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Geschichte Bayerns

Die Geschichte Bayerns umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet des deutschen Bundeslandes Freistaat Bayern und historischer bayrischer Reiche von der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Von der Urgeschichte zur römischen Herrschaft
  2. 2. Stammesherzogtum und fränkisches Königtum
  3. 3. Wittelsbacher, Teilungen und Kurfürstentum
  4. 4. Absolutismus, Napoleon und Königreich
  5. 5. Kaiserreich, Revolution und NS-Diktatur
  6. 6. Freistaat seit 1945

Von der Urgeschichte zur römischen Herrschaft

Die Geschichte Bayerns umfasst die Entwicklung auf dem Gebiet des heutigen Freistaats und in früheren bayerischen Herrschaftsgebieten von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Vom ersten bairischen Stammesherzog bis zum heutigen Freistaat betrachtet, gehört Bayern zu den ältesten noch bestehenden politischen Gebilden Europas.

Die Urgeschichte reicht von den frühesten menschlichen Spuren im Mittelpleistozän bis zur späten Latènezeit im 1. Jahrhundert v. Chr. Da schriftliche Quellen fehlen, beruhen die Kenntnisse vor allem auf archäologischen Funden. In der anschließenden Frühgeschichte treten vereinzelte Schriftquellen hinzu.

Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. gründeten Kelten befestigte, stadtähnliche Siedlungen. Im Oppidum von Manching lebten etwa 5.000 bis 10.000 Menschen. Um 60 v. Chr. zerstörten Sueben und andere Germanen zahlreiche keltische Siedlungen. 15 v. Chr. eroberten Drusus und Tiberius das Alpenvorland: Das Gebiet zwischen Inn, Donau und Bodensee wurde Teil der römischen Provinz Raetia, das Gebiet östlich des Inns gehörte zu Noricum. Der Obergermanisch-Raetische Limes verlief auf 160 Kilometern durch das heutige Bayern. Augsburg und Regensburg entstanden als römische Gründungen. Mit der Völkerwanderungszeit endete Mitte des 5. Jahrhunderts die römische Herrschaft in Süddeutschland.

Aus romanisierten Kelten, Nachkommen römischer Siedler sowie alemannischen, fränkischen, thüringischen, ostgotischen und langobardischen Zuwanderern bildete sich allmählich das Volk der Bajuwaren. Nach fränkischen Siegen über Alamannen um 507 und Thüringer von 529 bis 534 gelangte der Norden des heutigen Bayern unter fränkische Herrschaft.

Stammesherzogtum und fränkisches Königtum

Das bairische Stammesherzogtum ist seit 551/555 namentlich belegt. 548 setzte der Frankenkönig Theudebald Garibald I. aus dem Geschlecht der Agilolfinger als Herzog ein. Das Herzogtum dehnte sich nach Osten bis zur Enns und nach Süden bis in das heutige Südtirol aus; Regensburg war der wichtigste Herrschaftssitz. Um 741/743 entstand mit der Lex Baiuvariorum das erste schriftlich festgehaltene bairische Stammesrecht.

Die Christianisierung wurde durch Missionare und die Gründung kirchlicher Strukturen gefestigt. Bonifatius ordnete 739 die bairischen Bistümer; 798 entstand unter Papst Leo III. eine Kirchenprovinz mit Salzburg als Metropolitansitz sowie Regensburg, Passau, Freising und Säben. Rupert, Korbinian, Emmeram und Kilian waren wichtige Missionare beziehungsweise Heilige dieser Entwicklung.

Die Karolinger schränkten die Selbstständigkeit der Agilolfinger zunehmend ein. Herzog Tassilo III. versuchte, sie durch ein Bündnis mit den Langobarden zu bewahren, wurde aber 788 von Karl dem Großen gestürzt. Damit endete das ältere Stammesherzogtum. Karl regierte Bayern durch Präfekten. 817 übergab Ludwig der Fromme seinem Sohn Ludwig II. dem Deutschen Bayern, das Ostland und die Awarenmark als Königtum. Unter Ludwig und später Kaiser Arnolf von Kärnten wurden Regensburg und Bayern zu einem Zentrum ostfränkischer Macht.

