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Erster Koalitionskrieg
Erster Koalitionskrieg ; 20. April 1792 bis 17. Oktober 1797 · Frankreich Mitteleuropa Italien Belgien Niederlande Spanien Karibik · Französischer Sieg.
Inhalt6 Abschnitte
Grundlagen und Bedeutung
Der Erste Koalitionskrieg dauerte vom 20. April 1792 bis zum 17. Oktober 1797. Er war die erste große militärische Auseinandersetzung zwischen dem revolutionären Frankreich und einer Koalition europäischer Mächte. Anfangs gehörten vor allem Preußen, die Habsburgermonarchie und kleinere deutsche Staaten dazu; später traten unter anderem Großbritannien, die Vereinigten Niederlande, Spanien, Sardinien, der Kirchenstaat und das Heilige Römische Reich hinzu. Ziel vieler Koalitionäre war es, die französische Monarchie zu schützen oder wiederherzustellen und die Ausbreitung revolutionärer Ideen zu verhindern.
Der Krieg endete mit einem französischen Sieg. Wichtige Friedensschlüsse waren der Friede von Basel, der Vertrag von Paris 1796 und der Frieden von Campo Formio 1797. Am Ende hatte sich die Französische Republik gegen die verbündeten Monarchien weitgehend behauptet, Gebiete gewonnen und den Rhein als deutsch-französische Grenze durchgesetzt. Großbritannien blieb 1797 als einziger bedeutender Gegner Frankreichs weiter im Krieg.
Ursachen und Kriegsbeginn
Nach Beginn der Französischen Revolution wollten die europäischen Mächte zunächst nicht sofort militärisch eingreifen. Andere außenpolitische Fragen, besonders Polen und der russisch-österreichische Türkenkrieg, standen im Vordergrund. Gleichzeitig verletzte die revolutionäre Gesetzgebung in Frankreich Rechte deutscher Reichsstände, besonders im Elsass. Frankreich bot Entschädigungen an, doch die betroffenen Stände wandten sich an den Reichstag.
Eine Wende brachte die gescheiterte Flucht Ludwigs XVI. am 20./21. Juni 1791. Kaiser Leopold II. und Preußen gaben am 27. August 1791 die Pillnitzer Deklaration ab. Darin erklärten sie ihr Interesse an einer vollständigen Wiederherstellung der Monarchie in Frankreich und stellten eine militärische Intervention in Aussicht, falls alle anderen europäischen Mächte mitmachten. Da dies unwahrscheinlich war, bedeutete die Erklärung praktisch keine direkte Kriegserklärung. In Frankreich wurde sie aber als Drohung verstanden und stärkte die Kriegsbereitschaft.
Am 18. März 1792 schlossen Franz II. und Preußen ein Defensivbündnis. Frankreich forderte anschließend die Entwaffnung Österreichs und das Ende des Bündnisses mit Preußen. Franz II. lehnte ab. Am 20. April 1792 erklärte Ludwig XVI., noch Staatsoberhaupt Frankreichs, Franz II. als König von Ungarn und Böhmen den Krieg. Preußen erklärte Frankreich sofort ebenfalls den Krieg. Das Koblenzer Manifest des Herzogs von Braunschweig drohte Paris mit schwerer Vergeltung, falls dem König etwas geschehe. Diese Drohung verstärkte in Frankreich den Widerstandswillen.
Frankreich im Inneren
Der Krieg wirkte stark auf die französische Innenpolitik zurück. Unter dem Eindruck der äußeren Bedrohung kam es am 10. August 1792 zum Tuileriensturm und zur Verhaftung der königlichen Familie. Am 21. September 1792 wurde die Republik ausgerufen, am 21. Januar 1793 Ludwig XVI. hingerichtet. Die Niederlagen im Frühjahr 1793 trugen zum Sturz der Girondisten und zum Großen Terror der Jakobiner bei. Als sich die militärische Lage verbesserte, verlor die Diktatur Robespierres an Rückhalt und wurde 1794 gestürzt.
Die Bedrohung durch die Koalition führte zur Levée en masse, einer allgemeinen Wehrpflicht und Mobilisierung der Bevölkerung. Geplant waren 500.000 Rekruten, tatsächlich kamen zunächst etwa 300.000 zusammen. Trotzdem war das Programm erfolgreich: Aus Rekruten wurden durch Zusammenarbeit mit Berufssoldaten erfahrene Soldaten, die militärische Disziplin wurde wiederhergestellt, und der Staat steigerte die Produktion von Waffen und Ausrüstung stark.
