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Wolof (Sprache)
Wolof [wɔlɔf] ist eine Sprache der Wolof aus dem nördlichen Zweig der westatlantischen Sprachfamilie, einer Untergruppe der Niger-Kongo-Sprachen.
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Einordnung und Verbreitung
Wolof [wɔlɔf] ist die Sprache der Wolof. Es gehört zum nördlichen Zweig der westatlantischen Sprachfamilie innerhalb der Niger-Kongo-Sprachen; am nächsten verwandt sind Fulfulde und Serer. Gesprochen wird Wolof vor allem im Senegal sowie in Gambia und Mauretanien. Die Übersicht nennt 4,6 Millionen Muttersprachler und 7,8 Millionen Zweitsprachler. Etwa 80 % der Bevölkerung Senegals beherrschen Wolof, weshalb es dort faktisch als allgemeine Umgangssprache dient.
Im Senegal sprechen laut Artikel etwa 40 % der Bevölkerung, ungefähr 3,2 Millionen Menschen, Wolof als Muttersprache und weitere 40 % als Zweitsprache. Besonders verbreitet ist es zwischen Dakar und Saint-Louis sowie westlich und südlich von Kaolack. Im östlichen Senegal und in den südlich von Gambia gelegenen Gebieten Casamance und Bassari-Land wird es seltener gesprochen. In Großstädten wie Ziguinchor ist Wolof jedoch vor allem unter jungen Menschen die meistgenutzte Umgangssprache und enthält dort besonders viele französische Wörter und Wendungen. Französisch ist die Amtssprache Senegals; Wolof ist neben Serer, Diola, Malinke, Pulaar und Soninké als Nationalsprache anerkannt.
In Gambia sprechen ungefähr 15 % der Bevölkerung, etwa 200.000 Menschen, Wolof. In der Hauptstadt Banjul ist ungefähr jeder zweite Einwohner Wolof. Amtssprache ist Englisch; Mandinka mit 40 %, Wolof mit 15 % und Ful mit 15 % werden ebenfalls als offizielle Sprachen akzeptiert. In Mauretanien sprechen etwa 7 % der Bevölkerung, ungefähr 185.000 Menschen, Wolof, vor allem in der südlichen Küstenregion. Dort ist Arabisch Amtssprache und Französisch die wichtigste Verkehrssprache.
Schrift und Aussprache
Seit dem Beginn der Islamisierung im 11. Jahrhundert wurde Wolof zunächst mit arabischen Buchstaben geschrieben. Zahlreiche Gedichte und religiöse Texte sind in arabischer Schrift überliefert; im muslimischen Zusammenhang wird sie weiterhin verwendet. Heute schreibt man Wolof in der Regel mit lateinischen Buchstaben. Das Centre de linguistique appliquée de Dakar (CLAD) entwickelte eine Standardorthografie, die seit den 1970er Jahren offiziell ist und 2005 staatlich erneut bestätigt wurde. Im Alltag kommen daneben französisch beeinflusste Schreibweisen vor: Auf einem Werbeplakat stand beispielsweise Thiafka bou mat seuk statt des standardsprachlichen Cafka bu mat sëkk („Vollendeter Geschmack“).
Die Buchstaben werden meist ähnlich wie im Deutschen ausgesprochen. Das r ist jedoch ein Zungenspitzen-R wie im Italienischen oder Spanischen; x klingt wie das deutsche ch in „Bach“. Diakritische Zeichen unterscheiden offene und geschlossene Vokale: o ist offen wie in „offen“, ó geschlossen wie in „Ofen“. Ein einzelner Vokal ist kurz, ein Doppelvokal lang. Ein langes geschlossenes o wird nach dem CLAD-Standard óo geschrieben; manche Quellen verwenden abweichend óó. Der häufige Buchstabe ë bezeichnet den Schwa-Laut [ə], vergleichbar mit dem e in „Schatten“.
Neben „Wolof“ begegnen in älterer oder fremdsprachiger Literatur auch „Ouolof“, „Wollof“, „Volof“ und „Olof“, sehr selten außerdem „Jolof“, „Jollof“ und „Dyolof“. „Wolof“ kann das Volk, seine Sprache sowie Dinge aus seiner Kultur und Tradition bezeichnen.
