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Deutsche Deklination

Sie bezeichnet also die Formenbildung bei den nominalen Wortarten (im weiten Sinne von Nomen); diese sind: Substantiv (Hauptwort), Adjektiv (Eigenschaftswort, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und grammatische Merkmale
  2. 2. Deklination der Substantive
  3. 3. Sonderfälle bei Substantiven und Pronomen
  4. 4. Aufgaben der vier Kasus
  5. 5. Adjektive und Wortgruppenflexion
  6. 6. Artikelwörter, Zahlwörter und schwankende Formen

Grundidee und grammatische Merkmale

Die deutsche Deklination ist die Bildung von Wortformen bei nominalen Wortarten: Substantiven, Adjektiven, Pronomen, Numeralien und Artikeln. Sie steht der Konjugation gegenüber, die Verben betrifft. Deklinierte Formen zeigen vor allem Kasus, Numerus und Genus an. Die vier Kasus sind Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ; beim Numerus unterscheidet man Singular und Plural, beim Genus Maskulinum, Femininum und Neutrum. Bei Adjektiven spielt zusätzlich die starke oder schwache Flexion eine wichtige Rolle.

Die Formen entstehen meist durch Endungen, manchmal zusammen mit einem Umlaut: Haus – Hauses – Häuser – Häusern oder Vater – Väter. Endungen können auch fehlen, etwa bei ein Fenster – viele Fenster; ein Umlaut kann trotzdem auftreten, wie bei Boden – Böden. Da das Deutsche nur wenige Deklinationsendungen besitzt, lässt sich der Kasus oft erst an Artikeln oder Attributen erkennen: der Sockel, dem Sockel, den Sockel.

In einer Nominalphrase stimmen Artikelwörter und Adjektive mit dem Substantiv in Kasus, Numerus und Genus überein. Diese Übereinstimmung heißt Kongruenz. Das grammatische Genus entspricht nicht immer dem natürlichen Geschlecht: das Mädchen ist grammatisch neutral, der Tisch maskulin. Häufige Anhaltspunkte sind: Substantive auf -ei, -schaft, -heit, -keit, -ung, -(t/s/x)ion und -(i)tät sind feminin; Wörter auf -lein und -chen sind neutral. Bei -tum gibt es Ausnahmen wie der Irrtum und der Reichtum.

Deklination der Substantive

Substantive werden traditionell stark, schwach oder gemischt dekliniert. Maßgeblich sind vor allem der Genitiv Singular und der Nominativ Plural. Die Einteilung ist nicht völlig einheitlich und besonders bei Feminina umstritten.

Allgemeine Regeln sind:

• Feminina bleiben im Singular normalerweise unverändert. Ausnahmen sind Eigennamen sowie Mama, Mami, Mutti, Oma und Omi, etwa Mamas Tasche.

• Im Plural sind Nominativ, Genitiv und Akkusativ gleich: die Tage, der Tage, die Tage.

• Bei Feminina und Neutra sind Nominativ und Akkusativ jeweils gleich.

• Die ältere Dativ-Singular-Endung -e wird heute kaum noch verwendet: dem Tag oder älter dem Tage.

• Im Dativ Plural steht gewöhnlich -n, soweit die Form es zulässt: den Tagen, Häusern, Jägern.

Bei der starken Deklination endet der Genitiv Singular von Maskulina und Neutra auf -(e)s. Der Plural kann auf -e oder -er enden, unverändert bleiben und einen Umlaut erhalten. Beispiele sind Baum – Baumes – Bäume, Wald – Waldes – Wälder, Schaf – Schafes – Schafe, Boden – Bodens – Böden und Jäger – Jägers – Jäger. Die Endung -er steht im Plural stets mit Umlaut, sofern ein umlautfähiger Vokal vorhanden ist. Welche Pluralform ein Substantiv besitzt, muss häufig mitgelernt werden.