Frankreich begann den Krieg als Verteidigungskrieg. Der Nationalkonvent versprach anderen Völkern, die „ihre Freiheit wiedererlangen wollen“, Brüderlichkeit und Hilfe. Zugleich wandelten sich Befreiungsziele zunehmend in Eroberungsziele. Danton rechtfertigte Gebietseroberungen mit der Idee „natürlicher Grenzen“. Auch Napoleon Bonaparte verband in Italien Befreiungsrhetorik mit dem Versprechen von Ruhm und Reichtum für seine Soldaten.
Koalition und Reichskrieg
Die Mitglieder der Ersten Koalition traten zu unterschiedlichen Zeiten ein und aus. Österreich kämpfte von April 1792 bis Oktober 1797. Preußen war von April 1792 bis April 1795 beteiligt und schied im Frieden von Basel aus. Großbritannien trat im Februar 1793 ein und blieb 1797 als einziges Mitglied weiter im Krieg. Die Vereinigten Niederlande kämpften bis Januar 1795 gegen Frankreich und wurden danach als Batavische Republik mit Frankreich verbündet. Spanien kämpfte von März 1793 bis Juli 1795 gegen Frankreich und wurde ab August 1796 französischer Verbündeter.
Die Koalitionäre hatten gemeinsame, aber auch widersprüchliche Ziele. Sie wollten die Monarchie in Frankreich wiederherstellen und revolutionäre Ideen eindämmen. Gleichzeitig verfolgten einzelne Mächte eigene Interessen, etwa territoriale Gewinne. Preußen und Österreich führten wegen ihrer Rivalität seit den Schlesischen Kriegen nur schlecht koordiniert Krieg. Großbritannien finanzierte unter anderem Royalisten in der Vendée sowie die Heere Preußens und Sardiniens; 1793 erhielt Sardinien 200.000 Pfund. Militärisch ging es Großbritannien vor allem um die Vorherrschaft auf See.
Das Heilige Römische Reich erklärte im März 1793 den Reichskrieg gegen Frankreich. Anlass waren unter anderem Gebietsverluste von Reichsfürsten im Elsass und in Lothringen sowie französische Verletzungen von Reichsgebiet. Nach der Reichsverfassung sollten die zehn Reichskreise jeweils 2000 bis 3000 Infanteristen und 500 bis 2000 Kavalleristen stellen. Die Mobilisierung verlief langsam und zeigte die Schwäche des Reiches. Erst im Frühjahr 1794 waren verschiedene Reichstruppen mobil. Viele wurden der Oberrheinarmee unter Feldzeugmeister Clerfait zugeführt.
Am Beispiel Badens zeigt sich die Belastung kleiner Reichsstände. Baden musste Truppen stellen, deren Kampfkraft gering eingeschätzt wurde und die vor allem als Besatzung in Kehl und Philippsburg dienten. 1796 schloss Baden einen Separatfrieden mit Frankreich, konnte dadurch seine Verpflichtungen gegenüber dem Reich beenden und seine Truppen entlassen, blieb aber bis 1801 von französischen und österreichischen Besatzungskosten belastet.
Kriegsverlauf an Land
1792 waren die Alliierten zunächst militärisch überlegen. Österreich verfügte über 400.000 Mann, Preußen über 250.000 Soldaten; Frankreich hatte unter anderem 114.000 Mann Linieninfanterie, 27.000 Kavallerie und 10.000 Artillerie. Die Franzosen griffen in Belgien an, wurden aber zurückgeschlagen. Die alliierte Hauptarmee unter Karl Wilhelm von Braunschweig drang in Frankreich ein, nahm Longwy und Verdun, musste aber nach der Kanonade von Valmy am 20. September 1792 wegen Nachschubproblemen und Krankheiten zurückweichen. Valmy war militärisch kein großes Gefecht, beendete aber den Vormarsch auf Paris. Danach besetzten französische Truppen die Österreichischen Niederlande, Teile des Rheinlandes, Savoyen und Nizza.
1793 weitete sich der Krieg aus. Nach der Hinrichtung Ludwigs XVI. traten weitere Mächte der Koalition bei, und Großbritannien blockierte französische Küsten. Frankreich geriet innenpolitisch und militärisch in eine Krise, unter anderem durch den Aufstand in der Vendée. Nach Niederlagen, etwa bei Neerwinden am 18. März 1793, stabilisierte Lazare Carnot das Militärwesen mit der Levée en masse. Die Franzosen siegten im Oktober bei Wattignies und konnten die Österreichischen Niederlande zurückgewinnen. Mainz kapitulierte nach alliierter Belagerung, doch am Oberrhein konnten französische Truppen Ende 1793 wieder Erfolge erzielen. Toulon, das Gegner der Jakobiner der englischen Flotte geöffnet hatten, kapitulierte am 18. Dezember 1793; dort trat der junge Artillerieoffizier Napoleon Bonaparte hervor.
