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Französisch-Guayana
Französisch-Guayana liegt im Nordosten Südamerikas am Atlantischen Ozean zwischen Brasilien und Suriname bei 4° nördlicher Breite und 53° westlicher Länge.
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Lage, Status und Grunddaten
Französisch-Guayana, französisch Guyane, ist ein französisches Überseedépartement mit der Ordnungsnummer 973 und zugleich eine Region Frankreichs. Es liegt im Nordosten Südamerikas am Atlantischen Ozean zwischen Brasilien und Suriname. Hauptort ist Cayenne, Amtssprache Französisch und gesetzliches Zahlungsmittel der Euro. Die Fläche beträgt 83.846 km²; für 2022 werden 304.557 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 3,5 Einwohnern je km² angegeben.
Seit Dezember 2015 sind Département und Region in der Collectivité Territoriale de Guyane zusammengefasst. Diese einheitliche Gebietskörperschaft übernimmt die Aufgaben beider Ebenen. Ihr beschlussfassendes Organ ist die Assemblée de Guyane; deren Präsident leitet zugleich die Exekutive.
Französisch-Guayana ist als Gebiet in äußerster Randlage Teil der Europäischen Union und gehört zu deren Zollgebiet. Es ist jedoch weder Teil des Schengen-Raums noch des Mehrwertsteuersystems der EU. Die Grenzen zu Brasilien und Suriname sind die einzigen Außengrenzen der EU auf dem amerikanischen Festland.
Naturraum und Klima
Französisch-Guayana besitzt eine 378 km lange Atlantikküste. Die Grenze zu Brasilien ist 730 km, die zu Suriname 510 km lang. Damit bildet die brasilianische Grenze die längste Grenze Frankreichs mit einem anderen Staat. Das Gebiet gehört zum Guayanischen Bergland, das sich über 1,5 Millionen km² im Nordosten Südamerikas erstreckt. Seine klimatische Isolation vom umliegenden Regenwald hat eine endemische Tier- und Pflanzenwelt hervorgebracht, also Arten, die nur in einem begrenzten Gebiet vorkommen.
Die höchste Erhebung ist der Bellevue de l’Inini mit 851 m. Im Süden liegt das Massif Tabulaire, ein Mittelgebirge mit Höhen um 800 m. Wichtige Flüsse sind von Westen nach Osten der Maroni, der die Grenze zu Suriname bildet, der Sinnamary, der Approuague und der Oyapock an der Grenze zu Brasilien. Ein Gebiet im Süden ist zwischen Französisch-Guayana und Suriname umstritten.
Etwa 90 % des Landes sind mit tropischem Regenwald bedeckt. Damit besitzt Französisch-Guayana das größte zusammenhängende Waldgebiet Frankreichs und der EU. Die meisten Menschen leben dagegen an der Küste. Zu den größten Städten gehörten 2023 Cayenne mit 62.675 Einwohnern, Saint-Laurent-du-Maroni mit 54.429, Matoury mit 36.512, Remire-Montjoly mit 27.723 und Kourou mit 24.824 Einwohnern. Matoury und Remire-Montjoly gehören zur Agglomeration Cayenne.
Das Klima ist tropisch und wird nach Köppen und Geiger als tropisches Monsunklima, Am-Klima, eingeordnet. Die Temperaturen bleiben ganzjährig relativ konstant und liegen allgemein im Mittel um 28 °C; für Cayenne weist die Tabelle eine mittlere Jahrestemperatur von 26 °C aus. Von August bis Dezember herrscht Trockenzeit, während die übrigen Monate zur Regenzeit gehören. Cayenne erhält durchschnittlich 2.446 mm Niederschlag an 202 Regentagen pro Jahr. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt meist zwischen 80 und 90 %; für Cayenne beträgt das Jahresmittel 82,6 %. Wegen der Nähe zum Äquator und der vorherrschenden Luftströmungen sind tropische Wirbelstürme praktisch ausgeschlossen.
Geschichtliche Entwicklung
Christoph Kolumbus erreichte die Küste Guayanas 1498. Europäische Siedler kamen jedoch erst etwa hundert Jahre später: zunächst Niederländer, ab 1604 auch Franzosen und Engländer. Im Frieden von Badajoz wurde die französische Kolonie 1801 durch ein von Portugiesisch-Brasilien abgetretenes Gebiet vergrößert.
Besonders bekannt wurde die Strafkolonie auf den Îles du Salut, zu denen die Teufelsinsel gehört. Der sogenannte „Archipel der Verdammten“ bestand von 1852 bis 1951; dort waren bis zu 70.000 Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten inhaftiert.
