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Sierra Leone

Wirtschaft ; BIP pro Kopf in USD (Kaufkraftparität), 2.053, 2.375 ; BIP-Wachstum (real), 10,1 %, −3,1 % ; Inflation (in Prozent), 7,2 %, 6,7 % ; Staatsverschuldung

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick, Raum und Natur
  2. 2. Bevölkerung, Sprache, Religion und Bildung
  3. 3. Geschichte und Bürgerkrieg
  4. 4. Staat, Recht und Außenbeziehungen
  5. 5. Wirtschaft, Infrastruktur und Gesundheit
  6. 6. Kultur und Alltag

Überblick, Raum und Natur

Sierra Leone, offiziell Republik Sierra Leone, ist ein Staat in Westafrika. Er grenzt im Norden und Osten an Guinea, im Südosten an Liberia und im Westen an den Zentralatlantik. Die Hauptstadt und größte Stadt ist Freetown. Amtssprache ist Englisch, die Staatsform ist eine präsidentielle Republik. Präsident und zugleich Regierungschef ist Julius Maada Bio, der seit dem 4. April 2018 im Amt ist. Sierra Leone wurde am 27. April 1961 vom Vereinigten Königreich unabhängig. Die Fläche beträgt 72.783 km², die Einwohnerzahl wird für 2024 mit 8.642.022 angegeben. Das Land zählt laut Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zu den Ländern mit geringer menschlicher Entwicklung; der HDI lag 2023 bei 0,467.

Geographisch liegt Sierra Leone an der westafrikanischen Atlantikküste zwischen 7° und 10° nördlicher Breite sowie 10° und 13° westlicher Länge. Die Landesgrenzen sind insgesamt 1495 Kilometer lang, die Küstenlänge beträgt 402 Kilometer. An der Küste liegt eine bis zu 110 Kilometer breite Ebene. Auf der Freetown Peninsula erheben sich die Löwenberge mit dem Picket Hill als höchster Erhebung dieser Region mit 888 Metern. Nach Osten steigt das Land zu den Guinea Highlands an; der höchste Berg ist der Bintumani mit 1948 Metern. Zu den wichtigen Inseln und Inselgruppen gehören die Banana Islands, Turtle Islands, Sherbro sowie Inseln wie Tasso und Bunce im Mündungsgebiet des Sierra Leone River.

Das Klima ist tropisch-feucht. In Küstenregionen fallen bis zu 5000 Millimeter Niederschlag im Jahr, womit sie zu den feuchtesten Regionen Westafrikas gehören. Die Regenzeit beginnt Mitte Mai und bringt häufig Gewitter und starke Regenfälle, besonders im August und September. Die Trockenzeit beginnt Mitte Oktober. Im Dezember und Januar prägt der Harmattan, ein Wind aus der Sahara, das Klima. Die heißesten Monate sind Februar, März und April. Die Flüsse entwässern meist von Nordosten nach Südwesten in den Atlantik; größere Flüsse sind unter anderem Mano, Moa, Little Scarcies, Great Scarcies, Rokel, Sewa und Taia.

Die Natur ist vielfältig: Es gibt Mangrovensümpfe, Savannen, sekundären und primären Urwald. Wichtige Pflanzen sind die Rote Mangrove, die Ölpalme, Mangobäume, Guaven und Papaya. Viele Wildtierbestände wurden während des Bürgerkriegs stark vermindert. Zu den besonderen Tierarten zählen das Zwergflusspferd, verschiedene Krokodilarten und zahlreiche Primaten; Sierra Leone gilt als eines der artenreichsten Rückzugsgebiete von Primaten weltweit.

Bevölkerung, Sprache, Religion und Bildung

Sierra Leone hatte 2021 etwa 7,55 Millionen Einwohner. Das jährliche Bevölkerungswachstum betrug 1,04 %. Die Bevölkerung hat sich von 1963 bis 2021 nahezu vervierfacht und seit 1985 mehr als verdoppelt. 2022 lag die Zahl der Geburten pro Frau statistisch bei 3,9, die Lebenserwartung ab Geburt bei 60,4 Jahren. Die Bevölkerung ist sehr jung: 2023 waren 38,5 % unter 15 Jahre alt, nur 3,2 % waren über 64 Jahre. Die Bevölkerungsdichte ist ungleich verteilt: Die Western Area mit Freetown ist sehr dicht besiedelt, während ländliche Bezirke deutlich dünner besiedelt sind.

