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Françoise Hardy
Nach dem Baccalauréat (Abitur) absolvierte Hardy das erste Jahr eines Germanistikstudiums an der Sorbonne. Zunächst musikalische Autodidaktin, nahm …
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Bedeutung und künstlerisches Profil
Françoise Madeleine Hardy (* 17. Januar 1944 in Paris; † 11. Juni 2024 ebenda) war eine französische Chansonsängerin, Texterin und Komponistin. Sie gehörte seit den frühen 1960er Jahren zu den bekanntesten französischen Musikerinnen und wurde zunächst der Yéyé-Generation zugerechnet, die von damaligen amerikanischen Musikstilen beeinflusst war. Von anderen Yéyé-Stars unterschied sie sich durch den leisen, melancholischen Klang ihrer Lieder sowie einen selbstbewussten, aber zurückhaltenden Auftritt.
Hardy schrieb einen großen Teil ihrer Lieder selbst und entwickelte sich von einer sanften Schlagersängerin zu einer der angesehensten Singer-Songwriterinnen Frankreichs. „Singer-Songwriterin“ bezeichnet hier eine Sängerin, die ihre Texte und Musik ganz oder teilweise selbst verfasst. Sie nahm zunächst auch auf Englisch, Italienisch, Deutsch, Spanisch und Portugiesisch auf; ab Mitte der 1970er Jahre sang sie fast ausschließlich auf Französisch. Ihre Wirkung reichte über Frankreich hinaus: Sie war auch im deutschsprachigen Raum erfolgreich, galt in den 1960er Jahren als Stilikone und wurde 2023 vom US-Magazin Rolling Stone als einzige Französin in seine Liste der 200 besten Sänger aller Zeiten aufgenommen.
Herkunft und Ausbildung
Hardy wurde 1944 als uneheliche Tochter der Buchhalterin Madeleine Hardy (1920–1991) geboren und wuchs mit ihrer jüngeren Schwester in bescheidenen Verhältnissen in einer Zweizimmerwohnung im 9. Arrondissement von Paris auf. Ihr Vater war der verheiratete Rechenmaschinenfabrikant Pierre Dillard (1899–1981). Hardy und ihre Schwester lernten ihn erst später kennen und sahen ihn nur wenige Male im Jahr. Auf seinen Wunsch besuchte Hardy eine von Nonnen geführte Mädchenschule. Acht Sommerferien verbrachte sie bei einer österreichischen Familie nahe Innsbruck.
Nach dem Baccalauréat, dem französischen Abitur, studierte sie ein Jahr Germanistik an der Sorbonne. Musikalisch war sie zunächst Autodidaktin, brachte sich also wesentliche Kenntnisse selbst bei. Zu Beginn ihrer Laufbahn besuchte sie außerdem das Petit Conservatoire de la chanson der Sängerin Mireille.
Musikkarriere
Als Gymnasiastin erhielt Hardy ihre erste Gitarre, sang Lieder nach und begann selbst zu komponieren. Im November 1961 unterschrieb sie nach einem Vorsingen bei Disques Vogue ihren ersten Plattenvertrag. Im April 1962 erschien „Oh oh chéri“. Den entscheidenden Erfolg brachte jedoch die B-Seite „Tous les garçons et les filles“, ein von Hardy geschriebenes und komponiertes melancholisches Chanson über Jugendliche auf der Suche nach Liebe. Fernseh- und Radioauftritte machten das Lied landesweit bekannt; die Platte verkaufte sich in kurzer Zeit mehr als zwei Millionen Mal.
Es folgten zahlreiche bekannte Titel, darunter „Mon amie la rose“ (1964), „La Maison où j’ai grandi“ (1966) von Adriano Celentano und „Comment te dire adieu“ (1968) mit französischem Text von Serge Gainsbourg. Beim Grand Prix Eurovision de la Chanson 1963 vertrat Hardy Monaco mit „L’amour s’en va“ und erreichte Platz fünf. 1968 erhielt sie den Grand Prix du Disque der Akademie Charles Cros.
Auch in Deutschland war sie erfolgreich. 1965 erhielt sie mit „Portrait in Musik“ eine eigene Fernsehsendung und Langspielplatte. „Frag’ den Abendwind“ erreichte Platz 7 in Deutschland und Platz 9 in Österreich. Die Leser der Jugendzeitschrift Bravo wählten sie 1966 zur zweitbeliebtesten Sängerin. Sie veröffentlichte außerdem sogenannte „Double bill“-Platten mit Udo Jürgens, bei denen jeder Künstler eine Plattenseite erhielt. Jürgens schrieb für sie „Einmal wenn Du gehst“, das 1969 unter dem Titel „Souvenirs der ersten großen Liebe“ erschien.
Hardy arbeitete zeitweise in den technisch gut ausgestatteten Marble Arch Studios in London, unter anderem mit Jimmy Page, und begegnete Mick Jagger, Bob Dylan und den Beatles. Sie tourte durch Frankreich, England, Deutschland, Österreich und weitere Länder. Wegen starken Lampenfiebers trat sie nach 1968 jedoch nur noch selten vor großem Publikum auf.
Nach einem Wechsel der Plattenfirma im Jahr 1970 suchte Hardy einen neuen Stil. Mit Michel Berger entstand das Album „Message personnel“ (1973), das den künstlerischen Neuanfang brachte. Bekannte Lieder der 1970er und 1980er Jahre waren „Message personnel“, „Je suis moi“, „Star“, „J’écoute de la musique saoule“ und „La Sieste“. Von 1980 bis 1985 redigierte und moderierte sie außerdem täglich eine Astrologiesendung bei Radio Monte Carlo.
