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Apostroph
Verwendung im Deutschen · zur Markierung des Genitivs bei Substantiven, die auf s, ß, z, x enden: Delacroix' Gemälde, Peter Weiss' Familie · bei Auslassungen von …
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Grundfunktion im Deutschen
Der Apostroph ist ein Wortzeichen, also ein Sonderzeichen innerhalb von Wörtern. Im Deutschen hat er zwei Hauptaufgaben: Er kennzeichnet bestimmte ausgelassene Buchstaben und kann bei Eigennamen die Grundform sichtbar machen. Die bevorzugte Gestalt ist das hochgestellte, nach links geneigte Hochkomma „’“; der gerade Hochstrich „'“ ist grundsätzlich nur ein Ersatz, wenn die richtige Form nicht verfügbar ist.
Das Amtliche Regelwerk regelte den Apostroph von 1996 bis 2018 in § 96 und § 97; seit der 2024 neu bearbeiteten Fassung stehen die Regeln zur Zeichensetzung in § 80. Adjektivische Ableitungen von Eigennamen werden weiterhin in § 62 behandelt, die Groß- und Kleinschreibung nach einem Apostroph am Satzanfang in § 54.
Ein Apostroph ist nicht einfach ein Schmuckzeichen zwischen Wortstamm und Endung. Im Deutschen ist er nur in wenigen Fällen vorgeschrieben; in weiteren Fällen ist er möglich oder empfohlen. Deshalb muss jeweils geprüft werden, ob tatsächlich eine Auslassung vorliegt oder ob ein Eigenname nach den Regeln verdeutlicht werden darf.
Eigennamen und Genitiv
Endet ein Eigenname auf einen s-Laut, wird der Genitiv ohne zusätzliches -s durch einen Apostroph gebildet, sofern kein Artikel, Possessivpronomen oder Ähnliches davorsteht. Das betrifft geschriebenes -s, -ß, -z, -x und -ce, auch wenn der Buchstabe stumm ist, sowie Namen aus anderen Sprachen: „Klaus’ Hut“, „Ringelnatz’ Gedichte“, „Bordeaux’ Hafenanlagen“ und „Joyce’ Einfluss“.
Als Alternativen nennt der Text die Formen mit -ens oder eine Umschreibung mit „von“: „Klausens Hut“ oder „der Hut von Klaus“, „Ringelnatzens Gedichte“ oder „die Gedichte von Ringelnatz“, „Joycens Einfluss“ oder „der Einfluss von Joyce“. Die von-Umschreibung gilt in manchen Fällen, etwa bei „der Hut von Klaus“, als umgangssprachlich.
Vor einem normalen Genitiv-s ist ein Apostroph nicht erforderlich. Seit der Rechtschreibreform von 1996 kann er jedoch die Grundform eines Personennamens verdeutlichen. Nach der 2024 klargestellten Regel ist dies möglich, wenn die gesamte Verbindung ein Eigenname ist, etwa ein Firmen- oder Geschäftsname: „Eva’s Blumenladen“ neben „Evas Blumenladen“. Dagegen heißt es nur „Evas Mutter“. Beispiele für zulässige, aber meist nicht notwendige Schreibungen sind „Andrea’s Friseursalon“, zur Abgrenzung vom Männernamen Andreas, „Willi’s Würstchenbude“ und „Bärbel’s Büdchen“.
Bei Adjektiven aus Personennamen kann der Stammformapostroph ebenfalls optional vor -sche, -scher, -sches oder -schen stehen. Dadurch bleibt der Name gut erkennbar: „die Grimm’schen Märchen“, „der Ohm’sche Widerstand“ und „die Strauß’schen Walzer“. Ohne Apostroph sind auch „grimmsche“, „ohmsche“ und „straußsche“ möglich.
Andere Wörter erhalten im Genitiv keinen solchen Apostroph: „die Größe dieses Korpus“, „der Name des Pontifex“, „der Gewinn des Grand Prix“. Auch das Fugen-s in Zusammensetzungen wird nicht abgetrennt: richtig ist „Bahnhofsgrill“, nicht „Bahnhof’s-Grill“.
Auslassungen und häufige Fehler
Als Auslassungszeichen markiert der Apostroph fehlende Buchstaben, besonders bei der Wiedergabe gesprochener Sprache oder wenn die verkürzte Form sonst schwer lesbar wäre. Beispiele sind „Heute ist’s kalt“ für „Heute ist es kalt“, „Hast du noch ’nen Euro?“ für „einen Euro“, „Das ist so’ne Sache“ für „so eine Sache“, „Was für ’n Blödsinn!“ und „Kommen S’ nur herein!“. Bei Auslassungen innerhalb eines Wortes kommen etwa „D’dorf“ für Düsseldorf, „Lu’hafen“ für Ludwigshafen, „M’gladbach“ für Mönchengladbach, „K’lautern“ für Kaiserslautern und „Ku’damm“ für Kurfürstendamm vor.
Bei Zusammenziehungen aus Präposition und bestimmtem Artikel ist ein Apostroph oft falsch. Richtig sind „ans, aufs, ins, übers, unters, fürs“, nicht „an’s, auf’s, in’s, über’s, unter’s, für’s“. Ein Apostroph wird nur empfohlen, wenn eine Zusammensetzung ohne ihn undurchsichtig wäre, zum Beispiel „mit’m Fahrrad“. Auch beim Wegfall des -e im Imperativ der zweiten Person steht kein Apostroph: „Geh mit mir!“, nicht „Geh’ mit mir!“. Regelwidrig sind außerdem Pluralapostrophe wie „Auto’s, Snack’s, CD’s, LKW’s“; richtig lautet es „Autos, Snacks, CDs, LKWs“. Ebenso falsch sind willkürliche Trennungen wie „nicht’s, abend’s, recht’s, mittwoch’s“ statt „nichts, abends, rechts, mittwochs“.