Pronomen, Aspekte und Vergangenheit
Die Konjugation wird im Wolof zu einem großen Teil nicht am Verb, sondern an verschiedenen Formen der Personalpronomen sichtbar. Diese Formen können unterschiedliche Satzteile hervorheben und zugleich Tempus und besonders den Aspekt einer Handlung ausdrücken. Aspekt bezeichnet hier die Sicht auf den Verlauf oder Abschluss einer Handlung. Die Pronomen können sich mit anderen Elementen zu festen Einheiten verbinden, etwa mit di („sein/werden“), das den unvollendeten Aspekt kennzeichnet, oder mit a ngi, das unmittelbares Erleben ausdrückt. Diese Formen heißen gewöhnlich Temporalpronomen, obwohl „Aspektpronomen“ häufig genauer wäre.
Wichtiger als die Einteilung in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft ist die Frage, ob eine Handlung aus Sicht des Sprechers abgeschlossen oder nicht abgeschlossen ist. Weitere Unterschiede betreffen regelmäßige oder sicher eintretende Handlungen und die Hervorhebung von Subjekt, Prädikat oder Objekt. Die Tabelle des Artikels unterscheidet situative beziehungsweise präsentative, terminative, objektive, prozessive beziehungsweise explikative, subjektive und neutrale Formen, jeweils im perfektiven und imperfektiven Aspekt. Für „ich“ lauten Beispiele maa ngi/maa ngiy, naa/dinaa beziehungsweise dinaay, laa/laay, dama/damay, maa/maay und ma/may. Entsprechende Formen bestehen für alle Personen im Singular und Plural.
Mit dem Verb dem („gehen“) entstehen etwa: Maa ngi dem. bedeutet „Ich gehe gerade/jetzt.“ Dinaa dem. heißt „Ich werde in Zukunft gehen.“ Dem naa. bedeutet „Ich bin bereits gegangen.“ Damay dem. kann „Ich gehe regelmäßig/üblicherweise/normalerweise“ oder „Ich gehe gleich“ heißen.
Soll ausdrücklich eine vergangene Handlung bezeichnet werden, erhält das Verb oder das erste Hilfsverb das Suffix -(w)oon. Aus di wird dabei doon. Beispiele sind Demoon naa Ndakaaru. („Ich war bereits nach Dakar gegangen.“) und Dama doon dem Ndakaaru. („Ich ging nach Dakar.“).
Verben, Eigenschaften und Nominalklassen
Wolof unterscheidet Aktionsverben und Zustandsverben. Aktionsverben bezeichnen Tätigkeiten, zum Beispiel dem („gehen“); Zustandsverben bezeichnen Zustände oder Eigenschaften, zum Beispiel baax („gut sein“). Diese Unterscheidung beeinflusst die Übersetzung der Temporalpronomen: Bei Aktionsverben entspricht der vollendete Aspekt eher dem deutschen Perfekt oder Plusquamperfekt und der unvollendete Aspekt eher Präsens oder Präteritum. Bei Zustandsverben wird bereits der vollendete Aspekt meist als Präsens oder Präteritum wiedergegeben. Manche Temporalpronomen werden vorwiegend mit einer der beiden Verbarten verwendet; maa ngi kommt beispielsweise selten mit Zustandsverben vor.
Ein Verb kann je nach Zusammenhang beiden Gruppen angehören. Toog bedeutet als Aktionsverb „sich hinsetzen“, als Zustandsverb „sitzen“ beziehungsweise „(hin)gesetzt sein“. Eigene Adjektive gibt es streng genommen nicht; ihre Aufgabe übernehmen Zustandsverben. Baax na heißt „Es/das ist gut“. Nit ku baax entspricht „guter Mensch“, wörtlich aber „Mensch, der gut ist“.
Der Anfangskonsonant bestimmter Wörter kann sich nach dem Anfangskonsonanten des vorhergehenden Wortes richten. Dieses Phänomen heißt Konsonantenharmonie. Der bestimmte Artikel im Singular besitzt unter anderem die Formen bi, gi, ji, mi, si, wi, li und ki: bunt bi bedeutet „die Tür“, kër gi „das Haus/der Hof“. Die Formen gehen auf Nominalklassen zurück, also auf eine Einteilung der Substantive in Gruppen.
