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George F. Kennan

Trumans war Kennan im US-Außenministerium von 1947 bis 1949 als erster Director of Policy Planning, anschließend als Counselor (höchstrangiger Berater) unter …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundgedanken
  2. 2. Ausbildung und frühe diplomatische Laufbahn
  3. 3. Zweiter Weltkrieg und Rückkehr nach Moskau
  4. 4. Truman-Doktrin, Marshallplan, Japan und NATO
  5. 5. Spätere Laufbahn und Kritik an der NATO-Erweiterung
  6. 6. Historisches Werk, Auszeichnungen und Tod

Bedeutung und Grundgedanken

George Frost Kennan (16. Februar 1904–17. März 2005) war ein US-amerikanischer Diplomat und Historiker. Er prägte die Außenpolitik der Vereinigten Staaten zu Beginn des Kalten Krieges und wird dem klassischen Realismus in den Internationalen Beziehungen zugerechnet. Besonders verbunden ist sein Name mit der Containment-Politik, also der politischen und wirtschaftlichen Eindämmung des sowjetischen Einflusses, sowie mit dem Marshallplan zum Wiederaufbau Europas.

Kennan hielt das sowjetische System für von tiefem Misstrauen gegenüber dem Westen geprägt. 1946 erklärte er im berühmten „langen Telegramm“ auf 5.300 Wörtern, warum die Sowjetunion die neu gegründete Weltbank nicht unterstützte. Er sah keinen dauerhaften modus vivendi, also keine stabile Verständigung, mit der UdSSR unter Josef Stalin. Später veröffentlichte er seine Überlegungen unter dem Pseudonym „X“ in Foreign Affairs.

Kennans Konzept der Eindämmung wurde häufig als Aufruf zu einer weltweiten militärischen Gegenwehr verstanden. Das entsprach jedoch nicht seiner Absicht. Er setzte vor allem auf Geduld sowie politischen und wirtschaftlichen Druck. Nach seiner Vorstellung würden innere Veränderungen in der Sowjetunion schließlich dazu führen, dass sich die Rote Armee etwa aus Polen und der Tschechoslowakei zurückzog. Zugleich sollten sich die USA langfristig aus Westeuropa zurückziehen. Kennan warnte außerdem vor einer von Angst und Wettkampfdenken angetriebenen Aufrüstung und hielt einen sowjetischen Angriff auf Westeuropa für eine irrationale Befürchtung.

Ausbildung und frühe diplomatische Laufbahn

Kennan wurde in Milwaukee im US-Bundesstaat Wisconsin geboren. Seine Mutter Florence James Kennan starb zwei Monate nach seiner Geburt. Während eines Aufenthalts in Kassel 1912 und später in der Schule lernte er Deutsch. Von 1921 bis 1925 studierte er an der Princeton University; außerdem beherrschte er Latein und Französisch. 1925 bestand er die Aufnahmeprüfung für den Auswärtigen Dienst.

Nach der Foreign Service School arbeitete Kennan zunächst in Genf und Hamburg. Ab 1928 ließ er sich mit Unterstützung des Außenministeriums zum Russlandspezialisten ausbilden. Als Vizekonsul in Tallinn nahm er privaten Russischunterricht. An der Universität Berlin erwarb er ein Übersetzer-Diplom und studierte 1930/31 russische Geschichte. Dort lernte er Annelise Soerensen kennen, die er 1931 heiratete. Das Paar hatte vier Kinder.

Von 1931 bis 1933 arbeitete Kennan im Russlandreferat in Riga und spezialisierte sich auf Wirtschaftsfragen. Nach der diplomatischen Anerkennung der Sowjetunion durch die USA kam er 1933 nach Moskau. Dort erlebte er die zunehmenden Repressionen nach der Ermordung Sergei Kirows und den Beginn der Moskauer Schauprozesse. Sein Verhältnis zu Botschafter Joseph E. Davies war angespannt; die Gründe für Kennans Ablösung 1937 werden von Historikern unterschiedlich beurteilt.

In Washington leitete Kennan anschließend formal das Russlandreferat, das 1938/39 allerdings nur aus ihm selbst bestand. Seine damaligen Erklärungen des russischen Verhaltens waren stark von historischen und kulturellen Verallgemeinerungen geprägt. Der Historiker Thomas G. Paterson bezeichnete sie als deterministisch und subjektiv. Dauerhaft kennzeichnend für Kennans Denken wurden sein tiefes Misstrauen gegenüber der sowjetischen Führung und zugleich seine Forderung nach Geduld.

