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Technische Universität Braunschweig
Anwendungssicherheit (IAS) · Betriebssysteme und Rechnerverbund (IBR) · Computergraphik (CG) · Informationssysteme (IfIS) · Künstliche Intelligenz · Medizinische …
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Profil und Bedeutung
Die Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig ist eine mittelgroße Universität in Braunschweig, Niedersachsen. Sie wurde 1745 als Collegium Carolinum gegründet und besitzt damit die längste Tradition unter den Technischen Universitäten Deutschlands. Ihren Namen trägt sie nach dem Gründer Karl I. von Braunschweig und Lüneburg sowie nach Herzog Wilhelm. Ihr Motto lautet „Immota fides. Nec aspera terrent“.
Die Universität verbindet Ingenieurwissenschaften und Informatik mit Naturwissenschaften, Mathematik, Wirtschafts-, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie der Lehrkräftebildung. Sie gehört zu TU9, dem Zusammenschluss von neun führenden Technischen Hochschulen Deutschlands, und ist außerdem Mitglied in CESAER und der Deutsch-Französischen Hochschule.
Die Angaben zum Studienangebot und zur Studierendenzahl unterscheiden sich innerhalb des Artikels: Genannt werden etwa 15.600 Studierende in 84 Studiengängen, an anderer Stelle 98 Studiengänge sowie im Abschnitt zur Lehre 71 Studiengänge. Die Infobox weist für das Wintersemester 2025/26 genau 15.051 Studierende aus. 2025 arbeiteten 3.824 Personen hauptberuflich an der TU, darunter 2.027 wissenschaftlich Beschäftigte und 237 Professorinnen und Professoren. Der Jahresetat betrug 2023 insgesamt 417,3 Millionen Euro, davon 131,9 Millionen Euro Drittmittel.
Historische Entwicklung
Das 1745 gegründete Collegium Carolinum war zwischen Gymnasium und Universität angesiedelt. Es sollte zunächst Beamte ausbilden und Schüler auf ein Universitätsstudium vorbereiten. Zu seinen Schülern gehörte von 1792 bis 1795 Carl Friedrich Gauß. Im Umfeld bedeutender Gelehrter entwickelte sich das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts kurzzeitig zu einem Zentrum der Aufklärung. 1808 wurde das Collegium in eine Militärakademie umgewandelt, 1814 aber wieder eröffnet.
Lange blieb die Einrichtung stark humanistisch geprägt und nahm technische sowie kaufmännische Reformforderungen nur zögerlich auf. 1835 entstanden als Kompromiss eine technische und eine merkantilistische Abteilung. Konkrete Lehrpläne für Maschinenbau, Bauwesen, chemische Technik, Pharmazie, Forstwissenschaft und Landwirtschaft folgten 1855.
Zum Wintersemester 1862/63 wurde das Collegium Carolinum in „Polytechnische Schule“ umbenannt. Nun wurde in acht naturwissenschaftlichen Fachgebieten ausgebildet; die humanistische und die merkantilistische Abteilung entfielen. Organisationsprobleme, räumliche Enge und fehlende anerkannte Abschlussprüfungen belasteten die Entwicklung. Eine Reform von 1872 ersetzte das Direktorium durch einen Direktor und straffte die Organisation. Wegen steigender Studierendenzahlen wurde ein Neubau geplant. Das von Constantin Uhde und Körner entworfene Hauptgebäude an der Pockelsstraße wurde am 15. Oktober 1877 bezogen.
Nachdem die Abschlüsse mit preußischen Standards abgestimmt worden waren, erfolgte am 5. März 1878 die Umbenennung in Herzogliche Technische Hochschule Carolo-Wilhelmina. 1887 wurde im Bauwesen und Maschinenbau eine einheitliche Staatsprüfung eingeführt, 1890 erhielt die Hochschule eine Rektoratsverfassung und 1893 Diplom-Prüfungen. Das Promotionsrecht folgte 1900. Ab 1909 durften Frauen generell studieren.
Seit 1927 gehörte die akademische Volksschullehrerausbildung zur Hochschule. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurde die Hochschule 1933 gleichgeschaltet und nach dem Führerprinzip umgestaltet. Sie verlor fast 20 Prozent ihres Lehrkörpers, besonders jüdische sowie sozialdemokratisch ausgerichtete Lehrkräfte. 1937 wurde die Lehrkräftebildung ausgegliedert. Wegen schwerer Kriegsschäden ruhte der Lehrbetrieb im Sommersemester 1945. Trotz einer Zerstörung von 70 Prozent nahm die Hochschule im Wintersemester 1945/46 als erste deutsche Hochschule den Vorlesungsbetrieb wieder auf.
1968 erhielt sie ihren heutigen Namen. 1972 richtete sie als erste niedersächsische Hochschule einen Informatikstudiengang ein; 1978 wurden die Pädagogische Hochschule Braunschweig eingegliedert und die Präsidialverfassung eingeführt. Es folgten unter anderem Biotechnologie, Bioverfahrenstechnik, Geoökologie und vier Simultanstudiengänge des Wirtschaftsingenieurwesens. Seit den 2000er-Jahren entstanden wichtige Zentren für Fahrzeugtechnik, Luftfahrt, Systembiologie, Pharmaverfahrenstechnik und Nanometrologie.
