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Klimaschutz
↑ Global Carbon Project: Global CO2 pathways using Remaining Carbon Budgets. In: Figures from the Global Carbon Budget 2024. University of Exeter, 3 …
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Begriff und Ziel
Klimaschutz ist der Sammelbegriff für organisatorische, technische, politische und persönliche Maßnahmen, die der durch Menschen verursachten globalen Erwärmung entgegenwirken und ihre Folgen abmildern oder verhindern sollen. Diese Minderung wird auch Mitigation genannt. Daneben ist Anpassung an bereits unvermeidbare Folgen des Klimawandels nötig, zum Beispiel Deichbau oder Katastrophenvorsorge.
Zentrale Grenze ist die Zwei-Grad-Schwelle; nach dem Übereinkommen von Paris soll die Erwärmung auf deutlich unter 2 °C gegenüber vorindustrieller Zeit begrenzt und möglichst auf 1,5 °C beschränkt werden. Weil Kohlenstoffdioxid sehr lange in der Atmosphäre bleibt und manche Folgen irreversibel sind, wirken heutige Entscheidungen über Tausende bis Zehntausende Jahre nach.
Kernelement des Klimaschutzes ist die drastische Verringerung der Treibhausgasemissionen aus Energieerzeugung, Industrie, Landwirtschaft, Verkehr und Haushalten, bis Netto-Null-Emissionen erreicht sind. Netto-Null bedeutet, dass nicht mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, als gleichzeitig wieder gebunden oder entfernt werden. Außerdem müssen Kohlenstoffsenken wie Wälder, Moore und Ozeane erhalten oder wiederhergestellt werden.
Ausgangslage und Grenzen
Hauptursache der globalen Erwärmung sind menschliche Treibhausgasemissionen. Im Jahr 2019 lagen sie bei 59 Milliarden Tonnen (± 6,6) CO2-Äquivalent. Größte Quelle waren CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern und Industrieprozessen mit 38 ± 3 Milliarden Tonnen, gefolgt von Methan mit 11 ± 3,2 Milliarden Tonnen, CO2 aus Landnutzungsänderungen wie Entwaldung mit 6,6 ± 4,6 Milliarden Tonnen, Lachgas mit 2,7 ± 1,6 Milliarden Tonnen und weiteren Treibhausgasen mit 1,4 ± 0,41 Milliarden Tonnen.
Um die Erwärmung zu stoppen, müssen CO2-Emissionen netto praktisch auf null sinken. Eine bloße Stabilisierung auf heutigem Niveau reicht nicht. Für jede Temperaturgrenze gibt es nur ein begrenztes Emissionsbudget. Soll das Zwei-Grad-Ziel mit mehr als 50 % Wahrscheinlichkeit erreicht werden, dürfen nach IPCC-Daten im Zeitraum 2011 bis 2050 maximal 870 bis 1.240 Gigatonnen CO2 ausgestoßen werden. Daraus folgt, dass etwa ein Drittel der globalen Ölreserven, die Hälfte der Erdgasreserven und mehr als 80 % der Kohlereserven nicht verbrannt werden dürfen.
Verzögerungen machen Klimaschutz teurer und schwieriger. Je später der Emissionshöhepunkt erreicht wird, desto schneller müssen Emissionen danach sinken. Zudem steigt die Gefahr von Pfadabhängigkeiten wie einem carbon-lock-in: langlebige fossile Infrastruktur erschwert dann den Umstieg auf klimaneutrale Systeme.
Wege zur Umsetzung
Eine 2017 in Science veröffentlichte Roadmap übersetzte die Paris-Ziele in konkrete Schritte. Grundlage war ein verbleibendes weltweites CO2-Budget von maximal 700 Milliarden Tonnen bis 2100, inklusive Risikopuffer. Das sogenannte Kohlenstoff-Gesetz sah vor, dass die globalen Treibhausgasemissionen spätestens 2020 ihren Höhepunkt erreichen und danach pro Jahrzehnt halbiert werden: von 40 Milliarden Tonnen 2020 auf 20 Milliarden Tonnen 2030, 10 Milliarden Tonnen 2040 und 5 Milliarden Tonnen 2050.
Zwischen 2017 und 2020 hätten wichtige politische Grundlagen geschaffen werden sollen, darunter wirksame Förderung erneuerbarer Energien, ein Mindestpreis im Europäischen Emissionshandel von mindestens 50 Dollar pro Tonne, der Stopp neuer Kohlekraftwerke ohne CCS-Technik und die Abschaffung fossiler Subventionen von damals etwa 500 bis 600 Milliarden Dollar jährlich.
Von 2020 bis 2030 wären Energieeffizienz, ein weltweiter Emissionshandel, Kohleausstieg bis etwa 2030, das Ende neuer Verbrennungsmotoren bis spätestens 2030 sowie Forschung zu Speichern, Batterien, Wasserstoff, alternativen Flugtreibstoffen, CCS und negativen Emissionen wichtig gewesen. Bis Ende 2023 wurden laut Artikel jedoch nur kleine Veränderungen umgesetzt.
Bis 2040 sollen erste Staaten vollständig elektrifiziert und dekarbonisiert sein, Verbrenner-Pkw weitgehend ersetzt, Neubauten CO2-neutral und der weltweite Ölausstieg etwa bis 2040 vollzogen werden. Bis 2050 müsste die Energieversorgung weitgehend auf erneuerbaren Energien beruhen. BECCS-Kraftwerke sollten nach der Roadmap bis 2050 mindestens 5 Milliarden Tonnen CO2 pro Jahr aus der Atmosphäre ziehen; ob solche negativen Emissionen in großem Umfang möglich sind, ist in der Forschung umstritten.
