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Segen
Ziel des Segens bzw. Segnens (lateinisch signandum) ist die Förderung von Glück und Gedeihen oder die Zusicherung von Schutz und Bewahrung. Der Segen erfolgt …
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Bedeutung und Zweck
Ein Segen ist in vielen Religionen ein Gebet oder Ritus, durch den Personen oder Sachen Anteil an göttlicher Kraft oder Gnade erhalten sollen. Im Christentum heißt er fachsprachlich auch Benediktion. Ziel des Segnens ist, Glück und Gedeihen zu fördern oder Schutz und Bewahrung zuzusichern.
Segnungen erfolgen durch Worte und Gebärden, etwa Handauflegung, Segensgestus, Kreuzzeichen oder Salbung. Diese Zeichen sollen die wohltätige Zuwendung Gottes zu einer Person oder Sache darstellen. Im allgemeinen Sprachgebrauch kann „Segen“ auch Freude über ein Geschenk oder Fülle bezeichnen, zum Beispiel Erntesegen oder Geldsegen. Als Gegensatz gilt der Fluch (Gen 12,3 EU).
Segen im Judentum
Das hebräische Wort ברך barach („segnen“) erscheint erstmals am fünften Tag der Schöpfungsgeschichte bei den Seetieren und Vögeln. Auch die Tiere des Landes und die Menschen werden am sechsten Tag gesegnet. Die Geschichte des Segens, sein individueller oder kollektiver Verlust und seine Bewahrung haben im Judentum eine existenzielle Bedeutung.
Der aaronitische Segen wird in Numeri 6,24–26 EU eingeführt: „Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ Diese Formel wird bis heute im Judentum und Christentum verwendet.
Wichtig ist der Segen auch in den Jakobserzählungen. Jakob erhält den Erstgeborenensegen seines Vaters Isaak statt seines Bruders Esau (Gen 27,1–40 GNB), bekommt nach seinem Kampf mit dem Engel den Namen Israel und segnet seine Enkel Ephraim und Manasse durch Handauflegung (Gen 48,13–20). Seine Segenssprüche für seine zwölf Söhne und damit für die zukünftigen zwölf Stämme Israels heißen Jakobssegen (Gen 49,3–28 GNB).
Unterschieden werden ein „priesterlicher“, absteigender Segen: Gott wird angerufen, seinen Segen auf Menschen herabkommen zu lassen. Daneben gibt es einen aufsteigenden Segen von der Erde zu Gott; hier bedeutet segnen, Gott zu loben und ihm für Barmherzigkeit und Treue zu danken, etwa in Ps 103,1 EU.
Segen im Christentum
Nach dem Neuen Testament gilt der Abraham zugesprochene Segen durch Christus nicht nur Israel, sondern auch allen anderen Völkern (Gal 3,13–14 ELB). Jesus segnet Kinder, indem er sie in die Arme nimmt und ihnen die Hände auflegt (Mk 10,13–16 EU). Bei Matthäus steht dabei nicht eine bestimmte Handlung, sondern das Wesen der Gläubigen im Mittelpunkt.
Für Paulus ist „Gnade“ der zentrale Segensbegriff. Menschen empfangen Gnade von Gott und geben Gott Gnade als Antwort auf das zuvor von ihm Erfahrene. Segen kann daher als Sinnbild eines Gesprächs zwischen Gott und dem angenommenen Menschen verstanden werden. Er hat auch eine soziale Funktion: Wer andere als gesegnet bezeichnet, bestimmt deren Beziehung zu dem gemeinsamen Gott. Statusunterschiede zwischen Menschen spielen dabei keine Rolle.
Christliche Segnung bedeutet Lobpreis Gottes sowie Bitte um Hilfe und Segen. Meist wird sie mit dem Kreuzzeichen vollzogen, manchmal mit Handauflegung; in der katholischen und orthodoxen Kirche kommt oft Weihwasser hinzu. Die lateinischen Begriffe consecratio („Weihe“), dedicatio („Widmung“) und benedictio („Segnung“) werden in den Quellen meist unterschieden, im deutschen Wort „Weihe“ aber nicht immer.