Mundartliche Formen sind nicht automatisch Auslassungen. Das bairische „Wiesn“ ist die Dialektform des Singulars „Wiese“, keine Kürzung von „Wiesen“; daher ist „Wies’n“ nicht die regelgerechte Schreibweise. In der medizinischen Fachsprache wurde ein Apostroph hinter Eigennamen früher als Abkürzung für „-scher“, „-sche“ oder „-sches“ verwendet. Diese besondere Verwendung ist außerhalb der Medizin nicht verbreitet und nicht rechtschreiblich anerkannt.
Gebrauch in anderen Sprachen und Technik
Im Englischen kennzeichnet der Apostroph Auslassungen wie „don’t“ und Besitzverhältnisse wie „the cat’s whiskers“. Der Genitiv Singular erhält ein durch Apostroph getrenntes s; beim Genitiv Plural steht der Apostroph nach dem Plural-s, etwa „young male drivers’ attitudes“. Ein Name wie „McDonald’s“ kann ein bloßer Genitiv sein; das eigentlich gemeinte Wort, etwa „restaurant“ oder „corporation“, wird ausgelassen. Die falsche Verwechslung von Plural und Genitiv wird im Englischen gelegentlich „greengrocer’s apostrophe“ genannt. Das irische Namenspräfix Ó wird mit „O’“ wiedergegeben, zum Beispiel „O’Hara“.
Französisch und Italienisch verwenden Apostrophe bei Elision, also wenn zur Vermeidung eines Vokalzusammenstoßes ein Vokal wegfällt: Französisch „la apostrophe“ wird zu „l’apostrophe“, ohne Leerzeichen nach dem Apostroph. Italienisch heißt es „un’amica“, aber „un amico“ ohne Apostroph. Im modernen Niederländischen gibt es noch einen Pluralapostroph und für manche Vokalenden einen Genitivapostroph. Im Somali bezeichnet der Apostroph den Glottisschlag. In Tschechisch und Slowakisch kann „d’“ als Ersatz für „ď“ dienen, wenn das Hatschek nicht verfügbar ist.
In der lateinischen Umschrift des Chinesischen im Pinyin und des Japanischen im Hepburn-System trennt der Apostroph Silben. Für die Umschrift hebräischer und arabischer Buchstaben werden nach DIN 31636 und DIN 31635 jedoch spezielle Zeichen verwendet: der schließende Hochhalbkreis „ʾ“ und der öffnende Hochhalbkreis „ʿ“, nicht gewöhnlich ein Apostroph.
In Programmiersprachen dient der gerade Hochstrich „'“ oft als technisches Zeichen: In C und C++ schließt er Zeichen als Datenobjekte ein, in Pascal und Delphi Strings. In Ada wird er als Einzelzeichen verwendet, in einigen BASIC-Dialekten als Kommentarzeichen. Seit C++14 kann er Ziffern gruppieren.
Typografisch richtige Zeichen
Der typografisch korrekte Apostroph ist „’“ mit Unicode U+2019, bezeichnet als right single quotation mark. Er ähnelt einem hochgestellten Komma oder einer 9 und befindet sich auf der Höhe der Oberlängen. Seine konkrete Form hängt von der Schriftart ab. Auf der deutschen Tastaturbelegung E1 nach DIN 2137 wird er mit Alt Gr+1 eingegeben. Unter Windows ist auch Alt+0146 auf dem Ziffernblock möglich, unter macOS mit deutscher Tastaturbelegung ⌥+⇧+#.
Der gerade Apostroph „'“ hat Unicode U+0027. Er war in frühen Computerzeichensätzen wie 7-Bit-ASCII und auf vielen Schreibmaschinen das verfügbare Ersatzzeichen. Seine Nutzung als Ersatz für „’“ oder für einfache Anführungszeichen ist ein typografischer Mangel, aber kein Rechtschreibfehler, wenn die passende Zeichenform nicht problemlos verfügbar ist.
Ähnlich aussehende Zeichen haben andere Funktionen und sind kein Apostroph: Die Prime „′“ (U+2032) steht etwa für Fuß oder Winkelminuten, also zum Beispiel „60′“; „60'“ ist nur ein Ersatz. Akut „´“, Gravis „`“ und das öffnende oder schließende einfache Anführungszeichen dürfen nicht an die Stelle des Apostrophs treten. Das hawaiische und tongaische ʻOkina „ʻ“ ist ein eigenständiger Buchstabe. Der Umschrift-Aufwärtsstrich „ʹ“ steht beispielsweise für kyrillisches ь, und „ʾ“ sowie „ʿ“ unterscheiden in wissenschaftlichen Umschriften verschiedene arabische oder hebräische Buchstaben. Eine Ersetzung dieser Zeichen durch einen Apostroph kann wichtige Unterschiede verlieren.
Textprogramme können eingegebene gerade Hochstriche automatisch ersetzen. Dabei kann bei deutscher Anführungszeichen-Einstellung fälschlich ein kopfstehendes Hochkomma entstehen. Innerhalb eines Wortes muss jedoch das aufrechte Apostroph-Hochkomma „’“ stehen.
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