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Gattung (Musik)

Die Lehre von den musikalischen Gattungen betrachtet in erster Linie die Kriterien Besetzung, Text, Funktion, Aufführungsort, Satzstruktur, Liturgie, Stil und …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff der musikalischen Gattung
  2. 2. Abgrenzung und Vielfalt
  3. 3. Gattung und Funktion der Musik

Grundbegriff der musikalischen Gattung

Eine Gattung bezeichnet in der Musik einen Kompositionstypus. Nach Hermann Danuser liegt der Gattungsbegriff auf einer mittleren Ebene logischer Klassifikationssysteme: Er fasst verschiedene Arten zu einer Familie zusammen und kann zugleich mit anderen Gattungen unter einem gemeinsamen Oberbegriff zusammengefasst werden. Wird eine Art weiter in Typen untergliedert, kann sie für die nächstuntere Ebene selbst zur Gattung werden.

Die Lehre von den musikalischen Gattungen untersucht vor allem Besetzung, Text, Funktion, Aufführungsort, Satzstruktur, Liturgie, Stil und Ton. Beispiele sind Sonate, Streichquartett, Messe und Oper. Eine Gattung ist nicht dasselbe wie eine Form: Die Form beschreibt den kompositorischen Aufbau eines Werkes, etwa die Sonatenhauptsatzform innerhalb eines Satzes einer Sonate.

Abgrenzung und Vielfalt

Der Begriff „Gattung“ ist wissenschaftlich stark umstritten; eine exakte allgemeingültige Definition gibt es nicht. Gattungsbezeichnungen können sich auf unterschiedliche Merkmale beziehen und überschneiden sich teilweise mit Bezeichnungen für Aufführungsrahmen oder musikalische Funktionen.

Werke derselben Gattung können unterschiedliche Formen besitzen. Umgekehrt können verschiedene Gattungen eine ähnliche Form haben, sich aber etwa hinsichtlich Besetzung, Text, Funktion, Aufführungsort, Satzstruktur, Liturgie, Stil oder Ton unterscheiden. Deshalb ist eine Gattung nicht ausschließlich durch den formalen Aufbau eines Werkes bestimmt.

Gattung und Funktion der Musik

Bezeichnungen für den Aufführungsrahmen und für die dort aufgeführte Musik können zusammenfallen. Kammermusik war ursprünglich Musik in der aristokratischen „Kammer“, wurde seit dem späten 18. Jahrhundert aber zunehmend durch Besetzung und Stil definiert. Opéra comique bezeichnet sowohl ein Pariser Theaterinstitut des 19. Jahrhunderts als auch eine dort aufgeführte Operngattung. Das Menuett ist zugleich ein Gesellschaftstanz und ein Satz in der klassischen Sinfonie.

Vor der Romantik waren Gattungen eng an funktionale Zusammenhänge gebunden. Musik war dann Gebrauchsmusik und wurde durch ihren Zweck, ihren Ort und ihren Aufführungsrahmen bestimmt. Diese Bindung schränkte die kompositorischen Möglichkeiten ein. Kirchensonaten unterlagen bestimmten Erwartungen; geistliche Oratorien durften zunächst nicht allzu opernhaft gestaltet sein.

Seit dem späten 18. Jahrhundert lösten sich Gattungen teilweise von ihrem ursprünglichen Aufführungsort und ihrer Funktion. Kammermusik konnte auch im bürgerlichen Konzertsaal gespielt werden, und die Opéra comique wurde auch in deutschen (Provinz-)Theatern reproduziert. Entsprechend konnte sich Tanzmusik von ihrer ursprünglichen Funktion lösen und etwa zum Satz einer Sinfonie werden.

Die Emanzipation von der Funktionsmusik macht eine Gattung „rein“ oder „absolut“. Dabei bleibt etwas von ihrem ursprünglichen Zusammenhang erhalten, wird aber zugleich aus diesem Zusammenhang gelöst. Der ästhetische Anspruch der Absolutheit richtet sich auf Kunst als von der Wirklichkeit losgelöste „Gegenwelt“. Im 20. Jahrhundert kann diese Vorstellung eine ungeschönte Betrachtung historischer Fakten behindern und steht seit den Katastrophen des 20. Jahrhunderts unter Ideologieverdacht.

Komponisten des 20. Jahrhunderts lösten sich zunehmend von engen Gattungsbegriffen. Sie entwickelten hybride Mischformen innerhalb klassischer Gattungen, etwa die Kammersinfonie, sowie Mischformen zwischen Künsten, etwa die Performance als Verbindung von Tanz, Theater und Musik. In radikalen Experimenten negierte John Cage den Gattungs- und Werkbegriff vollständig.

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