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Fraktion der CDU/CSU im Deutschen Bundestag

Die Fraktionsgemeinschaft aus CDU und CSU ist eine Besonderheit im parlamentarischen System der Bundesrepublik Deutschland. In ihr schließen sich die …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Bedeutung
  2. 2. Aufbau und Arbeitsweise
  3. 3. Fraktionsgemeinschaft und Landesgruppen
  4. 4. Historische Entwicklung

Aufgabe und Bedeutung

Die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, auch Unionsfraktion genannt, ist die gemeinsame Fraktion der beiden selbstständigen Schwesterparteien CDU und CSU. Eine Fraktion ist ein Zusammenschluss von Abgeordneten, der die parlamentarische Arbeit gemeinsam organisiert und politische Positionen im Bundestag vertritt. Die Fraktionsgemeinschaft ist eine Besonderheit des deutschen parlamentarischen Systems: Die CSU tritt seit 1949 nur in Bayern zu Wahlen an, die CDU in allen anderen Bundesländern, sodass beide Parteien nicht gegeneinander kandidieren.

In der 21. Wahlperiode ist die CDU/CSU mit 208 von 630 Abgeordneten die größte Bundestagsfraktion. Davon gehören 164 Abgeordnete der CDU und 44 der CSU an. Nach 17 der insgesamt 21 Bundestagswahlen seit 1949 bildeten CDU und CSU die stärkste Fraktion. Die Fraktion wurde am 1. September 1949 in Bonn gegründet und ist derzeit auf die Regierungsarbeit ausgerichtet.

Seit Juli 2026 ist Thorsten Frei Fraktionsvorsitzender. Alexander Hoffmann ist Erster Stellvertretender Vorsitzender und zugleich Vorsitzender der CSU-Landesgruppe. Catarina dos Santos-Wintz ist seit dem 7. September 2026 Erste Parlamentarische Geschäftsführerin. Das Durchschnittsalter der Fraktion betrug am 21. Oktober 2025 47,7 Jahre; der Frauenanteil lag am 7. August 2026 bei 22,6 Prozent.

Aufbau und Arbeitsweise

Der Fraktionsvorsitzende leitet und vertritt die Fraktion nach innen und außen. Er beruft die Sitzungen der Fraktion und des Vorstands ein, schlägt die Tagesordnungen vor und führt die Fraktion im Plenum, also in der Vollversammlung des Deutschen Bundestages.

Die Fraktionsversammlung umfasst alle Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion. Sie tagt in jeder Sitzungswoche mindestens einmal, gewöhnlich am Dienstag, und beschließt die Politik der Fraktion im Bundestag. Der geschäftsführende Fraktionsvorstand besteht aus dem Vorsitzenden, seinen Stellvertretern, den Parlamentarischen Geschäftsführern, den Justiziaren und dem Sprecher der CDU-Landesgruppen. Der gesamte Fraktionsvorstand umfasst zusätzlich die Vorsitzenden der 24 Arbeitsgruppen, die Vorsitzenden der sechs soziologischen Gruppen und 15 Beisitzer. Beide Vorstandsgremien tagen in der Regel montags.

Die Parlamentarischen Geschäftsführer koordinieren wesentliche organisatorische Abläufe. Justiziare beraten in Rechts- und Verfahrensfragen. Die elf weiteren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden betreuen bestimmte politische Arbeitsbereiche, darunter Arbeit und Soziales, Verkehr und Wohnen, Bildung und Familie, Innen und Recht, Europa, Außen- und Verteidigungspolitik, Haushalt und Finanzen, Wirtschaft und Energie, Forschung und Digitales, Umwelt und Entwicklung sowie Landwirtschaft und Gesundheit.

Die 24 Arbeitsgruppen entsprechen weitgehend den Ausschüssen des Bundestages und der Ressortgliederung der Bundesregierung. Ihnen gehören die Abgeordneten an, die in den jeweiligen Ausschüssen ordentliche oder stellvertretende Mitglieder sind. Die Fraktion wählt die Vorsitzenden der Arbeitsgruppen. CDU und CSU besitzen für die jeweils von ihnen zu besetzenden Stellen ein eigenes Benennungsrecht. Die informelle Beratungsrunde zur Ausschussbesetzung wird „Ausschuss-Ausschuss“ oder „Teppichhändler-Runde“ genannt.

Daneben bestehen sechs soziologische Gruppen, die bestimmte gesellschaftliche oder innerfraktionelle Interessen bündeln: die Gruppe der Frauen, die Arbeitsgemeinschaft Kommunalpolitik, die Arbeitnehmergruppe, der Parlamentskreis Mittelstand, die Gruppe der Vertriebenen, Aussiedler und deutschen Minderheiten sowie die Junge Gruppe. Außerdem gibt es fünf Beauftragte für Klimaschutz, maritime Wirtschaft, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Menschen mit Behinderungen sowie Integration.

Fraktionsgemeinschaft und Landesgruppen

Die gemeinsame Fraktion von CDU und CSU wird nach jeder Bundestagswahl neu vereinbart. In der ersten Fraktionssitzung einer Legislaturperiode schließen die Parteien eine „Vereinbarung über die Fortführung der Fraktionsgemeinschaft von CDU und CSU“, die von den Parteivorsitzenden unterschrieben wird. Darin wird ausdrücklich festgehalten, dass beide Gruppen aus Abgeordneten jeweils selbstständiger Parteien bestehen. Im Fraktionsvorstand, in den Arbeitsgruppen sowie in den von der Fraktion zu besetzenden Gremien und Delegationen sollen CDU und CSU entsprechend ihrem Stärkeverhältnis vertreten sein.