Nach dem Niedergang der Karolinger entstand ab 907 das jüngere Stammesherzogtum. Die Ungarneinfälle schwächten es zunächst; 955 eröffnete der Sieg auf dem Lechfeld eine neue bairische Ostsiedlung. Konflikte mit den Ottonen führten 976 zur Abtrennung Kärntens und weiterer Gebiete. Die Marcha orientalis, aus der später Österreich hervorging, wurde zunehmend selbstständig. 1156 wurde Österreich endgültig vom Herzogtum Bayern getrennt. Heinrich der Löwe gründete unter anderem 1158 München, verlor aber nach einem Konflikt mit Kaiser Friedrich I. Barbarossa seine Herzogtümer. 1180 wurden auch die Steiermark abgetrennt und Otto I. von Wittelsbach mit dem verbliebenen Bayern belehnt.

Wittelsbacher, Teilungen und Kurfürstentum

Von 1180 bis 1918 herrschten die Wittelsbacher über Bayern, zunächst als Herzöge, später als Kurfürsten und Könige. Sie bauten ihren anfangs kleinen Eigenbesitz durch Kauf, Heirat und Erbschaft aus und verwalteten neues Land zunehmend mit eigenen Dienstleuten. 1214 erhielt Ludwig I. zusätzlich die Pfalzgrafschaft bei Rhein.

Wegen der gleichberechtigten Erbfolge wurde Bayern mehrfach geteilt. 1255 entstanden Oberbayern mit München und Heidelberg sowie Niederbayern mit Landshut und Burghausen. Ludwig IV. der Bayer wurde 1314 deutscher König und 1328 als erster Wittelsbacher Kaiser. Seine zusätzlichen Herrschaftsgebiete gingen später wieder verloren. Der Hausvertrag von Pavia teilte 1329 den Besitz in eine pfälzische und eine altbayerische Linie; die Goldene Bulle übertrug 1356 die Kurwürde der pfälzischen Linie.

Nach 1392 bestanden vier Teilherzogtümer: Straubing-Holland, Bayern-Landshut, Bayern-Ingolstadt und Bayern-München. Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg von 1504/05 vereinigte Albrecht IV. Altbayern 1506 wieder. Sein Primogeniturgesetz bestimmte den Erstgeborenen zum alleinigen Erben und beendete die Teilungen.

Während der Reformation blieb Altbayern unter seinen Herzögen überwiegend katholisch. Albrecht V. verwies 1571 alle Lutheraner des Landes; Jesuiten und die Universität Ingolstadt wurden zu wichtigen Trägern der Gegenreformation. In Franken, Ostschwaben und der Oberpfalz verbreitete sich der Protestantismus dagegen stärker. Maximilian I. entmachtete die Landstände, reformierte Verwaltung, Finanzen und Recht und schuf ein leistungsfähiges Heer. Damit legte er Grundlagen des bayerischen Absolutismus.

Im Dreißigjährigen Krieg führte Maximilian die katholische Liga. Nach dem Sieg am Weißen Berg 1620 erhielt er 1623 die Kurwürde und 1628 die Oberpfalz. Bayern wurde dennoch 1632/34 und 1648 besetzt und verwüstet. Der Westfälische Frieden von 1648 bestätigte Kurwürde und Gebietsgewinne.

Absolutismus, Napoleon und Königreich

Nach 1648 entwickelte sich Bayern zum absolutistischen Staat; 1669 trat der ständische Landtag zum letzten Mal zusammen. Außenpolitisch schwankte das Kurfürstentum zwischen Friedenspolitik und Großmachtplänen. Im Spanischen Erbfolgekrieg führte die Niederlage bei Höchstädt 1704 zur österreichischen Besetzung. Die bayerischen Aufstände von 1705 und 1706 scheiterten; 1714 wurde Bayern wiederhergestellt. Im Österreichischen Erbfolgekrieg wurde Karl Albrecht 1742 als Karl VII. Kaiser, doch Österreich besetzte Bayern erneut. Maximilian III. Joseph verzichtete anschließend auf eine Großmachtrolle und konzentrierte sich auf Reformen.

1777 vereinigte Karl Theodor aus der pfälzischen Linie Bayern und die Pfalz zu Kurpfalzbayern. Im Bayerischen Erbfolgekrieg von 1778/79 verhinderte Preußen eine habsburgische Übernahme; Bayern musste jedoch das Innviertel an Österreich abtreten. 1799 folgte Maximilian IV. Joseph aus der Linie Pfalz-Zweibrücken und verbündete sich mit Napoleon.

