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Geschichte Österreichs
Die Geschichte Österreichs reicht von der ersten Besiedelung in der Altsteinzeit bis zur Gegenwart. In der Eisenzeit kennzeichneten Hallstatt- und …
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Grundlinien der österreichischen Geschichte
Die Geschichte Österreichs reicht von der ersten Besiedelung in der Altsteinzeit bis zur Gegenwart. Das Gebiet des heutigen Österreich war lange kein einheitlicher Staat, sondern wurde von verschiedenen Kulturen, Reichen und Dynastien geprägt. Wichtig sind vor allem die römische Herrschaft, die Entstehung der Markgrafschaft Österreich, der Aufstieg der Babenberger und Habsburger, die Habsburgermonarchie, die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die Republikgründung nach 1918, die NS-Zeit und die Zweite Republik seit 1945.
Der Name „Ostarrichi“ ist erstmals 996 in einer Urkunde belegt und bedeutete „Östliche Mark“. Österreich war zunächst Markgrafschaft im Herzogtum Baiern, wurde 1156 durch das Privilegium minus zum Herzogtum und 1453 als Erzherzogtum anerkannt. Es gehörte bis 1806 zum Heiligen Römischen Reich und von 1815 bis 1866 zum Deutschen Bund.
Die Habsburger machten Österreich ab 1278 zu ihrem Stammland und stiegen im Heiligen Römischen Reich zur führenden Macht auf. Durch Heiratspolitik, Erbschaften und Kriege entstand ein großes Herrschaftsgebiet. 1804 wurde das Kaisertum Österreich ausgerufen. Nach dem Ausgleich von 1867 bildete Österreich mit Ungarn die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand die Republik Österreich in ihren heutigen Grenzen. 1938 wurde Österreich in das nationalsozialistische Deutsche Reich eingegliedert. Seit 1945 ist Österreich wieder unabhängig, seit 1955 souverän und seit 1995 Mitglied der Europäischen Union.
Von der Frühgeschichte zur römischen und frühmittelalterlichen Ordnung
Die ältesten Spuren von Menschen in Österreich sind über 250.000 Jahre alt und stammen aus der Repolusthöhle in der Steiermark. Aus der Altsteinzeit sind besonders die „Venus vom Galgenberg“ von Stratzing/Krems-Rehberg, etwa 36.000 Jahre alt, und die Venus von Willendorf, etwa 30.000 Jahre alt, bekannt. Die älteste Bestattung Österreichs ist eine Säuglings-Doppelbestattung vom Wachtberg in Krems an der Donau, etwa 27.000 Jahre alt.
In der Jungsteinzeit wurden Regionen besiedelt, in denen Landwirtschaft möglich war oder Rohstoffe vorkamen. In der Kupfersteinzeit wurden auch inneralpine Gebiete wegen Kupfer erschlossen; der wichtigste Fund ist die Gletschermumie Ötzi, der etwa 3300 v. Chr. lebte. In der Bronzezeit gewannen Wallanlagen, Handel und Salzabbau an Bedeutung. In der Eisenzeit prägten Hallstattkultur und Latène-Kultur das Gebiet. Mit dem Regnum Noricum entstand um 200 v. Chr. das erste Staatsgebilde auf österreichischem Boden.
Um 15 v. Chr. wurde der größte Teil des heutigen Österreich Teil des Römischen Reichs. Die Donau bildete als Limes die Grenze. Wichtige römische Orte waren Carnuntum, Vindobona, Lauriacum, Virunum, Teurnia und Iuvavum. Ab dem 2. Jahrhundert breitete sich das Christentum aus. In der Völkerwanderung zerfiel die römische Macht. Ab dem 6. Jahrhundert siedelten Bajuwaren, Alamannen und Slawen; im Süden entstand um 600 Karantanien. Karl der Große errichtete um 800 eine Grenzmark im heutigen Niederösterreich, die Awarenmark. Nach den Ungarneinfällen wurde im 10. Jahrhundert östlich der Enns erneut eine Markgrafschaft gebildet.
Babenberger, Habsburger und Erzherzogtum
976 belehnte Kaiser Otto II. Luitpold aus dem Geschlecht der Babenberger mit der östlichen Mark. Diese Markgrafschaft gilt als Keimzelle des späteren Österreich. Die Babenberger betrieben Rodung, Kolonisierung und den Aufbau einer gefestigten Landesherrschaft. 1156 wurde Österreich mit dem Privilegium minus zum Herzogtum erhoben. Wien wurde unter Heinrich Jasomirgott Residenzstadt. 1192 fiel auch die Steiermark an die Babenberger. Mit Friedrich II., genannt „der Streitbare“, starb die männliche Linie der Babenberger 1246 aus.
