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Fulfulde

Fulfulde (auch Ful; englisch Fula/Fulani, französisch peul/peulh) gehört zum atlantischen (auch „westatlantischen“) Zweig der Niger-Kongo-Sprachen.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung, Bedeutung und Verbreitung
  2. 2. Dialekte und Entwicklung
  3. 3. Schriftsysteme und Laute
  4. 4. Nominalklassen
  5. 5. Permutation
  6. 6. Verben, Pronomen und Satzbau

Einordnung, Bedeutung und Verbreitung

Fulfulde, auch Ful genannt, ist eine Sprache des atlantischen Zweigs der Niger-Kongo-Sprachen. Weitere Bezeichnungen sind Fula, Fulani, Peul beziehungsweise Peulh sowie Poular oder Pulaar. Der östliche Dialekt wird meist Ful oder Fulfulde, der westliche oft Pulaar genannt. Wolof ist relativ nah verwandt. Die Sprachcodes sind ISO 639-1 ff und ISO 639-2 ful.

Die Sprache wird von etwa 13 bis 25 Millionen Menschen in einem langen Gebiet durch Sahel und Savanne gesprochen, das vom Senegal und von Guinea bis in den Sudan reicht. Bedeutende Sprachräume sind Futa Jalon, Fouta Toro, die Massina im Niger-Binnendelta, Nordnigeria, Südniger und das Hochland von Adamaua in Nordkamerun. Fulfulde gehört neben Hausa zu den am weitesten verbreiteten Sprachen Westafrikas. Besonders in Nordkamerun dient eine grammatisch vereinfachte Form der interethnischen Verständigung; auch andernorts und unter afrikanischen Flüchtlingen in Europa wird Fulfulde teilweise als Lingua franca, also gemeinsame Verkehrssprache, verwendet.

Fulfulde ist in Mali und regional in Nigeria Amtssprache. In Burkina Faso, Guinea, Senegal, Niger, Mauretanien und Gambia besitzt es den Status einer Nationalsprache. Kleinere Sprechergruppen gibt es unter anderem in Tschad, Sierra Leone, Benin, Guinea-Bissau, der Zentralafrikanischen Republik, der Elfenbeinküste, Ghana und Togo. In Sierra Leone sprachen 2015 knapp 173.000 Menschen Fullah als Hauptsprache; im Norden Ghanas sind es etwa 7300 Menschen.

Zu den Sprechergruppen zählen die wenig islamisierten, rindernomadisch lebenden Bororo beziehungsweise Wororbe in Mali und Niger, die Tukulor in Mauretanien und Senegal, die zunehmend im Hausa aufgehenden Haus-Fulbe Nordnigerias sowie die Bevölkerung Nordkameruns, die Fulfulde oft als Verkehrssprache nutzt, ohne ihre jeweilige ethnische Identität aufzugeben.

Dialekte und Entwicklung

Die Darstellung zur Herkunft im Artikel gilt als überarbeitungsbedürftig. Ihr zufolge verbreitete sich die Sprache wahrscheinlich vom komplexen Pulaar in Mauretanien und Senegal nach Mali, Niger, Tschad und Futa Jalon. Vereinfachte Formen sollen anschließend Togo, Nordnigeria und Kamerun erreicht haben. Pulaar ist besonders gut dokumentiert: Es besitzt unter anderem von Muttersprachlern erstellte Wörterbücher, eine Koranübersetzung, technische Fachwörter und eine Wikipedia.

Für Ful beziehungsweise Fulfulde werden 18 Millionen Muttersprachler und insgesamt 22 Millionen Erst- und Zweitsprecher angegeben. Zum Ost-Fulfulde gehören Zentral-Ost-Niger-Fulfulde mit 500.000, West-Niger-Burkina-Faso-Fulfulde mit 1,2 Millionen, Nigeria-Fulfulde mit 8 Millionen, Adamaua-Fulfulde in Kamerun mit 1 Million und Bagirmi-Fulfulde im Tschad mit 200.000 Sprechern. Zu den westlichen Gruppen zählen Borgu in Benin und Togo mit 350.000, Maasina-Fulfulde in Mali mit 1 Million, Fuuta Jalon in Guinea und Mali mit 3 Millionen sowie Pulaar in Senegal, Mauretanien und Gambia mit 3 Millionen Sprechern. Innerhalb dieser Gruppen bestehen zahlreiche weitere Dialekte.