Zweiter Weltkrieg und Rückkehr nach Moskau

1939 erlebte Kennan als Diplomat in Prag die Besetzung der Tschechoslowakei durch die Wehrmacht. Danach arbeitete er an der US-Botschaft in Berlin. Dort war er unter anderem für Menschen zuständig, die Deutschland verlassen wollten, und hielt ab 1940 Kontakt zu Helmuth James Graf von Moltke, einem Vertreter des militärischen Widerstands.

Nach der deutschen Kriegserklärung an die USA wurden die amerikanischen Botschaftsmitarbeiter interniert. Kennan trug fünfeinhalb Monate lang Verantwortung für 130 Diplomaten und Journalisten im Jeschkes Grand Hotel in Bad Nauheim. Die Internierten litten unter Hunger und Kälte. Schließlich wurden sie nach Lissabon gebracht und gegen Deutsche ausgetauscht.

Von September 1942 bis Oktober 1943 sollte Kennan Portugal dazu bewegen, den US-Streitkräften den Stützpunkt Lajes Field auf den Azoren zur Verfügung zu stellen. Dort sollten Flugzeuge auf dem Weg zur Landung in der Normandie zwischenlanden. Durch einen persönlichen Brief Präsident Franklin D. Roosevelts erreichte er die Zusammenarbeit des portugiesischen Ministerpräsidenten António de Oliveira Salazar. Weil Kennan dabei eigenmächtig gehandelt hatte, zog ihn das Außenministerium aus Lissabon ab.

1944 beriet er in London Botschafter John Gilbert Winant. In der Europäischen Beratenden Kommission wirkte er an den Planungen für die deutsche Kapitulation und die Besatzungszonen mit. Danach kehrte er als Gesandter nach Moskau zurück und leitete unter Botschafter W. Averell Harriman die zivile Abteilung. Kennan erwartete, dass die Sowjetunion Polen keinen eigenständigen politischen Weg erlauben, sondern zu einem Vasallen machen würde. Er kritisierte außerdem den Glauben, internationale Rechtsregeln könnten den bestehenden Zustand dauerhaft sichern, und beobachtete die sowjetische Dominanz über neue Regierungen auf dem Balkan.

Truman-Doktrin, Marshallplan, Japan und NATO

Am 12. März 1947 verkündete Präsident Harry S. Truman die Truman-Doktrin. Sie versprach den „freien“ Völkern Unterstützung und bezog sich zunächst besonders auf Griechenland und die Türkei. Kennan hatte an der Vorbereitung mitgewirkt, kritisierte die Rede aber als zu bombastisch. Hilfe für Griechenland hielt er für wirtschaftlich und technisch machbar; ohne amerikanisches Handeln erwartete er dort leichte Erfolge des Gegners.

1947 wurde Kennan erster Leiter des neu geschaffenen Planungsstabs im Außenministerium. Für Außenminister George C. Marshall entwickelte sein Team die Grundzüge des European Recovery Program, besser bekannt als Marshallplan. Die europäischen Staaten sollten ihre Prioritäten gemeinsam festlegen, während die USA Unterstützung leisteten. Besonders gefördert werden sollte der Steinkohlebergbau. Das Programm sollte als langfristig letzte große amerikanische Hilfsmaßnahme erscheinen; in fast allen Fällen war eine spätere Rückzahlung vorgesehen.

Der ohne Verfassernamen veröffentlichte „X-Artikel“ machte Kennans Begriff containment weithin bekannt. Öffentlichkeit und Presse deuteten ihn teilweise als Bereitschaft zum militärischen Gegenschlag und zur weltweiten Zurückdrängung der Sowjetunion. Kennan betrachtete diese Deutung als Missverständnis und sah sich dadurch ungewollt zum Auslöser einer politischen Entwicklung gemacht.

Auch für das besetzte Japan entwarf Kennan eine neue Politik. Im Februar und März 1948 verhandelte er mit dem dort faktisch allein regierenden US-Oberbefehlshaber Douglas MacArthur. Kennan empfahl mehr Eigenverantwortung für die japanische Regierung, wirtschaftlichen Wiederaufbau, das Auslaufen der politischen Säuberungen, niedrigere Besatzungskosten und schnelle Entscheidungen über Eigentumsfragen. Eine begrenzte Wiederherstellung japanischer Stärke sollte das Land außerdem gegen eine mögliche russische Invasion schützen. Ende 1948 hatte Präsident Truman die meisten Vorschläge gebilligt.

