Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Ulrich Menzel

Anlässlich der Corona-Krise 2020 diagnostizierte Menzel ein mögliches Ende der Globalisierung, weil der Globalisierungsdiskurs in die Defensive geraten sei.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und zentrale Konzepte
  2. 2. Ausbildung und akademische Laufbahn
  3. 3. Weitere Forschung und historische Arbeiten
  4. 4. Auszeichnungen
  5. 5. Schriften und wissenschaftlicher Nachlass

Profil und zentrale Konzepte

Ulrich Menzel (* 21. Juli 1947 in Düsseldorf) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Seine Arbeit befasst sich vor allem mit dem internationalen System, Entwicklung, Globalisierung, internationalen Wirtschaftsbeziehungen sowie Frieden und Konflikten. Regional konzentriert er sich auf Ost- und Südostasien, insbesondere China und Japan, sowie auf Europa.

Menzel definiert Globalisierung als „Intensivierung und Beschleunigung grenzüberschreitender Transaktionen, bei deren gleichzeitiger räumlicher Ausdehnung“. Kürzer gefasst sei Globalisierung die „Kompression von Raum und Zeit“. Das 2000 entwickelte „Kreuz der Globalisierung und Fragmentierung“ beschreibt widersprüchliche globale Trends aus der Sicht konkurrierender politischer Theorien und Prinzipien. Je nach Perspektive werden dabei vier Entwicklungen unterschieden: Global Governance (1), Intervention (2), hegemoniale Stabilität (3) und Abschottung (4). Infolge der Corona-Krise diagnostizierte Menzel 2020 ein mögliches Ende der Globalisierung, da der Globalisierungsdiskurs in die Defensive geraten sei.

In den 1980er Jahren formulierte Menzel gemeinsam mit Dieter Senghaas die Theorie der autozentrierten Entwicklung. Sie untersucht Entwicklung, die sich trotz Einbindung in den Weltmarkt an den eigenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen orientiert. In den 1990er Jahren erregte Menzel mit der These Aufmerksamkeit, die klassische Entwicklungshilfe sei gescheitert und nach dem Ende des Kalten Krieges sei auch das Konzept der „Dritten Welt“ überholt. Diese Position führte 1991/1992 zu einer heftigen Kontroverse mit 19 Beiträgen in der Frankfurter Rundschau und verschiedenen Zeitschriften.

Im Lehrbuch Entwicklungspolitik, das Menzel 2010 mit Franz Nuscheler und Reinhard Stockmann verfasste, wird das „Hexagon der Entwicklung“ vorgestellt. Es umfasst gesellschaftliche Partizipation, politische Stabilität, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und kulturelle Identität. Das Modell lehnt sich an das Zivilisatorische Hexagon von Dieter Senghaas an.

Ausbildung und akademische Laufbahn

Menzel besuchte bis zum Abitur 1967 das Humboldt-Gymnasium Düsseldorf. Von 1969 bis 1974 studierte er in Düsseldorf, Köln und Frankfurt am Main Politikwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Soziologie und Germanistik.

1978 wurde er in Frankfurt am Main bei Dieter Senghaas mit einer Dissertation über die Theorie und Praxis des chinesischen Entwicklungsmodells promoviert. 1982 habilitierte er sich ebenfalls in Frankfurt am Main im Fach Politikwissenschaft. Gegenstand seiner Habilitationsschrift war autozentrierte Entwicklung trotz Weltmarktintegration.

Nach der Promotion lehrte und forschte Menzel in Bremen, Tokio, Frankfurt, Duisburg und Braunschweig. 1993 wurde er als Nachfolger von Gilbert Ziebura auf den Lehrstuhl für Internationale Beziehungen und Vergleichende Regierungslehre am Institut für Sozialwissenschaften der TU Braunschweig berufen. Dort war er von 1995 bis 1997 Dekan und von 2001 bis 2003 Vizepräsident für Lehre, Studium und Weiterbildung. Von 2004 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 2015 leitete er das Institut für Sozialwissenschaften geschäftsführend.

Weitere Forschung und historische Arbeiten

Zu Menzels Forschungs- und Lehrgebieten gehören die Theorie und Geschichte des Internationalen Systems, Entwicklungstheorie und Nord-Süd-Beziehungen, Internationale Politische Ökonomie sowie Friedens- und Konfliktforschung. Außerdem arbeitet er als Enzyklopädist und erstellt Bibliographien in gedruckter und elektronischer Form.

Sein Hauptwerk Die Ordnung der Welt erschien 2015 nach zehnjähriger Arbeit. Es behandelt die Ordnung der Staatenwelt und fragt nach dem Verhältnis von Imperium und Hegemonie.

