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Partitur
Heute hat die Partitur zentrale Bedeutung für das Komponieren, Überliefern und Aufführen mehrstimmiger Musik. In der Zeit vor 1600 waren noch andere …
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Begriff und Zweck
Eine Partitur ist die Notation mehrstimmiger Musik, in der alle Instrumental- und Vokalstimmen untereinander stehen und durch senkrecht durchlaufende Taktstriche verbunden sind. So lassen sich Einzelstimmen, ihr Zusammenspiel und die entstehenden Zusammenklänge zugleich lesen. Besonders der Dirigent kann damit das musikalische Geschehen überblicken.
Neben dem Notentext hält die Partitur Aufführungshinweise fest, etwa Tempo, Dynamik, Artikulation, Spieltechnik und Ausdruck. Sie entsteht beim Komponieren oder Arrangieren und dient sowohl der Aufführung als auch dem Studium. Heute ist sie für das Komponieren, Überliefern und Aufführen mehrstimmiger Musik zentral; vor 1600 waren andere Notationsformen verbreiteter, und bis ungefähr 1800 war sie bei Aufführungen noch nicht allgemein üblich.
Reihenfolge der Stimmen
Chorpartituren ordnen die Stimmen von oben nach unten als Sopran, Alt, Tenor und Bass an; bei einem zweiten Chor kann dieses Schema darunter wiederholt werden.
In Orchesterpartituren setzte sich etwa seit Carl Maria von Weber um 1810 die Gruppierung gleicher Instrumentengattungen durch: oben Holzbläser, darunter Blechbläser und Schlaginstrumente, unten das Streichorchester. Bei den Holzbläsern stehen gewöhnlich Flöten (Fl), Oboen (Ob), Klarinetten (Kl; italienisch Cl.) und Fagotte (Fg). Es folgen Hörner (Hrn; italienisch Cor), Trompeten (Trp; italienisch Tbe), Posaunen (Pos; italienisch Trb) und Tuba (Tba), danach Schlaginstrumente, Harfe, Klavier oder Celesta, gegebenenfalls Solisten und Chor sowie die Streicher: erste und zweite Violine (Vl), Bratsche (Va), Violoncello (Vc) und Kontrabass (Kb; Cb).
In Kirchenmusik steht der Chor oft zwischen Violinen und Violen einerseits sowie dem Continuo mit Orgel, Celli, Fagotten und Kontrabass andererseits. Italienische Instrumentennamen und Abkürzungen sind häufig, im Jazz und in der Concert Band ist Englisch üblich. Im 19. Jahrhundert traten auch deutsche, französische und englische Bezeichnungen stärker hervor.
Abweichende Ordnungen und Kürzel
Die italienische Opernpartitur verwendete bis zum frühen Giacomo Puccini meist eine eigene, stärker nach Registern als nach Instrumentenfamilien gegliederte Reihenfolge: Violinen und Violen, Flöten, Oboen, Klarinetten, Hörner, Trompeten, Fagotte, Posaunen, Pauken, Schlagwerk, Violoncelli und Kontrabässe. Diese Ordnung war für Opern mit vielen col-Kürzeln praktisch. Auch Franz von Suppè, Franz Schubert, Ludwig van Beethoven und frühe Partituren Anton Bruckners nutzten sie.
col bedeutet „mit“ und zeigt an, dass eine Stimme eine bereits notierte verwandte Instrumentenstimme verdoppelt, zum Beispiel „Violoncelli col Basso“ oder „Flauti col Violino“. Bei transponierenden Instrumenten war die Verwendbarkeit vom Kopisten abhängig. Statt ausgeschriebener Noten können auch Schlangenlinien, doppelte Schrägstriche oder, besonders in Big-Band-Musik, Pfeile stehen. Die col-Kürzel werden in der Regel ausgeführt; sie finden sich etwa im Erstdruck von Georges Bizets Carmen.
„Faulenzer“ sparen Notationsarbeit bei wiederkehrenden rhythmischen Figuren, besonders im Schlagwerk. Es gibt eintaktige (·/·), zweitaktige (·//·) und viertaktige Kürzel. Sie bleiben wegen der Übersicht oft auch im Druck erhalten.
