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Freikirchen in Österreich
Das Bündnis Freikirchen in Österreich (FKÖ) ist seit 2013 eine anerkannte Religionsgemeinschaft in Österreich und besteht aus fünf freikirchlichen Bünden.
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Überblick und Anerkennung
Freikirchen in Österreich (FKÖ) ist ein Zusammenschluss von fünf freikirchlichen Bünden und seit dem 26. August 2013 eine staatlich anerkannte Kirche beziehungsweise Religionsgesellschaft in Österreich. Damit besitzt sie den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die FKÖ war bei ihrer Anerkennung die 16. staatlich anerkannte Kirche oder Religionsgesellschaft Österreichs.
Freikirchen gehören zum Protestantismus. Ein gemeinsames Merkmal ist die Gläubigentaufe: Getauft werden Menschen, die ihren Glauben persönlich bekennen; die Taufe von Kleinkindern wird abgelehnt. Für 2013 wurden ungefähr 20.000 Angehörige in mehr als 160 Gemeinden angegeben.
Vor der Anerkennung hatten die fünf Bünde den Status eingetragener religiöser Bekenntnisgemeinschaften. Das Bekenntnisgemeinschafts-Gesetz von 1998 verlangte für die gesetzliche Anerkennung damals Mitglieder in Höhe von 2 ‰ der österreichischen Bevölkerung, bei etwa 8,5 Millionen Einwohnern also ungefähr 17.000 Menschen. Die FKÖ konnte 2013 etwa 20.000 Mitglieder glaubhaft machen. Der Antrag war im Januar 2013 gestellt worden.
Die Volkszählung von 2001 nannte für Pfingstgemeinden 7.186, Evangelikale 4.892, Baptisten 2.108 und Mennoniten 381 Personen, zusammen 14.567. Dabei wurden vermutlich auch nicht getaufte, religionsunmündige Kinder angegeben. Repräsentanten der Volkskirchen unterstützten die Anerkennung; Peter Krömer vertrat die Freikirchen beim Antrag.
Entwicklung in Österreich
Österreich wurde seit der Christianisierung lange von der römisch-katholischen Kirche geprägt. Die Reformation durch Martin Luther und Ulrich Zwingli wird auch von Freikirchen als wichtig angesehen. Aus ihr ging die Täuferbewegung als radikal-reformatorische Strömung hervor. Sie verbreitete sich in der Habsburgermonarchie, konnte wegen staatlich angeordneter Verfolgung jedoch nicht dauerhaft bestehen. Das Toleranzpatent von 1781 bezog sich nur auf Lutheraner, Reformierte und Orthodoxe.
Eine begrenzte Tolerierung einzelner Gemeinschaften begann erst im späteren 19. Jahrhundert. Die Herrnhuter Brüdergemeine wurde 1880 als Evangelische Brüderkirche anerkannt; diese Anerkennung wurde 2012 wegen fehlender aktiver Gemeinden in Österreich aufgehoben. Die älteste organisatorisch durchgehend bestehende Freikirche auf dem Gebiet des heutigen Österreichs sind die Baptisten: Sie trafen sich ab 1846 in Wien, gründeten 1869 formell eine Gemeinde.
Pfingstgemeinden entstanden in den 1920er Jahren in Wien, Salzburg und später Bad Ischl; ihre Bünde ab den 1940er und 1950er Jahren. In dieser Zeit entstanden auch erste Mennonitengemeinden. Der Bund Evangelikaler Gemeinden entstand in den 1990er Jahren, die Elaia-Gemeinschaft als Zusammenschluss charismatischer Gemeinden in den 2000er Jahren.
Anerkennungsanträge von Methodisten (1892), Baptisten (1906) und Mennoniten (2009) wurden nicht erfolgreich abgeschlossen. Ab 1998 erhielten Baptisten, Evangelikale und Pfingstler den Status von Bekenntnisgemeinschaften, 2001 die Mennoniten und 2006 die Elaia-Christengemeinden. Wegen Benachteiligungen und rechtlicher Unsicherheiten strebten sie die volle Anerkennung an. Als aussichtsreichster Weg erwies sich der Zusammenschluss der fünf Bünde.
