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Gated Community
Die Größe von Gated Communities variiert von einzelnen bewachten Appartementblöcken bis hin zu großflächigen Siedlungen mit über 100.000 Einwohnern mit eigener …
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Begriff und Verbreitung
Eine Gated Community ist eine bewachte oder geschlossene Wohnanlage mit Zugangsbeschränkungen. Sie kann aus einem einzelnen bewachten Appartementblock bestehen, aber auch eine großflächige Siedlung mit mehr als 100.000 Einwohnern sein. Große Anlagen können eigene Einkaufsmöglichkeiten, Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen, Krankenhäuser, Bürozentren und Arbeitsstätten besitzen.
Seit den 1970er Jahren nahm ihre Zahl besonders in den Ballungsräumen Nord- und Südamerikas kontinuierlich zu; diese Wohnform gibt es außerdem in Asien und Europa. Für die USA ergab eine Erhebung von 2000 knapp über 20.000 Gated Communities mit mehr als neun Millionen Einwohnern. Das entsprach 3,2 % der Gesamtbevölkerung. Zählt man nicht eingezäunte Wohnanlagen mit anderen besonderen Sicherheitsmaßnahmen hinzu, lebten dort mehr als 20 Millionen Menschen in entsprechend gesicherten Siedlungen.
Motive und Grundformen
Als Motive für das Wohnen in einer Gated Community nennt Jan Wehrheim vor allem Angst vor Kriminalität, das Bedürfnis nach Abgrenzung gegenüber anderen sozialen Gruppen, Unzufriedenheit mit öffentlichen Dienstleistungen sowie den Wunsch nach Mitgestaltung der eigenen Siedlung. Weitere Gründe sind Ruhe, Naturnähe, Privatsphäre, soziale und kulturelle Homogenität sowie der Status der Bewohner in der übrigen Stadt.
Nach Sicherheit und Abgrenzung werden drei Formen unterschieden: Neu entstehende private Gated Communities werden meist in Vororten von Anfang an einheitlich geplant und durch Mauern oder Zäune begrenzt; private Wachdienste übernehmen häufig die Bewachung. Große Anlagen enthalten Einrichtungen für den Alltag, kleinere oft nur eine Gartenanlage. Nachträglich geschlossene Nachbarschaften sind bereits bestehende Viertel, die auf Wunsch der Bewohner eingezäunt werden; innerstädtische Durchfahrtsstraßen können eine vollständige Abriegelung erschweren. Doorman- oder Concierge-Gebäude sind dagegen einzelne Mehrparteienhäuser mit kontrolliertem Zutritt, etwa durch Kameras, Ausweis- oder Gesichtskontrollen und Torwächter.
Nach Edward Blakely und Mary Snyder muss jede Gated Community sichtbar gegenüber Nichtmitgliedern abgeschlossen sein, eine eigene Versorgungsinfrastruktur haben und eine Gemeinschaft mit Regeln bilden. Ein Demenzdorf ist eine Sonderform: Es wird nach außen abgegrenzt, damit teilweise orientierungslose Bewohner das Gebiet nicht verlassen.
Bewohnerbezogene Typen
Lifestyle Communities bringen Menschen mit ähnlichen Interessen oder Lebensstilen zusammen, die Freizeitangebote exklusiv nutzen möchten. Retirement Communities richten sich meist an Personen der Mittel- und gehobenen Mittelklasse im Rentenalter; Häuser dienen anfangs teils nur als Zweitwohnsitze für die Wintermonate. Golf and Leisure Communities sind auf Angehörige der Oberschicht und gemeinsame Interessen wie Golf oder Tennis ausgerichtet. Suburban New Town Communities umfassen oft mehrere tausend Wohneinheiten, wurden häufig erst nachträglich geschlossen und können Wohn- sowie Gewerbeflächen enthalten. Sie entstehen unter anderem aus Unzufriedenheit mit städtischen Leistungen wie der Müllabfuhr und können zu weitgehend autonomen Vorstadtgemeinschaften werden.
