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Gesamtwirtschaftliche Nachfrage
Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage (auch aggregierte Nachfrage, Gesamtnachfrage) ist in der Volkswirtschaftslehre der auf eine Volkswirtschaft aggregierte, …
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Begriff und Bedeutung
Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage, auch aggregierte Nachfrage oder Gesamtnachfrage genannt, ist der von Nachfragern am Markt geäußerte kaufkräftige Bedarf an Gütern und Dienstleistungen einer gesamten Volkswirtschaft. Zum Güterbegriff gehören dabei sowohl Waren als auch Dienstleistungen, die auf dem Gütermarkt gehandelt werden.
Sie setzt sich aus dem Konsum einschließlich Staatskonsum, den Investitionen und dem Außenbeitrag zusammen. Bei gegebener Produktionskapazität bestimmt sie wesentlich, wie stark die vorhandenen Kapazitäten ausgelastet sind. Dadurch beeinflusst sie das Volkseinkommen und letztlich auch die Beschäftigung.
Geschlossene und offene Volkswirtschaft
Für die Analyse ist entscheidend, ob eine geschlossene oder eine offene Volkswirtschaft betrachtet wird. Eine offene Volkswirtschaft bezieht das Ausland in die Untersuchung ein; bei einer geschlossenen Volkswirtschaft wird davon abgesehen.
Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage hängt in beiden Fällen von mehreren Variablen ab. Dazu zählen insbesondere Einkommen, Steuern, Zinsen, Investitionen, Staatskonsum sowie – bei einer offenen Volkswirtschaft – Exporte und Importe.
Nachfrage in der geschlossenen Volkswirtschaft
In einer geschlossenen Volkswirtschaft steigt die Güternachfrage, wenn das Einkommen zunimmt und die Steuern konstant bleiben. Diese Annahme ist allerdings unrealistisch, weil sich die Steuern, insbesondere Einkommensteuern, in der Realität meist proportional zum Einkommen verändern. Deshalb wächst die gesamtwirtschaftliche Nachfrage normalerweise weniger stark als das Einkommen.
Ein höheres Zinsniveau senkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Verschuldete Wirtschaftssubjekte müssen dann mehr Kreditzinsen zahlen; dieser zusätzliche Schuldendienst steht nicht für Konsum zur Verfügung. Außerdem können Wirtschaftssubjekte wegen attraktiver Habenzinsen Konsumausgaben in die Spekulationskasse zur Kapitalanlage verlagern. Steigendes Einkommen fließt zudem wegen möglicher Sättigung nicht vollständig in die Güternachfrage, sondern kann auch die Sparquote erhöhen.
Auch das Güterangebot beeinflusst die gesamtwirtschaftliche Nachfrage. Das Angebot kann neben der laufenden Produktion aus Vorratsveränderungen des Lagerbestands bestehen. Angebot und Nachfrage wirken gemeinsam auf die Preisbildung. Das Marktgleichgewicht liegt dort, wo sich gesamtwirtschaftliche Nachfrage und Angebot treffen; bei einer grafischen Darstellung wird dort der Gleichgewichtspreis erreicht.
Unter der Annahme konstanter Investitionen gilt für die gesamtwirtschaftliche Nachfrage D (englisch: demand):
D = C(Y) + I
Dabei steht C für den Konsum, Y für das Einkommen und I für die Investitionen.
Nachfrage in der offenen Volkswirtschaft
In einer offenen Volkswirtschaft wird zusätzlich der Faktor Ausland berücksichtigt. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage D ergibt sich aus dem um Steuern T verminderten Einkommen Y, den Investitionen I, dem Staatskonsum G und der Nettoexportnachfrage NX, die dem Leistungsbilanzsaldo entspricht:
D = C(Y − T) + I + G + NX(WK − T)
Die Konsumgüternachfrage C ist als Einkommen abzüglich Steuern definiert. Der Exportüberschuss entspricht dem Export Ex von Gütern und Dienstleistungen minus dem Import Im. Eine exaktere Darstellung ergibt sich, wenn die Importe dem Güterangebot zugerechnet und die Exporte brutto angegeben werden.
Exporte verringern bei sonst gleichen Bedingungen (ceteris paribus) das im Inland vorhandene Güterangebot und können dadurch im Inland Preissteigerungen auslösen. Importe erhöhen dagegen das inländische Güterangebot und können entsprechend zu Preissenkungen führen. Bei einer Abwertung der Inlandswährung steigt der Export in das Ausland; eine Aufwertung erhöht entsprechend den Import aus dem Ausland. Auf- und Abwertungen verstärken oder verringern somit die Wirkungen von Exporten und Importen.
Die Differenz zwischen gesamtwirtschaftlicher Nachfrage und Produktion ist der Importüberschuss, also ein negativer Außenbeitrag.
Bedeutung für das Bruttoinlandsprodukt und die Modellbildung
Zieht man von der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage D die Importe ab, erhält man das Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen (BIPₘ):
BIPₘ = C + I + G + (Ex − Im)
In der volkswirtschaftlichen Modellbildung wird die Güternachfrage der Güterangebotsmenge gleichgesetzt. Ein einfaches Modell setzt damit zunächst ein Gleichgewicht auf dem Gütermarkt voraus. Für eine weiterführende Analyse müssen jedoch zeitliche Einkommensverschiebungen durch das Sparen sowie Kapitalzuflüsse und Kapitalabflüsse berücksichtigt werden. Dazu gehören Kapitalimporte und Kapitalexporte von In- und Ausländern. Außerdem sind Preiseffekte und Kapitaleffekte wie Inflation, Deflation und Geldillusion einzubeziehen.