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Frankfurter Stadtbefestigung

Die Frankfurter Stadtbefestigung war ein System von Verteidigungsanlagen der Stadt Frankfurt am Main, das vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert bestand.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entwicklung
  2. 2. Frühe Mauer und Staufenmauer
  3. 3. Spätmittelalterlicher Mauerring und Belagerung von 1552
  4. 4. Landwehr außerhalb der Stadt
  5. 5. Barocke Festung im Dreißigjährigen Krieg
  6. 6. Schleifung und sichtbare Überreste

Überblick und Entwicklung

Die Frankfurter Stadtbefestigung war ein System von Verteidigungsanlagen, das Frankfurt am Main vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert schützte. Es entstand schrittweise: Um das Jahr 1000 wurde die kleine Siedlung bei der Königspfalz befestigt, Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts entstand die Staufenmauer um die heutige Altstadt. Nach der Stadterweiterung von 1333 erhielt die Neustadt einen weiteren Mauerring. Die ab dem 15. Jahrhundert angelegte Landwehr sicherte außerdem das Gebiet der Freien Reichsstadt außerhalb der Stadtmauern. Ab 1628 wurde die mittelalterliche Mauer zu einer bastionären, also mit vorspringenden Verteidigungswerken ausgestatteten, Festung ausgebaut.

Die Anlagen mussten sich nur selten militärisch bewähren. Frankfurt hielt sich nach der Niederlage in der Kronberger Fehde 1389 meist aus Konflikten heraus und setzte auf Diplomatie. Die wichtigste Bewährungsprobe war die dreiwöchige Belagerung im Juli 1552 während des Fürstenaufstands. Im 18. Jahrhundert waren die Befestigungen militärisch überholt und hemmten die Stadtentwicklung. Von 1806 bis 1818 wurden sie weitgehend geschleift; an ihrer Stelle entstanden die Wallanlagen als Grüngürtel um die Innenstadt.

Frühe Mauer und Staufenmauer

Die ältesten Anlagen schützten die karolingische Pfalz, die 822 erstmals urkundlich erwähnt wird. Archäologische Grabungen fanden ihre Reste 1953 westlich des Doms, im Keller der früheren Goldenen Waage. Die Pfalz lag auf dem hochwassergeschützten Domhügel nahe der Mainfurt. Anders als früher angenommen, war das karolingische Frankfurt deutlich kleiner und umfasste nicht auch den Karmeliterhügel.

Die erste nachweisbare Stadtmauer war im Durchschnitt etwa zwei Meter hoch und dick, am Main sogar drei Meter dick. Sie bestand aus Geröllen, Bruchsteinen, Basalt und Vilbeler Sandstein; die Außenseiten waren teilweise im Fischgrätenmauerwerk, dem opus spicatum, ausgeführt. Die schlechte Fundamentierung ließ sie stellenweise bis zu 30 Zentimeter aus der Lotrichtung kippen. Ihre genaue Datierung ist umstritten: Ältere Forschung setzte sie ins 9. Jahrhundert, neuere Funde sprechen eher für die späte ottonische Zeit um das Jahr 1000. Eine Urkunde von 994 bezeichnet Frankfurt als castello, also Burg, und stützt die Annahme einer Befestigung zu dieser Zeit.

Die Staufenmauer entstand Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts, nachdem sich die Siedlung um den Saalhof ausgedehnt hatte. Sie umschloss etwa 0,5 Quadratkilometer, also die heutige Altstadt. Die Mauer war etwa sieben Meter hoch und zwei bis drei Meter dick, besaß einen Wehrgang und außen einen trockenen Graben. Ihre drei Haupttore waren die Guldenpforte, die Katharinenpforte und die Bornheimer Pforte; hinzu kamen sieben kleinere Pforten. Auch nach der Erweiterung von 1333 blieb sie zunächst wichtig. Heute ist ein etwa 200 Meter langes Stück erhalten; weitere Reste sind unter anderem an der Liebfrauenkirche erkennbar.

Spätmittelalterlicher Mauerring und Belagerung von 1552

Kaiser Ludwig IV. erlaubte am 17. Juli 1333 die Zweite Stadterweiterung, die das bisherige Stadtgebiet verdreifachte. Die neue Stadtmauer wurde ab 1343 in mehreren Bauabschnitten errichtet und war erst Anfang des 16. Jahrhunderts vollständig. Sie umgab die dünn besiedelte Neustadt nördlich des Mains und bezog erstmals auch Sachsenhausen ein.