Glaube und Gemeindeverständnis
Die gemeinsame Glaubensgrundlage bekennt Jesus Christus als „Herrn und Erlöser der Welt“. Die Bibel gilt als Grundlage von Glauben, Denken und Handeln. Sie wird als von Menschen mit göttlicher Eingebung geschrieben und zusammengestellt verstanden, als Wort Gottes ohne Einschränkungen zuverlässig und als höchste Richtlinie für Glauben und Lebensführung. Die FKÖ verweist zugleich auf die Verbundenheit mit allen Christen weltweit und auf das Apostolische Glaubensbekenntnis.
Als Aufgabe nennen die Freikirchen die Verbreitung der Heilsbotschaft Jesu Christi. Gottes Liebe und wiederherstellende Kraft sollen durch Leben und Wirken der Mitglieder sichtbar werden und Menschen sowie Gesellschaften verändern. Als zentrale Anliegen werden Jesus als Mittelpunkt, persönlicher Glaube, theologische Ausbildung, aktive selbständige Ortsgemeinden, Mission, Verbundenheit mit allen Christen sowie Trennung und Zusammenwirken von Staat und Kirche genannt.
Die Ortsgemeinden sind im Sinn des Kongregationalismus selbständig. Der Zusammenschluss ist deshalb keine hierarchisch geleitete Kirche; auch die fünf Bünde entscheiden weiterhin eigenständig. In einzelnen theologischen und praktischen Fragen bestehen Unterschiede. Walter Klimt schätzte, dass etwa die Hälfte der Gemeinden Frauen in Leitungsfunktionen zulässt. Zugleich stimmten in allen fünf Bünden mehr als 98 % dem Zusammenschluss zu.
Bünde, Gemeinden und Mitglieder
Zur FKÖ gehören fünf Bünde: der Bund der Baptistengemeinden in Österreich, der Bund Evangelikaler Gemeinden in Österreich (BEG), die Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde (FCGÖ), die Elaia Christengemeinden (ECG) und die Mennonitische Freikirche Österreich.
Anfang der 2010er Jahre hatten die Baptisten ungefähr 25 örtliche Gemeinden und etwa 2.000 Mitglieder, die Evangelikalen etwa 45 Gemeinden und etwa 5.000 Mitglieder, die Pfingstgemeinden etwa 80 Gemeinden und etwa 7.200 Mitglieder, Elaia 7 Gemeinden und etwa 400 Mitglieder sowie die Mennoniten 6 Gemeinden und etwa 400 Mitglieder.
2001 umfassten die vier damals in der Volkszählung berücksichtigten Bünde 103 Gemeinden und knapp 15.000 amtlich gezählte Mitglieder. 2012 waren es mit den sieben Elaia-Gemeinden 166 Gemeinden, also mehr als die Hälfte mehr. Dieser Anstieg beruhte nur teilweise auf Neugründungen; viele bestehende Gemeinden schlossen sich erst zwischen 2001 und 2012 einem Bund an. Besonders viele FKÖ-Gemeinden gibt es in Wien und Oberösterreich, jeweils mehr als 30. Die fünf Bünde erfassen nicht alle Freikirchen Österreichs: Insgesamt dürfte es etwa 300 freikirchliche Gemeinden und rund 50.000 freikirchliche Christen geben.
Leitung und Religionsunterricht
Die Koordination übernimmt ein 2013 gebildeter Rat aus Leitenden der fünf Bünde. Er hat neun Mitglieder; die Bünde sind entsprechend ihrer Mitgliederzahl unterschiedlich stark vertreten. Der Vorsitz soll alle zwei Jahre an einen anderen Bund wechseln. Vorsitzende waren zunächst Walter Klimt, ab 2015 Edwin Jung, ab 2017 Reinhold Eichinger, ab September 2019 Reinhard Kummer und ab Ende September 2021 Karl Peloschek.
Im September 2014 begann ein gemeinsamer freikirchlicher Religionsunterricht an Schulen in allen Bundesländern. Im Schuljahr 2021/22 nahmen fast 2.300 Schüler teil, unterrichtet von mehr als 100 Religionslehrern; die Teilnehmerzahl wächst jährlich um etwa 10 %. In Oberösterreich besuchten 2022 etwa 1.000 Schüler diesen Unterricht, fast die Hälfte aller Teilnehmenden. Das 2014 gegründete Schulamt leitet seit Beginn Armin Wunderli.
An der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule wurde ab 2014 mehrfach der Lehrgang „Religion freikirchlich“ mit 15 Credits angeboten. Seit 2018 gibt es für Volksschullehrer den Schwerpunkt „Freikirchliche Religion“ mit 60 Credits.