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Flamen (Religion)

Ein Flamen (Plural: flamines) war in der altrömischen Religion der Einzel- und Opferpriester einer bestimmten Gottheit. Die Aufgabe der flamines war die …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundfunktion
  2. 2. Arten der Flamines
  3. 3. Stellung und Ernennung
  4. 4. Soziale Voraussetzungen
  5. 5. Kaiserzeit und Sonderformen
  6. 6. Rituelle Regeln

Grundfunktion

Ein Flamen, Plural flamines, war in der altrömischen Religion ein Einzel- und Opferpriester, der einer bestimmten Gottheit zugeordnet war. Seine Hauptaufgabe war es, diesen Gott oder diese Göttin durch festgelegte Kulthandlungen zu ehren, zum Beispiel durch Trankopfer. Im Vergleich zu Ritualen, die von Magistraten oder Zeichendeutern durchgeführt wurden, hatten die Kulthandlungen der flamines nur geringes politisches Gewicht.

Arten der Flamines

Es gab drei große Flamines, die flamines maiores. Sie waren seit frührömischer Zeit für Jupiter, Mars und Quirinus zuständig: der Flamen Dialis für Jupiter, der Flamen Martialis für Mars und der Flamen Quirinalis für Quirinus. Zu Beginn des Prinzipats kam der Flamen Divi Iulii hinzu, der für den als Divus Iulius vergöttlichten Gaius Iulius Caesar zuständig war.

Daneben gab es zwölf flamines minores für weitere Gottheiten. Genannt werden unter anderem Priester der Furrina, Carmenta, des Vulcanus, der Ceres, des Portunus, des Volturnus, der Palatua, der Flora und der Pomona. Nicht alle zugehörigen Gottheiten sind sicher überliefert; beim Flamen Falacer wird ein Zusammenhang mit dem sabinischen Ort Falacrinae vermutet, zwei weitere Flamines sind nur unsicher mit Lucularis oder Virbialis verbunden.

Stellung und Ernennung

Alle flamines gehörten zum Kollegium der pontifices, also zu einer wichtigen Priestergruppe, und wurden von ihr beaufsichtigt. Trotzdem waren sie keine kollegial organisierten Priester wie etwa die haruspices, augures oder quindecimviri sacris faciundis. Sie waren jeweils als Einzelpriester einer bestimmten Gottheit oder einem bestimmten Tempel zugewiesen.

Die Bestellung zum Priester galt auf Lebenszeit. Eine Ausnahme betraf den Flamen Dialis: Er musste beim Tod seiner Frau zurücktreten. Die flamines wurden vom pontifex maximus ernannt, während andere Priesterschaften ihre Mitglieder durch Kooptation ergänzten, also durch Aufnahme neuer Mitglieder aus eigener Entscheidung.

Soziale Voraussetzungen

Die römischen Priester bildeten keine völlig abgeschlossene Gruppe wie etwa eine Kaste. Grundsätzlich konnte eine große Zahl römischer Bürger Priester werden. In der Praxis brauchte ein Bewerber aber politisches Gewicht und musste meist einflussreichen senatorischen Familien angehören oder ihnen nahestehen.

Die flamines maiores mussten aus dem Patriziat stammen, also aus der alten römischen Oberschicht. Die flamines minores waren Plebejer oder in der Kaiserzeit Equites. Für alle flamines maiores galt außerdem: Ihre Eltern mussten mit dem Ritus der confarreatio verheiratet worden sein. Auch die designierten flamines maiores selbst mussten nach diesem alten Ritus verheiratet sein. Die Ehefrau eines Flamen hieß Flaminica.

Kaiserzeit und Sonderformen

Nach der Apotheose des Divus Augustus unter Kaiser Tiberius wurden auch für vergöttlichte Angehörige des Kaiserhauses, die divi, nach ihrem Tod eigene Flamines eingesetzt. Diese hießen flamines divorum.

Der ursprüngliche Flamen Divi Iulii, also der Priester des vergöttlichten Iulius Caesar, gehörte zu den flamines maiores. Durch die Privilegien seines Amtes war er dem Flamen Dialis vergleichbar, besaß aber größere politische Freiheiten. Außerdem gab es Flamines auch im Kollegium der Arvalbrüder und in einigen Städten des Römischen Reiches.

Rituelle Regeln

Das Leben der Flamines war durch strenge rituelle Vorschriften geregelt. Besonders stark betroffen war der Flamen Dialis. Er musste zum Beispiel unter freiem Himmel immer seine rituelle Kopfbedeckung tragen, die aus Galerus und Apex bestand. Die anderen Flamines mussten diese Kopfbedeckung nur bei rituellen Handlungen tragen.

Die Herkunft des Wortes flamen ist unklar. Varro leitete es von filum, also „Faden“, ab und bezog es auf den Wollfaden oder das wollene Band am Apex. Georges Dumézil stellte eine Verbindung zu Brahman, der Bezeichnung indischer Priester, her. Andere Deutungen leiten das Wort von indogermanisch *flad(s)men und gotisch blotan, „verehren“, ab.

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