Die Bevölkerung setzt sich offiziell aus 15 ethnischen Gruppen mit ebenso vielen Sprachen zusammen. Die Mehrheit bilden Temne und Mende. Trotz Bemühungen um eine gemeinsame nationale Identität sind Familie und jeweilige Kultur für viele Menschen weiterhin besonders wichtig. 2017 waren 1,3 % der Bevölkerung Ausländer. Nach Angaben der World Refugee Survey 2008 lebten 8700 Flüchtlinge und Asylsuchende in Sierra Leone, fast alle aus Liberia.

Englisch ist Amtssprache. Daneben werden viele Sprachen der ethnischen Gruppen gesprochen. Krio, eine auf Englisch beruhende Sprache, ist für etwa 10 % Muttersprache und dient der Mehrheit als Lingua Franca, also als gemeinsame Verkehrssprache. Temne wird von etwa 30 % als Muttersprache gesprochen, Mende ist vor allem im Süden verbreitet. Weitere Sprachen sind unter anderem Kono, Kissi, Limba, Susu, Bassa, Gola, Fulfulde, Sherbro und Vai. Ob Bengali seit 2002 als offizielle oder Minderheitensprache anerkannt ist, wird im Artikel als umstritten dargestellt.

Religiös ist Sierra Leone mehrheitlich muslimisch. 2020 waren 70 bis 78 % der Bevölkerung muslimischen Glaubens, etwa 20 bis 22 % gehörten christlichen Glaubensrichtungen an. In religiösen Fragen wird ein Klima gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz beschrieben. Traditionelle Religionen haben stark an Bedeutung verloren, von früher etwa 70 % auf etwa 10 %.

Bildung ist verfassungsrechtlich und nach dem Bildungsgesetz für neun Jahre verpflichtend. Wegen Mangels an Schulen und Lehrern ist die Schulpflicht aber schwer umzusetzen. Die Alphabetisierungsrate der erwachsenen Bevölkerung betrug 2015 48,1 %, bei Frauen 37,7 % und bei Männern 58,7 %. Das Schulsystem orientiert sich an Großbritannien: sechs Jahre Primary School, drei Jahre Junior Secondary School, drei Jahre Senior Secondary School und danach Tertiary Education oder Universität. Das Fourah Bay College wurde 1827 gegründet und ist die älteste Universität Westafrikas. Während des Bürgerkriegs wurden über 1270 Schulen zerstört; nach dem Krieg führte der Wiederaufbau zwischen 2001 und 2005 zu einer Verdopplung der Grundschüler.

Geschichte und Bürgerkrieg

Das Gebiet des heutigen Sierra Leone ist seit Tausenden von Jahren besiedelt. Zu den frühen Bewohnern gehörten Bullom und Lokos, später auch Krims und Golas. Im 15. Jahrhundert wanderten Mende und Temne ein, im 18. Jahrhundert weitere Mende aus Liberia, im 19. Jahrhundert Yalunkas und Fullas im Norden. Der portugiesische Seefahrer Gil Eanes erreichte 1440 als erster Europäer die Küste, Pedro de Sintra benannte 1462 die Küstenberge Serra Lyoa, „Löwenberge“.

Mit der europäischen Expansion begann der Sklavenhandel. Ab 1562 setzte der englische Händler John Hawkins Sklavenschiffe ein; später dominierten Engländer und ab 1672 die British Royal African Company den Handel an der westafrikanischen Küste. Nach dem Verbot des Sklavenhandels durch Großbritannien 1807 und der formellen Erklärung der Freetown Peninsula zur britischen Kronkolonie 1808 wurden befreite Sklaven, sogenannte Recaptives, in die Kolonie gebracht. Aus ihnen und anderen Gruppen entstand in Freetown eine kreolisierte Bevölkerungsgruppe. Von 1896 bis 1961 war das Land offiziell britische Kolonie.

