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Fridays for Future

Fridays for Future ist Teil der weltweiten Klimabewegung. Nach dem Vorbild der Initiatorin Greta Thunberg bestreiken Schüler freitags den Unterricht und gehen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bewegung und Anliegen
  2. 2. Forderungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
  3. 3. Protestformen und Entwicklung
  4. 4. Verbreitung und wichtige Aktionen
  5. 5. Organisation, Unterstützung und Zusammensetzung
  6. 6. Kontroversen und Einordnungen

Bewegung und Anliegen

Fridays for Future (FFF; deutsch „Freitage für [die] Zukunft“) ist eine globale soziale Bewegung, die vor allem von Schülerinnen, Schülern und Studierenden getragen wird. Sie entstand aus Schulstreiks für wirksame Klimapolitik und ist Teil der weltweiten Klimabewegung. Ihr zentrales Ziel ist, das im Übereinkommen von Paris auf der UN-Klimakonferenz 2015 (COP 21) beschlossene 1,5-Grad-Ziel einzuhalten, also die Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen.

FFF betrachtet den menschengemachten Klimawandel, der durch Treibhausgasemissionen verursacht wird, als reale Bedrohung für Erde, Menschheit sowie heutige und kommende Generationen. Die Bewegung verbindet Klimaschutz mit Klimagerechtigkeit: Klimapolitik soll besonders die Menschen berücksichtigen, die unter Klimafolgen leiden und keine sichere Zukunft haben. Der Streik richte sich nicht gegen Schulen oder Universitäten, sondern solle politisch Verantwortliche zum Handeln auffordern. Die Kernforderung lautet: „Handelt endlich – damit wir eine Zukunft haben!“

Zu den allgemeinen Forderungen zählen das Ende des Abbaus fossiler Brennstoffe, die Abschaffung von Subventionen für fossile Energie, mehr Investitionen in erneuerbare Energien und der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Außerdem wird ein Wahlrecht ab 16 Jahren verlangt.

FFF versteht sich als basisdemokratische Graswurzelbewegung. In Deutschland ist sie als nicht rechtsfähige Personenvereinigung organisiert; einen durch die Basis legitimierten Vorstand oder Sprecher gibt es nicht. Dass Medien einzelne Aktivisten besonders stark hervorheben, ist innerhalb der Bewegung umstritten.

Forderungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Fridays for Future Deutschland veröffentlichte am 8. April 2019 einen Forderungskatalog. Deutschland solle seine Treibhausgasemissionen bis 2035 auf netto null senken, bis 2030 aus der Kohle aussteigen und bis 2035 eine Energieversorgung mit 100 % erneuerbaren Energien erreichen. „Netto null“ bedeutet hier, dass unter dem Strich keine Treibhausgasemissionen mehr verbleiben. Bis Ende 2019 wurden außerdem die Abschaffung fossiler Subventionen, die Abschaltung eines Viertels der Kohlekraftwerke und eine Kohlenstoffsteuer auf alle Treibhausgasemissionen gefordert. Diese Steuer sollte den erwarteten Folgekosten der Erderwärmung entsprechen; das Umweltbundesamt bezifferte einen CO₂-Preis auf etwa 180 Euro pro Tonne. Im Juli 2023 legte FFFD ein Klimaschutz-Sofortprogramm für den Verkehrssektor vor, nachdem Verkehr und Gebäude 2022 die im Bundes-Klimaschutzgesetz erlaubten Emissionsmengen überschritten hatten.

In Österreich forderten die Organisatoren 2019 eine „radikale Umweltschutzpolitik in Übereinstimmung mit dem 1,5-Grad-Ziel und globale Klimagerechtigkeit“. Dazu gehören Maßnahmen zum Klima- und ökologischen Notstand, Klimaschutz in der Verfassung, der Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas bis 2030 sowie netto null Treibhausgasemissionen bis 2030. Weitere Forderungen sind eine ökosoziale Steuerreform, der Schutz der Artenvielfalt und der Stopp fossiler Großprojekte wie des Neu- und Ausbaus von Flughäfen und Autobahnen.

