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Geschichte Berlins
Die dokumentierte Geschichte der Stadt Berlin begann im Hochmittelalter mit der Gründung von zwei Handelsorten. Urkundlich erstmals erwähnt wurde Berlin im …
Inhalt6 Abschnitte
Von der Eiszeit zur mittelalterlichen Doppelstadt
Die Geschichte Berlins reicht archäologisch weit vor die erste urkundliche Erwähnung zurück. Feuersteine und bearbeitete Knochen weisen auf Menschen im Berliner Raum seit etwa 60.000 v. Chr. hin. Seit rund 19.000 Jahren ist das Gebiet eisfrei; Schmelzwasser formten vor etwa 18.000 Jahren das Berliner Urstromtal, das die Spree für ihren Lauf nutzte. Im 9. Jahrtausend v. Chr. lebten Jäger und Fischer an Spree, Dahme und Bäke. Ab dem 4. Jahrtausend v. Chr. sind Ackerbau, Viehzucht, Keramik und feste Siedlungen belegt. In Bronze- und Eisenzeit wurde die Region dichter besiedelt; auf germanische Gruppen folgten ab dem 6. und 7. Jahrhundert slawische Stämme.
Im heutigen Berliner Raum lebten die slawischen Heveller und Sprewanen. Ihre Zentren lagen in Brandenburg an der Havel und auf der Köpenicker Schlossinsel. 1157 besiegte Albrecht der Bär den Sprewanenfürsten Jaxa von Köpenick und gründete die Mark Brandenburg. Im Zuge des anschließenden Landesausbaus entstanden neue Dörfer und Handelswege.
Berlin und Kölln wurden Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts als Handelsplätze an einem günstigen Spreeübergang angelegt. Kölln wird erstmals 1237, Berlin 1244 urkundlich erwähnt. Wer beide Orte gründete und welcher älter ist, bleibt ungeklärt; das älteste als zuverlässig geltende Holzdatum lautet 1198. Berlin ist ein slawischer Name und bedeutet „Ort in einem sumpfigen Gelände“. Er geht nicht auf Albrecht den Bären oder das Wappentier zurück.
Stapellager- und Zollrechte förderten den Handel zwischen Osteuropa, der Ostseeküste, Hamburg, Flandern, England und Süddeutschland. Berlin und Kölln besaßen zunächst getrennte Verwaltungen, aber gemeinsame Einrichtungen. Großkaufleute bestimmten die Räte, während Kaufleute, Handwerker und Ackerbürger die mittleren Schichten bildeten. 1307, nach anderer Zählung 1309, schlossen beide Städte eine Union; 1432 entstand die Doppelstadt Kölln-Berlin. Seit dem 14. Jahrhundert gehörten Berlin und Kölln der Hanse an. Nach dem Übergang Brandenburgs an die Hohenzollern 1415 scheiterte 1448 der „Berliner Unwille“ gegen den Schlossbau Friedrichs II.; die Bürgerschaft verlor wichtige politische und wirtschaftliche Freiheiten.
Residenzstadt und preußische Hauptstadt
Seit 1451 war Kölln-Berlin dauerhafte Residenz der brandenburgischen Kurfürsten. Handel verlor gegenüber der Herstellung von Luxuswaren für den Hof an Bedeutung. Joachim II. führte 1539 die Reformation ein. Die Konversion Johann Sigismunds zum Calvinismus 1613 führte zu Spannungen mit der überwiegend lutherischen Bevölkerung. Der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648 beschädigte ein Drittel der Häuser und halbierte die Einwohnerzahl.
Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm setzte die Erholung ein. Er ließ ab 1658 eine Festung bauen, förderte religiöse Toleranz und Einwanderung und verbesserte durch den Friedrich-Wilhelm-Kanal den Handel. Nach dem Edikt von Potsdam 1685 kamen mehr als 15.000 französische Hugenotten nach Brandenburg, davon 6.000 nach Berlin; um 1700 bildeten Franzosen etwa 20 Prozent der Stadtbevölkerung. Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt erweiterten die Stadt nach Westen.
Mit der Königskrönung Friedrichs I. wurde Berlin 1701 Hauptstadt des preußischen Staates. Zum 1. Januar 1710 vereinigten sich Berlin, Kölln, Friedrichswerder, Dorotheenstadt und Friedrichstadt zur Königlichen Residenz Berlin. Schloss und Straße Unter den Linden wurden repräsentativ ausgebaut. Akademien, Bibliothek, Sternwarte, Charité und weitere Einrichtungen machten die Stadt zu einem Zentrum von Wissenschaft und Kunst.
