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Magdeburger Dom

Er wurde ab 1209 als Kathedrale des Erzbistums Magdeburg gebaut, im Jahr 1363 geweiht und 1520 fertiggestellt (Vollendung der Westtürme). Eine erste Kathedrale …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Baugestalt
  2. 2. Entstehung und Vorgängerbauten
  3. 3. Baugrund, Stadtbild und Kreuzgang
  4. 4. Reformation, Kriegsschäden und Erhaltung
  5. 5. Kunstwerke, Orgeln und Glocken

Bedeutung und Baugestalt

Der Dom St. Mauritius und St. Katharina zu Magdeburg, kurz Magdeburger Dom, ist die Predigtkirche des Landesbischofs der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, evangelische Pfarrkirche und das Wahrzeichen Magdeburgs. Er ist die erste von Anfang an gotisch geplante und am frühesten fertiggestellte gotische Kathedrale auf deutschem Boden sowie der größte Sakralbau Mitteldeutschlands. Der heutige Dom wurde ab 1209 als Kathedrale des Erzbistums Magdeburg errichtet, 1363 geweiht und 1520 mit der Vollendung der Westtürme fertiggestellt. Er ist Grabkirche Ottos des Großen und seiner ersten Gemahlin Editha.

Architektonisch ist der Dom eine dreischiffige Kreuzbasilika mit Umgangschor, also eine Kirche mit hohem Mittelschiff, zwei Seitenschiffen, Querhaus und einem Chor, den man umschreiten kann. Der Bau besteht aus Sandstein. Er besitzt Strebepfeiler, aber keine Strebebögen. Seitenschiffe und Chorumgang hatten keine einfachen angelehnten Dächer, sondern quer stehende Dächer; dadurch reichen die Obergadenfenster des Langhauses ungewöhnlich weit nach unten. Der Chor ist nach Vorbildern der französischen Frühgotik als Emporenbasilika gestaltet, während das Langhaus keine Emporen über den Seitenschiffen hat.

Wichtige Maße sind: Gesamtinnenlänge 118 m, Innenbreite über alle drei Schiffe 33 m und Innenhöhe des Mittelschiffs bis zum Gewölbescheitel 32 m. Der Nordturm ist 100,98 m, der Südturm 99,25 m hoch. Die Aussichtsplattform auf dem Nordturm liegt in 81,5 m Höhe und ist über 433 Stufen erreichbar. Die Zahl „1520“ über der Ausstiegstür erinnert an das Jahr der Fertigstellung.

Entstehung und Vorgängerbauten

Die Anfänge reichen in das 10. Jahrhundert zurück. Otto I. der Große gründete 937 das Mauritiuskloster; 946 wurde dort seine erste Gemahlin Edith bestattet. In den 950er Jahren begann Otto einen großen Neubau und betrieb die Einrichtung eines Erzbistums Magdeburg. 968 wurde Magdeburg zur Erzdiözese erhoben, und die Mauritiuskirche wurde Kathedrale. Der ottonische Dom war vermutlich eine dreischiffige, kreuzförmige Basilika mit Ostquerhaus, Ostkrypta und großem Atrium im Westen; genannt werden 80 m Länge, 41 m Breite und 60 m Höhe. Otto brachte Kostbarkeiten und antike Spolien, also wiederverwendete Bauteile, nach Magdeburg, darunter Säulen, die später im neuen Dom aufgestellt wurden.

Archäologische Grabungen zeigten außerdem, dass nördlich des ottonischen Doms eine zweite große Kirche existiert hatte, die sogenannte Nordkirche. Am Karfreitag, dem 20. April 1207, zerstörte ein Großbrand große Teile Magdeburgs, darunter Dom, Nordkirche und Kaiserpfalz. Erzbischof Albrecht von Käfernburg ließ die stehengebliebenen Mauern trotz Protesten abreißen und legte im September 1207 den Grundstein für den heutigen Dom; beim Neubau wurden Steine und Säulen des alten Doms wiederverwendet.

