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Sudan
Aufgrund regionaler Separatistenbewegungen und regelmäßiger Militärputsche ist der Sudan heute als zusammengehöriges souveränes Staatsgebilde allerdings nicht …
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Überblick und Raum
Die Republik Sudan ist ein Staat in Nordostafrika mit Zugang zum Roten Meer. Sie umfasst 1.861.484 km², ist damit etwa fünfmal so groß wie Deutschland und nach Algerien und der Demokratischen Republik Kongo der drittgrößte Flächenstaat Afrikas. Hauptstadt ist Khartum; Amtssprachen sind Arabisch und Englisch. Für 2023 werden 48,1 Millionen Einwohner, eine Bevölkerungsdichte von 23 Einwohnern je km² und ein HDI von 0,511 genannt. Die Währung ist das Sudanesische Pfund (SDG). Unabhängig wurde das ehemalige britisch-ägyptische Kondominium am 1. Januar 1956.
Der Sudan grenzt an Ägypten, Eritrea, Äthiopien, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Tschad und Libyen. Die Grenze ist insgesamt 6819 km lang; der Zugang zum Roten Meer misst 853 km. Umstritten sind unter anderem das Hala’ib-Dreieck, Bir Tawil, das Wadi Halfa Salient sowie das Gebiet Abyei an der Grenze zum Südsudan.
Die Landschaft wird vom Nilbecken geprägt. Bei Khartum fließen Weißer und Blauer Nil zum Nil zusammen. Im Norden liegen Libysche und Nubische Wüste als Teile der Sahara. Höchster Berg ist der 3088 m hohe Berg Marra im Marra-Plateau; weitere Gebirge sind das Bergland am Roten Meer und die Nuba-Berge. Das tropische Klima bringt besonders im Süden Sommerregen: Von April bis November fallen im Süden bis zu 1500 mm, im Norden weniger als 100 mm Niederschlag. Mittlere Monatstemperaturen liegen bei 24 bis 32 °C; im Norden sind 41 °C am Tag und 4 °C in der Nacht möglich.
Der Nil bestimmt auch die Wasserwirtschaft; an seinen Ufern wird Bewässerungsfeldbau betrieben. Die Vegetation reicht von Wüsten über Dornstrauch- und Trockensavannen bis zur Feuchtsavanne. Zu den Tieren zählen Elefanten, Büffel, Giraffen, Antilopen, Hyänen, Löwen, Flusspferde, Krokodile sowie Greif- und Wasservögel. Es gibt zehn Nationalparks (Stand 2006).
Bevölkerung und Lebensbedingungen
2023 wuchs die Bevölkerung um 2,6 % jährlich. Die Geburtenziffer betrug 33,0 je 1000 Einwohner, die Sterbeziffer 6,7 je 1000 Einwohner. 2022 lag die durchschnittliche Kinderzahl bei 4,4 pro Frau, die Lebenserwartung bei 65,6 Jahren. Die Bevölkerung ist sehr jung: 2023 waren 40,7 % jünger als 15 Jahre, nur 3,6 % älter als 64 Jahre; das Medianalter lag 2021 bei 18,4 Jahren. 36 % der Einwohner lebten 2023 in Städten. Das größte Ballungsgebiet bilden Khartum, Omdurman und al-Chartum Bahri; Bur Sudan besitzt den einzigen Meerhafen.
Angaben zur ethnischen und sprachlichen Struktur beziehen sich vielfach noch auf den Sudan vor der Abspaltung des Südsudan 2011. Damals waren 36 % Sudanaraber, 52 % Schwarzafrikaner und 9 % Angehörige kuschitischer Völker, vor allem Bedscha. Arabisch wird besonders im Norden gesprochen; 42 % sprachen es als Muttersprache, und Sudanarabisch diente im Süden als Verkehrssprache. Weitere wichtige Sprachen sind Dinka, Nuer, Bari, Nubisch, Bedscha und Azande. Englisch ist ebenfalls Amtssprache.
Vor der Teilung 2011 waren etwa 70 % der Bevölkerung sunnitische Muslime, 25 % Anhänger ethnischer Religionen und 5 % Christen. Der Islam ist keine verfassungsmäßige Staatsreligion, wurde seit 1989 jedoch bevorzugt behandelt; Scharia-Gesetze waren Teil eines staatlichen Islamisierungsprozesses. Die Angaben zur Religionsverteilung sind wegen der früheren Einbeziehung des Südsudan nur eingeschränkt auf den heutigen Staat übertragbar.
Die Analphabetenquote beträgt bei Frauen 31,4 %, bei Männern 16,7 %. Gesundheitsausgaben machten 2021 2,8 % des BIP aus; 2017 kamen 2,6 Ärztinnen und Ärzte auf 10.000 Einwohner. Die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren lag 2022 bei 51,6 je 1000 Lebendgeburten. Von April 2023 bis April 2024 wurden im Bürgerkrieg mehr als acht Millionen Menschen innerhalb des Landes vertrieben. Fast 18 Millionen Menschen lebten 2023/2024 laut Welternährungsprogramm in akuter Ernährungsunsicherheit, fast fünf Millionen in extremer Nahrungsmittelknappheit.