1946 wurde Französisch-Guayana ein Überseedépartement und damit integraler Bestandteil Frankreichs. Es erhielt eine eingeschränkte Selbstverwaltung und ist seither in Nationalversammlung und Senat vertreten. 1968 entstand in Kourou das wegen seiner äquatornahen Lage günstige Raketenabschussgelände Centre Spatial Guyanais. Der Erfolg des Ariane-Programms und die Unternehmensstrategie von Arianespace trugen wesentlich zu seiner Entwicklung bei.
Seit den Dezentralisierungsgesetzen von 1982 bestanden auf demselben Gebiet ein Département und eine rechtlich getrennte Region mit eigenem Generalrat beziehungsweise Regionalrat. Bei einer Volksabstimmung am 10. Januar 2010 lehnten 69,8 % der Abstimmenden eine Collectivité d’outre-mer mit größerer Autonomie ab; die Wahlbeteiligung betrug 55 %. Am 24. Januar 2010 stimmten 57,58 % für die Zusammenlegung von Département und Region, allerdings bei nur 27,44 % Wahlbeteiligung. Die Fusion wurde im Dezember 2015 umgesetzt. Dabei wurden auch die bisherigen 19 Kantone aufgelöst. Erster Präsident der neuen Assemblée de Guyane wurde Rodolphe Alexandre; nach der Wahl im Juni 2021 folgte ihm Gabriel Serville.
Bevölkerung und Gesellschaft
Zum 1. Januar 2023 hatte Französisch-Guayana 293.996 Einwohner; die Grunddatentabelle nennt für 2022 den Wert 304.557. Die Bevölkerung ist sehr jung, das Durchschnittsalter beträgt 28,6 Jahre. Wegen einer hohen Geburtenrate und Einwanderung wächst sie rasch. Die Wachstumsrate wird mit 3,3 % angegeben. Die Einwohnerzahl stieg von 25.472 im Jahr 1950 über 115.784 im Jahr 1990 und 234.169 im Jahr 2010 auf 304.557 im Jahr 2022.
Viele Einwanderer stammen aus Guyana, Suriname, Brasilien und Haiti; außerdem gibt es Zuwanderung aus Südasien. Am 6. September 1977 kamen die ersten von insgesamt 2.100 Hmong, die aus China und Laos geflohen waren. Sie wurden in Cacao und Javouhey angesiedelt und erzeugten bereits in den 2010er Jahren bis zu 90 % des im Land verkauften Obstes und Gemüses.
Die Bevölkerung ist ethnisch vielfältig. Kreolen und Afroguyaner bilden die Mehrheit; viele ihrer Vorfahren wurden während der Kolonialzeit als Sklaven aus Westafrika verschleppt. Nachfahren europäischer Einwanderer machen 12 % aus, indigene Einwohner etwa 5–10 %. Weitere bedeutende Gruppen sind Südostasiaten, besonders Laoten und Vietnamesen.
Maroons oder Bushinengue sind Nachfahren entflohener afrikanischer Sklaven. Entlang des Maroni stellen Alukus beziehungsweise Bonis, Ndyukas, Paramaccaner und Saramaccaner einen großen Bevölkerungsanteil. Viele leben von Subsistenzwirtschaft, also überwiegend von selbst erzeugten Gütern, insbesondere von Jagd und Fischfang. Andere arbeiten als Goldwäscher oder im Tourismus. Sie sind im Durchschnitt deutlich ärmer und in politischen Gremien stark unterrepräsentiert.
Nach einem Zensus vom 31. Dezember 2007 waren 84,4 % der Einwohner Christen; davon waren mehr als 90 % katholisch. 3,6 % bekannten sich zum chinesischen Universismus, 3,3 % zum Spiritismus und 2,9 % waren Agnostiker. Zwischen einem Viertel und der Hälfte der indigenen Bevölkerung hielt außerdem an traditionellen Religionen fest; der Zensus ordnete diesen 2,2 % der Gesamtbevölkerung zu.
Politisches System und Verwaltung
In Französisch-Guayana gelten die französischen Gesetze unmittelbar, sofern keine ausdrücklichen Ausnahmen bestehen. Artikel 73 der französischen Verfassung erlaubt Anpassungen an lokale Besonderheiten. Der Präfekt vertritt die französische Regierung und leitet die staatliche Verwaltung.
Die Assemblée de Guyane wird durch Listenwahl mit möglicherweise zwei Wahlgängen und einer Mehrheitsprämie gewählt. Eine Mehrheitsprämie gibt der siegreichen Liste zusätzliche Sitze und erleichtert stabile Mehrheiten. Die ersten Wahlen fanden im Dezember 2015 statt, die nächsten im Juni 2021.
