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Marktgleichgewicht
Als Marktgleichgewicht bezeichnet man in der Wirtschaftswissenschaft die Marktentwicklung auf einem Markt, in der die Menge des Angebots gleich der …
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Grundidee des Marktgleichgewichts
Ein Marktgleichgewicht liegt vor, wenn angebotene Menge und nachgefragte Menge eines Gutes gleich groß sind. Diese Menge heißt Gleichgewichtsmenge. Der dazugehörige Preis wird Marktpreis oder Gleichgewichtspreis genannt.
Der Preis wirkt als gleichgewichtsbildende Variable: Bei niedrigeren Preisen gibt es in der Regel mehr Käufer und weniger Verkäufer, bei höheren Preisen mehr Anbieter und weniger Nachfrager. Marktteilnehmer streben einen stabilen Zustand an, weil Marktstörungen das wirtschaftliche Risiko für Angebot, Nachfrage und Preis erhöhen. Nach Heinrich von Stackelberg muss sich bei einem fehlenden stabilen Gleichgewicht entweder die Preisbildungsform oder die Marktform verändern.
Die Gleichgewichtspreisbildung ist ein zentrales Element der Neoklassik und der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie.
Voraussetzungen sowie Angebot und Nachfrage
Das einfache Modell setzt einen vollkommenen Markt voraus: Viele kleine, rational handelnde Anbieter und Abnehmer können den Marktpreis nicht allein beeinflussen. Außerdem werden keine Transaktionskosten angenommen. Das sind Kosten zusätzlich zum Kauf, etwa für Preisinformationen oder Transport. Ebenso soll es keine Rückkopplungen geben, wie sie etwa am Arbeitsmarkt zwischen Lohnkosten und Einkommen auftreten.
Diese Voraussetzungen sind in der Realität selten vollständig erfüllt, etwa wegen geringer Markttransparenz oder Marktmacht einzelner Beteiligter. Das Modell bleibt dennoch eine erste Approximation des Marktgeschehens. Marktversagen kann zu einer suboptimalen Allokation führen, also zu einer nicht optimalen Aufteilung knapper Ressourcen. Der Staat kann beispielsweise durch Höchst- oder Mindestpreise, Steuern oder andere Marktregulierung eingreifen.
Nachfrage ist die Menge an Gütern, die Konsumenten zu einem bestimmten Preis kaufen wollen. Sie hängt unter anderem vom Preis, Einkommen, Geschmack sowie Preisen von Substitutions- und Komplementärgütern ab. Für die Nachfragemenge gilt: q = D(p,p₁,p₂,…,pₙ,Yᵥ,ED). Dabei sind p und p₁ bis pₙ Güterpreise, Yᵥ das verfügbare Haushaltseinkommen und ED Erwartungen der Nachfrager.
Angebot ist die Menge eines Gutes, die Erzeuger zu einem bestimmten Preis produzieren wollen und können: q = S(p,p₁,p₂,…,pₙ,w₁,w₂,…,wₙ,F,ES). Zusätzlich zu den Güterpreisen beeinflussen Faktor- beziehungsweise Bereitstellungskosten w₁ bis wₙ, Produktionstechnik F und Erwartungen der Anbieter ES das Angebot.
Wie sich der Gleichgewichtspreis bildet
Im Marktdiagramm steht der Preis üblicherweise auf der senkrechten Achse, die Menge auf der waagerechten Achse. Die Angebotslinie steigt: Mit einem höheren Preis wollen oder können Anbieter mehr verkaufen. Die Nachfragelinie fällt: Mit sinkendem Preis wollen Käufer mehr erwerben.
An ihrem Schnittpunkt stimmen Angebot und Nachfrage überein. Er bestimmt Gleichgewichtspreis, Gleichgewichtsmenge und das Maximum des Umsatzes. Liegt der Preis darüber, entsteht tendenziell ein Angebotsüberschuss; liegt er darunter, ein Nachfrageüberschuss.
Steigt die Nachfrage bei allen Preisen, verschiebt sich die Nachfragekurve nach rechts. Gleichgewichtspreis und umgesetzte Menge steigen. Beim Beispiel Kaffee können Anbieter zunächst den Preis erhöhen; danach treten weitere Anbieter ein oder bestehende Anbieter vergrößern ihr Angebot. Sinkt die Nachfrage, verschiebt sich die Kurve nach links, Gleichgewichtspreis und Angebot sinken.
Ein steigendes Angebot senkt den Preis und erhöht die umgesetzte Menge; ein sinkendes Angebot erhöht den Preis und verringert die Menge. Ein kostengünstigeres Verfahren beim Weizenanbau kann etwa das Angebot erhöhen. Ein zunächst mögliches Überangebot führt zu Preissenkungen und schließlich zu einem neuen Gleichgewicht mit niedrigerem Preis und größerem Marktvolumen. Preiselastizität beschreibt, wie stark eine Preisänderung Angebot oder Nachfrage verändert.
Abweichungen, Marktseiten und Marktformen
Die idealisierte Theorie unterstellt, dass zum Gleichgewichtspreis vollständig gehandelt wird. In der Praxis überblicken Marktteilnehmer den Gesamtmarkt meist nicht, und Handel kann auch neben dem Gleichgewichtspreis stattfinden, etwa auf Schwarzmärkten.