Studium und Lehre
Das Studienangebot umfasst fünf große Bereiche: Naturwissenschaften und Mathematik, Ingenieurwesen und Informatik, wirtschaftswissenschaftliche Kombinationsstudiengänge, Geistes- und Sozialwissenschaften sowie Lehramt. Angeboten werden Bachelor- und Masterabschlüsse, außerdem das Staatsexamen in Pharmazie und Approbationswege in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie sowie Psychologischer Psychotherapie. Approbation bezeichnet die staatliche Zulassung zur Ausübung bestimmter Heilberufe.
Zu den naturwissenschaftlich-mathematischen Fächern zählen unter anderem Biologie, Biotechnologie, Chemie, Lebensmittelchemie, Mathematik, Physik, Informatik und Umweltnaturwissenschaften. Masterangebote ergänzen dieses Spektrum beispielsweise um Data Science, Artificial Intelligence for Molecular Sciences und Solar System Physics.
Das ingenieurwissenschaftliche Angebot reicht von Architektur, Bauingenieurwesen, Maschinenbau und Elektrotechnik bis zu Verkehrsingenieurwesen, Informations-Systemtechnik, Batterie- und Wasserstofftechnologie sowie Luft- und Raumfahrttechnik. Mehrere Studiengänge verbinden Technik mit Wirtschaft, etwa Wirtschaftsingenieurwesen in den Richtungen Bauingenieurwesen, Elektrotechnik und Maschinenbau. Weitere Kombinationen sind Wirtschaftsinformatik, Finanz- und Wirtschaftsmathematik und Technologie-orientiertes Management.
In den Geistes- und Sozialwissenschaften werden unter anderem Erziehungswissenschaft, Medienwissenschaften, Psychologie, Sozialwissenschaften, Geschichte, Germanistik, Philosophie, Theologie, Kunst, Musik und Sport angeboten. Viele dieser Fächer sind Teil eines 2-Fächer-Bachelors. Darauf bauen Lehramts-Master für Grundschulen, Gymnasien sowie Haupt- und Realschulen auf.
Seit dem Wintersemester 2003/2004 wurde das Angebot auf das Bachelor-Master-System umgestellt und neu gestaltet. Das Studium ist häufig interdisziplinär, also fächerübergreifend. Forschung und Entwicklung werden in Praxisprojekten vermittelt. Studierende können ihre Kenntnisse in mehr als 80 studentischen Gruppen anwenden, etwa beim Bau von Raketen, Marsrovern und Rennfahrzeugen oder in kulturellen Projekten.
Forschungsschwerpunkte und Zentren
Die TU Braunschweig bündelt ihre Forschung in vier Schwerpunkten: Stadt der Zukunft, Metrologie, Mobilität sowie Infektionen und Wirkstoffe. Dabei kooperiert sie eng mit anderen Forschungseinrichtungen in Braunschweig.
Im Schwerpunkt Stadt der Zukunft werden Lösungen für effiziente, umweltfreundliche, gesunde, soziale und grüne „Smart Cities“, also intelligent organisierte Städte, entwickelt. Die Metrologie ist die Wissenschaft vom Messen. Hier geht es besonders um Nanometrologie: Materialien und Bauteile im Größenbereich von Millionstel Millimetern erfordern neue Messverfahren. Das Laboratory for Emerging Nanometrology and Analytics (LENA) untersucht gemeinsam mit der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Nanonormale, Sensoren, Standards und dreidimensionale Nanosysteme.
Der Schwerpunkt Mobilität umfasst Automobiltechnik, Luft- und Raumfahrt, Schienenverkehr, Logistik und Verkehrsmanagement. Ziele sind ein nahtloses multimodales Verkehrssystem, also die Verbindung verschiedener Verkehrsmittel, emissionsarme Fahrzeuge mit nicht fossilen Energieträgern, nachhaltige Produktion und weniger Verkehrsunfälle. Neue Materialien und Oberflächen sollen außerdem Kraftstoffverbrauch und Lärm senken. Das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) erforscht unter anderem das „Metropolitan Car“ für die sozialen und ökologischen Herausforderungen der Urbanisierung. Im Niedersächsischen Forschungszentrum für Luftfahrt (NFL) bündeln die TU, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die Leibniz Universität Hannover ihre Kompetenzen.
Bei Infektionen und Wirkstoffen verbindet das Braunschweig Integrated Centre of Systems Biology (BRICS) Naturwissenschaften, Ingenieurwissenschaften und Informatik. Systembiologie untersucht biologische Systeme mithilfe experimenteller Daten und mathematischer Modelle. Gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung werden Mikroorganismen erforscht, um neue Anti-Infektiva und biotechnologische Produktionsverfahren zu entwickeln. Das Zentrum für Pharmaverfahrenstechnik (PVZ) verbindet Pharmazie, Verfahrenstechnik und Mikrotechnik, um Medikamente kostengünstig und möglichst patientengenau herzustellen.