Friedrich Wilhelm I. prägte Berlin als Militär- und Verwaltungsstadt. Rund 20 Prozent der Bevölkerung gehörten zeitweise zur „Militärbevölkerung“. Eine Akzisemauer diente der Steuererhebung, Kontrolle und Verhinderung von Desertionen. Unter Friedrich dem Großen wurde Berlin mit dem Forum Fridericianum, der Königlichen Bibliothek und staatlichen Manufakturen weiter ausgebaut. Die Stadt entwickelte sich zu einem Zentrum der Aufklärung; Moses Mendelssohn und zahlreiche gelehrte Gesellschaften wirkten hier. Unter Friedrich Wilhelm II. setzte sich der Klassizismus durch. Das ab 1788 neu errichtete Brandenburger Tor wurde zum Wahrzeichen. Gleichzeitig waren Straßen, Beleuchtung, Abfallentsorgung und Kanalisation unzureichend; Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne führten 1793 zu einem Weberstreik.
Reformen, Industrialisierung und Revolution
Nach Preußens Niederlage bei Jena und Auerstedt zog Napoleon am 27. Oktober 1806 durch das Brandenburger Tor ein. Bis Dezember 1808 belasteten Einquartierungen, Kontributionen und wirtschaftliche Einschränkungen Berlin schwer. Kunstwerke und die Quadriga wurden nach Paris gebracht; nach Napoleons Niederlage kehrten sie zurück.
Der Zusammenbruch Preußens löste Reformen aus. Die Städteordnung von 1808 schuf eine kommunale Selbstverwaltung; 1809 wurden Stadtverordnete und ein neuer Magistrat gewählt. Wahlberechtigt waren allerdings nur Hausbesitzer und Männer mit mindestens 200 Talern Jahreseinkommen, etwa sieben Prozent der Bevölkerung. 1810 eröffnete die Berliner Universität. Wilhelm von Humboldts Verbindung von Forschung und Lehre sowie eine zunächst große Lehr- und Lernfreiheit machten sie zu einer bedeutenden Reformuniversität. Gewerbefreiheit, Heeresreform und die rechtliche Gleichstellung der Juden von 1812 modernisierten Staat und Gesellschaft, wobei antisemitische Benachteiligungen fortbestanden und die Gleichstellung später wieder eingeschränkt wurde.
Im Vormärz wuchs Berlin von etwa 200.000 Einwohnern 1816 auf 408.000 im Jahr 1846. Eisenbahnen beschleunigten den Wandel: Die erste preußische Strecke Berlin–Potsdam wurde am 22. September 1838 eröffnet; 1846 bestanden Verbindungen in alle vier Himmelsrichtungen. Maschinenbau, Gasversorgung und neue Fabriken machten besonders den Norden zum Industriegebiet. Gleichzeitig entstanden überfüllte Mietskasernen. Cholera, Kinderarbeit und große soziale Unterschiede kennzeichneten die Entwicklung; die durchschnittliche Lebenserwartung lag um die Jahrhundertmitte bei 54 Jahren in höheren Berufen und 42 Jahren bei Industriearbeitern.
Politische Unterdrückung, Zensur, Hunger und steigende Preise führten zu Unruhen. Bei der Kartoffelrevolution 1847 wurden Marktstände und Geschäfte angegriffen. Am 18. März 1848 begann nach einer Kundgebung mit rund 10.000 Teilnehmern die Berliner Märzrevolution. In den Barrikadenkämpfen starben bis zum 21. März 192 Menschen. Der König gewährte zunächst Presse- und Versammlungsfreiheit, ließ aber im November wieder Truppen einrücken und den Belagerungszustand verhängen.
Nach 1850 modernisierten Wasserwerke, Kanalisation, Krankenhäuser, Nahverkehr und Telegrafie die Stadt. Die Stadterweiterung von 1861, der Hobrecht-Plan von 1862 und die Ringbahn ordneten das Wachstum, begünstigten aber auch dichte Mietskasernenviertel. Mit der Gründung des Norddeutschen Bundes 1867 erhielt Berlin erstmals Hauptstadtfunktionen über Preußen hinaus.