1794 wurde die französische Truppenstärke stark erhöht; im Juni betrug sie etwa 730.000 Mann, eine französische Quelle nennt 670.000. Der entscheidende Erfolg war die Schlacht bei Fleurus am 26. Juni 1794. Danach mussten die Österreicher die Niederlande endgültig aufgeben. Die Franzosen besetzten Kurköln, Bonn und schließlich die Niederlande, wo am 26. Januar 1795 die Batavische Republik ausgerufen wurde.
1795 schieden Preußen und Spanien aus dem Krieg aus. Preußen akzeptierte faktisch den Verlust seiner linksrheinischen Besitzungen und erhielt Aussicht auf Entschädigung. In Deutschland überschritten französische Truppen bei Düsseldorf und Mannheim den Rhein, wurden aber bei Handschuhsheim, Mainz und Mannheim von österreichischen Truppen zurückgedrängt. Am 19. Dezember 1795 wurde eine Waffenruhe vereinbart.
1796 scheiterte Frankreichs Feldzug in Deutschland. Die Armeen Jourdans und Moreaus sollten tief nach Süddeutschland vordringen, konnten sich aber nicht zu einem entscheidenden Schlag verbinden. Erzherzog Karl besiegte Jourdan unter anderem bei Amberg und Würzburg und drängte die Franzosen wieder über den Rhein zurück. Gleichzeitig entwickelte sich der Italienfeldzug Napoleons zum Wendepunkt. Bonaparte übernahm am 27. März 1796 die Italienarmee, besiegte Sardinien-Piemont bei Mondovi, Österreich bei Lodi, Arcole und Rivoli und erzwang die Kapitulation Mantuas am 3. Februar 1797. Am 18. April 1797 schloss er den Präliminarfrieden von Leoben; der Krieg mit Österreich endete am 17. Oktober 1797 durch den Frieden von Campo Formio.
See- und Kolonialkrieg und Folgen
Auf See war Frankreich zu Beginn geschwächt, weil Unruhen herrschten, adelige Offiziere den Dienst verließen und neue Befehlshaber wenig Erfahrung hatten. Großbritannien sah besonders die französische Eroberung der Österreichischen Niederlande als strategische Bedrohung. Die britische Flotte unterstützte alliierte Landoperationen, jagte französische Handelsschiffe, schützte eigene Konvois und blockierte französische Häfen.
1794 eroberte Großbritannien in Westindien fast alle französischen Inseln, doch ein französischer Gegenangriff unter Victor Hugues gewann unter anderem Guadeloupe zurück. Am 1. Juni 1794 besiegte eine britische Flotte die französische Begleitflotte eines Getreidekonvois in der Seeschlacht am 13. Prairial. Nach der französischen Besetzung der Niederlande nahmen die Briten die Kapkolonie, Ceylon und weitere niederländische Besitzungen in Indien und Westindien. Eine französische Invasion in Irland scheiterte 1796. 1797 besiegten die Briten die mit Frankreich verbündeten Spanier bei Kap St. Vincent und eine Flotte der Batavischen Republik bei Camperduin.
Die Ergebnisse des Krieges veränderten Europa deutlich. Frankreich annektierte die Österreichischen Niederlande und das linke Rheinufer wurde im Frieden von Campo Formio von Österreich als französisch anerkannt. Die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen wurde zur Batavischen Republik. In Italien und der Schweiz gründete Frankreich zwischen 1796 und 1799 Tochterrepubliken. Österreich verzichtete auf die Österreichischen Niederlande und die Lombardei, erhielt dafür Venedig. Die Entschädigung weltlicher Reichsstände durch geistliche Gebiete rechts des Rheins bereitete die spätere Säkularisation vor. Das Heilige Römische Reich war nach den Basler Verträgen faktisch gespalten: Im Norden dominierte Preußen, im Süden Österreich. Der Reichsgedanke verlor weiter an Bedeutung. Der Rastatter Kongress verhandelte ab Ende 1797 über den Reichsfrieden, endete aber 1799 ohne Beschlüsse, als der Zweite Koalitionskrieg begann.