Teilweise tragen verschiedene Artikel noch Bedeutungsunterschiede: Bäume haben gewöhnlich gi, ihre Früchte bi, daher mango gi („der Mangobaum“) und mango bi („die Mango“). Auch eine Verkleinerungsform kann durch einen Artikelwechsel entstehen: jëkkër ji heißt „Ehemann“, njëkkër si abwertend „Ehemännchen“. Ein grammatisches Genus mit Maskulinum, Femininum und Neutrum gibt es nicht. Bi kann daher je nach deutschem Bezugswort „der“, „die“ oder „das“ heißen; Mu ngi dem kann „er geht“, „sie geht“ oder „es geht“ bedeuten. Das System der Nominalklassen übernimmt teilweise ähnliche Aufgaben wie das grammatische Geschlecht im Deutschen.
Zahlensystem
Das Zahlensystem des Wolof beruht auf 5 und 10. Die Grundzahlen sind benn („eins“), ñaar beziehungsweise yaar („zwei“), ñett mit Varianten („drei“), ñeent beziehungsweise ñenent („vier“), juróom („fünf“) und fukk („zehn“). Sechs bis neun werden aus fünf und einer weiteren Zahl gebildet: juróom-benn, juróom-ñaar, juróom-ñett und juróom-ñeent. Zahlen zwischen zehn und zwanzig verbinden die Teile mit ak („und“), beispielsweise fukk ak benn („elf“) und fukk ak juróom-benn („sechzehn“).
Die Zehner werden durch ein vorangestelltes Vielfaches gebildet: ñaar-fukk ist 20, ñett-fukk beziehungsweise fanweer ist 30, ñeent-fukk ist 40 und juróom-fukk ist 50. Entsprechend bedeutet juróom-benn-fukk 60, juróom-ñaar-fukk 70, juróom-ñett-fukk 80 und juróom-ñeent-fukk 90. Zusammengesetzte Beispiele sind ñaar-fukk ak juróom-benn für 26 und juróom-benn-fukk ak juróom-benn für 66.
Téeméer bedeutet 100, junni beziehungsweise junne 1000 und tamndareet beziehungsweise million 1.000.000. Vielfache stehen davor, etwa ñaar téeméer („200“) oder ñaar junni („2000“). Weitere Stellen werden mit ak angefügt: téeméer ak juróom-benn ist 106 und junni ak téeméer ist 1100. Für Null nennt der Artikel tus, neen, das französische zéro, sero und dara („nichts“).
Grundwortschatz und typische Wendungen
Zum Grundwortschatz gehören die selbstständigen Personalpronomen man („ich“), yow („du“), moom („er/sie/es“), ñun („wir“), yeen („ihr“) und ñoom („sie“). Fragewörter sind kan („wer?“) und lan („was?“). Häufige Substantive sind nit („Mensch“), góor („Mann“), jigéen („Frau“), ndox („Wasser“), safara („Feuer“), garab („Baum“ oder „Medikamente“) und xol („Herz“). Wichtige Verben sind lekk („essen“), naan („trinken“), nelaw („schlafen“), wax („sprechen“), dem oder dox („gehen“), ñów beziehungsweise ñëw („kommen“) und dimbali („helfen“).
Eine verbreitete Begrüßung lautet Salaamaalekum!, beantwortet mit Maalekum salaam!; wörtlich bedeutet dies „Friede sei mit euch“ und „Und mit euch sei Frieden“. Nan nga def? oder Naka nga def? heißt „Wie geht es dir/Ihnen?“, die Antwort Maa ngi fi rekk. bedeutet „Mir geht es gut“. Ba beneen (yoon). heißt „Auf Wiedersehen“, jërë-jëf „danke“, waaw „ja“ und déedéet „nein“. Fan la … am? fragt „Wo gibt es …?“, etwa Fan la fajkat am? („Wo gibt es einen Arzt?“). Fan la … nekk? bedeutet „Wo ist …?“, zum Beispiel Fan la loppitan bi nekk? („Wo ist das Krankenhaus?“).
Ein bekanntes Klangbeispiel ist das 1994 kommerziell erfolgreiche Lied „7 Seconds“ von Neneh Cherry und Youssou N’Dour. N’Dour singt darin die erste Strophe auf Wolof.