Besetzung und klingende Notation
Der Partitur ist meist eine Besetzungsangabe vorangestellt. Die Kurzform „3333/4321/Pk/-/Str“ bedeutet: je 3 Holzbläser, 4 Hörner, 3 Trompeten, 2 Posaunen, eine Tuba, Pauken, eine Harfe und Streicher. Die drei großen Orchestergruppen Holzbläser, Blechbläser und Streicher stehen jeweils auf eigenen Systemen und werden am Zeilenanfang mit eckigen Klammern zusammengefasst. Verschiedene Typen oder Lagen eines Instruments, etwa Oboe und Englischhorn, verbindet eine geschweifte Akkoladenklammer.
Innerhalb der Gruppen ist die übliche Reihenfolge hoch nach tief. Hörner bilden eine Ausnahme: Obwohl sie klanglich zwischen Trompeten und Posaunen liegen, stehen sie häufig höher, wegen ihrer Nähe zum Holzbläsersatz und der rhythmischen Verbindung von Trompeten und Posaunen mit Pauken und Schlagzeug. Nicht zum klassischen Sinfonieorchester gehörende Instrumente werden ihrer passenden Gruppe zugeordnet, beispielsweise Saxophone unterhalb der Klarinetten. Komponisten konnten die Ordnung jedoch je nach musikalischer Funktion verändern.
Nach 1900 wurden Notationen vereinfacht: Hörner stehen meist in F, Trompeten in C oder B; der Altschlüssel bei hohen Posaunen wurde seltener. Die C-Partitur, auch C-Score, Concert Score oder nicht-transponierende Partitur, notiert Instrumente grundsätzlich klingend, also in C. Ausgenommen bleiben oktavtransponierende Instrumente wie Piccolo, Kontrabass, Kontrafagott, Celesta und Glockenspiel. Das Erstellen transponierter Einzelstimmen bedeutete früher viel Kopierarbeit, ist heute mit Musiknotationssoftware mit wenigen Klicks möglich.
Druck, Stimmen und Ausgaben
Bei kleiner Besetzung werden oft sämtliche Instrumente durchgehend auf eigenen Systemen gezeigt, auch wenn sie länger pausieren. Das ergibt ein einheitliches Druckbild. Bei großem Orchester erscheinen aus Platzgründen meist nur gerade spielende Instrumente; die Zahl der Systeme pro Akkolade wechselt. Zwei Schrägstriche kennzeichnen den Wechsel zu einer neuen Akkolade. Die erste Seite eines Satzes kann die gesamte Besetzung zeigen, wenn auch pausierende Stimmen dort notiert sind. Ein späterer Instrumentenwechsel, etwa von Flöte zu Piccoloflöte, wird aber erst an der Wechselstelle sichtbar.
Gleichartige Stimmen, etwa zwei Flöten oder Trompeten, werden oft auf einem System zusammengefasst. Nach oben oder unten gerichtete Notenhälse ordnen die Noten einzelnen Spielern zu. Spielen beide gleich, steht „a 2“ oder die Noten erhalten beide Halsrichtungen.
Orchesterstimmen wurden lange so gedruckt wie in der Partitur; Musiker transponierten etwa Horn-, Trompeten- und gegebenenfalls Klarinettenstimmen prima vista. Später verbreiteten sich im angelsächsischen Bereich vereinfachte transponierte Zusatzstimmen, etwa Hörner in F, Trompeten in B oder C und Klarinetten in B. Manche erfahrene Musiker haben damit Probleme, weil sie automatisch weitertransponieren; seltene Transpositionen können anderen dagegen Schwierigkeiten bereiten, etwa „Brahms, 2. Sinfonie Horn in H“.
Wichtige Ausgaben sind die großformatige Dirigierpartitur für die Aufführung, die Studien- oder Taschenpartitur zum Lesen, das Particell als Zusammenfassung in wenigen Systemen, die vereinfachte Hör- oder Lesepartitur, die Chorpartitur mit SATB-Chorstimmen ohne übrige Instrumental- und Solostimmen sowie der Klavierauszug. Letzterer reduziert Orchesterstimmen auf zweihändiges Klavier und enthält bei Bühnen- oder chorsinfonischen Werken vollständige Vokalstimmen für die Probenarbeit.