Die Schweizer Bewegung Klimastreik fordert den nationalen Klimanotstand und bis 2030 netto null Treibhausgasemissionen im Inland, ohne Kompensationstechnologien einzuplanen. Auch sie fordert Klimagerechtigkeit. Falls dies im bestehenden System nicht erreichbar sei, sei ein Systemwandel nötig.

Protestformen und Entwicklung

Kern der Bewegung sind dezentral organisierte Demonstrationen, meist freitags und teilweise während der Schulzeit. Sie bestehen aus Kundgebungen und Umzügen mit Plakaten, Transparenten und Sprechchören. Typische Rufe sind „Wer nicht hüpft, der ist für Kohle“ und „What do we want? – Climate Justice! – When do we want it? – Now!“. Weil Unterricht ausfällt, gelten die Aktionen teilweise als nicht-normativer, gewaltfreier Protest beziehungsweise als ziviler Ungehorsam. Auch in den Ferien wurden Proteste fortgesetzt; 2020 und 2021 kamen Klimacamps hinzu. Während der COVID-19-Pandemie wurden Präsenzstreiks vorübergehend durch Online-Aktionen ersetzt. In Deutschland gab es am 25. September 2020 und ab dem 18. Juni 2021 wieder Präsenz-Klimastreiks.

Ausgangspunkt war Greta Thunberg: Die damals 15-Jährige blieb am 20. August 2018 dem Unterricht fern und protestierte zunächst drei Wochen lang täglich vor dem schwedischen Reichstag mit dem Schild „Skolstrejk för klimatet“. Ab dem 8. September 2018 wollte sie jeweils freitags streiken, bis die schwedische Klimapolitik dem Pariser Klimaabkommen entspreche. Sie verwendete unter anderem den Hashtag #FridaysForFuture. In Deutschland wurde am 7. Dezember 2018 erstmals in Bad Segeberg gestreikt.

Am ersten global organisierten Klimastreik am 15. März 2019 nahmen laut Bewegung fast 1,8 Millionen Menschen teil. Medien berichteten von etwa 1.700 Kundgebungen in mehr als 100 Staaten; die Organisatoren nannten später mehr als 2.000 Proteste in 125 Staaten und mehr als eine Million Teilnehmende. Diese unterschiedlichen Angaben zeigen, dass Teilnehmerzahlen je nach Quelle abweichen können.

Weitere globale Streiktage waren unter anderem der 24. Mai und 20. September 2019, der 24. April und 25. September 2020, der 19. März und 24. September 2021, der 25. März und 23. September 2022 sowie der 3. März und 15. September 2023. Am 20. September 2019 beteiligten sich nach FFF weltweit rund 4 Millionen, nach anderen Angaben 7 Millionen Menschen; für Deutschland nannte FFF etwa 1,4 Millionen. Im September 2024, April, September und November 2025 fanden weitere globale Aktionstage statt.

Verbreitung und wichtige Aktionen

FFF verbreitete sich von Schweden aus zunächst unter anderem nach Australien, England, Italien, Deutschland, in die Niederlande, nach Belgien, Kanada, Frankreich, in die Schweiz, nach Österreich und Irland. Mitte März 2019 entstanden auch Aktionen etwa in Japan, Mexiko, Chile, auf den Philippinen, in Vanuatu und Indien. In China erlaubt der Staat keine Schulstreiks; außerhalb Hongkongs fanden deshalb keine Kundgebungen statt.

Eine wichtige internationale Demonstration war #AC2106 – Climate Justice without Borders am 21. Juni 2019 in Aachen. 17 europäische Länder hatten dazu aufgerufen. Der Veranstalter sprach von 40.000, die Polizei von 36.000 Demonstrierenden. Damit war es damals der weltweit größte von einer Gruppe unter dem Namen Fridays for Future initiierte Protest. Die Anreise wurde unter anderem durch vergünstigte Sonderzüge und Busse ermöglicht.