Bei der Gründung der NATO warnte Kennan davor, militärischen Fragen zu großes Gewicht zu geben. Er hielt wenig von einem multilateralen Bündnisvertrag und wollte Italien, Griechenland und die Türkei nicht in das entstehende nordatlantische Bündnis aufnehmen. Da das Verteidigungsministerium in diesen Ländern Stützpunkte plante, setzte sich seine Position nicht durch.

Spätere Laufbahn und Kritik an der NATO-Erweiterung

Von 1950 bis zu seinem Tod gehörte Kennan überwiegend dem Institute for Advanced Study in Princeton an. 1952 wurde er US-Botschafter in der Sowjetunion, aber bereits im Oktober zur persona non grata erklärt und abberufen, nachdem er die dortigen Verhältnisse mit Nazi-Deutschland verglichen hatte. Kennan äußerte sich mitunter äußerst undiplomatisch über sowjetische Eliten, warnte die amerikanische Seite aber gleichzeitig davor, Feindbilder aufzubauen und die Wettrüstungslogik als unvermeidlich anzusehen.

Auf Wunsch Präsident John F. Kennedys war Kennan von Mai 1961 bis Juli 1963 Botschafter in Jugoslawien. Sein Einsatz wurde durch amerikanisch-jugoslawische Spannungen belastet. Präsident Tito gründete 1961 die Bewegung der Blockfreien Staaten und grenzte sich damit von Moskau ab, galt in den USA aber weiterhin als Kommunist. Proteste während eines Tito-Besuchs in New York und die Verweigerung finanzieller Hilfen durch den Kongress verschlechterten die Beziehungen. Nachdem Kennan in Washington keine Änderung erreichte, bat er um seine Ablösung.

1997 wandte er sich entschieden gegen die NATO-Osterweiterung. Er bezeichnete die Entscheidung der Regierung Bill Clintons, das Bündnis bis an Russlands Grenzen auszudehnen, als den „verhängnisvollsten Fehler“ der amerikanischen Politik nach dem Kalten Krieg. Kennan erwartete eine Stärkung nationalistischer, antiwestlicher und militaristischer Tendenzen in Russland, Nachteile für die russische Demokratie und eine Rückkehr der Atmosphäre des Kalten Krieges. Besonders besorgt war er über die Aufnahme Tschechiens, Ungarns und Polens sowie eine militärische Zusammenarbeit mit der Ukraine. Wladislaw Subok bewertete Kennans Warnungen rückblickend als zutreffend. Heinrich August Winkler hielt dagegen, eine Politik nach Kennans Vorstellungen hätte den Ostmittel- und Südosteuropäern in ihrem Kampf um Selbstbestimmung geschadet.

Historisches Werk, Auszeichnungen und Tod

Neben der Diplomatie war Kennan als Historiker tätig. Er lehrte an der Princeton University sowie zeitweise in Chicago, Oxford, Harvard und Yale. 1956 wurde er Professor in Princeton; nach seiner Botschafterzeit in Jugoslawien setzte er dort seine historische Arbeit bis zur Emeritierung 1974 fort. 1974 gründete er das Kennan Institute for Advanced Russian Studies am Woodrow Wilson International Center for Scholars.

Seine Arbeiten behandelten vor allem die amerikanische Diplomatie, Russland, die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen und die europäische Bündnispolitik. Zu den wichtigen Büchern gehören American Diplomacy, 1900–1950, Russia Leaves the War, Russia and the West under Lenin and Stalin, The Decline of Bismarck’s European Order und The Nuclear Delusion. Seine Memoiren erschienen in zwei Bänden über die Zeiträume 1925–1950 und 1950–1963. Russia Leaves the War und der erste Band seiner Memoiren wurden mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet; seine Untersuchung zu Bismarcks Außenpolitik wurde kontrovers diskutiert.

Kennan wurde 1952 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und der American Philosophical Society sowie 1962 Mitglied der American Academy of Arts and Letters. 1976 wurde er als eines von dreißig ausländischen Mitgliedern in den Orden Pour le Mérite aufgenommen. 1982 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 1983 wurde er korrespondierendes Mitglied der British Academy.

George F. Kennan starb am 17. März 2005 im Alter von 101 Jahren in Princeton, New Jersey. Die Trauerfeier fand in der Washington National Cathedral statt. Seine Frau Annelise starb am 7. August 2008.

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