Die Battery Lab Factory (BLB) entwickelt Produktions-, Diagnose- und Simulationsmethoden für heutige Lithium-Ionen-Batterien und künftige Technologien wie Festkörper- und Lithium-Schwefel-Batterien. Sie vereint 13 Professuren der Universitäten Braunschweig, Clausthal und Hannover sowie Fachleute der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Der 2008 gegründete Informatikverbund tubs.CITY wurde 2017 aufgrund einer neuen Schwerpunktsetzung in TUBS.digital umbenannt.
Organisation und Standorte
Die zentralen Hochschulorgane sind nach dem Niedersächsischen Hochschulgesetz das Präsidium, der Hochschulrat und der Senat. Das Präsidium leitet die Universität, plant ihre Entwicklung und ist unter anderem für Zielvereinbarungen, Wirtschaftsplanung und Organisationseinheiten zuständig. Neben der Präsidentin oder dem Präsidenten gehören ihm ein hauptberuflicher und vier nebenberufliche Vizepräsidenten an. Angela Ittel ist seit dem 1. Juli 2021 Präsidentin.
Der Hochschulrat besteht aus sieben stimmberechtigten, nicht zur Hochschule gehörenden Mitgliedern. Er berät Präsidium und Senat, nimmt zu Entwicklungs- und Wirtschaftsplänen Stellung und wirkt bei der Besetzung des Präsidiums mit. Der Senat hat 13 direkt gewählte stimmberechtigte Mitglieder: sieben aus der Hochschullehrergruppe sowie je zwei aus der Studierenden-, wissenschaftlichen Mitarbeiter- und technisch-administrativen Mitarbeitergruppe. Er beschließt unter anderem Grundordnung, Entwicklungsplanung und Gleichstellungsplan.
Die TU gliedert sich in sechs Fakultäten: die Carl-Friedrich-Gauß-Fakultät; die Fakultät für Lebenswissenschaften; die Fakultät für Architektur, Bauingenieurwesen und Umweltwissenschaften; die Fakultät für Maschinenbau; die Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik und Physik sowie die Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften. Der Artikel nennt insgesamt 127 Institute und Einrichtungen.
Die Universität verteilt sich auf vier Standorte in Braunschweig und den MobileLifeCampus in Wolfsburg. Am Zentral-Campus rund um den Universitätsplatz liegen unter anderem Hauptgebäude, Audimax, Universitätsbibliothek, Informatikzentrum und Biozentrum. Der Campus Ost beherbergt unter anderem Sportzentrum, Gauß-IT-Zentrum, Maschinenbau- und Pharmazieeinrichtungen. Auf dem Campus Nord befinden sich die Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften, weitere geistes- und sozialwissenschaftliche Institute, Bibliotheken und Hörsäle. Am Campus Forschungsflughafen liegen NFL und NFF in Nachbarschaft zum DLR und zu Luft- und Raumfahrtunternehmen. In Wolfsburg befinden sich ein weiterer NFF-Standort und die 2016 eröffnete Open Hybrid Lab Factory.
Campusleben
Studentische Vereinigungen sind freiwillige Zusammenschlüsse für fachliche, hochschulpolitische, sportliche, musische oder soziale Interessen. Seit 2013 führt die TU dafür ein öffentliches Verzeichnis. Die Initiativen beschäftigen sich beispielsweise mit Flugzeug- und Raumfahrtprojekten, Rennwagen, Eisenbahnwesen, Film, Musik, Medien, Unternehmensberatung, interkulturellem Austausch und der Betreuung internationaler Studierender. Das 2015 gestartete Projekt „Sandkasten – selfmade campus“ unterstützt Studierende und Beschäftigte dabei, den Campus mithilfe einer Onlineplattform selbst zu gestalten.
Die Ideenplattform „Sag’s uns“ sammelt seit 2009 öffentlich Vorschläge, Lob und Probleme zu Studium und Lehre. Studierende können dort gemeinsam mit anderen Hochschulangehörigen Lösungen entwickeln. 2010 wurde das Projekt als „Hochschulperle des Monats“ ausgezeichnet.
Das Hochschulsportangebot umfasst pro Semester 200 Kurse in mehr als 100 Sportarten pro Woche. Zur Ausstattung gehören vier Sporthallen, Rasen- und Kunstrasenfelder, Tennis- und Beachvolleyballplätze, eine Leichtathletikanlage, ein Fitnessstudio und eine 1300 Meter lange beleuchtete Finnenbahn. Regelmäßige Veranstaltungen sind unter anderem Campuslauf, Hochschulmeisterschaften und seit 2007 einmal pro Semester die Uni-Liga.
Zum kulturellen Campusleben gehören die jährliche TU Night mit Livemusik und Experimenten, das Sommerfest am Sportzentrum und studentische Kulturveranstaltungen. Seit 2005 findet außerdem der „Ideenwettbewerb MacGyver“ statt, bei dem Schülerinnen, Schüler und Studierende eine anspruchsvolle praktische Aufgabe lösen.