Die Bewegung war in vielen Ländern unterschiedlich stark. In Belgien demonstrierten am 24. Januar 2019 in Brüssel 35.000 Menschen. In Italien gingen am 15. März 2019 Schülerinnen und Schüler in mehr als 100 Städten auf die Straße; allein in Mailand waren es mehr als 100.000. In Australien nahmen nach FFF am 15. März 2019 152.550 Menschen teil, darunter 30.000 in Sydney. In den USA gab es an diesem Tag Klimastreiks in 46 von 50 Staaten; FFF nannte insgesamt etwa 14.500 Teilnehmende.

In Deutschland waren am 15. März 2019 laut Veranstaltern 300.000 Menschen bei 220 Protesten beteiligt. Spätere Themen waren unter anderem der Kohleausstieg, Lützerath, ein sozial- und klimaverträglicher Umgang mit der Energiekrise sowie der Ausbau des ÖPNV. Am 3. März 2023 und am 1. März 2024 demonstrierte FFF mit ver.di unter dem Motto „Wir fahren Zusammen“ für Klimaschutz, öffentlichen Nahverkehr und gute Arbeitsbedingungen. Am 18. April 2026 fanden in Berlin, Köln, Hamburg und München Demonstrationen mit insgesamt etwa 80.000 Teilnehmenden statt.

In Österreich fanden seit dem 21. Dezember 2018 wöchentliche Klimastreiks statt. Beim größten Streik bis Februar 2020, am 27. September 2019, zählten die Organisatoren 150.000 Teilnehmende im Land, die Polizei 80.000. In der Schweiz fand der erste Streik am 14. Dezember 2018 in Zürich mit rund 300 Teilnehmenden statt. Für den 15. März 2019 nannten die Organisatoren über 65.000 Teilnehmende. Am 8. Januar 2021 veröffentlichte der Klimastreik einen 377-seitigen Aktionsplan, etwa mit Forderungen nach autofreien Städten, Solarpflicht und Stimmrecht ab 14 Jahren.

Organisation, Unterstützung und Zusammensetzung

In Deutschland gab es im Juni 2021 mehr als 700 Ortsgruppen. Jede Ortsgruppe kann Delegierte zu einer bundesweiten Delegiertenkonferenz entsenden. Ein gültiges Votum erfordert die Teilnahme von 70 Ortsgruppen. Daneben gab es 2019 bundesweit 20 Arbeitsgruppen. Die Kommunikation und Abstimmung erfolgt überwiegend über soziale Medien und Messenger-Dienste.

Die Verwaltung von Geld und Spenden erfolgte bis Anfang 2021 über die Stiftung Plant-for-the-Planet. Seit Juni 2021 ist dafür der Verein Alle fürs Klima e. V. zuständig. Die Mittelverwendung wird laut Artikel basisdemokratisch durch die Bewegung beschlossen. Da der Verein nicht als gemeinnützig gilt, können weiterhin keine Spendenbescheinigungen ausgestellt werden.

Als Unterstützungsgruppen entstanden unter anderem Parents for Future, Grandparents for Future, Health for Future, Psychologists for Future, Churches for Future und Teachers for Future. Besonders sichtbar waren Scientists for Future: Mehr als 26.800 Wissenschaftler unterstützten FFF im März 2019 in einer Stellungnahme. Entrepreneurs for Future, ein Zusammenschluss von mehr als 1.000 Unternehmen, fordert ebenfalls das 1,5-Grad-Ziel, einen schnellen Kohleausstieg und eine CO₂-Abgabe. Diese Unternehmensunterstützung ist innerhalb von FFF umstritten, weil Aktivisten Vereinnahmung zu Imagezwecken befürchten. Architects for Future setzt sich besonders für weniger Emissionen, Abfall sowie Ressourcen- und Flächenverbrauch in der Bauwirtschaft ein.