Danach wurde Österreich zum Streitobjekt verschiedener Mächte. Ottokar II. Přemysl konnte sich zunächst durchsetzen, wurde aber 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen von Rudolf von Habsburg besiegt. Damit etablierten sich die Habsburger als Herzöge von Österreich und der Steiermark; sie herrschten dort bis 1918.
Die Habsburger erweiterten ihren Länderkomplex: 1335 kamen Kärnten und Krain hinzu, 1363 Tirol. Rudolf IV. ließ das Privilegium Maius fälschen, um Österreich zum Erzherzogtum aufzuwerten. 1453 erkannte Kaiser Friedrich III. die Erhebung zum Erzherzogtum an. Die habsburgischen Prinzen nannten sich fortan Erzherzöge. Trotz Teilungen der habsburgischen Länder im 14. und 15. Jahrhundert gelang Friedrich III. die Wiedervereinigung vieler Besitzungen; 1452 wurde er Kaiser des Heiligen Römischen Reichs.
Habsburgermonarchie, Reformen und Kaisertum
In der Frühen Neuzeit stiegen die Habsburger zur europäischen Großmacht auf. Eine wichtige Rolle spielte die Heiratspolitik, zusammengefasst im Spruch: „Bella gerant alii – tu felix austria nube“ („Kriege mögen andere führen – Du, glückliches Österreich, heirate!“). Maximilian I. verband die Habsburger mit Burgund, sein Sohn Philipp mit Kastilien und Aragon. Karl V. übergab 1521 die österreichischen Länder an Ferdinand I. 1526 erbte Ferdinand Böhmen und Ungarn, doch Ungarn wurde nach der Schlacht von Mohács großteils osmanisch kontrolliert.
Die Reformation verbreitete sich im 16. Jahrhundert stark in den österreichischen Ländern. Ab etwa 1550 setzte die Gegenreformation ein, besonders durch die Jesuiten und unter Ferdinand II. Die Rekatholisierung war ein Auslöser für die Verwicklung der Habsburger in den Dreißigjährigen Krieg. Parallel blieb die osmanische Bedrohung wichtig: Wien wurde 1529 und 1683 belagert. Nach 1683 drängten die Habsburger die Osmanen im Großen Türkenkrieg zurück; 1699 kam ganz Ungarn mit Slawonien an Österreich.
Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg erhielt Österreich 1713 im Frieden von Utrecht die Spanischen Niederlande, Neapel und die Lombardei. Ebenfalls 1713 erließ Karl VI. die Pragmatische Sanktion, die Unteilbarkeit der Monarchie und eine einheitliche Thronfolge festlegte. Maria Theresia verteidigte ihr Erbe im Österreichischen Erbfolgekrieg, verlor aber den Großteil Schlesiens an Preußen. Unter Maria Theresia und Joseph II. wurden Verwaltung, Justiz, Finanzen, Militär und Bildung reformiert; Joseph II. steht für aufgeklärten Absolutismus, also Herrschaft „Alles für das Volk, nichts durch das Volk.“
1804 rief Franz II. als Reaktion auf Napoleon das Kaisertum Österreich aus. 1806 legte er die Krone des Heiligen Römischen Reichs nieder. Nach den Napoleonischen Kriegen spielte Österreich beim Wiener Kongress 1814/15 eine führende Rolle. Im 19. Jahrhundert wuchsen Industrialisierung, Bevölkerung und Verkehr, zugleich verschärften sich nationale Konflikte im Vielvölkerstaat. Die Revolution von 1848 wurde niedergeschlagen. Nach der Niederlage gegen Preußen 1866 schied Österreich aus dem Deutschen Bund aus.
Doppelmonarchie, Weltkrieg und Erste Republik
1867 entstand durch den Ausgleich mit Ungarn die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Ungarn erhielt eine eigene Regierung; gemeinsam blieben verpflichtend Außenpolitik, Kriegswesen und deren Finanzierung. Der westliche Reichsteil erhielt die Dezemberverfassung. Die Monarchie war ein Vielvölkerstaat, in dem nationale Spannungen zwischen Deutschen, Magyaren, Tschechen, Slowenen, Kroaten, Polen, Ruthenen, Italienern und anderen Gruppen zunahmen. Um 1900 erlebten Kultur und Wissenschaft in Wien eine Blütezeit, zugleich war die Politik oft blockiert.