Administrativ gliedert sich das Gebiet in drei Arrondissements und 22 Gemeinden. Die Gemeinden sind in vier kommunalen Zweckverbänden mit eigenen Steuereinnahmen zusammengeschlossen. Am 1. Januar 2023 hatte das Arrondissement Cayenne 183.285 Einwohner in zehn Gemeinden, Saint-Laurent-du-Maroni 101.799 Einwohner in acht Gemeinden und Saint-Georges 8.912 Einwohner in vier Gemeinden.
In der französischen Nationalversammlung wird Französisch-Guayana durch zwei direkt gewählte Abgeordnete, im Senat durch zwei indirekt gewählte Senatoren vertreten. Bei der Parlamentswahl 2022 gewann Jean-Victor Castor vom Mouvement de décolonisation et d’émancipation sociale, das die Unabhängigkeit Französisch-Guayanas befürwortet, den ersten Wahlkreis mit 56,53 % im zweiten Wahlgang. Im zweiten Wahlkreis gewann der parteilose, von FI unterstützte NUPES-Kandidat Davy Rimane mit 54,13 %. Die Beteiligung blieb in beiden Wahlkreisen niedrig.
Bei der Präsidentschaftswahl 2022 erhielt Jean-Luc Mélenchon im ersten Wahlgang 50,59 %, Marine Le Pen 17,66 % und Emmanuel Macron 14,22 %. Im zweiten Wahlgang erreichte Le Pen 60,78 % und Macron 39,22 %. Die Wahlbeteiligung betrug 36,16 % im ersten und 38,90 % im zweiten Durchgang.
Wirtschaft, Raumfahrt und öffentliche Aufgaben
Der wichtigste Pfeiler der Wirtschaft ist der Weltraumbahnhof Centre Spatial Guyanais in Kourou, den die Europäische Weltraumorganisation ESA gemeinsam mit der französischen Raumfahrtbehörde CNES betreibt. Arianespace startet dort Ariane-Trägerraketen mit Kommunikationssatelliten und anderen Nutzlasten; außerdem bestehen Startanlagen für Sojus- und Vega-Raketen. Wegen der Nähe zum Äquator benötigen Raketen von Kourou aus weniger Treibstoff als bei einem Start von Europa, um dieselbe Bahnhöhe zu erreichen. Das Raumfahrtgelände ist auch ein touristischer Wirtschaftsfaktor.
Weitere Wirtschaftszweige sind Forstwirtschaft, küstennahe Landwirtschaft, Krabbenfischerei und Goldabbau. Die wichtigsten Handelspartner sind das französische Mutterland, Trinidad und Tobago sowie Italien. Exportiert werden vor allem Fisch, Reis und Gold; zu den wichtigsten Importgütern gehören Maschinen und Fahrzeuge.
Der häufig illegale Goldabbau verursacht schwere Umwelt- und Gesundheitsprobleme. Dabei verwendetes Quecksilber gelangt in Gewässer und wird von Fischen aufgenommen. Bei indigenen Gruppen, die viel Fisch essen, treten dadurch Beschwerden ähnlich der Minamata-Krankheit auf. Behörden greifen illegale Goldsucher auf und weisen sie nach Brasilien aus, doch viele kehren wegen der schwer kontrollierbaren Regenwaldgrenze zurück. Die eigentlichen Schürfer arbeiten oft unter hohen gesundheitlichen und rechtlichen Risiken in unterdrückenden, sklavereiartigen Abhängigkeiten von ihren Donos, den Besitzern im Hintergrund. Ein steigender Goldpreis verschärft das Problem.
Gemessen am kaufkraftbereinigten Bruttoinlandsprodukt erreichte Französisch-Guayana 2003 einen Index von 57,6 bei einem EU-25-Durchschnitt von 100 und war damit die ärmste Region Frankreichs. Allerdings berücksichtigt das Bruttoinlandsprodukt die hohe Zahl der Selbstversorger nicht. 2017 lag die Arbeitslosenquote bei 22,4 %.
Zur staatlichen Infrastruktur gehören etwa 920 Beamte der französischen Gendarmerie und rund 200 Zollmitarbeiter. Die Universität Französisch-Guayana bietet 31 Studiengänge an zwei Standorten in fünf Bereichen an. Militärisch bestehen unter anderem ein Luftwaffenstützpunkt in Rochambeau, das 3. Infanterie-Fremdenregiment in Kourou und die Dschungelkampfschule der Fremdenlegion in Régina. Zu den Hauptaufgaben des Fremdenregiments gehören der Schutz der Grenze und des Weltraumbahnhofs.