Die schwache Deklination, auch N-Deklination genannt, verwendet bei Maskulina außerhalb des Nominativs Singular sowie im gesamten Plural -(e)n: der Bär, des Bären, dem Bären, den Bären; die Bären. Dazu gehören unter anderem Mensch, Held, Prinz, Student, Präsident, Biologe und Philosoph. Umgangssprachliche Formen wie dem Bär oder des Bärs weichen davon ab. Die meisten Feminina bilden ihren Plural ebenfalls mit -(e)n, bleiben aber im Singular unverändert: die Stirn – der Stirn – die Stirnen; die Birne – die Birnen. Dazu gehören auch Abstrakta auf -heit, -keit, -ion und -ung.

Gemischte Substantive flektieren im Singular stark und im Plural schwach: das Auge – des Auges – die Augen; der Staat – des Staates – die Staaten. Eine besondere Mischklasse kombiniert im Genitiv -ens mit sonstigen Formen auf -(e)n: der Name – des Namens – dem Namen – die Namen; das Herz – des Herzens – dem Herz(en) – die Herzen.

Manche Pluralformen unterscheiden Bedeutungen: Wörter sind einzelne Vokabeln, Worte eine inhaltlich gemeinte oder sorgfältige Folge von Einzelwörtern. Bänke sind Sitzgelegenheiten, Banken Geldinstitute.

Sonderfälle bei Substantiven und Pronomen

Abkürzungen können im Plural und bei Maskulina oder Neutra auch im Genitiv Singular -s erhalten: des PCs, die PCs; bei die CD lautet der Plural CDs. Fremdwörter werden teils deutschen Klassen zugeordnet, teils behalten sie fremde Formen. Wörter auf einem Vokal außer kurzem e haben häufig den Plural -s: Kameras, Büros, Cafés, Taxis. Daneben gibt es Formen wie Zentrum – Zentren, Museum – Museen, Praktikum – Praktika, Terminus – Termini, Genus – Genera und Klima – Klimata. Teilweise bestehen Varianten: Lexika/Lexiken, Atlanten/Atlasse, Visa/Visen oder Pizzen/Pizzas/Pizze.

Eigennamen haben gewöhnlich keinen Plural und erhalten im Genitiv meist -s: Moskaus, Mississippis, Peters Ziegen. Endet ein Personenname auf einen Zischlaut, ersetzt ein Apostroph das nicht hörbare s: Hans’, Max’, Fritz’. Gelegentlich steht -ens, etwa Fritzens. Pluralformen von Namen folgen keinen festen Regeln: alle Peter, alle Mäxe oder alle Veronikas. Besondere ältere Formen sind Petri, Jesu und Mariä. Die Verwendung eines unveränderten Nominativs in allen Fällen, etwa Betrieb der Deutsche Bahn statt Betrieb der Deutschen Bahn, wird von Sprachlehren abgelehnt.

Personalpronomen haben vielfach unterschiedliche Wortstämme: ich – meiner – mir – mich; du – deiner – dir – dich; wir – unser – uns – uns. In der 3. Person lauten wichtige Reihen er – seiner – ihm – ihn, sie – ihrer – ihr – sie und es – seiner – ihm – es. Das Reflexivpronomen sich existiert nur im Dativ und Akkusativ. Der Genitiv der Personalpronomen ist heute selten und steht vor allem bei bestimmten Verben: Er erinnert sich meiner; erbarme dich unser. In Verbindungen mit wegen entstehen Formen wie meinetwegen, deinetwegen, seinetwegen, unseretwegen und euretwegen.

Aufgaben der vier Kasus

Der Nominativ bezeichnet vor allem das Subjekt: Die Katze springt; der Schnee fällt. Er übernimmt außerdem die Funktion des Vokativs, also der Anrede: Komm, liebe Katze! Mit sein oder werden kann er Teil des Prädikats sein: Sie ist seine Sekretärin; sie werden arbeitslos sein.