Schriftsysteme und Laute

Fulfulde wird in mehreren Schriften geschrieben. Vor der Kolonisation verwendeten zahlreiche Gelehrte die arabische Schrift in ihrer Ajami-Form. Heute ist außerdem ein lateinisches Alphabet gebräuchlich. Es enthält neben vertrauten Zeichen besondere Buchstaben wie Ɓɓ, Ɗɗ, Ŋŋ, Ɲɲ und Ƴƴ sowie Kombinationen wie mb, nd, ng und nj. C wird ungefähr wie „tsch“, j wie „dsch“, y wie deutsches j und x wie ch in „Bach“ ausgesprochen. Einige Zeichen sind nur lokal, inoffiziell oder in der Wissenschaft üblich. Vokale können lang sein; nach der Darstellung des Artikels wechseln sich Vokale und Konsonanten stets ab, und alle Wörter beginnen mit einem Konsonanten. Typisch sind Implosive, also mit nach innen gerichtetem Luftstrom gebildete Laute wie ɓ und ɗ.

Eine eigene Schrift ist ADLaM. Sie wurde in den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren von den Brüdern Ibrahima und Abdoulaye Barry aus der Region Nzérékoré in Guinea geschaffen, nachdem frühere Versuche in den 1950er- und 1960er-Jahren erfolglos geblieben waren. ADLaM wird von rechts nach links geschrieben und besitzt 28 Buchstaben: 5 Vokale und 23 Konsonanten. Es soll sämtliche Laute des Fulfulde genau wiedergeben. Seit Juni 2016 gehört die Schrift zum Unicode-Zeichensatz; ihr Unicodeblock reicht von U+1E900 bis U+1E95F, der ISO-15924-Code lautet Adlm.

Nominalklassen

Ein zentrales Merkmal des Fulfulde ist das Nominalklassensystem. Substantive werden grammatischen Klassen zugeordnet, die unter anderem Einzahl und Mehrzahl, Personen und Sachen sowie Verkleinerung und Vergrößerung ausdrücken. Der Artikel nennt allgemein mehr als 24 Klassen; im Dialekt von Maroua in Nordkamerun werden 22 aktiv verwendet, während kal, ngum und kol äußerst selten sind. Jede Klasse besitzt eigene Pronomen und bestimmte Endungen. Adjektive stimmen mit der Klasse des zugehörigen Substantivs überein.

Die Klassen werden nach drei Anlautstufen, also Formen des Anfangslauts, gruppiert. Zusätzlich gibt es in jeder Klasse vier mögliche Suffixstufen. Ein Wortstamm verlangt in allen Klassen stets eine Endung derselben Suffixstufe. Zu den wichtigsten Klassen gehören:

• ’o für einzelne Personen und ɓe für deren Mehrzahl, etwa gorko – worɓe „Mann – Männer“ und pullo – fulɓe „Ful – Ful“.

• nde, ndu, nge, ngo und ko für verschiedene Dinge in der ersten Anlautstufe; nde umfasst viele belebte und unbelebte Wörter, ndu unter anderem Häuser und Vögel, nge beispielsweise Rinder und einige Abstrakta, ngo geflochtene Gegenstände und ko vor allem Blätter.

• ngal, ngel, ngol, ki und ɗum in der zweiten Anlautstufe. Ngal enthält unter anderem Holz, Knochen und daraus bestehende Gegenstände. Ngel ist die wichtigste Diminutivklasse, also eine Klasse für kleine oder niedlich dargestellte Dinge. Ngol umfasst viele lange Gegenstände, ki besonders Bäume, Pflanzen, Heilmittel sowie scharfe Gegenstände. ɗum ist eine Neutralklasse und wird auch benutzt, wenn die richtige Klasse unbekannt ist.

• ndi, nga, ngu, ka, kon und ɗam in der dritten Anlautstufe. Ndi enthält unter anderem Körner, männliche Tiere und Metalle. Nga ist eine Augmentativklasse für vergrößerte Begriffe und viele große Tiere. Ngu umfasst zahlreiche Tiere, besonders Fische, sowie unterirdisch wachsende Nahrungsmittel. Kon ist der Plural zu ngel. ɗam bezeichnet vor allem Fließendes, darunter Flüssigkeiten, Fette, Milchprodukte, Pulver und Abläufe.

Die Sachpluralformen stehen in den Klassen ɗe und ɗi. Im Ost-Fulfulde wechseln nde, ngo, ngal, ki und ɗum gewöhnlich zu ɗe; ndu, nga, nge und ngu zu ɗi. Ngol, ka und ɗam bilden den Plural meistens mit ɗi, während ndi und ko ungefähr zur Hälfte zu ɗe oder ɗi wechseln.

Wie Klassenwechsel Bedeutung und Form verändern, zeigt yitere nde „Auge“. Die Verkleinerung lautet gitel ngel „kleines Auge“, der gewöhnliche Plural gite ɗe, die Vergrößerung ngital ngal „großes Auge“ und der Plural der Verkleinerung ngiton kon „kleine Augen“. Dabei verändern sich sowohl der Anfangslaut als auch das Klassensuffix.

Permutation

Permutation bezeichnet die Veränderung von Lauten eines Wortstamms abhängig vom grammatischen Zusammenhang. Die Anlautpermutation betrifft den ersten Laut eines Wortes und ist für die Nominalklassen wichtig. Die Inlautpermutation bestimmt den Anfang der Klassensuffixe.