Reichshauptstadt, Groß-Berlin und Weimarer Republik
1871 wurde Berlin Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches. Die Stadt wuchs 1877 zur Millionenstadt und entwickelte sich zu einem internationalen Industrie-, Verkehrs-, Finanz- und Wissenschaftszentrum. Der Gründerboom endete in der zweiten Hälfte der 1870er Jahre mit einer Wirtschaftskrise. Bevölkerungswachstum und Spekulation verschärften Wohnungsnot und soziale Gegensätze. In den Mietskasernen des „Wilhelminischen Rings“ lebten Arbeiter häufig in überbelegten, lichtarmen Wohnungen, während im Südwesten Villenkolonien für das wohlhabende Bürgertum entstanden.
Die vollständige Kanalisation, Wasserversorgung, Stadtbahn, Straßenbahn und ab 1902 die U-Bahn modernisierten die Metropole. AEG, Siemens und andere Unternehmen machten Berlin zur „Elektropolis“. Universitäten und Forschungsanstalten stärkten Wissenschaft und Technik. Zugleich entstanden eine einflussreiche Arbeiterbewegung, Gewerkschaften und die SPD. Im Ersten Weltkrieg führte die britische Seeblockade zu Lebensmittelknappheit und Hunger, besonders im Steckrübenwinter 1916/1917. Am 9. November 1918 riefen Philipp Scheidemann und Karl Liebknecht jeweils die Republik aus.
Die frühe Weimarer Republik war von Gewalt geprägt: Spartakusaufstand, Generalstreik, Kapp-Putsch und Straßenkämpfe erschütterten Berlin. Am 1. Oktober 1920 entstand Groß-Berlin durch die Vereinigung Berlins mit sieben Städten, 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirken. Mit 3.804.048 Einwohnern war es hinter London und New York die drittgrößte Stadt der Welt und Europas größte Industriestadt.
Nach der Hyperinflation von 1923 begann ab 1924 die kulturelle Blüte der „Goldenen Zwanziger“. Berlin wurde ein Zentrum von Theater, Film, Literatur, Kunst, Rundfunk und Nachtleben. Flughafen Tempelhof, Funkturm, S-Bahn und neue Großsiedlungen wie die Hufeisensiedlung prägten die Stadt. 140.000 neue Wohnungen entstanden. Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 beendete den Aufschwung. Arbeitslosigkeit und politische Radikalisierung nahmen zu. Die NSDAP blieb in Berlin zunächst schwächer als im Reichsdurchschnitt, gewann aber besonders in bürgerlichen Bezirken. Nach dem „Preußenschlag“ 1932 wurde Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler ernannt.
Nationalsozialismus, Krieg und geteilte Stadt
Nach 1933 zerstörte das NS-Regime die demokratische Ordnung mit Terror und Verfolgung. Bis Ende 1933 wurden in Berlin schätzungsweise 30.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert; viele wurden misshandelt oder getötet. Die Olympischen Spiele 1936 dienten der Propaganda, während sichtbare antisemitische Maßnahmen vorübergehend zurückgenommen wurden. Albert Speers Pläne für die „Welthauptstadt Germania“ sahen monumentale Achsen und acht bis zehn Millionen Einwohner vor, wurden aber größtenteils nicht verwirklicht.
1933 lebten etwa 160.000 Juden in Berlin. Sie wurden entrechtet, aus Berufen gedrängt, enteignet und zur Auswanderung gezwungen. Während der Novemberpogrome vom 9. und 10. November 1938 brannten Synagogen; Geschäfte und Wohnungen wurden zerstört. Ab dem 18. Oktober 1941 deportierten die Nationalsozialisten mehr als 55.000 als Juden eingestufte Berliner in 184 Transporten nach Theresienstadt sowie in andere Ghettos und Vernichtungslager. Die meisten wurden ermordet; nur rund 1.200 überlebten versteckt in Berlin. Die Wannseekonferenz von 1942 koordinierte die sogenannte „Endlösung“ zwischen staatlichen Stellen.