Der Genitiv hat den größten Funktionsumfang. Er bezeichnet Besitz oder Zugehörigkeit: das Buch des Händlers, die Tür des Hauses. Er kann Objekt bestimmter Verben sein: Er wurde dieses Verbrechens beschuldigt. Außerdem folgt er hochsprachlich Präpositionen und präpositionalen Ausdrücken wie wegen, während, trotz, dank, kraft, mittels, zwecks, aufgrund, innerhalb und im Laufe sowie der Postposition halber. Er erscheint auch in festen Verbindungen mit Adjektiven oder als Genitivus absolutus, der einen Begleitumstand ausdrückt: erhobenen Hauptes, stehenden Fußes.

Umgangssprachlich wird der Genitiv häufig durch von plus Dativ oder andere Konstruktionen ersetzt: das Buch vom Händler, die Tür vom Haus. Bei wegen und trotz steht regional oft der Dativ. In der Standardsprache ist von plus Dativ unter anderem vor einem artikellosen, sonst unmarkierten Plural nötig: ein Zeitraum von Stunden, aber ein Zeitraum mehrerer Stunden.

Der Dativ steht hauptsächlich beim indirekten Objekt: Er gibt ihm den Schuh. Er bezeichnet auch subjektive Eindrücke: Es ist mir zu kalt. Dativ verlangen unter anderem mit, ab, aus, bei, nach, von, vor, zu und binnen. Die Wechselpräpositionen an, in, auf, unter, über, vor, hinter und neben stehen bei einer Ortsangabe mit Dativ.

Der Akkusativ bezeichnet vor allem das direkte Objekt transitiver Verben: Ich sehe dich. Er folgt für, ohne, durch, gegen, um und bis. Wechselpräpositionen stehen bei Richtung oder Bewegung mit Akkusativ: in das Haus, auf den Tisch.

Bei Appositionen gilt grundsätzlich Kasuskongruenz, wenn sie einen Artikel, ein Demonstrativ- oder Possessivpronomen oder ein Kalenderdatum enthalten: mit Klaus, ihrem Bruder; am Dienstag, dem 17. Juli 1945. Der verbreitete „appositive Dativ“ nach Genitiv oder Akkusativ ist nicht standardsprachlich. Ohne Artikelwort kann eine Apposition dagegen im Nominativ stehen. Bei Datumsreihungen schwankt der Gebrauch; ihre Bewertung ist umstritten.

Adjektive und Wortgruppenflexion

Meist werden ganze Nominalphrasen dekliniert. Hauptmerkmalträger ist das am weitesten links stehende Element mit einer Endung; es zeigt Kasus, Numerus und Genus besonders deutlich. Weitere Elemente sind Nebenmerkmalträger. Beispiele sind weicher blauer Stoff, ein weicher blauer Stoff und der weiche blaue Stoff.

Attributive Adjektive, die sich auf ein Substantiv beziehen, werden dekliniert: ein kleiner Hund. Adverbiale und prädikative Adjektive bleiben unverändert: Er läuft schnell; der Hund ist klein. Ebenfalls oft unflektiert sind Farbwörter wie orange, lila und rosa, Adjektive auf Vollvokal wie prima und sexy, geographische Bildungen auf -er wie Bremer sowie bestimmte feste oder nachgestellte Verbindungen wie Forelle blau und tausend Euro bar.

Die zentrale Regel lautet: Steht vor dem Adjektiv bereits ein Artikelwort mit deutlicher Flexionsendung, wird das Adjektiv schwach flektiert; sonst stark. Daher heißt es dieser blaue Hut, aber blauer Hut und ein blauer Hut. Die starke Flexion trägt selbst die wesentlichen Merkmale: kalter Kaffee, kaltes Wasser, kalte Milch, kalte Getränke; mit kaltem Kaffee; wegen kalter Milch. Bei der schwachen Flexion gibt es nur -e und -en: der kalte Kaffee, das kalte Wasser, die kalte Milch, aber die kalten Getränke. -en steht in allen Pluralformen, allen Dativ- und Genitivformen sowie im Akkusativ Singular Maskulinum.