Bei der dreigliedrigen Permutation bestehen beispielsweise die Reihen w–b–mb, w–g–ng, y–j–nj, y–g–ng und r–d–nd. Für w gibt es keine eindeutige Regel, welcher der beiden Wege gilt. Bei y richtet sich der Weg nach dem folgenden Vokal: Vor a, o oder u steht gewöhnlich y–j–nj, vor e und i y–g–ng. Die zweigliedrige Permutation umfasst f–p–p, h–k–k und s–c–c.

Bei Verben hilft die Permutation, Singular und Plural zu unterscheiden, weil die eigentlichen Verbendungen in allen Personen gleich sind: mi wi’i – ɓe mbi’i bedeutet „ich sagte – sie sagten“, o wari – on ngari „er oder sie kam – ihr kamt“. Die Anfangskonsonanten b, d, g und j wechseln nicht, werden im Plural jedoch pränasalisiert, also um einen vorangestellten Nasallaut ergänzt, etwa mi dilli – ɓe ndilli „ich ging fort – sie gingen fort“.

Auch beim Wechsel eines Substantivs in seine Pluralklasse ändert sich häufig die Anlautstufe: wamnde – bamɗe „Esel“, sonndu – colli „Vogel“ und demoowo – remooɓe „Ackerbauer“. Verschiedene Ableitungen derselben Wurzel können ebenfalls unterschiedliche Klassen und Anlaute besitzen. Aus SAS- entstehen etwa caski „Baum Faidherbia albida“, sasre „Frucht“, casal „Holz“, casol „Wurzel“ und casɗe als Plural für Bäume, Holz und Früchte. Daneben treten weitere Lautwechsel auf, beispielsweise zwischen y und s oder zwischen d und l.

Verben, Pronomen und Satzbau

Viele Verben besitzen eine aktive Form mit -u- oder ohne besonderes Kennzeichen, eine passive Form mit -ee- und teilweise eine selbstbezogene oder objektlose Form mit -aa-. Außerdem wird unterschieden, ob ein Vorgang abgeschlossen ist. Abgeschlossene Ereignisse oder Eigenschaften tragen unter anderem -i, -u, -ii, -e oder -aa; nicht abgeschlossene, gegenwärtige, künftige oder mögliche Vorgänge unter anderem -a, -o oder -e. So kann mi jangi beziehungsweise mi janga „ich lerne im Allgemeinen“ beziehungsweise „ich lerne gerade“ bedeuten.

Vergangenheit kann durch die Zusätze -ke oder -ma an einer abgeschlossenen Form markiert werden, etwa o daniike „er schlief“. Für die Zukunft wird der letzte Vokal verdoppelt und -t- eingeschoben: mi danoto „ich schlafe demnächst“. Zur Verneinung werden -aak- oder -aan-, am Wortende auch -aat, nach dem letzten Konsonanten eingefügt: mi jangaani „ich lerne nichts“ und mi danotaako „ich werde nicht schlafen“. Konditional- und Konjunktivsätze verwenden häufig ti oder si „falls“ und kere oder hanti „dann“.

Die Subjektpronomen sind mi „ich“, a „du“, o „er/sie“, min oder men „wir ohne/mit dir“, en „wir beide“, on „ihr“ und ɓe „sie“ für Personen. Für Sachen werden Klassenpronomen oder allgemein ɗum im Singular und ɗum’en im Plural verwendet. Objektpronomen sind unter anderem (y)am oder la „mir/mich“, ma „dir/dich“, mo „ihm/ihn“ sowie ɓe „ihnen“. Possessivformen sind am „mein“, ma „dein“, mako „sein/ihr“, miŋ oder meŋ „unser“, moŋ „euer“ und maɓe „deren“.

Die normale Wortstellung lautet Subjekt–Verb–Objekt. Satzteile können jedoch durch zusätzliche Pronomen, Relativpronomen oder Partikeln hervorgehoben werden; solche Verdeutlichungen und Wiederholungen sind häufig. Adjektive richten sich nach der Nominalklasse. Zeitweilige Eigenschaften werden eher mit Verben wie woni „sein“ oder hude „machen“ ausgedrückt, dauerhafte häufiger mit Pronomen wie ko bei Personen oder ɗum beziehungsweise ngal bei Sachen.

Wichtige Hilfsverben sind yidde „wollen“, hude „machen“, dañde „haben“, (wo)nude oder ɗonude „sein/ablaufen“, wooɗde „geben/existieren“, latude oder wontude „werden“, ɗaccude „sein lassen“ und jab(i)tude „nehmen/holen/fangen“. Ein folgendes Verb steht meist im Infinitiv oder Konjunktiv, etwa mi yiddi yahude „ich will gehen“. Befehle werden mit woni oder einer infinitivähnlichen Form gebildet; die Verneinung lautet wotaa, beispielsweise yah „geh!“.

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