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Greta Thunberg

Thunberg verteilt das Preisgeld von 25.000 Euro an vier Organisationen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. August 2019: Ankündigung der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Klimapolitische Positionen
  3. 3. Vom Einzelprotest zur Weltbewegung
  4. 4. Weitere Proteste und Nahostkonflikt
  5. 5. Wirkung, Kritik und Anerkennung

Person und Bedeutung

Greta Tintin Eleonora Ernman Thunberg (* 3. Januar 2003 in Stockholm) ist eine schwedische Klimaaktivistin. International bekannt wurde sie 2018 durch ihren „Schulstreik für das Klima“. Daraus entstand Fridays for Future (FFF), eine weltweite Bewegung vor allem junger Menschen, die eine konsequentere, an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientierte Klimapolitik fordert. Thunbergs ursprüngliches Ziel war, Schweden zur Einhaltung des Klima-Übereinkommens von Paris zu bewegen.

Thunberg erfuhr nach eigenen Angaben mit acht Jahren in der Schule vom Klimawandel und beschäftigte sich anschließend intensiv damit. Mit zwölf Jahren wurde bei ihr Asperger-Autismus diagnostiziert. Sie bezeichnet ihre Fähigkeit, anders zu denken und sich auf ein Spezialinteresse zu konzentrieren, als Stärke. Im Alltag begann sie zunächst, Energie zu sparen. Später ernährte sie sich vegan, verzichtete auf Flugreisen und überzeugte auch ihre Familie zu Veränderungen.

Im Mai 2018 gewann sie als Fünfzehnjährige einen Schreibwettbewerb zur Umweltpolitik. Im Schuljahr 2018/2019 schloss sie die neunjährige schwedische Grundschule trotz ihrer Streiks mit hervorragenden Noten ab. Danach setzte sie die Schule für ein Jahr aus, um sich dem Klimaaktivismus zu widmen. Im August 2020 nahm sie den Unterricht am auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Stockholmer Gymnasium Globala gymnasiet wieder auf. Nach ihrem Schulabschluss im Juni 2023 beendete sie ihren persönlichen „Schulstreik“, kündigte aber an, weiterhin freitags für den Klimaschutz zu demonstrieren.

Klimapolitische Positionen

Thunberg wirft Regierungen vor, angesichts der Klimakrise zu langsam und unverantwortlich zu handeln, besonders gegenüber jungen und zukünftigen Generationen. Sie betrachtet die Erderwärmung als existenzielle Bedrohung und fordert, politische Entscheidungen an der besten verfügbaren Wissenschaft auszurichten. Dass trotz der seit 1995 jährlich stattfindenden Klimakonferenzen die Treibhausgasemissionen weiter stiegen, wertet sie als Politikversagen.

Sie forderte, Schweden solle seine Treibhausgasemissionen um 15 % pro Jahr senken. Reiche Staaten wie Schweden und das Vereinigte Königreich müssten nach ihrer Auffassung schneller handeln als ärmere Länder: Ihre Emissionen aus fossilen Energieträgern sollten jährlich um 15 % sinken und innerhalb von sechs bis zwölf Jahren null erreichen. Dadurch sollten Länder wie Indien und Nigeria Raum für den Aufbau ihrer Infrastruktur erhalten. Klimaschutz verbindet sie somit mit globaler Gerechtigkeit, dem Schutz der Biosphäre und dem Kampf gegen das menschengemachte Artensterben. Zur Durchsetzung eines Systemwechsels, bei dem kein Öl mehr gefördert wird, befürwortet sie auch zivilen Ungehorsam, also bewusste gewaltfreie Regelverstöße als politischen Protest.

Thunberg betont zugleich, die Demokratie dürfe nicht geopfert werden: Die Krise müsse innerhalb des demokratischen Systems bewältigt werden. Schulstreiks hält sie persönlich für wichtiger als Unterricht, weil Bildung für eine bedrohte Zukunft ihren Sinn verlieren könne; andere Schüler sollten jedoch selbst entscheiden, ob sie streiken. Sie argumentiert, die Fakten und Lösungen seien bereits vorhanden und entscheidend sei nun gesellschaftliches Handeln.

