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Georg Stefan Troller
Georg Stefan Troller (geboren am 10. Dezember 1921 in Wien; gestorben am 27. September 2025 in Paris) war ein österreichisch-US-amerikanischer …
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Bedeutung und Arbeitsfeld
Georg Stefan Troller (10. Dezember 1921 in Wien bis 27. September 2025 in Paris) war ein österreichisch-US-amerikanischer Schriftsteller jüdischer Herkunft, Fernsehjournalist, Drehbuchautor, Regisseur und Dokumentarfilmer. Seit 1949 lag sein Lebensmittelpunkt in Frankreich. Besonders wichtig wurde er durch seine Fernsehreportagen und Porträts: Seine subjektive, persönliche Art zu fragen prägte viele Journalisten, Dokumentarfilmer und Talkshow-Moderatoren.
Bekannt wurde Troller in Deutschland vor allem durch das WDR-Fernsehformat „Pariser Journal“ (1962–1971) und die ZDF-Reihe „Personenbeschreibung“, die ab 1972 entstand. In dieser Reihe stellte er über 22 Jahre hinweg prominente Künstler, unbekannte Zeitgenossen und ungewöhnliche Lebensschicksale vor. Sein filmisches und schriftliches Archiv wird in der Deutschen Kinemathek bewahrt.
Lebensweg
Troller wurde in Wien als zweiter Sohn von Karl Troller und Wilhelmine, geborene Pick, geboren. Die Familie war jüdisch. Sein Vater arbeitete im Handel mit Kürschnerwaren. Troller besuchte in Wien das Gymnasium und lernte zunächst den Beruf des Buchbinders.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich 1938 wurde die Firma der Familie enteignet, und ihr Leben war bedroht. Troller floh mit 16 Jahren zunächst in die Tschechoslowakei und dann nach Frankreich. Dort wurde er bei Kriegsbeginn interniert. Beim Einmarsch der Deutschen gelang ihm mit zwei anderen Inhaftierten die Flucht aus dem Lager. 1941 erhielt er in Marseille ein Visum für die USA; seine Eltern konnten über Portugal fliehen.
Von 1941 bis 1943 arbeitete Troller als Buchbinder. 1943 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und war bis 1946 US-Soldat. Am 29. April 1945 war er an der Befreiung und Dokumentation des KZ Dachau beteiligt, am 1. Mai 1945 an der Einnahme Münchens. Wegen seiner Deutschkenntnisse wurde er von der US-Armee bei der Vernehmung von Kriegsgefangenen eingesetzt. Außerdem wurde er Reporter des Armeesenders Radio München.
Nach dem Krieg versuchte Troller, in Österreich wieder heimisch zu werden, fühlte sich dort aber fremd. Beim Wiener Sender Rot-Weiß-Rot initiierte er die Sendereihe „XY weiß alles“. Danach kehrte er in die USA zurück und studierte von 1946 bis 1949 Anglistik an der University of California mit Abschluss B. A. sowie Theaterwissenschaft an der Columbia University in New York mit Abschluss M. A. im Jahr 1949.
Ein Fulbright-Stipendium brachte ihn 1949 nach Paris an die Sorbonne. Dort war er 1951 für Vergleichende Literaturwissenschaft eingeschrieben, nahm dann aber ein Angebot des RIAS Berlin an und arbeitete als Hörfunkreporter. Ab 1952 war er Paris-Korrespondent für Medien aus den USA, Kanada, Österreich und der Bundesrepublik Deutschland. Ab 1971 war er Sonderkorrespondent des ZDF mit Sitz in Paris. 2019 sagte er über Heimat: „Eine Heimat kann man sich nicht wieder aufbauen, das funktioniert nicht.“ 2022 nahm er die österreichische Staatsbürgerschaft wieder an. Er starb 2025 im Alter von 103 Jahren in Paris.
Interviewstil
Trollers Interviewkunst war sein wichtigster Beitrag zum Journalismus. Schon in frühen Texten aus den 1940er Jahren sah der Journalist Helmut Böttiger eine „unverschnörkelte Direktheit“, einen genauen Blick und eine dialogische Kunst, die später für Trollers Fernsehformate typisch wurden. Nach Trollers eigenen Angaben von 2017 führte er zwischen 1200 und 1500 Interviews; andere Quellen nannten später etwa 2000 Interviews und über 170 Filme.
Seine Methode war für die damalige Fernsehlandschaft ungewöhnlich. Dokumentationen sollten neutral wirken, während Troller bewusst subjektiv fragte. Anfangs war diese Form bei Redaktionen verpönt und nur geduldet. Später wurde seine einfühlsame, aber kritische Befragung zu einem Vorbild. Die Reihe „Personenbeschreibung“ umfasste siebzig Folgen und prägte das journalistische Genre des Interviews.
Troller wollte in Gesprächen verborgene persönliche Geheimnisse sichtbar machen. Die Sensationslust des Journalismus beschrieb er selbstironisch als „Menschenfresserei, die vom warmen Blut ihrer Opfer lebt“. Zugleich erklärte er, seine Triebfeder sei gewesen, seine durch Flucht und Verfolgung verstärkte Menschenscheu zu überwinden. Er stellte anderen Menschen zeitlose Fragen, die er auch an sich selbst hatte.
