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Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde in Österreich
Durch den Zusammenschluss mit vier anderen Gemeindebünden (Baptisten, Evangelikale, Elaia Christengemeinden, Mennoniten) entstand 2013 die Freikirche …
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Wesen und Entwicklung
Die Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde FCGÖ ist ein pfingstlicher Gemeindebund in Österreich. Er umfasst etwa 100 örtliche Christengemeinden mit etwas über 10.000 Angehörigen (Stand: 2018). Die FCGÖ ist kongregationalistisch organisiert: Die einzelnen Gemeinden tragen eine weitgehende Eigenverantwortung. Sitz der Organisation ist Bürmoos.
Die Anfänge reichen in die frühen 1920er Jahre zurück. Durch schwedische Missionare aus den Filadelfiaförsamlingen in Stockholm entstand in Wien eine Pfingstgemeinde. Zeitweise bestanden dort die Gemeinden „Philadelphia“ und „Salem“, die sich später vereinigten. Die Gemeinde hatte bis zu 200 Mitglieder; außerdem entstanden in umliegenden Orten Hausversammlungen. Während des Versammlungsverbots von 1936 durften keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden, Gemeindelokale wurden versiegelt und ausländische Missionare mussten Österreich verlassen. Ehrenamtliche Älteste führten die Arbeit weiter, unter anderem durch Versammlungen in Privathäusern. Auch im Salzkammergut entstanden Gebetskreise, etwa in St. Wolfgang und Bad Ischl.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich kleine Gemeinden und Hausversammlungen zusammen. Am 14. Dezember 1946 wurden die „Freien Christengemeinden Österreichs“ in Sattledt gegründet und Österreich in fünf Arbeitsdistrikte eingeteilt. Dieses Datum gilt als Beginn der Pfingstbewegung in Österreich. Vertriebenen und jugoslawiendeutschen Anhängern kam beim Aufbau eine wichtige Rolle zu. Oberösterreich wurde wegen der dort betreuten Flüchtlinge zu einem Schwerpunkt.
Anfang der 1950er Jahre wanderten viele Mitglieder nach Kanada, in die USA, nach Australien und nach Deutschland aus. Die Mitgliederzahl sank dadurch von etwa 1800 im Jahr 1948 deutlich. In den folgenden Jahren entstanden aus Hausversammlungen weitere Gemeinden und erste Gemeindehäuser, die Entwicklung blieb jedoch bis in die 1960er Jahre langsam.
Seit den 1970er Jahren unterstützten Missionare aus Skandinavien, den USA, Holland und Großbritannien den Gemeindebund. Gemeinden gab es nun in allen neun Bundesländern. Jugendtreffen, Kinderlager, Seminare, eine Kurzbibelschule und später ein Selbststudienprogramm des ICI – Internationales Korrespondenz Institut erweiterten die Aktivitäten. Auch die Teen-Challenge-Arbeit von David Wilkerson erreichte Österreich; heute liegt ihr Schwerpunkt auf der Betreuung von Gefangenen und Haftentlassenen.
Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges kamen viele Pfingstgläubige aus Rumänien nach Österreich. Für Gottesdienste in rumänischer Sprache entstand 1993 ein Rumänischer Zweig. Gegen Ende des Jahres 1999 wurden 1650 Mitglieder, 33 Gemeinden und Versammlungsorte sowie ein rumänischer Zweig mit 6 Gemeinden und etwa 300 Mitgliedern genannt. Die Mitgliederzahl erfasst wegen der Großtaufe Kinder bis zum Alter von 12 bis 14 Jahren nicht.
Rechtlicher Status
Mit Wirksamkeit vom 11. Juli 1998 erhielt die Organisation die Rechtspersönlichkeit als eingetragene Bekenntnisgemeinschaft. Der Dachverband wurde als Freie Christengemeinde – Pfingstgemeinde FCGÖ bezeichnet.