Bayern verlor 1801 seine linksrheinischen Gebiete, gewann aber durch Säkularisation, also die Auflösung geistlicher Herrschaften, und Mediatisierung, die Eingliederung kleiner reichsunmittelbarer Gebiete, große neue Territorien. Nach dem Frieden von Pressburg erhielt es unter anderem Tirol und Vorarlberg. 1806 wurde Bayern Königreich und trat dem Rheinbund bei.

Minister Montgelas und König Maximilian I. schufen wesentliche Grundlagen des modernen Staates: eine zentralisierte Verwaltung, acht Verwaltungskreise, ein Berufsbeamtentum, allgemeine Schulpflicht, einheitliche Maße, Gewichte und Währung sowie die Abschaffung von Binnenzöllen und Zunftzwang. Die Konstitution von 1808 vereinheitlichte das Recht und schaffte die kaum noch bestehende Leibeigenschaft offiziell ab.

Napoleons Russlandfeldzug kostete Bayern schwere Verluste: Von rund 33.000 im Jahr 1812 ausmarschierten Soldaten kehrten nur etwa 4.000 zurück. Im Vertrag von Ried wechselte Bayern am 8. Oktober 1813 zu Napoleons Gegnern. Nach dem Wiener Kongress behielt es viele Neuerwerbungen, darunter fränkische und schwäbische Gebiete sowie Teile der Pfalz. Die endgültigen Grenzen wurden 1816 festgelegt.

Die Verfassung von 1818 machte Bayern zu einer konstitutionellen Monarchie mit zwei Kammern, jedoch ohne allgemeines und direktes Wahlrecht, vollständige Gewaltenteilung und Pressefreiheit. Ludwig I. förderte Kunst und Wissenschaft und verlegte 1826 die Universität von Landshut nach München. Nach 1830 regierte er zunehmend reaktionär und dankte 1848 während politischer Unruhen und wegen seiner Beziehung zu Lola Montez ab. Die Industrialisierung verlief wegen Rohstoffarmut, Randlage, schwacher Infrastruktur und der agrarisch-handwerklichen Gesellschaft langsamer als andernorts.

Kaiserreich, Revolution und NS-Diktatur

Nach der Niederlage an Österreichs Seite im Krieg von 1866 musste Bayern Gebiete an Preußen abtreten. 1870 kämpfte es mit Preußen gegen Frankreich und wurde 1871 Bundesstaat des Deutschen Kaiserreiches. Es behielt Reservatrechte wie ein eigenes Heer, Postwesen, Eisenbahnen und teilweise eigene Diplomatie. Im Inneren gewann das Parlament an Einfluss; katholisch-konservative Kräfte, Liberale, Bauernbund und SPD prägten die Politik. 1912 wurde erstmals ein Vertreter der Landtagsmehrheit Regierungschef. 1913 erklärte sich der bisherige Regent zum König Ludwig III.

Versorgungsnot und hohe Verluste im Ersten Weltkrieg zerstörten den Rückhalt der Monarchie; rund 165.000 bayerische Soldaten fielen. Am 7. November 1918 stürzte eine Revolution unter Kurt Eisner die Monarchie und rief den Freistaat aus. Nach Eisners Ermordung am 21. Februar 1919 verschärfte sich der Konflikt zwischen parlamentarischen Kräften und Räten. Am 7. April wurde in München eine Räterepublik ausgerufen, später übernahmen Kommunisten unter Eugen Leviné ihre Führung. Regierungstruppen und Freikorps eroberten München am 1. Mai 1919 zurück; die anschließenden Gewalttaten forderten zahlreiche Opfer.

Die Bamberger Verfassung trat am 15. September 1919 in Kraft. Bayern verlor seine Wehrhoheit, gewann aber 1920 durch Volksentscheid Coburg. In der Weimarer Republik wurde es zur konservativen „Ordnungszelle“, in der rechtsradikale Gruppen günstige Bedingungen fanden. Der Hitlerputsch vom 8./9. November 1923 scheiterte an der bayerischen Polizei. Ministerpräsident Heinrich Held vertrat von 1924 bis 1933 einen föderalistischen Kurs; am 9. März 1933 wurde er von der SA verschleppt und trat am 15. März zurück.