Security Zone Communities entstehen vor allem aus Angst vor Kriminalität und wegen als belastend empfundenen Verkehrs. Ihre Zugänge werden mit Wachpersonal, Zäunen, Toren und Bewegungsmeldern besonders streng kontrolliert. Prestige Communities betonen Luxus sowie eine stabile soziale und wirtschaftliche Umgebung. Rich-and-famous-Communities dienen Reichen und Prominenten als geschützter, teils versteckt angelegter Rückzugsort. Top-Fifth-Communities bieten weniger exklusiven Bewohnern Prestigegüter wie prunkvolle Parkanlagen oder künstliche Strände. Executive-Communities sind die bürgerlich-mittelständische Variante: Sie sind einfacher ausgestattet, sollen aber Luxus, Ordnung, Sicherheit und gesellschaftliches Prestige vermitteln.
Verwaltung und Regeln
Viele Anlagen werden durch Homeowners Associations (HOA) verwaltet. Diese besitzen neben Grundstücken oft auch Teile von Straßen, Gehwegen und gegebenenfalls Tore. Ihr Hauptziel ist der Erhalt der Grundstückswerte. Dafür nutzen sie CC&Rs, also Covenants, Conditions & Restrictions. Diese sind Teil des Mietvertrags und können die Gestaltung des Grundstücks und sogar die sichtbare Einrichtung des Hauses regeln, etwa Pflanzenart, Heckenhöhe, Fassadenfarbe, Gardinen und von außen sichtbare Möbel. Verstöße führen zunächst zu einer Verwarnung, bei Wiederholung kann eine Klage folgen.
HOAs übernehmen oft Leistungen wie Müllabfuhr, Kanalisation und Straßenreparaturen, deren Kosten meist die Mieter tragen. Diese können mitentscheiden, jedoch häufig nach einem Zensuswahlrecht: Die Stimmenzahl richtet sich hauptsächlich nach dem Besitzwert. Anfang der 1960er Jahre gab es etwa 500 HOAs, 1970 10.000, 1980 55.000 und um 2000 205.000; mehr als die Hälfte vertrat zusammenhängende private Wohnanlagen.
Beispiele, internationale Ausprägungen und Kritik
In den Vereinigten Staaten sind über 40 % der planmäßigen Siedlungskomplexe im Westen, Süden und Südosten Gated Communities. Canyon Lake in Kalifornien hatte als vollständig unabhängige Gemeinde 14.000 Einwohner. Der Wohnpark Desert Mountain in Scottsdale, Arizona, umfasst 29 kleinere Dörfer auf etwa 3.200 Hektar, davon 800 Hektar im Tonto National Forest. Er ist radarüberwacht und bietet unter anderem fünf Golfplätze, 17 Tennisplätze und drei Clubhäuser; etwa 600 Bedienstete arbeiten dort. Ein Wohnkomplex kostet zwischen 1,25 und 8,7 Mio. US-Dollar.
In Deutschland gehören die Arcadia-Wohnanlage in Potsdam, der Barbarossapark in Aachen und eine Anlage am Münchner Olympiapark zu den Beispielen. Arcadia umfasst auf etwa 30.000 m² acht Villen und 43 Wohnungen; sie ist umzäunt, kameraüberwacht und hat Doormen. Der erwartete Erfolg blieb aus, unter anderem weil das Havelufer öffentlich zugänglich ist. In China entstehen nahezu alle neuen Wohngebiete als eingezäunte Gated Communities. Wegen ihrer weiten Verbreitung sind sie sozial akzeptiert; Behörden achten bei der Planung auf soziale Durchmischung. Umstritten ist, größere Straßen durch solche Anlagen für den allgemeinen Verkehr zu öffnen.
Kritiker sehen einen Verlust öffentlichen Raums, weil die Anlagen nicht frei zugänglich sind. Sie befürchten außerdem, dass staatliche Planung und Verwaltung an private Träger abgegeben werden, und werfen den Anlagen Segregation, soziale Abgrenzung sowie Selbstisolierung vor. Analysen zu Osteuropa betonen dagegen, dass viele Bewohner einander nicht kennen; die Wohnform sei dort vor allem eine Präferenz einkommensstarker Gruppen in einer Wohnungsmarktsituation mit Mangel an sauberen und sicheren Lagen. Zusätzliche Kritik richtet sich gegen strenge private Regeln zu Haus- und Gartenpflege, Besuchen, Untervermietung oder Versicherungen. Solche Regeln beruhen jedoch auf privatrechtlichen Verträgen, nicht auf staatlichen Vorschriften.