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Frank Schimmelfennig
... Sozialisation. Einen Fokus setzt er auf die Osterweiterung der EU und die damit verbundene Europäisierung Osteuropas. In Arbeiten über die Verfassungspolitik …
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Person und Bedeutung
Frank Schimmelfennig, geboren 1963 in Bad Marienberg (Westerwald), ist ein deutscher Politikwissenschaftler und seit 2005 Professor of European Politics am Center for Comparative and International Studies der ETH Zürich. Er arbeitet vor allem im Teilbereich Internationale Beziehungen (IB), der die Beziehungen zwischen Staaten, internationalen Organisationen und weiteren internationalen Akteuren untersucht.
Seine Forschung ist besonders für das Verständnis der europäischen Integration wichtig. Im Mittelpunkt stehen die Erweiterung der Europäischen Union und anderer internationaler Organisationen, die Europäisierung Osteuropas, internationale Menschenrechtspolitik sowie politische Werte- und Herrschaftskonflikte. Schimmelfennig untersucht dabei, wie Staaten in internationale Gemeinschaften aufgenommen werden, wie sie deren Normen übernehmen und wie politische Akteure Werte und Argumente zur Durchsetzung ihrer Interessen einsetzen.
Forschungsschwerpunkte
Schimmelfennig beschäftigt sich mit internationaler Kooperation, internationalen Regimen und der Erweiterung internationaler Organisationen. Internationale Regime sind Regeln, Normen und Verfahren, durch die Staaten ihre Zusammenarbeit in bestimmten Politikfeldern ordnen. Sein Schwerpunkt liegt auf der internationalen Politik europäischer Staaten und der EU.
Die Erweiterung europäischer und internationaler Organisationen untersucht er als Prozess internationaler Sozialisation. Damit ist gemeint, dass neue Mitglieder die Regeln, Werte und Verhaltensweisen einer internationalen Gemeinschaft kennenlernen und übernehmen. Besondere Aufmerksamkeit widmet er der Osterweiterung der EU und der damit verbundenen Europäisierung Osteuropas.
In seinen Arbeiten zur Verfassungspolitik der Europäischen Union konzentriert er sich auf zwei zentrale Entwicklungen: die wachsenden Kompetenzen des Europäischen Parlaments sowie die zunehmende institutionelle Verankerung und Parlamentarisierung der Menschenrechte auf europäischer Ebene. Er versteht EU-Verfassungspolitik als strategisches Handeln innerhalb einer internationalen Wertegemeinschaft. Politisches Handeln muss demnach unter Bezug auf die im Gemeinschaftsethos verankerten Werte und Normen legitimiert werden. Zu den wesentlichen Bestandteilen dieses liberaldemokratischen Gemeinschaftsethos zählt er die parlamentarische Demokratie und die Menschenrechte. Zugleich kritisiert er das Demokratiedefizit der Europäischen Union.
Viele seiner Arbeiten gehören außerdem zur Friedens- und Konfliktforschung. Er analysiert Herrschaftskonflikte und Veränderungen von Herrschaft im internationalen System sowie die Rolle von Argumenten in internationalen Wertekonflikten, insbesondere in Auseinandersetzungen über Menschenrechte.
Zentrale theoretische Ansätze
In dem Aufsatz „Internationale Sozialisation neuer Staaten“ von 1994 vertritt Schimmelfennig die These, dass sich historisch „neue“ Staaten in der internationalen Gemeinschaft ähnlich sozialisieren müssen wie Individuen, die neu in eine Gruppe eintreten. Damit meinte er vor allem die Staaten des ehemaligen Ostblocks. Er übertrug verschiedene soziologische Aspekte der Sozialisation auf die Internationalen Beziehungen. Nach seiner Auffassung war dieser Vorgang zuvor nicht ausreichend untersucht worden, obwohl er für das Verständnis der weiteren Entwicklung von Staaten im Umbruch zentral ist.
Im Aufsatz „Rhetorisches Handeln in der internationalen Politik“ von 1997 behandelt er Situationen, in denen die grundlegenden Leitwerte von Staaten zur Diskussion stehen. Seiner Ansicht nach reichen die beiden traditionellen Ansätze Konstruktivismus und Rationalismus zur Erklärung solcher Situationen nicht aus. Der Konstruktivismus betont die Bedeutung gemeinsamer Normen und Vorstellungen; der Rationalismus erklärt politisches Handeln vor allem durch zweckgerichtete Interessenverfolgung.