Durch die Gleichschaltung von 1933 und das Gesetz über den Neuaufbau des Reichs vom 30. Januar 1934 verlor Bayern seine Eigenstaatlichkeit. München wurde „Hauptstadt der Bewegung“, Nürnberg Ort der Reichsparteitage; dort wurden 1935 die Nürnberger Rassegesetze beschlossen. Das Konzentrationslager Dachau entstand 1933. Nationalsozialisten zerstörten Synagogen, verfolgten ihre Gegner und verbrannten Bücher. Widerstand leisteten unter anderem Georg Elser, dessen Attentat vom 8. November 1939 scheiterte, und die Weiße Rose.

Im Zweiten Weltkrieg wurden Städte wie München, Nürnberg und Würzburg schwer bombardiert. US-Truppen besetzten Bayern im Frühjahr 1945. Für Bayern ohne Pfalz wurden mindestens 250.000 gefallene und 230.000 vermisste Soldaten sowie etwa 28.000 zivile Kriegstote ermittelt.

Freistaat seit 1945

Nach der Kapitulation vom 8. Mai 1945 gehörte Bayern überwiegend zur US-Besatzungszone; die Pfalz und der Landkreis Lindau standen zunächst unter französischer Kontrolle. General Eisenhower stellte Bayern am 28. September 1945 offiziell als Staat wieder her. Unter der Militärregierung wurden Parteien und demokratische Strukturen neu aufgebaut. Die Pfalz kam 1946 zu Rheinland-Pfalz, Lindau 1955 wieder zu Bayern. Seitdem besteht Bayern aus sieben Regierungsbezirken.

Etwa zwei Millionen Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie aus Ost- und Südosteuropa blieben in Bayern. Sie förderten durch ihre Arbeitskraft, Kenntnisse und Traditionen das Bevölkerungswachstum sowie den kulturellen und wirtschaftlichen Wiederaufbau. Am 1. Dezember 1946 wurde die bayerische Verfassung durch Volksentscheid angenommen. Die CSU erhielt bei der gleichzeitig stattfindenden Landtagswahl die absolute Mehrheit und blieb bis 2023 stärkste Partei.

Seit dem 23. Mai 1949 ist Bayern ein Land der Bundesrepublik Deutschland. Der Landtag lehnte das Grundgesetz am 20. Mai 1949 mit 101 gegen 64 Stimmen ab, erkannte jedoch mit 97 gegen sechs Stimmen bei 70 Enthaltungen seine Verbindlichkeit an, falls zwei Drittel der Länder zustimmten. Hauptkritikpunkt war der aus bayerischer Sicht zu schwache Föderalismus, also die Verteilung staatlicher Macht zwischen Bund und Ländern.

Von 1954 bis 1957 regierte eine Viererkoalition aus SPD, Bayernpartei, BHE und FDP unter Wilhelm Hoegner; danach prägte die CSU die Staatsregierung. In den 1960er- und 1970er-Jahren modernisierte Bayern Bildung, Straßen, Hochschulen und Industrie. Fahrzeug- und Maschinenbau, Luft- und Raumfahrt sowie Atomindustrie wurden gefördert. Der ehemals landwirtschaftlich geprägte Freistaat entwickelte sich zum führenden Industriestandort. Die Gebietsreform schuf 1972 anstelle von 143 nur noch 71 Landkreise und verringerte die Zahl der kreisfreien Städte von 48 auf 25. Im selben Jahr fanden in München die Olympischen Sommerspiele und das Olympia-Attentat statt.

Nach der deutschen Wiedervereinigung entfiel die Randlage an der DDR und der Tschechoslowakei. 1992 wurde der neue Flughafen München eröffnet; Bayern entwickelte sich verstärkt zum internationalen High-Tech-Standort. Im Länderfinanzausgleich wechselte Bayern 1987 erstmals vom Empfänger- zum Geberland und ist seit 2008 ununterbrochen das größte Geberland. Die CSU regierte lange mit absoluter Mehrheit, verlor diese aber 2008 und erneut 2018. Seit 2018 besteht unter Ministerpräsident Markus Söder eine Koalition aus CSU und Freien Wählern, die nach der Landtagswahl 2023 fortgesetzt wurde.

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