Die 44 CSU-Abgeordneten bilden eine eigene Landesgruppe. Sie ist eine selbstständige Organisationseinheit innerhalb der Gesamtfraktion und wird von Alexander Hoffmann geführt. Auch die Abgeordneten aus jedem der übrigen 15 Bundesländer sind in Landesgruppen organisiert. Nach den Zahlen für 2025 waren Nordrhein-Westfalen mit 47, Bayern mit 44, Baden-Württemberg mit 29 und Niedersachsen mit 21 Mitgliedern die größten Landesgruppen. Es folgten Hessen mit 15, Rheinland-Pfalz mit 11, Schleswig-Holstein mit 8 und Sachsen mit 7 Mitgliedern. Die übrigen Landesgruppen umfassten jeweils ein bis fünf Abgeordnete.

Historische Entwicklung

Vorläufer der Bundestagsfraktion entstanden bereits vor Gründung der Bundesrepublik. CDU und CSU bildeten im August 1946 eine gemeinsame Arbeitsgemeinschaft und arbeiteten auch im Wirtschaftsrat von 1947 sowie im Parlamentarischen Rat 1948/49 in gemeinsamen Fraktionen. Nach der ersten Bundestagswahl konstituierte sich die CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 1. September 1949 im Haus des Bonner Bürgervereins. Konrad Adenauer wurde zum Vorsitzenden gewählt; nach seiner Wahl zum Bundeskanzler am 15. September 1949 folgte Heinrich von Brentano.

Unter Heinrich Krone erreichten CDU und CSU bei der Bundestagswahl 1957 mit 50,2 Prozent der Stimmen ihre erste und bisher einzige absolute Stimmenmehrheit. Sie stellten 277 von 519 Bundestagsabgeordneten. Nach dem Verlust der absoluten Mehrheit 1961 übernahm erneut von Brentano den Fraktionsvorsitz, später Rainer Barzel.

1969 wurde die Union mit 46,1 Prozent zwar erneut stärkste Fraktion, musste aber wegen der Koalition aus SPD und FDP erstmals in die Opposition. Durch Parteiübertritte wuchs die Fraktion während der Wahlperiode von 250 auf 258 Mitglieder. Im April 1972 scheiterte Barzels konstruktives Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt knapp. Später wurde bekannt, dass Bestechungsgelder des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR dabei eine wichtige Rolle gespielt hatten. Bei der vorgezogenen Wahl 1972 lag die Union mit 44,9 Prozent erstmals hinter der SPD mit 45,8 Prozent. 1973 wurde Karl Carstens mit 131 Stimmen zum Fraktionsvorsitzenden gewählt; Richard von Weizsäcker erhielt 58 und Gerhard Schröder 26 Stimmen.

Nach der Bundestagswahl 1976 übernahm Helmut Kohl den Vorsitz. Am 19. November 1976 beschloss die CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth die Auflösung der Fraktionsgemeinschaft, nahm den Beschluss aber wenige Wochen später zurück. Nach Kohls Wahl zum Bundeskanzler im Oktober 1982 wurde Alfred Dregger Fraktionsvorsitzender. Bei der Wahl vom 6. März 1983 erzielte die Union 48,8 Prozent und 255 von 520 Mandaten, verfehlte damit aber knapp die absolute Mandatsmehrheit.

Nach der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 gehörten bis zur Konstituierung des neu gewählten Bundestages acht DSU-Abgeordnete der Fraktion als Gäste an. Wolfgang Schäuble führte die Fraktion ab 1991 auch nach dem Wechsel in die Opposition 1998, trat jedoch im Februar 2000 während der Parteispendenaffäre als Partei- und Fraktionsvorsitzender zurück. Ihm folgten Friedrich Merz und 2002 Angela Merkel.

Als Merkel im November 2005 Bundeskanzlerin wurde, übernahm Volker Kauder den Vorsitz. Mit zwölf Jahren und zehn Monaten amtierte er länger als alle Vorgänger. 2013 erreichte die Union 41,5 Prozent und 311 Mandate und verfehlte erneut nur knapp die absolute Mandatsmehrheit. Nach der Wahl 2017 blieb sie mit 246 Mandaten stärkste Fraktion; das Ergebnis von 32,9 Prozent wurde jedoch weithin als enttäuschend bewertet. Am 25. September 2018 setzte sich Ralph Brinkhaus bei der Vorsitzendenwahl mit 125 zu 112 Stimmen gegen Kauder durch.

Im März 2021 verließen Georg Nüßlein, Nikolas Löbel und Mark Hauptmann im Zusammenhang mit einer Korruptionsaffäre beziehungsweise dem Verdacht der Vorteilsnahme die Fraktion. Friedrich Merz wurde am 15. Februar 2022 mit 162 von 186 Stimmen erneut Vorsitzender. Am 5. Mai 2025 folgte Jens Spahn, der am 18. Juli 2026 infolge der Leihmutterschaftsaffäre zurücktrat. Am 29. Juli 2026 wählten 170 der 185 anwesenden Fraktionsmitglieder den bisherigen Kanzleramtsminister Thorsten Frei zum Vorsitzenden. Alle bisherigen Fraktionsvorsitzenden waren Mitglieder der CDU.

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