In der römisch-katholischen Liturgie ist eine Benediktion eine Segnung mit einer „Wirkung bleibender Art, die auch rechtliche Folgen haben kann“. Menschen können so für einen besonderen Dienst bestimmt werden, etwa bei Abtsbenediktion und Jungfrauenweihe; Räume und Dinge können für den Gottesdienst ausgesondert werden. Kirchen oder Kapellen können benediziert werden, wenn eine förmliche Kirchweihe zunächst nicht möglich ist.
Segenshandlungen und ihre Formen
In römisch-katholischen, orthodoxen, anglikanischen, evangelisch-lutherischen und ähnlichen Traditionen spenden meist Bischöfe, Priester oder Diakone den Segen. Je näher eine Segens- oder Weihehandlung der Eucharistie ist, desto höhere Weihen sind dafür erforderlich. Auch Laien können segnen, zum Beispiel Eltern ihre Kinder oder Ordensobere ihren Konvent. Die meisten christlichen Gottesdienste enden mit dem Schlusssegen durch den Liturgen.
Das katholische Benediktionale enthält Texte und Riten für Segnungen. Sie sollen das Leben einzelner Menschen und der Gemeinschaft in seinen verschiedenen Phasen und Bereichen aus dem Glauben deuten und gestalten. Segenstraditionen, die Missverständnisse oder Aberglauben fördern können, sollen verbessert oder ersetzt werden.
Die Erklärung Fiducia supplicans vom 18. Dezember 2023 unterscheidet liturgische und nicht-liturgische Segnungen. Liturgische Segnungen folgen vorgeschriebenen Abläufen, Riten und Gebeten des Rituale Romanum; bei menschlichen Beziehungen muss das Gesegnete den von Christus offenbarten Plänen Gottes entsprechen. Nicht-liturgische Segnungen außerhalb eines liturgischen Rahmens sind spontaner und können allen gespendet werden, ohne vorherige moralische Analyse oder moralische Vollkommenheit. Sie sind Bitte um Gottes Hilfe und besseres Leben sowie Danksagung. Zu den Formen der lateinischen Kirche zählen etwa der aaronitische, apostolische, Blasius-, Pilger-, Primiz-, sakramentale, trinitarische und Wettersegen.
Segenssprecher, Zaubersegen und weitere Bereiche
In der Frühen Neuzeit galten Segenssprechen und Wahrsagen durch nicht befugte Laien als verboten und verdächtig. Staatliche und kirchliche Behörden bekämpften und bestraften diese Praxis. In Württemberg richteten sich Verordnungen des 16. und 17. Jahrhunderts gegen „Medikaster und Segensprecher, Zauberer, Wahrsager und Teufelsbeschwörer“. Hans Mattheß aus Borstendorf wurde 1688 in einem Hexenprozess wegen Segenssprechens zu sechs Wochen Haft verurteilt.
Eine klare Trennung zwischen christlichem Segen und nicht unbedingt christlichem Zauberspruch ist kaum möglich. Besonders im Mittelalter wurden aus Antike und heidnischem Frühmittelalter überlieferte Sprüche christlich umgeformt und erschienen dadurch als christliche Segen.
Weitere Segen werden nach ihrem Zweck geordnet. Es gibt allgemeine Segen wie Morgen-, Abend-, Nacht- und Kindersegen; Schutzsegen wie Reise-, Gerichts-, Kriegs- und Waffensegen; Segnungen für Besitz wie Haus-, Feuer- oder Glockensegen. Gesundheit betreffende Formen sind zum Beispiel Wund-, Blut-, Fieber-, Zahn- und Wurmsegen. Weitere Bereiche sind Nahrung, Landwirtschaft und Jagd sowie Tier- und Viehsegen. Eine umfangreiche Sammlung von Segensformeln bietet Adolf Spamers Corpus der Segen und Beschwörungsformeln.