt es viele Ölpreise. Veröffentlicht werden meist Preise ausgewählter Referenzöle: standardisierte Sorten, deren Kurse an Spot- oder Terminmärkten als Vergleichsmaßstab dienen. Die wichtigsten Referenzöle sind Brent für Europa und West Texas Intermediate (WTI) für Nordamerika.
Die Handelsgröße ist ein Barrel. Es enthält exakt 42 Gallonen beziehungsweise etwa 159 Liter; 7 Barrel entsprechen ungefähr 1 metrischen Tonne. Öl wird teils direkt zwischen Lieferant und Abnehmer gehandelt, überwiegend orientieren sich Preise seit Ende des 20. Jahrhunderts aber an internationalen Börsenkursen, etwa an NYMEX in New York und ICE Futures in London.
Der Preis einer Sorte hängt unter anderem von ihrer Dichte, ausgedrückt durch den API-Grad, und ihrem Schwefelgehalt ab. „Süßes“ Öl enthält weniger als 0,5 % Schwefel, „saures“ mehr als 0,5 %. Auch Viskosität sowie Asphalten-, Wasser- und Salzgehalt sind wichtig. Öl geringerer Qualität wird konstant günstiger als hochwertigeres Öl gehandelt. In Raffinerien entstehen daraus vor allem Kraftstoffe; Grundchemikalien aus Rohöl werden anschließend zu petrochemischen Produkten weiterverarbeitet.
Nachfrage, Wachstum und Lagerhaltung
Der Marktpreis entsteht grundsätzlich aus Angebot und Nachfrage. Die Ölnachfrage hängt besonders vom Wachstum des Bruttosozialprodukts, von Veränderungen der Wirtschaftsstruktur, technischem Fortschritt und dem Ölpreis ab. Wirtschaftliches Wachstum in Industriestaaten und großen Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien erhöht die Nachfrage und kann damit den Preis beeinflussen. Bei erschöpfbaren Gütern kann die Nachfrage durch technischen Fortschritt, ein Substitut oder eine Enteignung der Ressource verschwinden. Je nachdem, wie wahrscheinlich Förderer solche Entwicklungen einschätzen, können sie Produktion und Exploration beschleunigen.
Die Nachfrage nach Öl ist sehr preiselastisch? Nein: Sie ist sehr preisunelastisch. Das bedeutet, dass sie auf Preisänderungen nur schwach reagiert, weil Öl oft nicht schnell und einfach ersetzt werden kann. Die Internationale Energieagentur (IEA) führt die starken Preisschwankungen 2007–2009 hauptsächlich auf diese geringe Preiselastizität zurück: Von Januar bis Juli 2008 stieg der Preis um 55 %, während die Nachfrage nur um 1 % wuchs.
Steigt das verfügbare Einkommen, steigt die Ölnachfrage stärker und höhere Preise werden eher akzeptiert. Die Aussage, höhere Preise würden bei konstantem Realeinkommen die Nachfrage einfach senken, wird im Artikel jedoch hinterfragt: Bei begrenztem Budget können Menschen andere Güter weniger nachfragen, um ihren Ölbedarf zu finanzieren. Öl gilt in Industriegesellschaften als Gut der Grundversorgung.
Preisvolatilität, also starke Preisschwankungen, schafft Anreize zur Bevorratung durch Verbraucher, Raffinerien und Regierungen und kann kurzfristig die Preise erhöhen. Saisonbedingt liegen Tiefpunkte gewöhnlich im Hochwinter zwischen Dezember und Januar; Höchststände werden im Frühjahr zur US-amerikanischen „Driving Season“ und im Herbst wegen der Heizölbevorratung erreicht.
Angebot, Reserven und Marktmacht
Die Angebotsseite wird von vorhandenen und künftig verfügbaren Ölmengen, deren Einschätzung sowie der Marktstruktur bestimmt. Unsicherheit über tatsächliche Erdölreserven und unterschiedliche Bewertungsmethoden der Ölfirmen beeinflussen die Preisbildung. Wegen physikalischer Grenzen ist nur ein kleiner Teil der weltweiten Vorkommen förderbar; mit höherem Ölpreis wird ein größerer Anteil wirtschaftlich sinnvoll förderbar.
Bei einer erschöpfbaren, nicht erneuerbaren Ressource ist der Preis nicht einfach der Schnittpunkt von Nachfrage und Grenzkosten, also den Kosten einer zusätzlich geförderten Einheit. Nach der Hotelling-Regel wird der Gewinn ohne Lagerkosten maximiert, wenn die periodischen diskontierten Zahlungen der Knappheitsrente gleich sind. Knappheitsrente bezeichnet die Opportunitätskosten des Verkaufs einer weiteren Ressourceneinheit: Wer Öl heute verkauft, kann es später nicht mehr verkaufen. Bei konstanten Grenzkosten wächst in einem vollkommenen Markt die Differenz zwischen Marktpreis und Grenzkosten mit dem Zinssatz; der Preis müsste daher im Zeitverlauf steigen.