Historische Entwicklung
Die überlieferte Geschichte reicht bis in die Pharaonenzeit. Nubien war für das alte Ägypten wichtig, unter anderem als Lieferant von Gold und Sklaven. Im 9. Jahrhundert v. Chr. entstand das Reich von Kusch, das bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. bestand und von 712 bis 664 v. Chr. ganz Ägypten beherrschte. Später entwickelten sich die nubischen Königreiche Nobatia, Makuria und Alodia. Zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert wurde der Sudan mit Ausnahme des Südens islamisiert.
Im 19. Jahrhundert eroberten die osmanischen Vizekönige Ägyptens den Sudan. Der Mahdi-Aufstand von 1881 bis 1899 unter Muhammad Ahmad führte zeitweise zum Kalifat von Omdurman, der ersten nationalen sudanesischen Regierung. 1898 wurde es in der Schlacht von Omdurman durch anglo-ägyptische Truppen besiegt. Ab 1899 bestand ein britisch-ägyptisches Kondominium, faktisch war der Sudan bis 1953 britische Kolonie.
Nach der Unabhängigkeit 1956 prägten politische Instabilität, Militärputsche und Konflikte zwischen Regierung und Süden die Geschichte. 1958 putschte General Ibrahim Abbud, 1969 Oberst Dschafar an-Numairi und 1989 Generalleutnant Umar al-Baschir. Numairi beendete 1972 mit dem Addis-Abeba-Abkommen einen 17-jährigen Bürgerkrieg, führte 1983 jedoch die Scharia im ganzen Land ein, löste die autonome Regierung des Südsudan auf und trug damit zur Wiederaufnahme des Krieges bei. Von 1983 bis 2005 dauerte ein weiterer Bürgerkrieg. Das Friedensabkommen von 2005 gab dem Südsudan Autonomie und führte zum Referendum vom 9. bis 15. Januar 2011; 99 % der Wähler stimmten für die Unabhängigkeit. Am 9. Juli 2011 entstand die Republik Südsudan.
Al-Baschir regierte seit 1989 repressiv und wurde am 11. April 2019 nach 30 Jahren durch einen Militärputsch abgesetzt. Militär und zivile Opposition vereinbarten 2019 eine Übergangsregierung. Nach einem weiteren Putsch am 25. Oktober 2021 und erneuten Machtkämpfen begannen am 15. April 2023 landesweite Kämpfe zwischen den sudanesischen Streitkräften (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF). Der Konflikt wurde durch Unterstützung aus Iran, Saudi-Arabien und Russland internationalisiert; der Staat kollabierte, und Khartum wurde weitgehend zerstört und entvölkert.
Staat, Konflikte und Rechte
Der Sudan wird als Bundesrepublik unter der Herrschaft einer Militärjunta bezeichnet. Staatsoberhaupt ist der Souveräne Rat unter General Abdel Fattah Burhan, Regierungschef Ministerpräsident Kamil Idris. Nach dem Putsch von 2019 war ein Souveräner Rat aus fünf Militärs, fünf Zivilisten und einer gemeinsam bestimmten elften Person als Übergangsorgan vorgesehen. Die frühere Verfassung von 1998 beschrieb eine föderale Republik; die Scharia galt nach Artikel 65 als erste Rechtsquelle. Politische Indizes zeigen eine sehr instabile und autoritäre Lage: Im Fragile States Index 2024 lag der Sudan mit 109,3 von 120 Punkten auf Rang 2 von 179, im Demokratieindex 2024 mit 1,46 von 10 auf Rang 162 von 167 und im Freedom in the World Index 2024 bei 6 von 100.
Zentrale Konfliktgebiete sind Abyei, Darfur und Ostsudan. In Darfur rebellierten ab 2003 die SLA und JEM gegen die arabisch dominierte Regierung. Die Regierung setzte Luftangriffe und die arabische Dschandschawid-Miliz ein. Kriegsverbrechen und eine Beteiligung der Regierung wurden unter anderem von Human Rights Watch vorgeworfen, von der sudanesischen Regierung aber zurückgewiesen. Friedensabkommen und Waffenstillstände, darunter ein Abkommen vom 31. August 2020, beendeten die Konflikte nicht dauerhaft. Im April 2023 kämpften die SAF unter Burhan und die RSF unter Mohammed Hamdan Daglo gegeneinander.
Menschenrechtsangaben des Artikels sind teilweise als überarbeitungsbedürftig markiert. Für die Zeit unter al-Baschir werden schwere Gewalt gegen Zivilpersonen, willkürliche Festnahmen, Folter, Auspeitschungen und Todesurteile beschrieben. Der Internationale Strafgerichtshof erließ am 4. März 2009 gegen al-Baschir einen Haftbefehl wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Reformen im Juli 2020 verboten öffentliche Auspeitschungen, stellten weibliche Genitalverstümmelung unter Strafe und schafften das Apostasiegesetz ab. Die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Sex wurde aufgehoben, doch können dafür weiterhin bis zu sieben Jahre Haft verhängt werden.