Im Zweiten Weltkrieg trafen Berlin 363 Luftangriffe mit insgesamt 450.000 Tonnen Bomben. Schätzungsweise 20.000 Menschen starben, mehr als 1,5 Millionen wurden obdachlos. Ab dem 21. April 1945 eroberten sowjetische und polnische Truppen die Stadt; Hitler beging am 30. April Selbstmord, am 2. Mai kapitulierte Berlin. Danach waren 28,5 Quadratkilometer Trümmerfläche, 600.000 völlig zerstörte Wohnungen und eine weitgehend zusammengebrochene Versorgung zu bewältigen.
Die Alliierten teilten Berlin 1945 in vier Sektoren. Politische Konflikte führten 1948 zur administrativen Teilung. Während der sowjetischen Blockade von Juni 1948 bis zum 12. Mai 1949 versorgten die Westalliierten West-Berlin über die Luftbrücke. Ab 1949 beanspruchten Bundesrepublik und DDR ganz Berlin, verfügten aber jeweils nur über einen Teil. Ost-Berlin wurde Hauptstadt der DDR; West-Berlin blieb unter westalliierter Hoheit und war eng mit der Bundesrepublik verbunden.
Der Aufstand vom 17. Juni 1953 begann in Ost-Berlin als Protest gegen erhöhte Arbeitsnormen und weitete sich auf die DDR aus. Sowjetische Truppen schlugen ihn nieder; mindestens 153 Menschen wurden getötet. Am 13. August 1961 ließ die DDR die Berliner Mauer errichten, um die Flucht in den Westen zu stoppen. West-Berlin war nun vollständig umschlossen. Das Viermächteabkommen von 1971 sicherte seine Zugangswege. Beide Stadthälften entwickelten sich unterschiedlich: Im Osten dominierten repräsentative Bauten und große Plattenbausiedlungen, im Westen autogerechte Planung, Großsiedlungen und später die „behutsame Stadterneuerung“. West-Berlin wurde außerdem ein Zentrum der Studentenbewegung, des Linksterrorismus und der Hausbesetzerbewegung.
Mauerfall, Wiedervereinigung und Hauptstadt
In den 1980er Jahren wurden Ost-Berliner Kirchen zu Zentren der Opposition. Am 4. November 1989 fand auf dem Alexanderplatz die größte nicht staatlich gelenkte Demonstration der DDR-Geschichte statt. Nach einer missverständlichen Äußerung Günter Schabowskis öffneten Grenztruppen am 9. November zunächst den Übergang Bornholmer Straße und danach weitere Grenzübergänge. Die Mauer verlor ihre Funktion und wurde in der Folge abgerissen.
Mit der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde Berlin wieder gesamtdeutsche Hauptstadt; zugleich endete die alliierte Kontrolle. Am 2. Dezember 1990 fand die erste gemeinsame Abgeordnetenhauswahl statt. Der Bundestag beschloss am 20. Juni 1991, Parlament und Regierung nach Berlin zu verlegen. Der Bundespräsident verlegte 1994 seinen ersten Amtssitz dorthin; Bundestag und Bundesrat nahmen 1999 beziehungsweise 2000 ihre Arbeit in Berlin auf.
Die vereinte Stadt musste Verwaltungen, Verkehrsnetze und Infrastrukturen zusammenführen. Der Wegfall der Berlinhilfe im Westen und der Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft im Osten führten zu Deindustrialisierung und hoher Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig entstanden neue Dienstleistungs- und Technologiestandorte wie Adlershof. Ein Bauboom veränderte die Innenstadt: Potsdamer Platz, Pariser Platz sowie das neue Parlaments- und Regierungsviertel wurden neu gestaltet. Seit 2002 ist die Ringbahn wieder geschlossen, 2006 eröffnete der Hauptbahnhof. Ehemalige Bahn-, Industrie- und Mauerflächen wurden zu neuen Parks.
Finanzielle Probleme, Privatisierungen und der Berliner Bankenskandal schränkten die Politik ein. Eine Klage auf 35 Milliarden Euro Bundeshilfe wegen einer „extremen Haushaltsnotlage“ scheiterte 2006. Später verbesserten Tourismus, Wirtschaftswachstum und Bevölkerungszunahme die Lage; von 2013 bis 2019 nahm das Land keine neuen Schulden auf. Zu den einschneidenden jüngeren Ereignissen gehören der Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche am 19. Dezember 2016 und die COVID-19-Pandemie ab 2020, während der in Berlin rund 3.000 infizierte Menschen mit einem Durchschnittsalter von etwa 80 Jahren starben.