Der Ölmarkt reagiert oft langsam, sodass sich ein Gleichgewichtspreis eher langfristig bildet. Geopolitische Unsicherheit, Kapazitätsengpässe, niedrige Lagerbestände und Volatilität können Spotpreise und kurzfristige Futures vorübergehend stark über diesen Gleichgewichtspreis treiben.
Der Markt wird häufig als Kartell bezeichnet, etwa wegen Standard Oil bis 1911, der Seven Sisters und seit 1960 der OPEC. Das vereinfacht die Lage stark. Makroökonomische Studien sehen aber eine starke Kooperation von OPEC-Staaten und einigen Nichtmitgliedern bei Fördermengen. Diese horizontale Kollusion kann Preise verzerren; Angebotsbeschränkungen und Preissteigerungen können unter extremen Bedingungen die globale Finanzstabilität gefährden.
Finanzmärkte, Spekulation und Manipulation
Finanzmarktfaktoren beeinflussen den Ölpreis zusätzlich zur physischen Angebots- und Nachfragesituation. Die US Commodities and Futures Trade Commission (CFTC) nennt Spekulanten Marktteilnehmer, die nicht hauptsächlich ein eigenes Betriebsrisiko absichern, sondern ein fremdes Handelsrisiko suchen. Terminkontrakte können Unternehmen absichern: Erdölverarbeiter können mit einer Verkaufsoption „short“ gegen fallende Preise von Ölprodukten vorgehen, das Transportgewerbe mit einer Kaufoption „long“ gegen steigende Preise. Der Spot- oder Kassapreis betrifft Lieferung innerhalb von zwei Wochen.
Nur ungefähr 5 % aller Futurekontrakte werden bei Laufzeitende durch eine physische Öllieferung erfüllt; der Rest wird durch Ausgleichszahlungen abgegolten. Das über Futures gehandelte Volumen ist ein Vielfaches der tatsächlich gelieferten Menge. Rohstoffindex-Investments stiegen von 13 Milliarden US-Dollar im Jahr 2003 auf 260 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008. Anleger kaufen dabei nicht physisches Öl, sondern Futures und setzen überwiegend auf steigende Preise.
Bei Contango liegt der aktuelle Marktpreis unter dem Terminpreis. Arbitragehandel, also der Zwischenverkauf zur Ausnutzung solcher Preisunterschiede, verbindet Termin- und physischen Markt und passt den Preis an den Terminpreis an; auch Rolleffekte können bedeutsam sein. Herding bedeutet, dass Marktteilnehmer ähnliches Verhalten zeigen. Studien nennen besonders starkes Herding bei Hedgefonds, Brokern und Futurehändlern; es ist bei großer Informationsunsicherheit wahrscheinlicher.
Der US-Dollar ist Standardwährung des Rohstoffmarkts. Wechselkursschwankungen verändern die Terms of Trade, also das Austauschverhältnis im Außenhandel. Ölexporteure sind besonders betroffen und können bei Dollarabwertung versuchen, Exportpreise durch Angebotsverknappung anzuheben. Zinsen können negativ oder positiv mit Ölpreisen zusammenhängen: Zinssenkungen können Ölpreise erhöhen, aber bei einer wegen schwacher Wirtschaft oder Rezession erfolgenden Zinssenkung kann die geringere Nachfrage den Ölpreis senken.
Strukturelle Ineffizienzen umfassen mangelnde Transparenz, Marktmacht großer Händler, Insiderhandel und Insichgeschäfte. Manipulation kann durch falsche Nachrichten, missbräuchliche Insiderinformationen, Aufkauf von Vorräten, das Anhäufen von mehr Forwardkontrakten als lieferbarem Öl oder Absprachen über Fördermengen erfolgen. Als Beispiel nennt der Artikel OPEC- und acht OPEC-Plus-Staaten, etwa Russland und Mexiko.
Kosten und langfristiger Preisverlauf
Förderkosten unterscheiden sich stark nach Herkunftsland. 2015 produzierten Länder der arabischen Halbinsel wie Kuwait und Saudi-Arabien mit etwa 9 $ pro Barrel am günstigsten. Russland lag bei 17 $, Venezuela bei 23 $, Mexiko und China bei 29–30 $, Norwegen bei 36 $, die USA und Kanada bei 36–41 $ und Großbritannien bei 52 $. Sinken Weltmarktpreise, können manche Länder nicht mehr kostendeckend fördern. Für russisches Öl wurden Ende 2022 rund 20 Dollar/Barrel genannt; andere Angaben reichen je nach Sorte von 30 bis 44 Dollar. Bei 35 Dollar/Barrel hätte Russland laut Artikel noch einen lukrativen Deckungsbeitrag.