Im Jahr 2005 wurden nach fünfjährigen Gesprächen 16 neue Gemeinden aufgenommen. Sie bildeten den Charismatischen Zweigverband und „Vision für Österreich“ als eigene Zweigverbände. 2006 kamen 9 Gemeinden als Internationaler Zweig hinzu. Laut Volkszählung 2001 bekannten sich 7186 Personen zur FCGÖ, darunter 5061 mit österreichischer und 2125 mit anderer Staatsbürgerschaft. 2012 beschloss man, Gemeinden mit afrikanischem Migrationshintergrund in einem afrikanischen Zweig zu organisieren.
Die volle staatliche Anerkennung eines einzelnen freikirchlichen Gemeindebundes war unter anderem wegen der gesetzlich geforderten Mitgliederzahl von 2 Promille der Gesamtbevölkerung schwierig; dies entsprach ungefähr 16.000 Personen. Deshalb schloss sich die FCGÖ mit dem Bund der Baptistengemeinden, dem Bund Evangelikaler Gemeinden, den Elaia Christengemeinden und der Mennonitischen Freikirche zusammen. Am 26. August 2013 wurde die gemeinsame Dachorganisation Freikirchen in Österreich durch Verordnung der Unterrichtsministerin (BGBl. II Nr. 250/2013) als gesetzlich anerkannte Kirche beziehungsweise Religionsgesellschaft anerkannt. Dadurch wurden gemeinsamer freikirchlicher Religionsunterricht und die Gründung konfessioneller Privatschulen mit Öffentlichkeitsrecht möglich.
Grundzüge des Glaubens
Nach der im Artikel dargestellten Lehre ist die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments die alleinige Grundlage für Lehre und Leben (Sola scriptura). Zum Alten Testament werden die 39 aus dem Judentum überlieferten Bücher gezählt; die Apokryphen oder deuterokanonischen Schriften gehören in dieser Zählung nicht dazu. Die FCGÖ bekennt sich zur Trinitätslehre: Vater, Sohn und Heiliger Geist sind der eine Gott, entsprechend den altkirchlichen Bekenntnissen.
In der Heilslehre (Soteriologie) gilt: Jesus Christus hat das Heil für alle Menschen erworben. Der Einzelne eignet es sich durch den Glauben an Jesus und die Umkehr von den Sünden persönlich an. Dabei wird eine reformatorisch geprägte Rechtfertigungslehre vertreten: Sola fide und sola gratia bedeuten „allein der Glaube“ und „allein die Gnade“.
Die Gemeinde (Ekklesiologie) umfasst Menschen, die an Jesus Christus glauben und sich mit der Taufe im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes öffentlich als seine Nachfolger bekennen. Die Taufe wird als Taufe der Gläubigen verstanden; das Alter ist dabei gegenüber der Religionsmündigkeit zweitrangig. Zugleich wird anderen christlichen Gemeinde-, Kirchen- und Taufverständnissen nicht das Christsein abgesprochen. Eine örtliche Gemeinde wird normalerweise von einem ordinierten Pastor und einem Kollegium von Ältesten geleitet. Sie gestaltet ihr Gemeindeleben im Rahmen der gemeinsamen Interessen des Bundes selbstständig und finanziert ihre Ausgaben durch freiwillige Spenden.
Es gibt keinen vorgeschriebenen Gottesdienstablauf. Typische Elemente sind Begrüßung, Lobpreis mit modernen Liedern und Instrumenten, freies Gebet und Fürbitte, besonders für Kranke, die Ausübung von Charismen des Heiligen Geistes wie Zungenrede mit Auslegung und prophetische Rede, die Predigt sowie das Abendmahl. Dieses wird meist einmal monatlich gefeiert, mancherorts häufiger, und mit Brot sowie Wein oder vielfach Traubensaft empfangen. Hinzu kommt eine freie Kollekte.