Zur Kamera hatte Troller ein doppeltes Verhältnis: Einerseits nannte er sie eine „Moralische Waffe“ für Menschlichkeit, Freiheit und gegen Diktaturen. Andererseits bezeichnete er sie kritisch als „Mordgerät“, das gefährlicher sein könne als ein Gewehr, besonders wenn ein Filmteam einem einzelnen Menschen gegenüberstehe. Zu seinen Gesprächspartnern gehörten unter anderem Jean-Paul Belmondo, Edith Piaf, Konrad Adenauer, Ingrid Bergman, Orson Welles, Marlene Dietrich, Peter Handke, Pablo Picasso, Woody Allen, Josephine Baker und Eduard VIII.
Filme, Drehbücher und Bücher
Trollers Werk umfasst Regiearbeiten, Drehbücher, Bücher und Hörbücher. Zu seinen wichtigsten Regiearbeiten zählen „Pariser Journal“ mit 50 Folgen von 1962 bis 1971 und „Personenbeschreibung“ mit 70 Folgen von 1971 bis 1993. Außerdem drehte er Filme über Personen und Themen wie Jack London, Paul Gauguin, die Mexikanische Revolution, Arthur Rimbaud, Hildegard Knef, Karl Kraus, Simone Weil, Robert Badinter, Haiti, Guatemala, Hollywood und Paris. 2001 entstand „Selbstbeschreibung“, eine filmische Arbeit an Originalschauplätzen in Wien, Prag und Paris nach eigener Buchvorlage.
Als Drehbuchautor arbeitete Troller auch außerhalb eigener Regiearbeiten. Bedeutend sind besonders die Arbeiten mit Axel Corti: „Ein junger Mann aus dem Innviertel“ über die Jugend Adolf Hitlers, „Der junge Freud“ und die Trilogie „Wohin und zurück“ über die eigene Emigration. Zu dieser Trilogie gehören „An uns glaubt Gott nicht mehr“, „Santa Fe“ und „Welcome in Vienna“. Weitere Drehbucharbeiten waren unter anderem „Gebürtig“ mit Robert Schindel.
Troller veröffentlichte autobiografische Bücher wie „Selbstbeschreibung“ (1988, ergänzte Neuauflage 2009), „Unterwegs auf vielen Straßen“ (2016) und „Meine ersten 100 Jahre“ (2021). Weitere Bücher handeln von Paris, Frankreich und Wien, etwa „Pariser Journal“, „Mein Paris“, „Das fidele Grab an der Donau. Mein Wien 1918–1938“ und „Paris geheim“. Hinzu kommen Bücher über Begegnungen und Personenporträts, darunter „Personenbeschreibung: Tagebuch mit Menschen“, „Ihr Unvergesslichen“, „Lebensgeschichten“ und „Liebe, Lust und Abenteuer“.
Privates und Selbstbild
Troller war in erster, später geschiedener Ehe mit der britischen Journalistin Davina Hughes verheiratet. Aus dieser Ehe stammt seine älteste Tochter Fenn. Ab 1976 war er mit Kirsten Lerche aus Hamburg verheiratet; mit ihr hatte er eine weitere Tochter, Tonka. Kirsten Lerche starb 2018 und wurde auf dem Cimetière de Montmartre beigesetzt. Auch Davina Troller, née Wynne-Hughes, ist in der Nähe seines Grabes beigesetzt.
In einer Selbstbeschreibung, die er an Originalschauplätzen drehte und die später erweitert als Buch erschien, setzte sich Troller mit seinem eigenen Leben auseinander. Ein Klappentext beschrieb ihn als „Österreicher jüdischer Herkunft, den Nazis nur knapp entkommen, heute als Amerikaner in Paris lebend“, der sich dem deutschen Sprachraum zugehörig fühle. Zu seiner Bestattung auf dem Friedhof Montmartre kamen zahlreiche Wegbegleiter aus Kunst, Kultur und Journalismus.
Auszeichnungen und Würdigungen
Troller erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine journalistische, filmische und schriftstellerische Arbeit. Bereits in den 1960er Jahren wurde er für das „Pariser Journal“ und andere Fernseharbeiten geehrt, unter anderem mit dem Sonderpreis der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, der Goldenen Kamera, Adolf-Grimme-Preisen, der Goldenen Nymphe von Monte Carlo und dem Berliner Kunstpreis.
Weitere wichtige Ehrungen waren unter anderem der Erich-Salomon-Preis, mehrere Goldene Gongs, der Eduard-Rhein-Preis, der Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, der Bambi, eine besondere Ehrung beim Adolf-Grimme-Preis, der Axel-Corti-Preis, der Theodor-Kramer-Preis, ein Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin und der Schillerpreis der Stadt Mannheim. Für „Welcome in Vienna“ gab es 1987 eine Oscar-Nominierung durch Österreich.
Späte Auszeichnungen würdigten sein Lebenswerk besonders deutlich: 2017 erhielt er das Große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, 2021 den Ehrenpreis des Deutschen Dokumentarfilmpreises und das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. 2023 verlieh PEN Berlin dem 101-jährigen Troller die Ehrenmitgliedschaft.