Eine Untersuchung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung vom März 2019 beschrieb einen hohen Anteil junger Teilnehmender: 51,5 % waren 14 bis 19 Jahre alt, 71,8 % Schüler oder Studierende und 59,5 % weiblich. Fast alle erfassten Schüler gingen auf Gymnasien; 4,5 % auf Realschulen und 0,6 % auf Haupt- und Mittelschulen. Die Daten waren nach Angaben der Autoren nicht repräsentativ. Mehr als 87 % hatten mindestens Fachhochschulreife oder strebten sie an. Eine weitere Erhebung in Berlin und Bremen ergab etwa 58 % weibliche Teilnehmende; etwa 47 % waren mindestens 20 Jahre alt.

Kontroversen und Einordnungen

Die Bewegung erhielt Unterstützung von Politikern, Wissenschaftlern und Umweltorganisationen, wurde aber auch kritisiert. Die Leopoldina deutete FFF als Reaktion auf die Kluft zwischen der existenziellen Bedrohung durch den Klimawandel und aufgeschobenem politischen Handeln. Der Deutsche Lehrerverband begrüßte zwar das Engagement, kritisierte aber, dass Unterstützer in der Politik die Schulpflicht am Freitagvormittag praktisch außer Kraft setzten. In mehreren Bundesländern bestanden Behörden auf der Schulpflicht und möglichen Sanktionen. Wer wegen eines Klimastreiks eine Prüfung versäumt, kann in Deutschland und der Schweiz mit der schlechtesten Note bestraft werden; umgesetzt wurde dies laut Artikel bislang nur vereinzelt. Andere, etwa die GEW und Scientists-for-Future-Gründer David Fopp, bewerteten die Streiks als demokratiebildende Form politischen Engagements und nicht als bloßes Schulschwänzen.

In der Analyse wird FFF als ungewöhnlich junge, stark von jungen Frauen getragene Bewegung beschrieben. Stefan Kühl sieht ihre Kraft im Regelverstoß gegen die Schulpflicht. Mathias Albert zufolge spricht sie besonders die Verantwortung älterer Generationen an. Klaus Hurrelmann bezeichnete sie als „kinderpolitische Bewegung“ und hob ihre Unabhängigkeit von Parteien und Organisationen hervor. Eine Studie der TU Chemnitz von 2020 stellte fest, dass der Einfluss Greta Thunbergs auf das Engagement abnahm und lokale, meist weibliche Führungspersonen wichtiger wurden. Im ARD-DeutschlandTrend vom 15. September 2023 sagten 35 % der Befragten, FFF habe wenig, und 40 %, die Bewegung habe gar keinen Einfluss auf sie; 19 % fühlten sich stark und 4 % sehr stark beeinflusst.

FFF arbeitet teilweise mit anderen sozialen Bewegungen zusammen, etwa mit Ende Gelände, Extinction Rebellion, Gewerkschaften und der Friedensbewegung. In der Wirtschaftsfrage ist die Bewegung heterogen: Neben ökologischer Modernisierung gibt es wachstumskritische und teils antikapitalistische Positionen, die laut Artikel jedoch wenig Einfluss haben.

Zum Nahostkonflikt gab es Antisemitismusvorwürfe gegen internationale FFF-Äußerungen. Die deutsche und die österreichische Sektion bekundeten nach dem Hamas-Angriff 2023 Solidarität mit Israel und distanzierten sich von internationalen Posts. Recherchen zufolge stammten diese Beiträge von einer kleinen, nicht repräsentativen Gruppe von Aktivisten. Kommerzielle Verwendungen des Namens, etwa auf von einem Amazon zugeordneten Unternehmen verkauften T-Shirts, lehnt FFF ab; die Bewegung befürchtet dabei nicht faire oder nachhaltige Produktion.

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