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Geschlossene Volkswirtschaft
Die geschlossene Volkswirtschaft ist in der Makroökonomie ein Modell, bei dem der Wirtschaftskreislauf ohne Beteiligung des Auslands stattfindet.
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Begriff und Bedeutung
Eine geschlossene Volkswirtschaft ist ein makroökonomisches Modell, in dem der Wirtschaftskreislauf ohne Beteiligung des Auslands stattfindet. Es bestehen nur Beziehungen zwischen inländischen Wirtschaftssubjekten: Unternehmen, Privathaushalten und dem Staat. Der Staat umfasst dabei Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände und Sozialversicherungen. Es gibt auch Modelle einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Staat.
Das Gegenmodell ist die offene Volkswirtschaft. Diese unterhält Handelsbeziehungen mit dem Ausland, also Güterströme durch Exporte und Importe, sowie Finanzbeziehungen, etwa durch Interbankenhandel und internationalen Kreditverkehr. Daraus entstehen Zahlungseingänge aus dem Ausland und Zahlungsausgänge ins Ausland.
Geschlossene Volkswirtschaften dienen der wirtschaftstheoretischen Analyse. Theorien arbeiten mit Annahmen, welche die Wirklichkeit zunächst vereinfachen. Für eine Geldtheorie kann es beispielsweise sinnvoll sein, Zahlungsströme aus dem Ausland oder in das Ausland zunächst auszuklammern. Durch abnehmende Abstraktion lässt sich diese Annahme später aufgeben und das Modell stärker an die Wirklichkeit annähern. Eine vollständige Autarkie einzelner Staaten gibt es wegen Außenhandel und Globalisierung nicht mehr; daher kommt die geschlossene Volkswirtschaft in der Realität nicht vor.
Sparen, Investitionen und Vermögen
In einer geschlossenen Volkswirtschaft entsprechen das nationale Sparen S und die Investitionen I:
S = I.
Sparen ist der Anteil der Produktion Y, der nicht durch den Konsum der Unternehmen U, der privaten Haushalte C und der öffentlichen Haushalte G aufgebraucht wird:
S = Y − U − C − G.
In einer offenen Volkswirtschaft wird zusätzlich das Ausland berücksichtigt. Der Saldo NX ergibt sich aus der Gegenüberstellung von Exporten EX und Importen IM. Dann lautet die Nationaleinkommensidentität:
S = I + NX.
Für alle Wirtschaftssubjekte einer geschlossenen Volkswirtschaft beträgt das Geldvermögen insgesamt stets „Null“. Jeder Forderung eines Wirtschaftssubjekts steht nämlich eine gleich hohe Verbindlichkeit eines anderen Wirtschaftssubjekts gegenüber. Deshalb entspricht das Reinvermögen, auch Volksvermögen genannt, dem Sachvermögen.
In einer offenen Volkswirtschaft können Inländer Forderungen gegenüber Ausländern F_A und Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern V_A haben. Da sich Forderungen und Verbindlichkeiten der Inländer untereinander ausgleichen, gilt für das Geldvermögen der offenen Volkswirtschaft GV_A:
GV_A = F_A − V_A.
Dieses Geldvermögen heißt Auslandsposition. Das Reinvermögen einer offenen Volkswirtschaft besteht somit aus Sachvermögen und Auslandsposition.
Weltwirtschaft und internationale Verflechtung
Wird die gesamte Welt als eine gemeinsame Volkswirtschaft betrachtet, liegt zwingend eine echte geschlossene Volkswirtschaft in Form eines Weltmarkts vor. Dies ist der größtmögliche Aggregationsgrad und wird beispielsweise bei der Berechnung des Weltwirtschaftswachstums verwendet. Weil die Weltmarktintegration jedoch unvollständig ist, gibt es keinen tatsächlich einheitlichen Weltmarkt und keine echten „Weltmarktpreise“.
Der Welthandel kann durch Handelshemmnisse, Boykotte oder einzelne Autarkiebestrebungen eingeschränkt werden. Daher besteht international teilweise eine latente Neigung zu geschlossenen Volkswirtschaften. Besonders Industriestaaten streben einen hohen Selbstversorgungsgrad, etwa bei Agrarprodukten oder Energieträgern, sowie einen hohen Versorgungsgrad an. Dies kann Importe verringern und Exporte schwächen. Ziel ist, monostrukturelle Abhängigkeiten vom Ausland zu reduzieren; Lieferengpässe während der COVID-19-Pandemie werden dafür als Beispiel genannt.
Devisen-, Geld-, Güter-, Kapital- und Kreditmärkte sind international intensiv verflochten. Deshalb können zunächst lokale Finanzkrisen, beispielsweise Unternehmens- oder Bankenkrisen, durch Contagion-Effekte auf Volkswirtschaften anderer Staaten übergreifen und dort wirtschaftliche Schocks auslösen.
Gesamtwirtschaftliches Gleichgewicht
Das AS-AD-Modell zeigt das Gleichgewicht in einer geschlossenen Volkswirtschaft. Es entsteht aus dem Zusammenhang zwischen der aggregierten Angebotsfunktion AS und der aggregierten Nachfragefunktion AD. Die AS-Funktion bildet die Gleichgewichtsbedingung auf dem Arbeitsmarkt ab; die AD-Funktion stellt die Gleichgewichtsbedingung auf dem Güter- und Geldmarkt dar.
AS-Funktion:
P = P^e(1 + μ)F(1 − Y/L, z).
AD-Funktion:
Y = (M/P, G, T).
Das durch diese beiden Funktionen bestimmte gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht kann für die kurze oder die mittlere Frist betrachtet werden.