Folgen mehrere selbstständige Adjektivattribute, werden alle dekliniert: weiße, blaue und graue Hemden; sein altes blaues Hemd. Bezieht sich ein Wort enger auf das folgende Adjektiv, bleibt es unverändert: ein entsetzlich kalter Wind. Auch bei Komposita richtet sich das Adjektiv nach der gesamten Verbindung: ein steinerner Brückenpfeiler.

Adjektive auf -el, -er oder -en können vor einer vokalisch beginnenden Endung ein unbetontes e verlieren: dunkel – dunkler, illuster – illustre, zerbrochen – zerbroch(e)ner. Das einzige unregelmäßig deklinierte deutsche Adjektiv ist hoch: hohe, hoher, hohes, aber am höchsten. Komparativ und Superlativ werden wie der Positiv flektiert: der kleine, kleinere, kleinste Hund.

Artikelwörter, Zahlwörter und schwankende Formen

Artikelwörter oder Determinativa umfassen unter anderem der, ein, mein, dieser, jener, welcher, alle, jeder, beide, einige, manche und solche. Sie können wie Adjektive vor einem Substantiv oder selbstständig stehen. Ihre Form entscheidet häufig über die Adjektivendung.

Nach dem bestimmten Artikel sowie nach dieser und jener steht das Adjektiv schwach: der kalte Kaffee, dieses kalte Wasser, diese kalten Getränke. Im Genitiv Maskulinum und Neutrum ist bei dieser die Form auf -es korrekt; daneben wird zunehmend -en gebraucht. Flektiertes all verlangt ebenfalls schwache Adjektive: aller kalte Kaffee, alle kalten Getränke. Beide besitzt nur Pluralformen und wird als Hauptmerkmalträger stark, sonst schwach flektiert: beide kalten Getränke, diese beiden kalten Getränke. Jeder hat nur Singularformen.

Ein, kein und die possessiven Artikelwörter mein, dein, sein, ihr, unser und euer sind in manchen Formen endungslos. Dann muss das Adjektiv die starke Endung tragen: ein kalter Kaffee, mein kaltes Wasser. Wo das Artikelwort eine Endung besitzt, folgt die schwache Form: meines kalten Wassers, mit meiner kalten Milch, meine kalten Getränke.

Bei Wörtern wie folgende, solche, manche, viele und sämtliche schwankt die folgende Adjektivflexion teilweise. Möglich sind etwa folgender wichtiger/wichtige Hinweis, solcher kalter/kalte Kaffee und manche wichtige/wichtigen Einzelheiten. Nach viele wird das Adjektiv im Allgemeinen stark flektiert; im Neutrum kommt auch schwache Flexion vor. Andere, wenige, einige und etliche verhalten sich selbst wie Adjektive: anderer kalter Kaffee, andere kalte Getränke. Endungslose Formen wie manch junge Frau, solch großer Aufwand, welch kühner Schwung sowie viel oder wenig kaltes Wasser verlangen ein starkes Adjektiv.

Etwas, nichts, genug, dessen, deren, wessen und Bildungen auf -erlei werden nicht adjektivisch flektiert; nach ihnen steht das Adjektiv stark: etwas grüner Tee. Jemand, irgendjemand und niemand schwanken zwischen substantivischer und adjektivischer Flexion. Standardsprachlich heißt es jemand Unbekanntes, mit jemand Unbekanntem und für jemand Unbekanntes; daneben bestehen umgangssprachliche Varianten.

Kardinalzahlen bleiben meist unverändert: in drei Häusern. Zwei bis zwölf erhalten im artikellosen Genitiv -er: die Kinder zweier Menschen; nachfolgende Adjektive stehen stark: zweier glücklicher Menschen. Der substantivische Dativ von eins bis zwölf endet auf -en: In zweien brennt es. Eins wird attributiv wie der unbestimmte Artikel und substantivisch wie ein Adjektiv dekliniert.

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