Die Gemeinden betreiben selbst kein politisches Engagement. Ihren Mitgliedern steht es frei, sich nach eigener Gewissensentscheidung in das öffentliche Leben einzubringen, etwa durch Militär- oder Zivildienst und die Mitgliedschaft in politischen Parteien. Für die jeweilige Regierung wird gebetet. In der Eschatologie bekennt sich die FCGÖ zur sichtbaren Wiederkunft Jesu Christi, zur Vollendung des Reiches Gottes und zum Gericht Gottes über Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit. Der Artikel weist darauf hin, dass dieser Abschnitt nicht ausreichend mit Belegen ausgestattet ist.
Leitung und Aufbau
Die FCGÖ ist als freikirchliche Gemeindeorganisation aufgebaut und dient als gemeinsame Vertretung der angeschlossenen Gemeinden. Oberstes Gremium ist die Jahreskonferenz. Sie besteht aus Delegierten der Gemeinden und Mitgliedern des Pastoralrates. Ihre Zuständigkeit betrifft nur Bereiche, die über die einzelne Gemeinde hinausgehen; die volle Eigenverantwortung der Gemeinden bleibt erhalten. Die Jahreskonferenz nimmt Jahresberichte ab, bestätigt sie, erteilt Entlastung und wählt den Vorstand der Bewegung.
Der Pastoralrat wird von der Jahreskonferenz bestätigt. In ihn kann jeder ordinierte Pastor aufgenommen werden. Er ist das Arbeits- und Leitungsgremium der Bewegung, der Jahreskonferenz verantwortlich und auf das gegenseitige Vertrauen der Gemeinden angewiesen. Zu seinen Aufgaben gehören die Unterstützung bei Gemeindegründungen, die Ordination von voll- und nebenamtlichen Pastoralassistenten sowie die Beurteilung ihrer Ordinationsarbeit. Der Pastorendienst selbst wird von der örtlichen Gemeinde berufen. Der Pastoralrat achtet außerdem auf eine Leitung gemäß dem Wort Gottes, überwacht Lehre und Methoden und kann bei Verfehlungen in Lehre, Praxis oder Lebensführung Rechenschaft verlangen, ohne die Selbstständigkeit der Gemeinde zu verletzen.
Der Vorstand ist das Leitungsgremium des Pastoralrates und erhält seine Befugnisse von diesem. Er vertritt die Bewegung nach innen und außen, pflegt Kontakte zu Gemeinden, anderen Bewegungen und Ländern, bereitet die Sitzungen des Pastoralrates vor und vermittelt bei Meinungsverschiedenheiten oder Missständen, wenn er angerufen wird.
Teilverbände und Beziehungen
Stand August 2018 gliederte sich die FCGÖ in sechs Teilverbände:
- Die Freie Christengemeinde als Stammbewegung freikirchlich orientierter Kirchengemeinden wurde 1946 gegründet und umfasste 39 Gemeinden.
- Der Afrikanische Teilverband umfasst Gemeinden mit afrikanischen Wurzeln; er wurde 2013 gegründet und hatte 12 Gemeinden.
- Der Charismatische Teilverband besteht aus Gemeinden der charismatischen Bewegung; er wurde 2005 gegründet und umfasste 13 Gemeinden.
- Der Internationale Teilverband richtet sich an Gemeinden mit nationenübergreifendem Anliegen; er wurde 2006 gegründet und hatte 3 Gemeinden.
- LIFE Church wurde 2005 als „Vision für Österreich“ gegründet, heißt seit 2012 LIFE Church und umfasste 13 Gemeinden.
- Der Rumänische Teilverband umfasst Gemeinden mit rumänischem Migrationshintergrund. Er wurde 1993 gegründet und hatte 20 Gemeinden.
Übergemeindlich ist die FCGÖ Vollmitglied der Österreichischen Bibelgesellschaft und Partner der Österreichischen Evangelischen Allianz. International versteht sie sich als Teil der Pentecostal European Fellowship und damit der Pentecostal World Fellowship.