Der Bau des gotischen Chors begann 1209. Albrecht hatte in Frankreich studiert und nutzte die Zerstörung des Vorgängerbaus für einen Neubau nach modernen französischen Vorbildern. Während der langen Bauzeit änderten sich mehrere Pläne: Der Chor wurde höher ausgeführt als zunächst vorgesehen, die Chorempore wurde ergänzt, große Querhausfenster kamen hinzu, und statt vier Türmen wurden schließlich vor allem die beiden mächtigen Westtürme betont. Nach einer Unterbrechung im 13. Jahrhundert wurde der Bau weiter nach Westen geführt; 1363 wurde das Langhaus geweiht. Der Ausbau der Westfassade und Türme dauerte in mehreren Etappen bis 1520.

Baugrund, Stadtbild und Kreuzgang

Der Dom steht nahe der Elbe über einer Felsformation, die Domfelsen genannt wird. Anders als der Name vermuten lässt, berühren die Fundamente den Felsen aber nicht direkt. Untersuchungen zeigten, dass der Dom auf mehreren Meter mächtigen Schichten aus Aufschüttungen, Lößlehm, Sanden und Grünsand steht. Der 27.000 t schwere Nordturm steht ohne Fundamentverbreiterung auf Sand- und Lehmboden über Grünsand. Weil Grünsand unter hohem Druck zum Fließen neigt und die Baugründe unterschiedlich fest sind, gibt es seit Jahrhunderten leichte Neigungen und Drehungen der Türme; ein großer Riss zwischen Nordturm und Turmzwischenbau zeigt diese Bewegungen. Die leichtere Bauweise des Südturms wird im Artikel nicht mit zu weichem Boden, sondern mit Sparmaßnahmen erklärt.

Mit seinem hohen Turmpaar prägt der Dom das Stadtbild Magdeburgs und ist weit über die Stadtgrenzen hinaus sichtbar, bei gutem Wetter sogar vom 79 km entfernten Brocken. Ein Vermessungsbolzen am Nordturm ist Referenzpunkt für die Höhenlage Magdeburgs. Seit 2019 arbeitet die Stadt an einem Hochhauskonzept, bei dem wichtige Sichtachsen auf den Dom freigehalten werden sollen.

Südlich des Doms liegt die Domklausur mit Kreuzgang. Ihr Grundriss ist trapezförmig, weil Ost-, Süd- und Westflügel noch nach dem ottonischen Vorgängerdom ausgerichtet sind, während der nördliche Kreuzgang dem gotischen Neubau folgt. Der romanisch gestaltete Südflügel ist heute der älteste Teil. Der Ostflügel enthält den Remter, eine große zweischiffige Halle, an die im 15. Jahrhundert eine Marienkapelle angebaut wurde. Am nördlichen Kreuzgang liegt die gotische Tonsurkapelle mit einem besonderen Flachdach, das von frei gespannten Gewölberippen getragen wird.

Reformation, Kriegsschäden und Erhaltung

In der Reformationszeit war Magdeburg eine Hochburg des Protestantismus. 1521 hielt der Dominikanermönch Andreas Kauxdorf die erste lutherische Predigt am Dom und wurde danach wegen Ketzerei verwiesen. Nach dem Tod Erzbischof Albrechts von Brandenburg 1545 blieb der Dom 20 Jahre geschlossen. 1567 wurde er protestantisch; am Ersten Advent fand dort der erste evangelische Gottesdienst statt.

Im Dreißigjährigen Krieg eroberten Truppen Kaiser Ferdinands II. unter Tilly und Pappenheim am 20. Mai 1631 Magdeburg. Beim anschließenden Massaker und Stadtbrand, der „Magdeburger Hochzeit“, starben rund 20.000 Menschen, fast zwei Drittel der Bevölkerung. Zwischen 2000 und 4000 Menschen verschanzten sich drei Tage lang im vom Feuer verschonten Dom. Nach dem Westfälischen Frieden wurde das Erzbistum 1680 säkularisiert; sein weltlicher Besitz kam als Herzogtum Magdeburg zu Brandenburg.