Die Mauer war sechs bis acht Meter hoch und an der Krone etwa 2,5 bis drei Meter dick. Ein Wehrgang mit Zinnen und Schießscharten verlief auf ihr. Vor und hinter der Mauer lagen Zwinger, also schmale verteidigbare Bereiche; davor befand sich ein acht bis 10 Meter breiter nasser Graben. Insgesamt verstärkten 55 Türme die Anlage, davon 40 nördlich und 15 südlich des Mains. Wichtige Landtore waren Galgentor, Bockenheimer Tor, Eschenheimer Tor, Friedberger Tor und Allerheiligentor; Sachsenhausen besaß das Affentor. Der Eschenheimer Turm wurde von 1400 bis 1428 errichtet und ist erhalten.

Die Mainfront war besonders stark gesichert, etwa durch den Mainzer Turm, den Ulrichstein, die Brückentürme der Alten Brücke, den Rententurm und mehrere Pforten. Dennoch war die Anlage im 16. Jahrhundert technisch veraltet, weil sie vor allem für Hieb- und Stichwaffen, Bogen und Armbrust gebaut worden war. Kanonen veränderten die Belagerungstechnik grundlegend.

Im Juli 1552 belagerten protestantische Truppen unter Moritz von Sachsen drei Wochen lang das ebenfalls protestantische, aber kaisertreue Frankfurt. Oberst Konrad von Hanstein verteidigte die Stadt mit kaiserlichen Truppen. Er ließ provisorische Bastionen errichten und die Turmhelme des Bockenheimer und Friedberger Tores entfernen, damit sie die eigene Artillerie nicht behinderten. Der Passauer Vertrag beendete die Belagerung. Frankfurt bewahrte dadurch sein lutherisches Bekenntnis sowie seine Privilegien als Messe-, Wahl- und Krönungsort; ab 1562 wurden fast alle Kaiser in Frankfurt gewählt und gekrönt.

Landwehr außerhalb der Stadt

Die Landwehr schützte nicht die dicht bebaute Stadt, sondern das Gebiet der Freien Reichsstadt. Sie entstand nach der Niederlage bei Eschborn am 14. Mai 1389, bei der 620 Frankfurter Bürger in Gefangenschaft gerieten. Frankfurt zahlte bis zum 1. März 1393 ein Lösegeld von 73.000 Gulden. Danach begann die Stadt, ihre Außengrenzen systematischer zu sichern.

Die Landwehr entstand ab 1396/1397 und verlief in einem Abstand von etwa drei bis vier Kilometern um die Stadt. König Wenzel erlaubte Frankfurt am 13. Januar 1398 ausdrücklich, Gräben, Landwehren und Warten anzulegen. Sie bestand aus einem Gebück, also undurchdringlich verflochtenen Hecken, mit einem vorgelagerten Graben; im Westen kam später ein weiterer Graben hinzu. An wichtigen Durchlässen standen Warten, das heißt befestigte Wach- und Beobachtungstürme. Zu den erhaltenen Warten gehören die Friedberger Warte, die Sachsenhäuser Warte, die Bockenheimer Warte und die Galluswarte.

Die Sachsenhäuser Landwehr wurde ab 1413 angelegt, 1416 durch Erzbischof Werner von Falkenstein zerstört und von 1420 bis 1429 wieder aufgebaut. Oberrad wurde 1441, Bornheim nach seinem Erwerb 1474 einbezogen; die Bornheimer Landwehr wurde 1478 mit der Friedberger Warte vollendet. Nur an wenigen großen Ausfallstraßen war die Anlage passierbar. Bei der Belagerung von 1552 wurde sie jedoch rasch durchbrochen; die Angreifer zerstörten die Galgenwarte und die Sachsenhäuser Warte. Nach dem Wiederaufbau verlor die Landwehr ihre militärische Bedeutung. Von der nordmainischen Landwehr sind keine sichtbaren Spuren erhalten, von der Sachsenhäuser Landwehr dagegen noch Wälle und Gräben zwischen Wendelsweg und Viehweg.