Als Verbindung von Elementen beider Ansätze entwickelt Schimmelfennig das Konzept des „Rhetorischen Handelns“. Internationale Akteure sind dabei weniger auf gegenseitige Verständigung und einen gemeinsamen Konsens ausgerichtet. Sie versuchen vielmehr, ihre Interessen auch mit Machtmitteln durchzusetzen und einen Konsens zu erreichen, der ihrem eigenen Standpunkt entspricht. Schimmelfennig beschreibt dies als „Argument der Stärke statt der Stärke des Arguments“ (S. 228, Z. 5). In Wertekonflikten können Staaten beispielsweise versuchen, andere von ihren Wertvorstellungen zu überzeugen, um dadurch Einfluss zu gewinnen.
In „Debatten zwischen Staaten“, der überarbeiteten Fassung seiner Dissertation, vergleicht er drei große neuzeitliche Debatten zwischen Staaten: den Konflikt zwischen Katholizismus und Protestantismus, den Gegensatz zwischen monarchischem Absolutismus und demokratischem Konstitutionalismus sowie den Ost-West-Konflikt.
Ausbildung und wissenschaftliche Laufbahn
Nach dem Abitur am Konrad-Adenauer-Gymnasium Westerburg begann Schimmelfennig 1981 ein Studium der Politikwissenschaft sowie der Neueren und Osteuropäischen Geschichte an der Universität Mainz. Weitere Studienaufenthalte führten ihn nach Dijon, Tübingen und an die Tufts University in Medford, Massachusetts. 1989 erwarb er in Tübingen den Abschluss Magister artium.
Von 1991 bis 1997 war er am Institut für Politikwissenschaft der Universität Tübingen in der Abteilung Internationale Beziehungen/Friedens- und Konfliktforschung tätig. Dort promovierte er 1995 zum Dr. rer. soc. Von 1998 bis 2002 arbeitete er an der Technischen Universität Darmstadt, habilitierte sich dort 2001 und wurde zum Privatdozenten ernannt.
Er vertrat Professuren für Internationale Politik in Konstanz (1997–1998), Düsseldorf (2001) und München (2003–2004). Von 1998 bis 2000 arbeitete er als NATO-EAPC Research Fellow am Projekt „NATO’s Eastern Enlargement: an Analysis of Collective Decision-Making“. 2001/2002 war er Jean Monnet Fellow am Robert Schuman Centre for Advanced Studies des European University Institute in San Domenico di Fiesole in Italien. Von 2002 bis 2005 forschte er am Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung der Universität Mannheim, unter anderem zu den Konstitutionalisierungsprozessen der EU, zur Parlamentarisierung und zur Institutionalisierung der Menschenrechte auf europäischer Ebene.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Schimmelfennigs Veröffentlichungen behandeln internationale Politik, europäische Integration, internationale Organisationen, Parlamente, Regeln und politische Argumentation. Viele Arbeiten erschienen auf Englisch.
Zu seinen Büchern gehören „Debatten zwischen Staaten. Eine Argumentationstheorie internationaler Systemkonflikte“ (1995), „The EU, NATO, and the Integration of Europe: Rules and Rhetoric“ (2003), der mit Ulrich Sedelmeier herausgegebene Band „The Europeanization of Central and Eastern Europe“ (2005) sowie die 6., überarbeitete und aktualisierte Auflage von „Internationale Politik“ (2021).
Neuere Gemeinschaftswerke sind „Ever Looser Union? Differentiated European Integration“ mit Thomas Winzen (2020), „The Rise of International Parliaments. Strategic Legitimation in International Organizations“ mit Thomas Winzen und weiteren Mitwirkenden (2020) sowie „Integration and Differentiation in the European Union. Theory and Policies“ mit Dirk Leuffen und Berthold Rittberger (2022). Wichtige Zeitschriftenbeiträge sind „Internationale Sozialisation neuer Staaten“ (1994), „Arms Control Regimes and the Dissolution of the Soviet Union“ (1994), „Rhetorisches Handeln in der internationalen Politik“ (1997) und der mit Ulrich Sedelmeier herausgegebene Schwerpunkt „European Enlargement. Theoretical and Comparative Approaches“ (2002).