Im 19. Jahrhundert war der Dom stark baufällig. Nach 1806 soll er während der napoleonischen Besatzung als Lager und Pferdestall genutzt worden sein, während der Chorraum weiter für die Gemeinde diente. Ab 1814 war der preußische Staat zuständig. Friedrich Wilhelm III. stieß 1825 eine grundlegende Instandsetzung an, die von 1826 bis 1834 unter Karl Friedrich Schinkel durchgeführt wurde. Dabei wurden unter anderem das nördliche Querhaus gesichert, Farbschichten entfernt und das Innere verputzt und gekalkt. Zwischen 1847 und 1906/07 erhielt der Dom farbige Glasfenster in allen 89 Fensteröffnungen mit insgesamt 2.300 Quadratmetern Fläche.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom 1944/45 schwer beschädigt. Bomben zerstörten unter anderem fast alle Farbfenster, Teile der Gewölbe, Bestuhlung, Epitaphien und die große Röver-Orgel. Eine Dom-Feuerlöschgruppe konnte Brände im Dachstuhl löschen; Chor, Chorumgang und Chorempore blieben erhalten. Wertvolle Ausstattung war ausgelagert oder geschützt worden. Nach Restaurierung wurde der Dom am 22. September 1955 wieder eröffnet. 1989 war er in Magdeburg ein Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in der DDR. Heute gehört er der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt; die Domgemeinde hat das Recht zur uneingeschränkten Nutzung.

Kunstwerke, Orgeln und Glocken

Trotz Plünderungen und Zerstörungen besitzt der Dom viele bedeutende Kunst- und Ausstattungsstücke. Der Lettner von 1445 bis 1451 trennt den hohen Chor vom Hauptschiff und zeigt Heiligenfiguren. Im Chor steht das Hochgrab Kaiser Ottos I.; im Chorumgang befindet sich das spätgotische Hochgrab seiner ersten Gemahlin Edgitha. In diesem lange für ein Scheingrab gehaltenen Grab wurden 2009 Gebeine in einem Bleisarg gefunden, die nach Untersuchungen „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ Edgitha zugeordnet wurden. Die sechzehneckige Kapelle ist ein kleiner Zentralbau mit 3,52 m Durchmesser und 4,90 m Höhe; neuere Forschung deutet sie als um 1240/50 entstandenes, unvollendetes Heiliges Grab.

Die Alabasterkanzel von 1597 wurde vom Nordhäuser Bildhauer Christof Kapup geschaffen und gilt als bedeutendes Renaissancekunstwerk in Deutschland. Am Nordportal steht der berühmte Figurenzyklus der fünf Klugen und fünf Törichten Jungfrauen mit Ecclesia und Synagoge, entstanden um 1240/50. Zu den weiteren wichtigen Kunstschätzen gehören antike Säulen aus Porphyr, Marmor und Granit, der Taufstein aus porfido rosso, die 4,30 m mal 1,95 m große Altarplatte des 1363 geweihten Hochaltars, der Nikolausaltar von 1506, das Chorgestühl aus der Mitte des 14. Jahrhunderts und Ernst Barlachs Magdeburger Ehrenmal von 1929. Die Mauritiusfigur von etwa 1250 ist die älteste bekannte europäische Darstellung eines Afrikaners mit dunkler Hautfarbe.

Die Orgelgeschichte ist seit dem 14. Jahrhundert belegt. Eine Hauptorgel auf der Westempore wurde 1605 von Heinrich Compenius dem Jüngeren gebaut; spätere Neubauten stammten von Adolf Reubke und Ernst Röver. Die Röver-Orgel wurde 1945 zerstört. Seit 2008 besitzt der Dom wieder eine große Hauptorgel von A. Schuke; außerdem gibt es eine Querhausorgel, eine Truhenorgel und eine Orgel im Remter.

Das Domgeläut umfasst historische Glocken im Nordturm und Dachreiter. Erhalten sind unter anderem Susanne/Osanna von 1702 mit 8.800 kg, Apostolica von 1690 mit 4.980 kg, Dominica von 1575 mit 2.362 kg, Orate aus dem 13. Jahrhundert und die Uhrschlagglocke „Schelle“ von 1396. Seit etwa 2004 waren nur noch wenige Glocken läutbar, deshalb wird das Geläut saniert und auf zwölf Läuteglocken erweitert. Die neue Credamus wurde 2025 bei Grassmayr in Innsbruck gegossen, wiegt 15.020 kg und hat den Schlagton d0 +6. Das geplante Gesamtgewicht aller zwölf Läuteglocken beträgt 43.560 kg.

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