Im Mai 2000 gelang Hardy mit „Clair-obscur“ ein Comeback; das Album erreichte in Frankreich innerhalb weniger Wochen sechsstellige Verkaufszahlen. Ihr Sohn Thomas Dutronc begleitete sie darauf an der Gitarre. Enthalten waren Duette mit Jacques Dutronc, Iggy Pop und Étienne Daho. „Tant de belles choses“ verkaufte sich bis Dezember 2004 mehr als 100.000-mal und brachte ihr 2005 eine Victoire de la Musique als beste Interpretin des Jahres ein. Alle zwischen 2000 und 2018 veröffentlichten Studioalben wurden mit Gold oder Platin ausgezeichnet. Ihr letztes Album war „Personne d’autre“ von 2018.
Mode, Film und Privatleben
Hardy galt in den 1960er Jahren als Stilikone. Modeschöpfer wie Paco Rabanne stellten ihr Kleidung zur Verfügung. Im Mai 1968 trug sie ein mit Rhodium-Pailletten besetztes Kleid von Rabanne, das damals als teuerstes Kleidungsstück der Welt galt; bei einem Konzert erschien sie in einem ähnlich gefertigten, etwa 35 Kilogramm schweren Overall. Für ihren Auftritt in Jean-Luc Godards Film „Masculin – Feminin oder: Die Kinder von Marx und Coca-Cola“ trug sie Kleidung von André Courrèges. Sie wurde von Fotografen wie David Bailey, Richard Avedon und William Klein fotografiert. Die Designerin Rei Kawakubo benannte ihr Label Comme des Garçons nach Hardys erstem Hit. Hardy selbst bezeichnete diese Seite ihrer Karriere 2017 als unfreiwillige Vereinnahmung in jungen Jahren und letztlich uninteressant.
Hardy übernahm einige Schauspiel- und Gastrollen, unter anderem in „Ein Schloß in Schweden“ (1963), „Was gibt’s Neues, Pussy?“ (1965), „Grand Prix“ (1966), „Masculin – Feminin“ (1966) und „Ein Hauch von Zärtlichkeit“ (1976). Besonders in den 1960er und 1970er Jahren trat sie häufig im deutschsprachigen Fernsehen auf. Später verwendete der Regisseur François Ozon mehrfach ihre Lieder in seinen Filmen und drehte 2018 den Videoclip zu „Le Large“.
Von 1963 bis 1967 war Hardy mit dem Fotografen Jean-Marie Périer zusammen. Seit 1967 war sie mit dem Sänger und Schauspieler Jacques Dutronc liiert; 1981 heirateten sie. Ihr gemeinsamer Sohn Thomas Dutronc wurde 1973 geboren und ebenfalls Musiker. Die Familie lebte zeitweise in Monticello auf Korsika. Hardy und Jacques Dutronc trennten sich 1988, ließen sich aber nicht scheiden. Hardy lebte danach in Paris, Dutronc in Monticello.
Bücher, Krankheit und Tod
Eine 2004 erstmals aufgetretene und um 2015 wiederkehrende Krebserkrankung beeinträchtigte Hardys Gehör und Rachenraum. Deshalb musste sie die Musik zeitweise aufgeben und konzentrierte sich stärker auf Bücher. Zu ihren Veröffentlichungen gehören das Astrologiebuch „Les Rythmes du zodiaque“ (2004), die Autobiografie „Le Désespoir des singes … et autres bagatelles“ (2009), „Avis non autorisés …“ (2015), „Un cadeau du ciel“ (2016) über Krankheit, Nahtoderfahrung und künstliches Koma sowie „Chansons sur toi et nous“ (2021).
Ende 2023 forderte Hardy den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in einem Schreiben auf, die Tötung auf Verlangen in Frankreich gesetzlich zu erlauben. Zu diesem Zeitpunkt trat sie bereits nicht mehr öffentlich auf. Sie starb am 11. Juni 2024 im Alter von 80 Jahren in Paris an den Folgen ihrer Erkrankung. Die Trauerfeier fand am 20. Juni 2024 im Krematorium des Cimetière du Père Lachaise statt. Auf ihren Wunsch wurde sie in Monticello auf Korsika beigesetzt.
Werk und Veröffentlichungen
Hardys umfangreiche Diskografie reicht vom Debütalbum „Tous les garçons et les filles“ (1962) bis zu „Personne d’autre“ (2018). Wichtige Stationen waren „Portrait in Musik“ (1965), das in Deutschland Platz 4 erreichte, „Message personnel“ (1973), „Clair-obscur“ (2000), „Tant de belles choses“ (2004), „Parenthèses…“ (2006), „La Pluie sans parapluie“ (2010) und „L’Amour fou“ (2012). „Personne d’autre“ erreichte Platz 4 in Frankreich, Platz 2 im französischsprachigen Belgien und Platz 11 in der Schweiz.
Zu ihren wichtigsten Singles zählen „Tous les garçons et les filles“, „Mon amie la rose“, „Frag’ den Abendwind“, „Comment te dire adieu“, „Message personnel“ und das mit Jacques Dutronc aufgenommene „Puisque vous partez en voyage“. Letzteres erreichte 2000 Platz 30 in Frankreich und blieb dort 21 Wochen in den Charts. Hardy erklärte 2016, „Tous les garçons et les filles“ habe ihr von ihren eigenen Kompositionen die meisten Tantiemen eingebracht. Sie sei damals jedoch nur als Texterin und nicht als Komponistin registriert worden, weil sie keine Noten schreiben und keine vollständige Partitur einreichen konnte. Neben Studioalben und Singles erschienen zahlreiche Kompilationen, darunter „Le Meilleur de“ (1995), „Messages personnels“ (2002) und mehrere spätere Werksammlungen.