Fixkosten können Angebotsentscheidungen beeinflussen: Bei doppelter Produktion verteilen sich gleiche Fixkosten auf mehr Einheiten. Recherchekosten und Werbung machen es zudem für Hersteller attraktiv, hohe Stückzahlen an weniger Nachfrager zu verkaufen; Nachfrager können ihre Nachfrage bündeln. Wenige Anbieter oder Nachfrager besitzen Marktmacht. Der Wegfall eines Großkunden kann ein Unternehmen ruinieren, wenn es zum Marktpreis nicht mehr produzieren kann. Wenige Hersteller erleichtern außerdem Preisabsprachen oder gleichzeitige Preiserhöhungen.
In einem Monopol gibt es nur einen Hersteller, beim Monopson nur einen Nachfrager. Der Preis wird dann nicht mehr durch den Markt bestimmt; dies kann Marktversagen und ein kleineres Marktvolumen verursachen. Nachfrage und Bedarf können zudem auseinanderfallen: Luxusgüter werden nicht zu jedem Preis nachgefragt, während bei Trinkwasser eine Grundnachfrage grundsätzlich unabhängig vom Preis besteht.
Preise passen sich häufig nicht sofort an, weil etwa Tarifverträge für Löhne oder Buchpreise über Jahre gelten. Solche Lohn- und Preisstarrheiten widersprechen der Annahme ständiger Markträumung. Ein steigender Preis bei sinkender Nachfrage kann beispielsweise im öffentlichen Personennahverkehr, bei Trinkwasser oder bei Kleinserien früherer Massenprodukte auftreten.
Ein Nachfragemarkt oder Käufermarkt liegt bei Angebotsüberschuss oder Nachfragedefizit vor; der Preis sinkt. Beim Angebotsmarkt liegt das Angebot unter der Nachfrage, etwa bei Angebotsdefizit oder Nachfrageüberschuss; der Preis steigt.
Preisbildung in Polypol, Monopol und Oligopol
Die Marktform richtet sich nach der Zahl von Anbietern und Nachfragern. Stackelbergs Einteilung unterscheidet unter anderem Polypol, Oligopol und Monopol sowie Oligopson, Monopson, bilaterales Oligopol und bilaterales Monopol.
Im Polypol nehmen viele Marktteilnehmer den Preis als gegeben an und handeln als Mengenanpasser. Bei zu großem Angebot sinkt der Preis; dadurch steigt die Nachfrage und das Angebot sinkt, bis der Gleichgewichtspreis erreicht ist. Polypolisten beachten die Grenzkostenkurve und suchen deren Schnittpunkt mit der Nachfragefunktion.
Beim Monopol wählt der alleinige Anbieter oder Nachfrager eine Preis-Mengen-Kombination auf der Nachfragefunktion. Das Gewinnmaximum des Monopolisten liegt im Cournotschen Punkt, dem Schnittpunkt von Grenzkosten und Grenzerlös, und unterhalb des Erlösmaximums. Weil der Grenzumsatz unter der Nachfragefunktion liegt, ist der Preis im Monopol bei geringerer Menge höher als im Polypol. In einem bilateralen Monopol ist die Preisfindung oft willkürlich.
Im Oligopol gibt es wenige Anbieter und viele Nachfrager; der Gewinn hängt von den Reaktionen der Konkurrenten ab. Für Dyopole nennt die Theorie unter anderem die Cournotsche Hypothese unabhängiger Mengenstrategien, die Stackelbergsche Hypothese erwarteter Anpassung des anderen Unternehmens, die Camerlin-Fellnersche Kooperation wie bei einem Monopol sowie die Theorie der geknickten Nachfragekurve.
Grenzen des Modells und staatliche Rolle
Märkte können funktionieren, nur teilweise funktionieren oder vollständig versagen. Private Güter wie Gebrauchs- und Verbrauchsgüter werden einem funktionierenden Markt zugeordnet. Meritorische Güter wie Schulen und Krankenhäuser weisen partielles Marktversagen auf. Bei öffentlichen Gütern und Gemeingütern wie Landesverteidigung oder Straßennetz liegt totales Marktversagen vor. Bei demeritorischen Gütern wie illegalen Drogen und Zwangsprostitution würde ein Markt funktionieren, darf es aber wegen Regulierung und Verboten nicht. Wo der Markt nicht funktioniert, greift der Staat ein.
Kritik richtet sich sowohl gegen Eigenschaften der Angebots- und Nachfragefunktionen als auch gegen die vereinfachenden Annahmen des Modells. In der Wohlfahrtsökonomik wird insbesondere ein kardinales Nutzenverständnis kritisiert, weil nur dieses interpersonelle Nutzenvergleiche und die Aggregation individuellen Nutzens ermöglicht. Kenneth Arrow brachte die Problematik 1951 im Unmöglichkeitstheorem zum Ausdruck.
Auf dem Arbeitsmarkt kann ein sinkender Lohn zu höherem Arbeitsangebot führen, wenn Familien ihr Einkommen sichern wollen. Nach der Effizienzlohntheorie zahlen Unternehmen teils Löhne über dem Gleichgewichtslohn, um höhere Produktivität zu erreichen; zugleich bieten Beschäftigte ihre Arbeit bei fehlender Nachfrage auch zu existenzgefährdend niedrigen Löhnen an. An Finanzmärkten kann die Nachfrage nach Wertpapieren bei steigenden Preisen durch Herdenverhalten wachsen. Befürworter erklären Verkäufe bei sinkenden Kursen dagegen durch neue Informationen und eine Neubewertung: In der Regel entsteht ein neuer, niedrigerer Gleichgewichtspreis. Das Modell hat trotz seiner Grenzen Erklärungswert, wenn seine Voraussetzungen und besondere Marktsituationen geprüft werden.