Widerstand gegen die britische Herrschaft zeigte sich unter anderem im Mende-Temne-Krieg von 1898, an dem mehr Gruppen beteiligt waren als nur Mende und Temne. Der Temne-Herrscher Bai Bureh führte einen etwa zehnmonatigen Guerillakrieg gegen britische Polizei und Armee. Der Aufstand wurde niedergeschlagen; Bai Bureh gilt heute als Nationalheld.

1956 wurde das allgemeine Wahlrecht eingeführt. Sir Milton Margai führte Sierra Leone nach Verhandlungen mit Großbritannien am 27. April 1961 in die Unabhängigkeit und wurde erster Premierminister. Mit der Unabhängigkeit galt das allgemeine aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen. 1968 übernahm Siaka Stevens die Macht. Seine Regierung wird im Artikel als korrupt beschrieben; wichtige wirtschaftliche Infrastruktur wie die Eisenbahnlinie nach Bo wurde aufgegeben. Stevens trat 1985 zurück.

Von 1991 bis 2002 erlebte Sierra Leone einen schweren Bürgerkrieg. Ursachen waren unter anderem der Reichtum an Diamanten und Rohstoffen, die Konzentration von Macht und Reichtum bei wenigen sowie die Benachteiligung großer Teile der Bevölkerung. 1991 begann die Revolutionary United Front (RUF) den bewaffneten Kampf. Es folgten Putsche, wechselnde Regierungen, Eingriffe der ECOWAS, die UNAMSIL-Mission der Vereinten Nationen und schließlich britisches militärisches Eingreifen. Friedensabkommen in Abidjan 1996 und Lomé 1999 konnten die Gewalt zunächst nicht beenden. Das offizielle Ende wurde am 18. Januar 2002 verkündet. Je nach Angabe starben zwischen 20.000 und 200.000 Menschen; mehr als 250.000 Frauen und Mädchen erfuhren sexualisierte Gewalt.

Nach 2002 wurden Flüchtlinge zurückgeführt, Waffen vernichtet und internationale Friedens- und Aufbauprogramme unterstützt. Fast 300.000 Flüchtlinge konnten bis 2004 zurückkehren. 2007 gewann Ernest Koroma von der APC die Präsidentschaftswahl. 2018 gewann Julius Maada Bio von der SLPP die Stichwahl mit 52 % und wurde am 4. April 2018 Präsident; 2023 verteidigte er sein Amt. Am 26. November 2023 wurde ein Putschversuch niedergeschlagen; als Urheber soll der frühere Präsident Ernest Koroma gelten, der nach Nigeria floh.

Staat, Recht und Außenbeziehungen

Sierra Leone ist nach der Verfassung von 1991 eine Präsidialrepublik im Commonwealth. Der Präsident ist Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er wird direkt für fünf Jahre gewählt. Wird im ersten Wahlgang nicht die erforderliche Mehrheit von 55 % erreicht, folgt eine Stichwahl. Das Parlament hat eine Kammer mit 124 Sitzen. 112 Abgeordnete werden zusammen mit dem Präsidenten alle fünf Jahre direkt gewählt, 12 Sitze sind für Paramount Chiefs reserviert. Die wichtigsten Parteien sind die Sierra Leone People’s Party (SLPP), die von 1996 bis 2007 und wieder seit 2018 regiert, sowie der All People’s Congress (APC), der von 2007 bis 2018 regierte.

Das Rechtssystem beruht auf britischem Common Law. In ländlichen Gebieten mit muslimischer Mehrheit gilt teilweise auf lokaler Ebene noch die Scharia. Die Todesstrafe für schwerste Vergehen wie Mord und Landesverrat wurde Ende Juli 2021 vom Parlament einstimmig abgeschafft. Richter der drei höchsten Gerichte werden vom Präsidenten ernannt und müssen vom Parlament bestätigt werden. In Chiefdom-Gerichten sitzen Laienrichter; gegen ihre Urteile kann Berufung eingelegt werden. Der Artikel nennt Richtermangel, Korruption bei Polizei und Innenverwaltung sowie gelegentliche Selbstjustiz als Probleme.