Der historische Preisverlauf ist – mit Ausnahme des „goldenen Zeitalters des billigen Öls“ vom Ersten Weltkrieg bis zur ersten Ölkrise 1973 – von starken Schwankungen geprägt. 1864 erreichte Öl 8,06 Dollar pro Barrel, inflationsbereinigt 166,04 US-Dollar; 1931 fiel es während der Weltwirtschaftskrise auf 0,65 Dollar, inflationsbereinigt 13,39 US-Dollar. Nach dem Zweiten Weltkrieg blieb der Preis vergleichsweise niedrig; seit 1948 wird Erdöl hauptsächlich in US-Dollar, dem Petrodollar, abgerechnet.
In der ersten Ölpreiskrise drosselte die OPEC nach dem Jom-Kippur-Krieg 1973 die Förderung um etwa fünf Prozent. Der Preis stieg am 17. Oktober 1973 von rund drei auf über fünf US-Dollar und 1974 auf 11,16 Dollar pro Barrel. In der zweiten Krise 1979/1980 führten Ausfälle und die Islamische Revolution im Iran zu 39,50 Dollar im April 1980. Anschließend senkten Rezession, Energiesparen und alternative Energien den weltweiten Ölverbrauch 1978–1983 um 11 %. Überproduktion und Preissenkungen einiger OPEC-Staaten ließen den Preis bis zum 1. April 1986 auf 9,75 US-Dollar fallen.
Die 1990er Jahre waren mit Ausnahme des Zweiten Golfkriegs überwiegend günstig. Während der Asienkrise kostete ein Barrel am 11. Dezember 1998 10,65 Dollar. Ab 2001 stiegen Preise stark: wachsender Verbrauch, besonders in China, zu geringe Investitionen und Kapazitäten, politische Konflikte, Katrina und vermutete Spekulation wirkten mit. Brent erreichte am 11. Juli 2008 147,40 US-Dollar, WTI 147,16 US-Dollar. Umstritten ist, ob ein globales Fördermaximum bereits 2006 erreicht war: Die Energy Watch Group nahm dies an, die IEA verwies dagegen auf zu geringe Investitionen und Kapazitäten.
Neuere Krisen, Rekorde und Jahreswerte
Die Finanzkrise ließ Öl Ende 2008 stark fallen: Brent lag am 24. Dezember bei 37,45 US-Dollar, WTI im Tagesverlauf bei 35,18 US-Dollar, 76,1 % weniger als fünf Monate zuvor. Brent stieg 2011 wegen des Arabischen Frühlings bis 126,95 US-Dollar; 2012 wurden Spannungen um das iranische Atomprogramm und das EU-Ölembargo als Gründe für 128,38 US-Dollar genannt.
2014/2015 führten hohe Produktion, Fracking in den USA, geringeres Wachstum vor allem in China und Lateinamerika sowie die OPEC-Entscheidung vom November 2014, Quoten nicht zu senken, Brent im Dezember 2015 unter 30 USD pro Barrel. Im Corona-Schock ließ Russland im März 2020 die seit 2016 bestehende Mengenbegrenzung mit der OPEC auslaufen. Am 20. April fielen Kontrakte für Lieferung im Mai auf minus 37,63 US-Dollar je Barrel.
Nach Russlands Überfall auf die Ukraine stieg Brent von 96,80 US-Dollar am 23. Februar 2022 auf 129,80 US-Dollar am 8. März. Im Euroraum sorgte auch der schlechtere Euro-Dollar-Wechselkurs für Rekorde. Die EU einigte sich zum 5. Dezember 2022 auf eine Obergrenze von 60 US-Dollar pro Barrel russischen Öls, etwa 57 Euro pro 159 Liter; G7-Staaten und Australien sollten sie ab 6. Dezember oder kurz danach anwenden. Ziele waren geringere russische Einnahmen, stabilere Energiemärkte und weniger Nachteile für ärmere Länder.
Die bisherigen Höchststände betragen für Brent 147,40 US-Dollar am 11. Juli 2008 und 118,22 Euro am 8. März 2022; für WTI 147,16 US-Dollar am 11. Juli 2008 und 114,26 Euro am 8. März 2022. Die Jahrestabelle unterscheidet Höchst-, Tiefst- und Schlussstände sowie die jährliche Veränderung. Bei WTI beziehen sich Daten bis 1982 auf monatliche Produzenten-Durchschnittspreise, ab 1983 auf WTI-Futures in Cushing, Oklahoma. Für 2024 nennt sie bei Brent einen Höchststand von 92,18, einen Tiefststand von 68,68 und einen Schlussstand von 74,64 US-Dollar; bei WTI 87,67, 65,27 und 71,72 US-Dollar.