Zu ihrem eigenen Verhalten zählt sie den Verzicht auf Flüge, eine vegane Ernährung, einen „Shop Stop“, bei dem sie nur Notwendiges kauft, sowie öffentlichen Druck auf Entscheidungsträger. Ihre Haltung zur Kernenergie wurde unterschiedlich wiedergegeben: Im März 2019 erklärte sie, Kernenergie könne laut Weltklimarat IPCC ein kleiner Teil einer kohlenstofffreien Lösung sein, sei aus ihrer persönlichen Sicht aber „extrem gefährlich, teuer und zeitaufwendig“; sie bezeichnete sich als Atomkraftgegnerin. Während der Energiekrise im Oktober 2022 hielt sie es jedoch für einen Fehler, noch aktive deutsche Kernkraftwerke abzuschalten, wenn dadurch mehr Kohle genutzt würde.

Vom Einzelprotest zur Weltbewegung

Am 20. August 2018, drei Wochen vor der schwedischen Parlamentswahl und während einer europäischen Dürre- und Hitzewelle, setzte sich Thunberg am ersten Schultag nach den Ferien mit dem Schild „Skolstrejk för klimatet“ vor den Schwedischen Reichstag. Bis zur Wahl am 9. September streikte sie täglich, danach jeweils freitags. Anfangs protestierte sie allein; bald berichteten Medien darüber und weitere Schüler schlossen sich an.

Ab November 2018 entstanden zunächst in Schweden und dann unter anderem in Australien, Belgien, Frankreich, Finnland, Dänemark und Deutschland ähnliche Aktionen. Sie wurden unter dem Hashtag #FridaysForFuture organisiert. Bis Anfang Dezember 2018 beteiligten sich weltweit mehr als 20.000 Schüler in rund 270 Städten. Am 15. März 2019 demonstrierten nach Angaben der Veranstalter mehr als 1,4 Millionen Schüler. Die Streiks machten die Klimakrise zu einem dauerhaften öffentlichen Thema, lösten aber auch Kritik aus, weil Schüler dafür Unterricht versäumten.

Thunberg trat bei internationalen Protesten und politischen Veranstaltungen auf. Auf der UN-Klimakonferenz in Katowice im Dezember 2018 traf sie UN-Generalsekretär António Guterres und erklärte, die Menschheit müsse zuerst die Größe der Krise erkennen, dann möglichst schnell die Emissionen stoppen und retten, was noch zu retten sei. Ihre Rede verbreitete sich weltweit im Internet.

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2019 reiste sie zur Vermeidung von Flugemissionen mit der Bahn an. Vor Institutionen der Europäischen Union forderte sie 2019, den CO₂-Ausstoß der EU bis 2030 um mindestens 80 % zu senken und dabei Luftfahrt und Schifffahrt einzubeziehen. Vor dem britischen Parlament verlangte sie, Kohlendioxidemissionen zum entscheidenden Kriterium wirtschaftlicher Entscheidungen zu machen.

Für den UN-Klimagipfel in New York überquerte sie im August 2019 den Atlantik auf der Segelyacht Malizia II. Deren elektrische Systeme wurden durch Hydrogeneratoren und Photovoltaik versorgt. Die Reise sollte Aufmerksamkeit für klimafreundlicheres Reisen schaffen; ihre Gesamtbilanz wurde jedoch kritisiert, weil mehrere Teammitglieder für die Rückführung des Bootes fliegen mussten. Am 23. September 2019 warf Thunberg beim UN-Klimagipfel etwa 60 Staats- und Regierungschefs vor, junge Menschen mit leeren Worten im Stich zu lassen. Ihr Ausruf „How dare you!“ („Wie könnt ihr es wagen!“) wurde weltweit bekannt. Als die für Santiago de Chile vorgesehene COP 25 kurzfristig nach Madrid verlegt wurde, segelte sie im November und Dezember 2019 in 21 Tagen auf dem Katamaran La Vagabonde zurück nach Europa.