Politische Indizes zeigen gemischte Bewertungen. Der Fragile States Index 2024 bewertet Sierra Leone mit 82,6 von 120 als Land mit „großer Warnung“. Der Demokratieindex 2024 gibt 4,32 von 10 Punkten und ordnet das Land als Hybridregime ein. Freedom in the World 2024 bewertet Sierra Leone mit 60 von 100 als teilweise frei. Die Rangliste der Pressefreiheit 2026 nennt mit 57,1 von 100 Punkten erkennbare Probleme für die Pressefreiheit. Der Korruptionswahrnehmungsindex 2025 nennt 34 von 100 Punkten und Rang 109 von 181.

Bei den Menschenrechten beschreibt Amnesty International nach den Kommunalwahlen 2009 die Sicherheitslage als stabil und nennt Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung. Weiterhin bestehen aber schwere Probleme, besonders sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen sowie die weit verbreitete weibliche Genitalverstümmelung.

Außenpolitisch unterhält Sierra Leone diplomatische Beziehungen unter anderem mit China, Libyen, Iran und Kuba sowie gute Beziehungen zum Westen, einschließlich der Vereinigten Staaten. Besonders wichtig sind die historischen Beziehungen zum Vereinigten Königreich und zum Commonwealth; britische Hilfe spielte beim Ende des Bürgerkriegs eine wichtige Rolle. Regional gehört Sierra Leone mit Liberia, Guinea und der Elfenbeinküste zur Mano River Union, die Entwicklungsprojekte und wirtschaftliche Integration fördern soll. Deutschland erkannte Sierra Leone unmittelbar nach der Unabhängigkeit 1961 völkerrechtlich an und eröffnete eine Botschaft in Freetown.

Wirtschaft, Infrastruktur und Gesundheit

Sierra Leone gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist hoch verschuldet. Etwa 70 % der Bevölkerung lebten 2004 in extremer Armut und mussten mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Für 2024 werden ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 7,8 Milliarden US-Dollar, ein BIP nach Kaufkraftparität von 31 Milliarden US-Dollar, ein nominales BIP pro Einwohner von 902 US-Dollar und ein BIP pro Einwohner nach Kaufkraftparität von 3.531 US-Dollar angegeben. Das reale BIP-Wachstum lag 2024 bei 4,4 %, die Inflation bei 28,4 %, die Staatsverschuldung bei 42 % des BIP. Der Staatshaushalt 2025 umfasste Ausgaben von etwa 650 Millionen Euro und Einnahmen von 497 Millionen Euro; das Defizit betrug vier Prozent des BIP.

Die Landwirtschaft ist für die meisten Menschen die Existenzgrundlage. Zwei Drittel der Bevölkerung betreiben Subsistenzwirtschaft, also Landwirtschaft vor allem für den Eigenbedarf. Angebaut werden vor allem Reis, Hirse und Maniok; Kaffee, Palmkerne und Kakao sind für den Export bestimmt. Nur etwa 6 % der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt. Fischerei ist wegen der fischreichen Küste ebenfalls wichtig. Die FAO geht von etwa 200.000 Tonnen Fang jährlich aus. Der Fischereisektor trägt 10 % zum BIP bei und beschäftigt rund eine halbe Million Menschen.

Das Land besitzt viele Rohstoffe, darunter Bauxit, Braunkohle, Chrom, Diamanten, Eisenerz, Gold, Graphit, Mangan, Platin, Rutil und Rhodium. Diamanten spielten im Bürgerkrieg eine wichtige Rolle, weil sie wichtige Devisenquellen darstellten. Der Export von Gold und Diamanten wird durch Schmuggel stark eingeschränkt. Die Währung ist der Leone; 2022 wurde der ISO-4217-Code von SLL auf SLE geändert.

Die Infrastruktur ist schwach ausgebaut. Es gibt 11.300 Kilometer Straßen, davon 1234 Kilometer, also etwa elf Prozent, asphaltiert. Viele Straßen sind während der Regenzeit unpassierbar. Neben dem Internationalen Flughafen Lunghi gibt es weitere Landeplätze, doch seit Ende 2021 hat Sierra Leone keine aktive eigene Fluggesellschaft mehr. In der EU gilt seit 2006 ein Betriebsverbot für in Sierra Leone registrierte Fluggesellschaften. Der öffentliche Schienenverkehr wurde 1974 eingestellt; aktuell gibt es ein privates Schienennetz von 120 Kilometern. Schiffbare Wasserwege umfassen etwa 800 Kilometer, wichtige Häfen sind Freetown und Pepel.