Frauen haben gesetzlich gleiche Rechte bei Wahlrecht, Arbeit, Bildung und Gesundheit, erfahren aber Benachteiligung, besonders bei Mädchenbildung auf dem Land. Nach UN-Angaben waren 2020 noch neun von zehn Mädchen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Frauen dürfen seit Juli 2020 mit ihren Kindern reisen, ohne die Zustimmung männlicher Verwandter einzuholen.
Wirtschaft, Handel und Verkehr
Die Wirtschaft leidet unter Konflikten, sehr ungleicher Vermögensverteilung, hoher Inflation, schwacher Infrastruktur und einem kleinen Steueraufkommen. Für 2024 nennt die Infobox ein nominales BIP von 29 Milliarden USD, ein kaufkraftbereinigtes BIP von 115 Milliarden USD und ein nominales BIP je Einwohner von 594 USD. Das reale BIP schrumpfte 2023 um 18,3 % und 2024 um 20,3 %; die Inflationsrate lag 2024 bei 200,1 %, die Staatsverschuldung bei 344 % des BIP. 2017 betrug die Arbeitslosenquote 19,6 %; viele Arbeitsverhältnisse sind informell.
Wichtige Bodenschätze sind Erdöl, Eisen, Marmor, Gold und Uran. Die Unabhängigkeit des Südsudan veränderte den Ölsektor stark: Viele Ölfelder liegen dort, doch die Exportpipelines führen durch den Sudan zum Meer. 2012 verlangte der Sudan 32 USD Transitgebühr pro Barrel, während der Südsudan einen USD zahlen wollte; daraufhin stellte der Südsudan den Export ein. Die Landwirtschaft nutzt etwa 7 % der Fläche. Bedeutende Produkte sind Baumwolle, Erdnüsse, Sesam, Hirse, Sorghum, Weizen und Zuckerrohr. Der Sudan liefert etwa 50 % der Weltproduktion von Gummiarabikum.
China ist der wichtigste ausländische Investor und war 2016 neben den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien eines der wichtigsten Exportziele. Die Zentralbank des Sudan gibt das Sudanesische Pfund aus; die Wertpapierbörse heißt Khartoum Stock Exchange. Der Staatshaushalt hatte 2016 Ausgaben von 11,48 Milliarden USD und Einnahmen von 7,30 Milliarden USD.
Der wichtigste Seehafen ist Port Sudan. Straßen transportieren den Großteil der Güter von Port Sudan über Atbara nach Khartum. Die Eisenbahn hat heute nur noch eine untergeordnete Bedeutung. Vor der Teilung 2011 gab es etwa 4068 km Wasserstraßen, davon 1723 km auf Blauem und Weißem Nil ganzjährig befahrbar. Das Pipelinenetz umfasste 2365 km für Erdöl, 810 km für Erdölprodukte und 156 km für Gas. 2022 nutzten 28,7 % der Einwohner das Internet.
Außenbeziehungen und Kultur
Die Beziehungen zu den Nachbarstaaten sind besonders durch Grenzfragen, Nilwasser und Erdöl geprägt. Ägypten verwaltet seit 2000 das von beiden Staaten beanspruchte Hala’ib-Dreieck. Mit dem Südsudan bestehen seit dessen Unabhängigkeit Konflikte, vor allem über den Transport von dessen Erdöl durch den Sudan; beide Staaten schlossen am 11. Februar 2012 einen Nichtangriffspakt, dennoch kam es wiederholt zu Spannungen. Im Bürgerkrieg ab 2023 unterstützte Ägyptens Präsident Abd al-Fattah as-Sisi Burhan und vermittelte. Die Beziehungen zum Tschad waren wegen Darfur zeitweise abgebrochen, wurden aber 2006 wieder aufgenommen.
Der Sudan unterhielt früher enge Beziehungen zum Iran, trat jedoch im März 2015 der saudischen Koalition im Jemen bei und brach mit Iran. Die USA strichen den Sudan im Dezember 2020 nach 27 Jahren von ihrer Terrorliste; vorausgegangen waren die Normalisierung der Beziehungen zu Israel und zugesagte Entschädigungen für Opfer von Anschlägen. Ein Gesetz von 1958, das Beziehungen zu Israel untersagte, wurde im April 2021 aufgehoben. Der Sudan ist unter anderem Mitglied der UNO und Arabischen Liga seit 1956, der Organisation für islamische Zusammenarbeit seit 1969 und der Afrikanischen Union seit 2001.
Medien stehen nach dem Artikel unter staatlicher Kontrolle. Nach der Revolution von 2019 konnten Journalisten zunächst freier arbeiten, nach dem Putsch 2021 wurden sie erneut bedroht und festgenommen. Die Rangliste der Pressefreiheit 2026 bewertet die Lage mit 29 von 100 Punkten und Rang 161 von 180 als sehr ernst. Fußball ist eine besonders beliebte Sportart; die Nationalmannschaft gewann die Afrikameisterschaft 1970 im eigenen Land.