Weitere Proteste und Nahostkonflikt

Thunberg weitete ihr Engagement auf Fragen aus, die sie mit Klima- und Menschenrechtsgerechtigkeit verbindet. Im Februar 2023 unterstützte sie Angehörige des indigenen Volkes der Samen, deren kulturelle Rechte durch Teile des norwegischen Windparks Fosen Vind beeinträchtigt wurden. Sie erklärte, eine Klimawende, die Menschenrechte verletze, verdiene diesen Namen nicht. Im Juni 2023 blockierte sie im Hafen von Malmö eine Straße für Öllaster und wurde wegen der Missachtung einer polizeilichen Aufforderung zu 2500 schwedischen Kronen Geldstrafe verurteilt, damals rund 215 Euro. Nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms besuchte sie 2023 eine Umweltarbeitsgruppe in der Ukraine und bezeichnete die durch den russischen Angriffskrieg verursachte Umweltzerstörung als Form der Kriegsführung. Im März 2024 verteidigte sie nach einer rechtswidrigen Blockade vor dem schwedischen Reichstag militante Aktionsformen, wenn die Politik ein aus ihrer Sicht zerstörerisches System aufrechterhalte.

Seit 2021 äußert sich Thunberg außerdem zum Nahostkonflikt. Im Mai 2021 teilte sie einen Boykottaufruf gegen Israel, erklärte nach Kritik aber, sie sei weder gegen Israel noch gegen Palästina und lehne Gewalt und Unterdrückung ab. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel und den anschließenden schweren israelischen Angriffen auf den Gazastreifen im Oktober 2023 solidarisierte sie sich öffentlich mit Palästina und Gaza, verlangte einen sofortigen Waffenstillstand sowie Gerechtigkeit und Freiheit für Palästinenser und alle betroffenen Zivilisten. Sie sprach sich für eine Zwei-Staaten-Lösung aus und erklärte später ausdrücklich, sie sei gegen die Angriffe der Hamas.

Gleichzeitig teilte sie Aufrufe und Accounts, denen Verharmlosung oder Unterstützung des Hamas-Terrors vorgeworfen wurde. Bei einer Klimaaktion in Amsterdam trug sie im November 2023 eine Kufiya und rief: „No climate justice on occupied land“ („Auf besetztem Land gibt es keine Klimagerechtigkeit“). Im Dezember 2023 beschuldigte sie gemeinsam mit anderen Israel des Genozids, unterschied dabei aber ausdrücklich zwischen dem israelischen Staat, Israelis und dem jüdischen Volk und verurteilte antisemitische Vorfälle. 2024 nahm sie an Protesten gegen Israels Teilnahme am Eurovision Song Contest sowie an einer propalästinensischen Demonstration zum Jahrestag des 7. Oktober teil.

Am 1. Juni 2025 fuhr Thunberg mit elf weiteren Aktivisten auf dem Segelboot Madleen von Sizilien ab, um die israelische Seeblockade zu durchbrechen und symbolisch Hilfsgüter nach Gaza zu bringen. Israelische Kräfte stoppten das Boot am 9. Juni; am folgenden Tag wurde Thunberg ausgewiesen. Im Dezember 2025 wurde sie in London bei einer Solidaritätsaktion für inhaftierte Mitglieder der im Vereinigten Königreich als Terrorgruppe eingestuften Palestine Action wegen eines Verstoßes gegen Antiterrorgesetze festgenommen.