Die Energieversorgung ist begrenzt. 2021 hatten 27,5 % der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität, gegenüber 11,5 % im Jahr 2010. Das Wasserkraftwerk Bumbuna mit 50 Megawatt wurde Ende 2009 fertiggestellt, Bumbuna II ist mit 143 Megawatt geplant. 2022 ging bei Yamandu der erste Solarpark mit 5 MW installierter Leistung in Betrieb.

Das Gesundheitswesen ist unzureichend ausgebaut und entspricht laut Artikel in Ausstattung und Hygiene nicht internationalen Anforderungen. 2021 lagen die Gesundheitsausgaben bei 8,6 % des BIP; 2018 gab es 0,7 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner. Besonders auf dem Land fehlt oft Zugang zu medizinischer Versorgung. Die Säuglings- und Müttersterblichkeit sind hoch, obwohl sie sinken. Die Müttersterblichkeit wurde 2015 mit 1360 von 100.000 Müttern angegeben; Untersuchungen von 2018 bis 2020 ergaben 510 von 100.000 Lebendgeburten. Malaria ist verbreitet, außerdem treten Epidemien wie Gelbfieber, Cholera, Lassa-Fieber und Meningitis auf. Die Ebolafieber-Epidemie ab 2014 traf Sierra Leone schwer; am 7. November 2015 erklärte die WHO das Land Ebola-frei. Bis dahin starben 3589 Menschen.

Kultur und Alltag

Die Kultur Sierra Leones verbindet lokale Traditionen mit Einflüssen aus Kolonialzeit, Krio-Kultur und internationalen Medien. Radio spielt eine besonders wichtige Rolle, sowohl in Städten als auch in Dörfern, vor allem seit dem Bürgerkrieg. Fernsehen wurde in den 1980er Jahren mit europäischer Entwicklungshilfe fast landesweit aufgebaut, konnte sich aber nicht halten. 2022 nutzten 30,4 % der Einwohner das Internet. Reporter ohne Grenzen sieht erkennbare Probleme für die Pressefreiheit.

Kunst hat eine lange Tradition im Schnitzen und in zeremoniellen Arbeiten wie Masken und Tüchern. Literatur besteht aus Gedichten und Erzählungen, häufig in lokalen Sprachen oder auf Krio. Zu den bekanntesten zeitgenössischen Schriftstellern zählen Ishmael Beah und Syl Cheney-Coker. Musik ist besonders nach dem Bürgerkrieg lebendig geworden; zunächst wurden im Radio oft sierra-leonische Stücke gespielt, später wieder mehr internationale Popmusik. Die Refugee All Stars treten auf internationalen Festivals und in Clubs auf.

Film und Tanz sind wichtige Bereiche des kulturellen Lebens. In Kinos werden vor allem Fußballübertragungen und Nollywood-Filme gezeigt; nach dem Vorbild Nigerias gibt es erste Sollywood-Filme aus Sierra Leone. 2012 fand das Sierra Leone International Film Festival statt. Tanz ist besonders wichtig: Viele Theatergruppen verbinden Unterhaltung und Tradition mit Themen wie Gesundheitsaufklärung, Wissensvermittlung und Friedenssicherung. Bekannt sind die Freetong Players.

Reis ist das wichtigste Grundnahrungsmittel und wird praktisch täglich gegessen. Eintöpfe gelten als wesentlich und werden auch als Nationalgericht bezeichnet. Sie enthalten zum Beispiel Hühnerfleisch, gebratenen Fisch, Gemüse, Cashewnüsse, Erdnüsse oder Cassava-Blätter. Typisch ist auch selbst gebrautes Ingwerbier, gesüßt und manchmal mit Nelken oder Limetten abgeschmeckt.

Im Sport ist Fußball mit Abstand am beliebtesten. Die Nationalmannschaft heißt Leone Stars. Sie hat sich noch nie für eine Weltmeisterschaft qualifiziert, nahm aber 1994 und 1996 am Afrika-Cup teil. Auch Rugby Union und Cricket werden gespielt; seit 2002 hat Sierra Leone eine eigene Cricket-Nationalmannschaft.

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