Barocke Festung im Dreißigjährigen Krieg

Der Dreißigjährige Krieg führte zu einem grundlegenden Umbau. Frühere Pläne von Adam Stapf und Eberhard Burck scheiterten vor allem an den veranschlagten Kosten. Johann Wilhelm Dilich wurde am 8. Januar 1628 als Ingenieur und Stückmajor eingestellt. Er nutzte die niederländische Festungsbaukunst: Vor den alten Mauern wurden neue Gräben ausgehoben, deren Erde zu Wällen aufgeschüttet wurde. Von innen nach außen folgten Zwinger, Stadtmauer, Wall, Brustwehr, Faussebraye mit weiterer Brustwehr, Escarpe, nasser Graben, Contrescarpe und ein teils mit Palisaden besetztes Glacis. Fünfeckige Bastionen sollten mit Geschützen die Mauerfronten und das Glacis bestreichen.

Der Bau war fehleranfällig. Ein von Johann Adolf von Holzhausen geplantes Ravelin am Friedberger Tor stürzte 1627 zusammen. Auch 1629 brachen Teile der neuen Anlage ein, weil auf dem versumpften alten Graben gebaut worden war. Johannes Faulhaber korrigierte Dilichs Pläne 1630. Zeitweise arbeiteten bis zu 600 Menschen am Bau; Bürger zahlten Sondersteuern und mussten Arbeitsdienste leisten.

Um 1645 waren Gräben, Bastionen und Kurtinen im Wesentlichen angelegt; nach Dilichs Tod 1660 vollendete Andreas Kiesser die Arbeiten 1667. Nördlich des Mains gab es 11 Bastionen, Sachsenhausen erhielt fünf. Die Befestigung wurde jedoch trotz ihrer Kosten nie in einer großen Belagerung erprobt. Frankfurt war 1631 bis 1635 von schwedischen Truppen besetzt. Pestjahre forderten 1634 3512, 1635 3421 und 1636 6943 Tote. Konstruktions- und Planungsfehler, besonders feuchte Fundamente und ungünstige Bastionswinkel, verursachten später fortlaufend teure Reparaturen. Im 18. Jahrhundert verlor die Festung endgültig ihren militärischen Wert; ab 1705 pflanzte man Linden auf den Wällen, und ab 1765 führte die Lustallee um Frankfurt und Sachsenhausen.

Schleifung und sichtbare Überreste

Die Beschießung Frankfurts am 13. und 14. Juli 1796 zeigte erneut die Nutzlosigkeit der Festung. Der Senat beschloss 1802 erste Pläne zur Schleifung, begann 1804 aber nur langsam mit dem Abbruch. Nach der französischen Besetzung 1806 und dem Ende der Freien Reichsstadt beschleunigte sich das Vorhaben. Jakob Guiollett schlug am 5. November 1806 vor, die Festungswerke durch eine Promenade und einen englischen Landschaftsgarten zu ersetzen. Mit Sebastian Rinz entstanden ab 1806 die Wallanlagen: Bockenheimer Anlage, Eschenheimer Anlage, Friedberger Anlage, Taunus- und Gallusanlage, Untermainanlage und Obermainanlage. Das Mainzer Bollwerk wurde von 1809 bis 1818 abgetragen.

Die Wallanlagen blieben durch die Wallservitut von 1827 weitgehend vor Bebauung geschützt und prägen weiterhin das Stadtbild. Erhalten sind unter anderem der Eschenheimer Turm, der Rententurm, der Kuhhirtenturm, Reste der Staufenmauer und Abschnitte der Sachsenhäuser Landwehr. Acht der früher 11 nordmainischen Bastionen sind noch im Straßenverlauf des Anlagenrings erkennbar. Der Rechneigrabenweiher, der Albert-Mangelsdorff-Weiher und der Hügel des früheren Junghofbollwerks erinnern ebenfalls an die Festung. 2009 wurde an der Bleichstraße eine etwa 90 Meter lange Kasematte aus dem 17. Jahrhundert freigelegt, vermutlich ein Teil der Friedberger Bastion. Schießscharten in der Kaimauer zwischen Obermainbrücke und Alter Brücke zeigen verwendete Reste der Mainmauer.

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