Das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 auf Erzherzog Franz Ferdinand führte über die Julikrise zum Ersten Weltkrieg. Österreich-Ungarn war auf einen Krieg dieser Größenordnung nicht vorbereitet. Die Armee erlitt schwere Verluste, besonders gegen Russland; Italien wechselte 1915 die Seiten. Die Versorgung der Bevölkerung wurde immer schlechter. Kaiser Franz Joseph I. starb 1916, Karl I. versuchte 1918 vergeblich, Österreich als Föderation zu erhalten. Am Ende zerfiel die Monarchie.
Am 12. November 1918 wurde Deutschösterreich als demokratische Republik ausgerufen. Der Vertrag von Saint-Germain 1919 verbot den Anschluss an Deutschland und legte den Namen Republik Österreich fest. 1920 wurde eine Bundesverfassung beschlossen, stark geprägt von Hans Kelsen. Wien wurde eigenes Bundesland, das Burgenland kam 1921 als neuntes Bundesland hinzu. Die junge Republik litt unter Gebietsverlusten, Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit.
Die Innenpolitik polarisierte sich zwischen Sozialdemokraten und Christlichsozialen sowie ihren paramilitärischen Organisationen Republikanischer Schutzbund und Heimwehr. 1933 nutzte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß die Krise des Parlaments, um autoritär zu regieren. Im Februar 1934 kam es zu bewaffneten Kämpfen, die Regierung siegte, die Sozialdemokratie wurde verboten. Die Maiverfassung 1934 schuf den autoritären Bundesstaat Österreich. 1934 wurde Dollfuß bei einem nationalsozialistischen Putschversuch ermordet; Kurt Schuschnigg folgte ihm.
NS-Zeit, Zweite Republik und EU
Am 12. März 1938 marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein. Am 13. März wurde der „Anschluss“ an das Deutsche Reich beschlossen, am 10. April nachträglich durch eine Volksabstimmung bestätigt; offiziell stimmten 99,73 Prozent dafür, wobei rund acht Prozent der Wahlberechtigten ausgeschlossen waren. Österreich wurde als „Ostmark“ und später als „Alpen- und Donau-Reichsgaue“ organisiert. Diskriminierung, Entrechtung und Beraubung der jüdischen Bevölkerung setzten sehr schnell ein. Krieg und NS-Herrschaft forderten in Österreich rund 380.000 Todesopfer, darunter 65.500 ermordete Juden, 16.000 weitere in Konzentrationslagern Ermordete und etwa 35.000 tote Zivilisten durch Kampfhandlungen und Bombardements. Im KZ-System Mauthausen-Gusen mit mehr als 40 Nebenlagern wurden rund 200.000 Menschen interniert, etwa die Hälfte wurde ermordet oder kam ums Leben.
1945 wurde Österreich als Republik wiederhergestellt. Am 27. April 1945 wurde die Unabhängigkeitserklärung proklamiert. Das Land war in vier Besatzungszonen aufgeteilt; Wien war Vier-Sektoren-Stadt. Die provisorische Regierung unter Karl Renner stützte sich auf SPÖ, ÖVP, KPÖ und Unabhängige. Am 25. November 1945 fanden die ersten Nationalratswahlen statt. 1955 erhielt Österreich mit dem Staatsvertrag vom 15. Mai seine volle Souveränität zurück. Am 26. Oktober 1955 beschloss der Nationalrat das Neutralitätsgesetz, das die „immerwährende Neutralität“ festschrieb.
In der Zweiten Republik wurden Proporz und Zusammenarbeit zwischen ÖVP und SPÖ wichtig. Unter Bruno Kreisky prägte die SPÖ ab 1970 den Ausbau eines modernen Sozialstaates und gesellschaftliche Reformen. Später wechselten Große Koalitionen, ÖVP-FPÖ-Regierungen und andere Regierungsformen. Österreich trat am 14. Dezember 1955 den Vereinten Nationen und am 16. April 1956 dem Europarat bei. Nach dem Ende des Kalten Kriegs verlor Österreich seine Rolle als neutraler Pufferstaat zwischen den Blöcken. 1995 trat es der Europäischen Union bei, später auch dem Schengen-Raum. Seit 1999 gibt es den Euro als Buchgeld, seit 2002 als Zahlungsmittel. Die Neutralität blieb bestehen, auch nach dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine; den EU-Sanktionen gegen Russland schloss sich Österreich an.