Ihre Stellungnahmen sind stark umstritten. Mehrere Politiker, Journalisten sowie Antisemitismus- und Extremismusforscher bewerteten Äußerungen oder geteilte Inhalte als israelfeindlich, antisemitisch, einseitig oder als Verharmlosung der Hamas. Ein Foto mit einer Plüschkrake wurde wegen der möglichen antisemitischen Symbolik kritisiert; Thunberg erklärte, diese Bedeutung nicht gekannt zu haben, und entfernte die Krake aus dem Bild. Sie selbst verurteilt nach eigener Aussage Antisemitismus und jede Form von Diskriminierung. Andere Stimmen sehen ihr Handeln vor allem als humanitären Einsatz für die Zivilbevölkerung in Gaza. Die Bewertung ihrer Positionen bleibt damit ausdrücklich umstritten.

Wirkung, Kritik und Anerkennung

Klimaforscher wie Kevin Anderson und Stefan Rahmstorf bescheinigten Thunberg umfangreiche Kenntnisse über den Klimawandel und die Fähigkeit, wissenschaftliche Informationen in klare Botschaften zu übersetzen. Der Klimaökonom Ottmar Edenhofer erklärte, Thunberg und ihre Mitstreiter kennten die wissenschaftlichen Fakten genau. Unterstützer schreiben ihr zu, die Klimakrise in die Mitte der gesellschaftlichen Debatte gerückt und besonders junge Menschen weltweit mobilisiert zu haben.

Kritik richtete sich unter anderem gegen die starke mediale Verehrung ihrer Person, die praktische Klimabilanz ihrer Segelreise und kompromisslos wirkende Aussagen. Wolfgang Thierse sah in der Behauptung, das Klima vertrage keine Kompromisse, einen „antidemokratischen Affekt“, weil demokratische Politik schrittweise und durch Kompromisse funktioniere. Andere Kritiker hielten Thunbergs Sprache für angstbetont oder warfen Medien vor, eine Jugendliche zu stark zur Symbolfigur zu machen. Zugleich war Thunberg wegen ihres Alters, Geschlechts und Autismus persönlichen Angriffen ausgesetzt, die häufig nicht auf ihre Sachargumente eingingen.

Eine geschäftliche Vereinnahmung wies sie zurück: Das Unternehmen We Don’t Have Time AB berichtete seit August 2018 über ihre Streiks, bezeichnete sie ohne ihr Wissen als Ratgeberin und verwendete ihren Namen elfmal im Prospekt einer Aktienemission. Anfang 2019 beendete Thunberg jede Verbindung zu der Organisation; ihr Vater erklärte, sie wolle unabhängig bleiben und keiner Organisation zugeordnet werden.

Zu ihren bedeutendsten Ehrungen gehören der Right Livelihood Award vom 4. Dezember 2019 und die Auszeichnung als „Person of the Year“ des Time-Magazins am 11. Dezember 2019; sie war damals die jüngste Person, die diesen Titel erhalten hatte. Außerdem erhielt sie 2019 den Internationalen Kinder-Friedenspreis und den Ambassador of Conscience Award von Amnesty International gemeinsam mit Fridays for Future. Den Natur- und Umweltpreis des Nordischen Rates lehnte sie ab. 2020 erhielt sie den mit einer Million Euro dotierten Preis für Menschlichkeit der Calouste-Gulbenkian-Stiftung und kündigte an, das Geld an Umwelt- und Klimaschutzorganisationen zu spenden. Ehrendoktorwürden verliehen ihr 2019 die Universität Mons und 2023 die Universität Helsinki.

Thunbergs Wirken wurde in Dokumentarfilmen, Musik und Büchern verarbeitet. Der Dokumentarfilm Ich bin Greta von Nathan Grossman begleitet sie von ihren ersten Schulstreiks bis zu Begegnungen mit politischen Entscheidungsträgern. Zu ihren eigenen Veröffentlichungen gehören die 2019 erschienene Redensammlung Ich will, dass ihr in Panik geratet!, das gemeinsam mit ihrer Familie verfasste Buch Szenen aus dem Herzen und Das Klima-Buch von 2022.

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