2020 widmete sich Menzel der Geschichte Braunschweigs während des „Dritten Reichs“. In Die Steigbügelhalter und ihr Lohn untersucht er die Rolle des Freistaats Braunschweig. Dort wurde 1930 die erste Koalitionsregierung zwischen der NSDAP und bürgerlichen Parteien gebildet. Außerdem erhielt der staatenlose Adolf Hitler 1932 im Freistaat die deutsche Staatsbürgerschaft. Weitere historische Arbeiten befassen sich mit Hitlers Besuch in Braunschweig im Juli 1935, der Umwidmung des Braunschweiger Doms, der Gemeinschaftssiedlung Lehndorf und der Kooperation von Reichsbanner und Stahlhelm im Frühjahr 1933.

Auszeichnungen

1984 erhielt Menzel den ersten Preis der Fritz Thyssen Stiftung für den besten sozialwissenschaftlichen Aufsatz des Zeitschriftenjahrgangs 1983.

2010 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Klasse für Geisteswissenschaften der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft gewählt.

Schriften und wissenschaftlicher Nachlass

Menzels Veröffentlichungen umfassen Monographien, Herausgeberschaften, Lehrbücher, Bibliographien und Aufsätze. Frühe Arbeiten behandeln multinationale Konzerne und die „Dritte Welt“, das chinesische Entwicklungsmodell, China und Korea sowie die autozentrierte Entwicklung in Südkorea und Taiwan. Weitere Schwerpunkte sind Europas Verhältnis zur „Dritten Welt“, Entwicklungstheorie, Japan, China und die internationalen Beziehungen.

Zu seinen wichtigen Büchern zählen Das Ende der Dritten Welt und das Scheitern der großen Theorie (1992), Geschichte der Entwicklungstheorie (1995), Globalisierung versus Fragmentierung (1998), Zwischen Idealismus und Realismus (2001), Paradoxien der neuen Weltordnung (2004), Entwicklungspolitik (2010, 2. überarbeitete Auflage 2016) und Die Ordnung der Welt (2015). Spätere Veröffentlichungen behandeln unter anderem die Braunschweiger Geschichte im Nationalsozialismus, das autoritäre Jahrhundert, die Beziehungen zwischen Russland und China sowie den neuen Imperialismus. Der Artikel nennt außerdem Aufsätze zum Ende der „Dritten Welt“, zur Geopolitik, zur Globalisierung, zum Niedergang der Volksparteien, zum Corona-Schock und zu den Beziehungen zwischen Russland und China.

Sämtliche bisherige Veröffentlichungen, derzeit mehr als 700, unveröffentlichte Schriften und weitere Materialien zu Menzel sind im Archiv der TU Braunschweig unter der Signatur G48 II einsehbar. Ein Inventar des Vorlasses mit dem Stand Februar 2016 ist verfügbar.

Weiterlesen

1947 Besonders deutlich wird dies in der Truman-Doktrin, in der der US-Präsident vor der „direkten oder indirekten Aggression“ durch „totalitäre Regime“ warnt – die … Politikwissenschaft Die Politikwissenschaft zählt von ihrer Entwicklung als Wissenschaftsdisziplin im weiteren Sinne auch zu den Staatswissenschaften. Mit Nachbardisziplinen wie … Geschichte Unter Geschichte versteht man im Allgemeinen diejenigen Aspekte der Vergangenheit, derer Menschen gedenken und die sie deuten, um sich über den Charakter … Soziologie In neuerer Zeit steht der soziale Wandel im Fokus von Modernisierungstheorien. ... soziale Verbände oder die Politik, selten aber nachhaltiger auch durch soziale … Dissertation Als Sprachen sind in vielen deutschen Promotionsordnungen Deutsch und Englisch gleichermaßen zugelassen, weitere Sprachen sind je nach Fachgebiet möglich. Bremen Die Stadt Bremen ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl (ca. 580.000 Einwohner) die zehntgrößte Stadt in Deutschland. Sie gehört zur europäischen Metropolregion … Tokio Mit 9.640.742 Einwohnern (Stand: 2021) ist die bevölkerungsreichste Metropole des Landes Sitz der japanischen Regierung und des Tennō als Teil des … Internationale Beziehungen Themen der internationalen Politik sind Außenpolitik, Diplomatie, Entwicklungspolitik, Friedensforschung, globale Umweltpolitik, Globalisierung, internationale … Technische Universität Braunschweig Anwendungssicherheit (IAS) · Betriebssysteme und Rechnerverbund (IBR) · Computergraphik (CG) · Informationssysteme (IfIS) · Künstliche Intelligenz · Medizinische … Internationale Politik Internationale Politik ist die allgemeine Bezeichnung für den supranationalen politischen Bereich, der durch die Beziehungen, Normen und Institutionen, … Entwicklungstheorie Eine Entwicklungstheorie will – ausgehend von der neoevolutionistischen Grundannahme einer zwangsläufigen „Höherentwicklung“ – erklären, warum bestimmte … Japan Japan ist zu großen Teilen (68,4 %) von Bergwäldern bedeckt. · Japan hat neun Ökoregionen, die das Klima und die Geographie der Inseln widerspiegeln. Sie reichen …