Sektoren und Maßnahmen
Der Energiesektor ist eine zentrale Stellschraube, weil ein großer Teil der globalen Emissionen aus Energiegewinnung und -bereitstellung stammt. Der IPCC sieht rasche und tiefgreifende Emissionsminderungen im Energiesystem als Voraussetzung, um die Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten. Erneuerbare Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft sollen dabei den überwiegenden Teil der Stromerzeugung übernehmen. Kernenergie kann nach IPCC-Einschätzung CO2-arme Energie bereitstellen, bleibt aber wegen Kosten, Bau, Entsorgung radioaktiver Abfälle und Akzeptanz umstritten.
Erneuerbare Energien verursachen über ihren Lebenszyklus deutlich weniger Emissionen als fossile Kraftwerke: im Mittel 9,4 g CO2/kWh bei Windkraft, 11,6 g CO2/kWh bei Wasserkraft und 29,2 g CO2/kWh bei Photovoltaik, gegenüber etwa 350 bis 400 g CO2/kWh bei GuD-Gaskraftwerken und 750 bis 1050 g CO2/kWh bei Steinkohlekraftwerken.
Auf Verbraucherseite geht es um Energieeffizienz und Einsparung. In Deutschland waren Privathaushalte durch Heizen, Stromverbrauch und Individualverkehr für etwa 15 % der klimaschädlichen Emissionen und rund 28 % des Endenergieverbrauchs verantwortlich. Maßnahmen sind bessere Gebäudedämmung, Wärmepumpen, Passivhausstandard, effiziente Geräte, LED-Beleuchtung, Ökostrom, Photovoltaik, nachhaltige IT und Kompensation unvermeidbarer Emissionen.
Im Verkehr helfen weniger Autofahrten und Flugreisen, kürzere Wegeketten, Fahrrad, öffentlicher Verkehr, Elektromobilität, Carsharing und energiesparende Fahrweise. In der Landwirtschaft sind Schutz von Kohlenstoffspeichern, Renaturierung, Humusförderung sowie geringere Stickstoffemissionen aus Tierhaltung und Düngermanagement wichtig. Land- und Forstwirtschaft verursachen laut Weltklimarat 23 % der Treibhausgasemissionen.
Politik und Gesellschaft
Klimaschutz wird international, national, kommunal und zivilgesellschaftlich betrieben. Die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 soll eine gefährliche Störung des Klimasystems verhindern. Das Kyoto-Protokoll trat 2005 in Kraft; das Pariser Übereinkommen von 2015 trat am 4. November 2016 in Kraft. Die damals eingereichten nationalen Pläne reichen laut Artikel nicht aus: Bei Erfüllung der Zusagen ergäbe sich eine Erwärmung von 2,6 bis 3,1 °C bis 2100.
Deutschland hat im Klimaschutzplan 2050 und im Bundes-Klimaschutzgesetz Ziele festgelegt. Nach einer Verschärfung soll der Treibhausgasausstoß bis 2030 gegenüber 1990 um mindestens 65 % sinken, bis 2040 um mindestens 88 %. Bis 2045 soll Deutschland treibhausgasneutral sein, ab 2050 negative Emissionen erreichen. Stand 2022 wird Deutschland diese Ziele ohne größere politische Anstrengungen verfehlen.
Nichtstaatliche Akteure wie Greenpeace, WWF, BUND, NABU, Extinction Rebellion, Ende Gelände, Just Stop Oil, End Fossil und Letzte Generation begleiten und kritisieren Klimapolitik. Seit 2018 entstand mit Fridays for Future eine internationale Jugendbewegung. Am 20. September 2019 nahmen nach Angaben der Veranstalter allein in Deutschland 1,4 Millionen Menschen an Demonstrationen teil. Scientists for Future unterstützten die Anliegen der Protestierenden; mehr als 26.800 Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterzeichneten eine entsprechende Stellungnahme.
Nutzen, Kosten und Ausgleich
Klimaschutz verursacht Kosten, verhindert aber zugleich Klimaschäden und weitere Folgekosten. Die genauen Gesamtkosten sind unsicher, die Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels noch unsicherer. Autoren des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung schätzen, dass effektiver und rascher Klimaschutz bis 2050 etwa 200 Billionen US-Dollar an Folgeschäden vermeiden kann. Eine Nature-Studie von 2018 nennt bei 4 °C Erwärmung bis 2100 weltweite ökonomische Verluste von mehr als 30 % des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf; bei 2,5 bis 3 °C etwa 15 bis 25 %.
Klimaschutz hat positive Nebeneffekte, weil weniger fossile Brennstoffe auch weniger Luftschadstoffe bedeuten. Dazu zählen bessere Gesundheit, weniger vorzeitige Todesfälle, Schutz von Ökosystemen und Artenvielfalt, bessere Wasserverfügbarkeit, Ernährungssicherheit und Energiesicherheit. Eine Studie in Science von 2012 nennt bei Maßnahmen, die die Erwärmung bis 2050 um 0,5 °C verlangsamen, zusätzlich 30 bis 135 Millionen Tonnen Getreideproduktion pro Jahr und 700.000 bis 4,7 Millionen vermiedene Todesfälle durch Luftverschmutzung.
Sozialer Ausgleich ist wichtig, weil Klimaschutzmaßnahmen besonders für weniger wohlhabende Haushalte als Bedrohung ihres Lebensstandards wirken können. Ein Instrument ist, CO2-Bepreisung mit einer Klimaprämie zu verbinden, bei der Einnahmen zurückerstattet werden.
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